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Emmy Hennings mit selbst gefertigter Puppe. Postkarte auf der Rückseite beschriftet: 1916 Cabaret Voltaire. Nachlass Hennings im Schweizerischen Literaturarchiv SLA, Bern
Emmy Hennings mit selbst gefertigter Puppe. Postkarte auf der Rückseite beschriftet: 1916 Cabaret Voltaire. Nachlass Hennings im Schweizerischen Literaturarchiv SLA, Bern

Buchempfehlungen der Bibliothek

Christa Baumberger und Nicola Behrmann (Hrsg.): Emmy Hennings Dada. Zürich 2015.

Die deutsche Künstlerin Emmy Hennings (1885-1948) war eine zentrale Gründungsfigur der Zürcher Dada-Bewegung: Sie trat unter anderem als Dichterin, Kabarettistin und Tänzerin auf. Mit Hugo Ball, den sie später heiratete, eröffnete sie 1916 an der Zürcher Spiegelgasse das Cabaret Voltaire, von wo aus Dada seinen internationalen Siegeszug antrat und sich zu einer der einflussreichsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts entwickelte.
Dieser neue Band präsentiert Hennings‘ vielschichtigen Beitrag zu Dada mit einer bislang einmaligen Fülle an literarischen Texten, Dokumenten, Bildern und Fotografien. Erstmals werden ihre unveröffentlichten Manuskripte aus der Dada-Zeit vollständig abgedruckt. Aber auch Zeugnisse von Zeitgenossen wie Hans Arp, Suzanne Perrottet oder Tristan Tzara erschliessen Emmy Hennings‘ Bedeutung für die Zürcher Dada-Bewegung.

Jakob Tanner: Geschichte der Schweiz im 20. Jahrhundert. München 2015.

Jakob Tanner verortet in diesem Buch, das bereits beim Erscheinen ein mediales Echo ausgelöst hat, die Eidgenossenschaft in der Geschichte des 20. Jahrhunderts und zeigt, wie spannend es sein kann, ein kleines Land zu sein.
Im Film "Der dritte Mann" von 1949 erklärt Harry Lime seinem Freund: "In den dreissig Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, fünfhundert Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!" Es gibt viele Stereotype über den neutralen Kleinstaat, die zumeist auf dem Gedanken der Exzeptionalität beruhen. Tatsächlich war die Schweiz jedoch in die Strukturen und Prozesse der europäischen Moderne genauso eingebunden wie ihre Nachbarstaaten. Jakob Tanner spürt den Spannungen zwischen Demokratie, Kapitalismus und Nationalmythologie in der Schweizer Moderne nach und macht eines deutlich: Die Schweiz ist nicht langweilig, sie ist der Ernstfall!

Toni Ricciardi, Sandro Cattacin, Rémi Baudouï: Mattmark, 30. August 1965. Die Katastrophe. Zürich 2015.

Die Mattmark-Katastrophe im Jahr 1965 hat die jüngere Migrationsgeschichte der Schweiz nachhaltig geprägt. Beim Abbruch eines Teils einer Gletscherzunge, der die Baracken der Baustelle des Mattmark-Staudamms unter sich begrub, starben 88 Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Durch die vielen verschiedenen Herkunftsländer der Opfer erhielt das Ereignis eine internationale Dimension. In der Schweiz und in Europa führte das Unglück zu einer Debatte über die humanitären und sozialen Begleiterscheinungen der Wirtschaftsmigration, insbesondere über die Arbeitsbedingungen der Migrantinnen und Migranten. Das Buch beleuchtet zum ersten Mal das fast vergessene Ereignis vor 50 Jahren.

Bernard Degen und Julia Richers (Hrsg.): Zimmerwald und Kiental. Weltgeschichte auf dem Dorfe. Zürich 2015.

In den Jahren 1915 und 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, fanden in den entlegenen bernischen Bauerndörfern Zimmerwald und Kiental sowie im Volkshaus Bern geheime Konferenzen statt, die in die Weltgeschichte eingegangen sind. Die sogenannte Zimmerwalder Bewegung prägte bis 1917 die internationale Debatte im sozialistischen Lager und wurde von den Regierungen misstrauisch verfolgt und vielfach auch behindert.
Unter der Leitung des Schweizer Sozialdemokraten Robert Grimm diskutierten 1915/16 sozialistische Kriegsgegnerinnen und -gegner aus neutralen Staaten und von beiden Seiten der Kriegsfronten über Massnahmen zur Beendigung des Krieges. Darunter waren bedeutende Persönlichkeiten der internationalen Arbeiterbewegung wie Lenin, Willi Münzenberg, Albert Bourderon, Karl Radek oder Giacinto Menotti Serrati.
Die Tatsache, dass sich im Krieg Deutsche, Franzosen, Russen und andere auf ein gemeinsames Manifest einigen konnten, weckte unter der kriegsgeplagten Arbeiterschaft Europas neue Hoffnungen. Die Forderung nach einem Frieden ohne Annexionen und Kriegsentschädigungen war wegweisend, aber in den Friedensverhandlungen leider erfolglos.

30. Oktober 2015 zurück