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Lee Miller in Uniform, London 1944
Lee Miller in Uniform, London 1944

Buchempfehlungen der Bibliothek

Elisabeth Bronfen, Daniel Kampa (Hrsg.): Eine Amerikanerin in Hitlers Badewanne. Drei Frauen berichten über den Krieg: Marta Gellhorn, Lee Miller, Margaret Bourke-White. Hamburg, 2015

Kanonenhagel über Moskau, Bomberangriffe gegen Rommels Einheiten in Tunesien, der Vormarsch der Alliierten in Italien, der D-Day und die Befreiung des KZ Buchenwald: Im Zweiten Weltkrieg akkreditierten die amerikanischen Streitkräfte die ersten Frauen als Reporterinnen, welche nun an vorderster Front über das Kriegsgeschehen berichteten. Denn auch an der Heimatfront sollten Frauen für die Kriegsanstrengungen gewonnen werden. So kam es, dass in Hochglanz- und Frauenmagazinen wie Vogue neben Modestrecken illustrierte Reportagen über die Ereignisse des Krieges abgedruckt wurden.
Zu den bekanntesten Journalistinnen zählten die drei Amerikanerinnen Lee Miller, Martha Gellhorn und Margaret Bourke-White, deren wichtigste Texte und Fotos – viele davon in Deutschland unbekannt – Elisabeth Bronfen zusammengestellt hat.

Thomas Fenner: Flaggschiff Nescafé – Nestlés Aufstieg zum grössten Lebensmittelkonzern der Welt. Baden, 2015

Nescafé, Nestea, Nesquik: Rund um den Globus trinken Menschen in zunehmendem Masse dieselben Markenprodukte. Manche sprechen in diesem Zusammenhang von einer weltweiten Vereinheitlichung der Alltagskultur, die von Weltmarken und multinationalen Konzernen gesteuert wird.
Der aus Burgdorf stammende Historiker Thomas Fenner geht in seiner Dissertation diesen globalen Transformationsprozessen exemplarisch am Beispiel von Nestlé und Nescafé nach. Er dokumentiert erstmals die Geschichte des Nescafés als wertvollste Marke der Schweiz und bedeutendste Kaffeemarke weltweit. Über Markenprodukte wie Nescafé, Nestea und Nesquik verbindet er Nestlés Aufstieg zum grössten Lebensmittelkonzern der Welt mit dem Wandel unserer Konsumgewohnheiten und schildert das Zusammenspiel zwischen globalen Markenprodukten und lokalem Konsumverhalten.

Susanna Grogg: Heimatlos in der Heimat – Magdalena Hirschi, geborene Rolli, 1784-1846. Eine Lebens- und Dorfgeschichte. Bern, 2015

Magdalena Hirschi sehnt sich nach Geborgenheit und Wärme. Sie möchte gerne eine Familie gründen. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts stellen sich jungen Leuten aus einfachen Verhältnissen viele Hürden in den Weg. Obwohl dank Napoleon frischer Wind sogar bis nach Bern weht, liegt die Freiheit doch nur in der Luft und wird nicht Wirklichkeit. Das Ancien Regime regiert uneingeschränkt weiter. Kirche und Staat halten die Menschen im Griff, entscheiden und verfügen über sie. Das trifft auch die Dienstmagd Magdalena hart, denn ihr Mann, der sich in Frankreich Napoleons Truppen angeschlossen hat, kehrt nie wieder zurück.
Susanne Grogg hat den Lebenslauf von Magdalena Hirschi anhand von Dokumenten im Kirchen- und Pfarrarchiv Albligen rekonstruiert. Die Geschichte zeigt das Schicksal einer alleinerziehenden Mutter im 19. Jahrhundert, deren Wunsch nach Bildung und sozialem Aufstieg unerfüllt bleibt.

19. November 2015, 19.00 Uhr: Aktive Archive

Videos aus urbanen Bewegungen besser nutzen

Videos von sozialen Bewegungen erfüllen über ihren Aktualitätsgehalt hinaus wichtige Funktionen: Sie sind Teil einer Erinnerungskultur, die wegen der Flüchtigkeit der digitalen Medien ernsthaft bedroht ist. Archive können einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung von audiovisuellem Kulturgut leisten, indem sie das Material dauerhaft sichern und öffentlich zugänglich machen.

Die Veranstaltung "Aktive Archive" möchte folgende Fragen aufwerfen: Unter welchen Bedingungen können Archive ihre Aufgaben optimal erfüllen? Gibt es Vorbehalte von Videoschaffenden gegen die Archivierung ihrer Werke? Und wer interessiert sich für Videos und andere Dokumente aus urbanen Bewegungen?

Mit Beiträgen von:

Mischa Brutschin
(Herausgeber der filmischen Dokumentation "Allein machen sie dich ein")
Thomas Niederberger
(Ethnologe und Journalist, Autor einer Radiodokumentation über das Labitzke-Areal)
Dominique Rudin
(Verfasser einer Dissertation über das Videoarchiv "Stadt in Bewegung")
Moderation: Heinz Nigg und Stefan Länzlinger

Donnerstag, 19. November 2015, 19.00 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

> Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 771 KB)

Der Eintritt ist frei, eine Reservation ist nicht nötig.

"Aktive Archive" ist eine Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Film in Bewegung" von Konzeptbüro Rote Fabrik und AV-Productions Nigg in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Sozialarchiv.

26. November 2015, 19.00 Uhr: ICF

Erfahrungen eines Fotografen

Die Freikirche "International Christian Fellowship" (ICF) wurde 1990 in Zürich gegründet. Als Alternative zu den offiziellen Landeskirchen zieht sie vor allem Jugendliche in ihren Bann. Während eines Jahres hat der Fotograf Christian Lutz die Veranstaltungen des ICF begleitet. Aufgrund von Klagen wegen Verletzung des Persönlichkeitsrechts musste der Verkauf des bereits gedruckten Buches gestoppt werden.
Christian Lutz präsentiert eine Auswahl seiner Fotos und spricht über seine Erfahrungen mit der Freikirche.

Christian Lutz, Fotopräsentation

Andreas Schwab, Moderation

Donnerstag, 26. November 2015, 19.00 bis 20.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

Letzter Anlass der Veranstaltungsreihe "Wege zum Glück? – Utopien und alternative Lebensformen gestern und heute".

> Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 59 KB)

Der Eintritt ist frei, eine Reservation ist nicht nötig.

Das Schweizerische Sozialarchiv führt seit 2010 die Reihe "Gast im Sozialarchiv" durch. Eingeladene Fachpersonen begleiten während eines Jahres die Öffentlichkeitsarbeit des Sozialarchivs und entwickeln eine Veranstaltungsreihe zu einem aktuellen, sozial und historisch relevanten Thema.
Gast im Sozialarchiv 2015 ist Andreas Schwab. Der Historiker setzt sich in seinen Publikationen und als Ausstellungskurator mit Utopien und alternativen Lebensformen auseinander.
Immer wieder suchen Menschen und Gruppierungen nach anderen Formen des
Zusammenlebens und der Gemeinschaft. Zwar scheitern viele solche Experimente, eine beachtliche Zahl kann sich aber auch etablieren und über Jahrzehnte Bestand haben. Sämtlichen Versuchen ist gemeinsam, dass sie traditionelle wirtschaftliche, soziale oder religiöse Strukturen aufbrechen. Das Neue, das dabei entsteht, polarisiert und fasziniert gleichermassen.
Die Veranstaltungsreihe "Wege zum Glück?" stellt einige dieser alternativen
Gemeinschaften vor und fragt nach Chancen und Risiken solcher Projekte.

Plakat von Max Bill für Amnesty International im Rahmen der Kampagne «Prisoners of Conscience Year 1977», 1977 (Signatur: Sozarch_F_Pd-0618)
Plakat von Max Bill für Amnesty International im Rahmen der Kampagne "Prisoners of Conscience Year 1977", 1977 (Signatur: Sozarch_F_Pd-0618)

Bild + Ton: Plakate von Amnesty International Schweiz

Plakate sind seit der Gründung 1961 ein wichtiges Kommunikationsmittel in der Öffentlichkeitsarbeit von Amnesty International. Das Schweizerische Sozialarchiv hat mit dem Archiv auch die Plakatsammlung der Schweizer Sektion von Amnesty International übernommen. Die Sammlung umfasst zahlreiche Plakate unterschiedlicher Formate.

Der Schwerpunkt der Plakate liegt klar auf den Kampagnen der Schweizer Sektion von Amnesty International. Diese betreffen Themen wie die Menschenrechte, die Rechte der Frau, Folter, die Todesstrafe, Gewissensgefangene, gewaltsames Verschwinden von Andersdenkenden, politischen Mord, politische Gewalt, Kriegsverbrechen, Waffenhandel, Flüchtlinge, Sklaverei und Schutz von Minderheiten. Dabei werden Missstände in den unterschiedlichsten Ländern aller Kontinente angeprangert. Einzelne Plakate kündigen zudem Veranstaltungen der Schweizer Sektion an oder werben neue Mitglieder an.

Bei der überwiegenden Zahl der Plakate bedient sich die visuelle Gestaltung der Mittel der Fotografie, Grafik und/oder Zeichnung. Die Fotografien zeigen dabei oft Kriegs- oder andere Gewaltschauplätze. Nicht selten werden Abbildungen von Gewissensgefangenen oder anderen Opfern politischer Gewalt verwendet. Einige Plakate setzen neben den bildlichen Gestaltungsmitteln zusätzlich erklärende Textelemente ein, und vereinzelt wird die Botschaft ausschliesslich mit Text vermittelt.

Unter den Plakaten finden sich auch Exemplare, die von bekannten Künstlern wie Pablo Picasso oder Max Bill für Amnesty International im Rahmen von speziellen Kampagnen wie zum Beispiel  das "Prisoners of Conscience Year 1977" gestaltet wurden.

Erkennungszeichen der «Freundinnen junger Mädchen»
Erkennungszeichen der "Freundinnen junger Mädchen"

Neu im Archiv: Im Kampf gegen den Mädchenhandel

Der Verein "Freundinnen junger Mädchen"/COMPAGNA Zürich

Industrialisierung und Landflucht führten im ausgehenden 19. Jahrhundert dazu, dass junge Frauen in Scharen in die Städte strömten. Sie suchten als Dienstmädchen, Gouvernanten, Verkäuferinnen oder Fabrikarbeiterinnen ein Auskommen. Ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse waren häufig sehr prekär. Viele von ihnen landeten aus unmittelbarer Not oder in der Hoffnung auf höheren Verdienst und ein leichteres Leben, nicht selten aber auch gezwungen von Mädchenhändlern oder Kneipenwirten, in den Bordellen oder in der Strassenprostitution. Dieses neue gesellschaftliche Phänomen führte dazu, dass in allen grösseren Schweizer Städten Sittlichkeitsvereine wie Pilze aus dem Boden schossen.

Zu den zahlreichen Neugründungen gehört auch der Internationale Verein der "Freundinnen junger Mädchen" (FjM), der 1877 in Genf gegründet wurde. Die Gründung erfolgte unmittelbar im Anschluss an den ersten Kongress der Internationalen Abolitionistischen Föderation, der eben in Genf stattgefunden und Fragen der öffentlichen Moral und Sittlichkeit verhandelt hatte. Auf diesem Kongress waren die Teilnehmer mit den Schicksalen "beklagenswerte(r), jammervolle(r) Opfer eines organisierten, raffiniert operierenden, internationalen Handels" konfrontiert worden, "welcher auf Bahnhöfen, in Eisenbahnzügen, auf Dampfbooten, sowie durch schlimme Stellenvermittlungen, trügerische Inserate usw. seine verhängnisvollen Netze auswirft und für welchen Herr Pfarrer Th. Borel in Genf zum erstenmal das Wort Traite des Blanches, Mädchenhandel, prägte." [Schweizerischer Zweig des Internat. Vereins der Freundinnen junger Mädchen. Erster Gesamtbericht 1886-1916, 1916, S. 5]. 1886 wurde der Schweizer Zweig der Freundinnen junger Mädchen gegründet und bis 1916 entstanden 22 Kantonal-Komitees, darunter 1887 die Zürcher Sektion. Ein siebenzackiger Stern im Schild des Heiligen Michael und die Buchstaben A und F für "Amie" (Freundin) und "Fille" (Mädchen) wird das Erkennungszeichen der "Freundinnen".

Das Sozialarchiv kann nun das historische Archiv der Zürcher Sektion der Freundinnen junger Mädchen (seit 1999: COMPAGNA Zürich) übernehmen. Der Archivbestand dokumentiert die praktische Arbeit im präventiven Schutz vor den Gefahren der Prostitution, beispielsweise die Betreuung junger Frauen bei der Ankunft in der Stadt im Rahmen der sogenannten Bahnhofhilfe, die Unterstützung bei der Stellenvermittlung oder das Angebot preisgünstiger Unterkünfte im Marthahaus an der Zähringerstrasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam dann die Vermittlung von Aupair-Stellen hinzu, und mit der Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wandelte sich auch die traditionelle Bahnhofhilfe, die immer mehr auch fremde, ältere oder allgemein unsicher wirkende Personen unterstützte. Speziell hervorzuheben ist der umfangreiche Bestand an Fotodokumenten und Objekten, der bis in die Anfänge der Zürcher Sektion zurückreicht.

Das Archiv von COMPAGNA Zürich (Freundinnen junger Mädchen, Sektion Zürich) wird in den nächsten Wochen geordnet und verzeichnet und steht für die wissenschaftliche Forschung ab Anfang 2016 zur Verfügung (SozArch Ar 591).

Neu: Thematische Erschliessung der laufenden Zeitschriften

Alle laufenden Zeitschriftentitel sind neu mit den Sachgruppen des Sozialarchivs und mit GND-Schlagwörtern erfasst (GND = Gemeinsame Normdatei). Damit lassen sich nun auch Titel finden, bei denen die Thematik nicht aus den formalen Angaben wie etwa dem Titel ersichtlich wird.

1) Zuteilung nach Sachgruppen

Die Gliederung nach Sachgruppen kennen Sie bereits aus unseren Zuwachslisten. Es handelt sich dabei um die Themenbereiche, nach denen der Neuzugang an Monografien im Sozialarchiv jeweils geordnet ist. Waren früher die neuen Zeitschriften lediglich unter der Rubrik "Periodika" aufgelistet, sehen Sie nun auf einen Blick sowohl die Monografien als auch die Zeitschriftentitel, die in den jeweiligen Themenbereichen neu erworben wurden.

Da es oft nicht ganz einfach ist, eine Zeitschrift genau und nur einem Thema zuzuordnen, werden bei den Periodikatiteln bis zu zwei Sachcodes vergeben.  Dadurch kann es vorkommen, dass Sie auf der Zuwachsliste einen Titel zwei Mal vorfinden. (Die SP-Zeitschrift "Radiisli" erscheint z.B. sowohl bei "07 – Politik Schweiz" als auch bei "11 – politische Parteien".)

Die thematische Erschliessung der laufenden Zeitschriften ermöglicht zudem die Generierung von Listen im NEBIS-Katalog. Wenn Sie zum Beispiel alle Titel einer entsprechenden Sachgruppe haben möchten, können Sie den Code "E19" (steht für Sozialarchiv) in Kombination mit der jeweiligen Nummer des Themenbereichs eingeben.

Beispiel: Themenbereich "Familie, Jugend, Alter" → "E1902". (Für die Codes der anderen Sachgruppen siehe die Nummerierung auf der Zuwachsliste.)
Stellen Sie zuerst folgende Filter ein, um die Suche einzuschränken:

  • bei den "Medien" den Filter "Zeitschriften" und
  • bei den "Bibliotheken" den Filter "Schweizerisches Sozialarchiv".

2) Zuteilung nach GND

Die Erschliessung mit GND-Schlagwörtern ermöglicht Ihnen ausserdem neu, thematisch nach den Zeitschriften im NEBIS-Katalog zu suchen. Bei den GND-Schlagwörtern handelt es sich um eine Normdatei für Personen, Körperschaften, Kongresse, Geografika, Sachschlagwörter und Werktitel, die vor allem von Bibliotheken zur Erschliessung ihrer Medien verwendet wird.
GND-Schlagwörter können Sie einfach in den Suchschlitz eingeben, und die passenden Titel werden angezeigt.

Beispiel: Laufende Zeitschriften zum Thema "Partei", "Mitte".
Stellen Sie zuerst folgende Filter ein, um die Suche einzuschränken:

  • bei den "Medien" den Filter "Zeitschriften",
  • bei den "Bibliotheken" den Filter "Schweizerisches Sozialarchiv" und
  • bei den "Feldern", die durchsucht werden sollen, den Filter "als Thema".

In der Ergebnisliste finden Sie anschliessend die Zeitschriften der CH-Mitteparteien FDP und CVP.

Bei Fragen können Sie sich jederzeit gerne an das Personal am Informationsschalter wenden.

Die deutschen Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg (l.) und Lida Gustava Heymann (r.) organisierten im April 1915 einen grossen Frauenfriedenskongress im Haag und lebten von 1933 bis 1943 im Exil in Zürich (Sozarch_F_Fb-0007-08)
Die deutschen Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg (l.) und Lida Gustava Heymann (r.) organisierten im April 1915 einen grossen Frauenfriedenskongress im Haag und lebten von 1933 bis 1943 im Exil in Zürich (Sozarch_F_Fb-0007-08)

Vor 100 Jahren: Konferenzen gegen den Krieg

"Mehr als ein Jahr dauert der Krieg. Millionen von Leichen bedecken die Schlachtfelder, Millionen von Menschen wurden für ihr ganzes Leben zu Krüppeln gemacht. Europa gleicht einem gigantischen Menschenschlachthaus […] Euch allen, die ihr vom Kriege und durch den Krieg leidet, rufen wir zu: Über die Grenzen, über die dampfenden Schlachtfelder, über die zerstörten Städte und Dörfer hinweg, Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" Mit diesen Worten wandte sich im Herbst 1915 eine linkssozialistische Gruppierung an die europäische Arbeiterschaft, die bald unter dem Namen "Zimmerwalder Bewegung" bekannt werden sollte, benannt nach dem Dorf im Berner Mittelland, in dem sie sich vom 5. bis 8. September 1915 getroffen hatte. Die als ornithologische Versammlung getarnte Zimmerwalder Konferenz, deren hundertster Jahrestag diesen Herbst mit Anlässen und Publikationen gebührend begangen wurde, war indessen keineswegs der einzige Antikriegskongress des Jahres 1915. Vielmehr fand im Jahr 1 nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges in verschiedenen neutralen Ländern eine ganze Reihe pazifistischer Zusammenkünfte statt, die in der Erinnerung weniger präsent geblieben sind, in den Beständen des Schweizerischen Sozialarchivs indessen ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben. Sie zeugen einerseits von gegenhegemonialem Denken und Handeln in der Kriegssituation, verdeutlichen andererseits aber auch die ideologische Zersplitterung der Friedensbewegungen, die seit ihrer Herausbildung im späten 19. Jahrhundert deren Schlagkraft geschwächt hatte.

Die Zweite Internationale, die sich im Vierteljahrhundert ihres Bestehens immer wieder mit der Frage der Kriegsverhinderung auseinandergesetzt und im November 1912 in Basel einen grossen Friedenskongress abgehalten hatte, brach im August 1914, als die meisten sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien Europas die Kriegsanstrengungen ihrer Regierungen offiziell zu unterstützen begannen, weitgehend zusammen. Allerdings gab es schon wenige Wochen darauf seitens der Arbeiterparteien der neutralen Länder Bestrebungen, die Internationale als Organisation der Völkerverständigung wieder aufzubauen. So fand am 27. September 1914 in Lugano ein Treffen der Geschäftsleitungen der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz und des Partito Socialista Italiano statt, das einen Aufruf zur Reanimierung der Internationale und zur Zusammenarbeit der sozialistischen Parteien der neutralen Staaten beim Kampf gegen den Krieg lancierte. Im folgenden Monat führte Pieter Jelles Troelstra, Fraktionsvorsitzender der niederländischen Sozialdemokraten und vor und nach dem Krieg Benutzer des Sozialarchivs, auf einer Reise durch mehrere Länder Gespräche mit deutschen, schwedischen, dänischen, schweizerischen und russischen Genossen über eine Reorganisation des Internationalen Sozialistischen Büros (ISB). Dieses wurde im November 1914 vom kriegsversehrten Belgien in die neutralen Niederlande verlegt. Im Januar 1915 trafen sich in Kopenhagen Vertreter der niederländischen und skandinavischen Arbeiterparteien. Ein Treffen der Arbeiterparteien aller neutralen Länder, wie es auch die SPS für das Frühjahr 1915 in Zürich projektierte, kam aber nicht zustande.

Was den Männern nicht gelang, glückte den Frauen: Vom 26. bis 28. März 1915 fand in Bern die massgeblich von Clara Zetkin organisierte "Internationale Konferenz sozialistischer Frauen gegen den Krieg" statt. Sie ersetzte die dritte sozialistische Frauenkonferenz, die 1914 in Wien im Anschluss an den Kongress der Zweiten Internationale hätte stattfinden sollen und wegen des Kriegsausbruchs abgesagt werden musste. An dem Treffen beteiligten sich 25 Frauen aus Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Russland, Polen, den Niederlanden, Italien und der Schweiz. Damit waren auch Vertreterinnen aus beiden kriegführenden Lagern vertreten, allerdings nicht als offizielle Delegierte ihrer Parteien. An der Konferenz zeigten sich bereits dieselben Differenzen, die dann auch an den Zusammenkünften von Zimmerwald und Kiental wieder zutage treten sollten: Der pazifistischen Mehrheit stand eine revolutionäre Minderheit gegenüber, die den Weltkrieg als Sprungbrett für einen gewaltsamen Umsturz zu benutzen trachtete. Diese im Wesentlichen auf die russischen und polnischen Delegierten beschränkte Fraktion wurde von Lenin dirigiert, der während der ganzen Frauenkonferenz von einem nahen Café aus Instruktionen erteilte. Die Konferenz verabschiedete schliesslich einstimmig ein Manifest, das von den sozialistischen Parteien die Einhaltung der pazifistischen Vorkriegsbeschlüsse der Zweiten Internationale verlangte und die Arbeiterinnen aller Länder zum Kampf gegen den Krieg aufrief: "Die ganze Menschheit blickt auf euch, ihr Proletarierinnen der kriegführenden Länder. Ihr sollt die Heldinnen, ihr sollt die Erlöserinnen werden!"

Eine Woche später tagte ebenfalls in Bern eine internationale Konferenz der Sozialistischen Jugend mit Delegationen aus Deutschland, Dänemark, Bulgarien, Italien, Norwegen, Polen, den Niederlanden, Russland, Schweden und der Schweiz. Wiederum instruierte Lenin die Delegierten seiner Fraktion von einem Restaurant aus, aber wiederum blieb seine Position gegenüber den grundsätzlichen Kriegsgegnern in der Minderheit. Die Konferenz initiierte die Publikation der Zeitschrift "Jugend-Internationale", etablierte ein internationales Büro in Zürich und wählte Willi Münzenberg zum Sekretär der Jugend-Internationale.

Zur selben Zeit regte sich auch die nichtsozialistische Friedensbewegung. Im April 1915 fand im Haag ein von der niederländischen Friedensbewegung organisierter internationaler Kongress statt, an dem die "Central Organization for a Durable Peace" entstand, die Mitglieder aus neun europäischen Ländern repräsentierte und Ideen für einen dauerhaften Frieden, eine "neue Diplomatie" und kollektive Sicherheit entwickelte. Diese Vorstellungen sollten 1918 teilweise in das berühmte 14-Punkte-Progamm des US-Präsidenten Woodrow Wilson eingehen und nach Kriegsende dann in die Satzung des neu gegründeten Völkerbunds aufgenommen werden.

Wenige Tage später kam ebenfalls im Haag ein grosser Frauenfriedenskongress mit 1’136 Teilnehmerinnen aus zwölf Ländern zusammen. Zu den Initiatorinnen dieser Konferenz gehörte die deutsche Frauenrechtlerin und Pazifistin Lida Gustava Heymann, die dann von 1933 bis zu ihrem Tod 1943 im Zürcher Exil leben und zu einer regelmässigen Benutzerin des Sozialarchivs werden sollte. Der Frauenfriedenskongress formulierte einen Forderungskatalog, der unter anderem den sofortigen Friedensschluss ohne Annexionen, die Einrichtung eines ständigen internationalen Gerichtshofes und einer internationalen Organisation zur Friedenssicherung, die weltweite Kontrolle des Waffenhandels sowie eine neue Weltwirtschaftsordnung beinhaltete. Im Weiteren gründete der Kongress einen "Internationalen Ausschusses für dauernden Frieden", der 1919 in Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit" (IFFF) umbenannt werden sollte. Die Akten der bis 1998 bestehenden Schweizer Sektion der IFFF befinden sich heute im Sozialarchiv. Nach dem Haager Kongress reisten zwei Frauendelegationen durch Europa und führten Gespräche mit den Vertretern von 13 Regierungen sowie dem Papst. Zwei führende amerikanische Kongressteilnehmerinnen sollten später mit dem Friedensnobelpreis geehrt werden, die Sozialwissenschaftlerin und Journalistin Jane Addams im Jahre 1931 und die Ökonomin Emily Greene Balch im Jahre 1946.

Im sozialistischen Lager gingen die Bestrebungen, einen Antikriegskongress abzuhalten, ebenfalls weiter. Nachdem sich im Mai 1915 das Projekt eines Treffens von Arbeitervertretern der neutralen Staaten zerschlagen hatte, berief Robert Grimm auf den 11. Juli eine Besprechung nach Bern ein, an der neben ihm selbst je zwei Vertreter Italiens, Polens und Russlands teilnahmen. Vom 5. bis 8. September 1915 fand dann in Zimmerwald die Tagung linkssozialistischer Kriegsgegner statt, an der Delegierte aus Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, Polen, Rumänien, Bulgarien, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und der Schweiz teilnahmen. Die Konferenz wählte eine Internationale Sozialistische Kommission (ISK). Das Schlussmanifest forderte im Sinne der pazifistischen Mehrheit den "Kampf für den Frieden", betonte aber als Zugeständnis an die revolutionäre Minderheit um Lenin auch die Wichtigkeit des "unversöhnlichen proletarischen Klassenkampfes". Lenin und seine Fraktion, die sogenannten "Zimmerwalder Linke", stimmten dem Text schliesslich zwar zu, fügten aber ihre radikaleren Ansichten in einem Zusatzprotokoll bei. In der Schlussabstimmung bat Grimm die Delegierten, ihre Zustimmung durch Erheben von den Sitzen zum Ausdruck zu bringen. Als sich alle erhoben hatten, brach Jubel aus, und es wurde die "Internationale" angestimmt.

Fast zeitgleich trafen sich in Kopenhagen Vertreter der niederländischen und skandinavischen Arbeiterparteien. Sie lehnten die Zimmerwalder Bewegung und das ISK als Konkurrenz zum ISB ab. Der Konflikt zwischen diesen beiden Gruppen schwelte in den folgenden Jahren ebenso weiter wie der Gegensatz zwischen den beiden Fraktionen der Zimmerwalder Bewegung, die anlässlich der Folgekonferenz von Kiental im April 1916 erneut aufbrachen und bereits auf die Spaltung der internationalen Arbeiterbewegung nach Kriegsende hindeuteten. Umso weniger war an einen internationalen Schulterschluss mit dem nichtsozialistischen Pazifismus zu denken, obgleich sich im Verlauf des Krieges in einzelnen Ländern die sozialistischen und bürgerlichen Friedensorganisationen teilweise annäherten.

Hingegen gewannen unter dem Einfluss der Zimmerwalder Bewegung die Kriegsgegner innerhalb verschiedener sozialdemokratischer Parteien Europas an Gewicht. In Deutschland lehnte der gemässigte linke Parteiflügel um Hugo Haase ab Dezember 1915 weitere Kriegskredite ab. 18 Abgeordnete dieser Gruppierung wurden 1916 aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen und gründeten die "Sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft", aus der im April 1917 mit der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei eine neue politische Organisation hervorging. Die radikale Linke um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg bildete 1916 die "Gruppe Internationale", die sich bald den Namen Spartakusbund gab und aus der nach Kriegsende die Kommunistische Partei Deutschlands entstehen sollte.

In der Schweiz stellte sich der Parteitag der SPS bereits im November 1915 hinter die Bestrebungen der Zimmerwalder Bewegung. Auf dem Sonderparteitag vom Juni 1917 wurde dann mit 222 gegen 77 Stimmen ein Antrag gutgeheissen, der die "Verschärfung des grundsätzlichen Kampfes gegen den Militarismus und die ihm Vorspanndienste leistenden nationalistischen und chauvinistischen Bestrebungen" postulierte und die sozialdemokratischen Parlamentarier verpflichtete, "unter grundsätzlicher Motivierung alle Militärforderungen und -kredite abzulehnen". Dies bedeutete einen entscheidenden Erfolg für das linke Zentrum um Robert Grimm, der zwischen der radikalen Linken und dem reformistischen rechten Parteiflügel nun rasch zur dominierenden Figur der schweizerischen Arbeiterbewegung aufstieg.

Bestände zum Thema im Sozialarchiv

Archiv

Ar 1.260.1 Sozialdemokratische Partei der Schweiz: Friedenskongress Basel 1912; Internationale Korrespondenz 1914-1921; Gremienbeschlüsse 1915-1923
Ar 5.10.6 + 5.10.9 Sozialdemokratische Jugendorganisation der Schweiz: Internationale sozialistische Jugendkonferenz, 4.-6. April 1915 in Bern im Volkshaus
Ar 45 Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF)
Ar 150.10.2 Nachlass Edy Meier: Biographisches, Historisches
Mi 4: 113 Dokumente der Zimmerwalder-Bewegung, 1914-1916

Dokumentation

KS 32/159 Friedensbewegung, Pazifismus, 1914-1918
KS 32/170 Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit
335/31-4 Münzenberg, Willi: Die proletarische Jugendbewegung bis zur Gründung der kommunistischen Jugendinternationale. Berlin 1929.
335/140:1+2 Zweite Internationale: Zusammenbruch; Konferenz von Zimmerwald, 1915; Konferenz von Kiental, 1916

Bibliothek

8462 Balabanoff, Angelica: Die Zimmerwalder Bewegung 1914-1919. Leipzig 1928.
129752 Degen, Bernard und Julia Richers (Hg.): Zimmerwald und Kiental: Weltgeschichte auf dem Dorfe. Zürich 2015.
83509 Evans, Richard J.: Comrades and sisters: Feminism, socialism, and pacifism in Europe, 1870–1945. Sussex 1987.
NN 1072 Jugend-Internationale: Die elf historischen Nummern der Kriegsausgabe 1915-1918. Neudruck hg. vom Exekutivkomitee der Kommunistischen Jugend-Internationale. Berlin 1921.
38819 Lademacher, Horst (Hg.): Die Zimmerwalder Bewegung: Protokolle und Korrespondenz. The Hague 1967.
http://sozarch7.uzh.ch/daten/Friedenskongress_Gesamtwerk.pdf Sandrine Mayoraz, Frithjof Benjamin Schenk und Ueli Mäder (Hg.): Hundert Jahre Basler Friedenskongress (1912-2012): Die erhoffte "Verbrüderung der Völker". Basel/Zürich 2015.
Hf 5155 Nation, R. Craig: War on war: Lenin, the Zimmerwald Left, and the origins of communist internationalism. Durham 1989.

Emmy Hennings mit selbst gefertigter Puppe. Postkarte auf der Rückseite beschriftet: 1916 Cabaret Voltaire. Nachlass Hennings im Schweizerischen Literaturarchiv SLA, Bern
Emmy Hennings mit selbst gefertigter Puppe. Postkarte auf der Rückseite beschriftet: 1916 Cabaret Voltaire. Nachlass Hennings im Schweizerischen Literaturarchiv SLA, Bern

Buchempfehlungen der Bibliothek

Christa Baumberger und Nicola Behrmann (Hrsg.): Emmy Hennings Dada. Zürich 2015.

Die deutsche Künstlerin Emmy Hennings (1885-1948) war eine zentrale Gründungsfigur der Zürcher Dada-Bewegung: Sie trat unter anderem als Dichterin, Kabarettistin und Tänzerin auf. Mit Hugo Ball, den sie später heiratete, eröffnete sie 1916 an der Zürcher Spiegelgasse das Cabaret Voltaire, von wo aus Dada seinen internationalen Siegeszug antrat und sich zu einer der einflussreichsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts entwickelte.
Dieser neue Band präsentiert Hennings› vielschichtigen Beitrag zu Dada mit einer bislang einmaligen Fülle an literarischen Texten, Dokumenten, Bildern und Fotografien. Erstmals werden ihre unveröffentlichten Manuskripte aus der Dada-Zeit vollständig abgedruckt. Aber auch Zeugnisse von Zeitgenossen wie Hans Arp, Suzanne Perrottet oder Tristan Tzara erschliessen Emmy Hennings› Bedeutung für die Zürcher Dada-Bewegung.

Jakob Tanner: Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert. München 2015.

Jakob Tanner verortet in diesem Buch, das bereits beim Erscheinen ein mediales Echo ausgelöst hat, die Eidgenossenschaft in der Geschichte des 20. Jahrhunderts und zeigt, wie spannend es sein kann, ein kleines Land zu sein.
Im Film "Der dritte Mann" von 1949 erklärt Harry Lime seinem Freund: "In den dreissig Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, fünfhundert Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!" Es gibt viele Stereotype über den neutralen Kleinstaat, die zumeist auf dem Gedanken der Exzeptionalität beruhen. Tatsächlich war die Schweiz jedoch in die Strukturen und Prozesse der europäischen Moderne genauso eingebunden wie ihre Nachbarstaaten. Jakob Tanner spürt den Spannungen zwischen Demokratie, Kapitalismus und Nationalmythologie in der Schweizer Moderne nach und macht eines deutlich: Die Schweiz ist nicht langweilig, sie ist der Ernstfall!

Toni Ricciardi, Sandro Cattacin, Rémi Baudouï: Mattmark, 30. August 1965. Die Katastrophe. Zürich 2015.

Die Mattmark-Katastrophe im Jahr 1965 hat die jüngere Migrationsgeschichte der Schweiz nachhaltig geprägt. Beim Abbruch eines Teils einer Gletscherzunge, der die Baracken der Baustelle des Mattmark-Staudamms unter sich begrub, starben 88 Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Durch die vielen verschiedenen Herkunftsländer der Opfer erhielt das Ereignis eine internationale Dimension. In der Schweiz und in Europa führte das Unglück zu einer Debatte über die humanitären und sozialen Begleiterscheinungen der Wirtschaftsmigration, insbesondere über die Arbeitsbedingungen der Migrantinnen und Migranten. Das Buch beleuchtet zum ersten Mal das fast vergessene Ereignis vor 50 Jahren.

Bernard Degen und Julia Richers (Hrsg.): Zimmerwald und Kiental. Weltgeschichte auf dem Dorfe. Zürich 2015.

In den Jahren 1915 und 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, fanden in den entlegenen bernischen Bauerndörfern Zimmerwald und Kiental sowie im Volkshaus Bern geheime Konferenzen statt, die in die Weltgeschichte eingegangen sind. Die sogenannte Zimmerwalder Bewegung prägte bis 1917 die internationale Debatte im sozialistischen Lager und wurde von den Regierungen misstrauisch verfolgt und vielfach auch behindert.
Unter der Leitung des Schweizer Sozialdemokraten Robert Grimm diskutierten 1915/16 sozialistische Kriegsgegnerinnen und -gegner aus neutralen Staaten und von beiden Seiten der Kriegsfronten über Massnahmen zur Beendigung des Krieges. Darunter waren bedeutende Persönlichkeiten der internationalen Arbeiterbewegung wie Lenin, Willi Münzenberg, Albert Bourderon, Karl Radek oder Giacinto Menotti Serrati.
Die Tatsache, dass sich im Krieg Deutsche, Franzosen, Russen und andere auf ein gemeinsames Manifest einigen konnten, weckte unter der kriegsgeplagten Arbeiterschaft Europas neue Hoffnungen. Die Forderung nach einem Frieden ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen war wegweisend, aber in den Friedensverhandlungen leider erfolglos.

Dr. Max Tobler, Gipskopf von Alis Guggenheim, um 1925 (Sozarch_F_Oa-5234)
Dr. Max Tobler, Gipskopf von Alis Guggenheim, um 1925 (Sozarch_F_Oa-5234)

7. Oktober 2015, 19 Uhr: Buchvernissage

Max Tobler: "Die Welt riss mich". Aus der Jugend eines feinsinnigen Rebellen (1876–1929)

Max Tobler, der in Vergessenheit geratene Freund des Arbeiterarztes Fritz Brupbacher, war einst eine populäre linke Integrationsfigur. Mitte der 1920er Jahre schrieb er mit der hier erstmals publizierten Autobiografie ein unkonventionelles Bild seiner Zeit.

Programm:

Begrüssung
Christian Koller, Direktor Schweizerisches Sozialarchiv

Schlaglichter auf ein bewegtes Leben
Christian Hadorn, Herausgeber
Tobler – Rebell und Kind seiner Zeit
Julia Richers, Professorin für Neueste Allgemeine und Osteuropäische Geschichte, Universität Bern
Die Archivtrouvaille findet endlich ein Publikum
Christian Hadorn

Apéro

Mittwoch, 7. Oktober 2015, 19 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

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Der Eintritt ist frei.

Max Tobler: "Die Welt riss mich".
Aus der Jugend eines feinsinnigen Rebellen (1876–1929).
Herausgegeben mit einem Nachwort von Christian Hadorn.
Zürich: Chronos Verlag 2015. 376 S.

13. Oktober 2015, 19.00 bis 20.30 Uhr: Longo Maï

Eine selbstverwaltete Kooperative vor neuen Herausforderungen

Die Kooperative Longo Maï besteht seit 1973 an mehreren Orten in Frankreich, Deutschland, Österreich, in der Ukraine und der Schweiz. Rund 300 Menschen leben in antikapitalistischer Weise selbstverwaltet miteinander.
Wie geht Longo Maï mit den Herausforderungen der Zukunft um?

Podiumsdiskussion mit:

Kathi Hahn, Gründungsmitglied
Hannes Reiser, Gründungsmitglied
Katharina Morawietz, Mitglied seit 2010

Andreas Schwab, Moderation

Dienstag, 13. Oktober 2015, 19.00 bis 20.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

Ein Anlass im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Wege zum Glück? – Utopien und alternative Lebensformen gestern und heute".

> Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 59 KB)

Der Eintritt ist frei, eine Reservation ist nicht nötig.

Das Schweizerische Sozialarchiv führt seit 2010 die Reihe "Gast im Sozialarchiv" durch. Eingeladene Fachpersonen begleiten während eines Jahres die Öffentlichkeitsarbeit des Sozialarchivs und entwickeln eine Veranstaltungsreihe zu einem aktuellen, sozial und historisch relevanten Thema.
Gast im Sozialarchiv 2015 ist Andreas Schwab. Der Historiker setzt sich in seinen Publikationen und als Ausstellungskurator mit Utopien und alternativen Lebensformen auseinander.
Immer wieder suchen Menschen und Gruppierungen nach anderen Formen des
Zusammenlebens und der Gemeinschaft. Zwar scheitern viele solche Experimente, eine beachtliche Zahl kann sich aber auch etablieren und über Jahrzehnte Bestand haben. Sämtlichen Versuchen ist gemeinsam, dass sie traditionelle wirtschaftliche, soziale oder religiöse Strukturen aufbrechen. Das Neue, das dabei entsteht, polarisiert und fasziniert gleichermassen.
Die Veranstaltungsreihe "Wege zum Glück?" stellt einige dieser alternativen
Gemeinschaften vor und fragt nach Chancen und Risiken solcher Projekte.