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Buchempfehlungen der Bibliothek

David Templin: Freizeit ohne Kontrollen. Die Jugendzentrumsbewegung in der Bundesrepublik der 1970er Jahre. Göttingen 2015.

Mit Parolen wie „Was wir wollen: Freizeit ohne Kontrollen“ gingen in den 1970er Jahren Tausende Jugendliche auf die Strassen, sammelten Unterschriften und stritten sich mit Kommunalpolitikern. Ihr Ziel: vor Ort ein selbstverwaltetes Jugendzentrum einzurichten. David Templin untersucht erstmals diese westdeutsche Jugendzentrumsbewegung der 1970er und frühen 1980er Jahre. Anknüpfend an die Jugendproteste um 1968 hatten sich zu Beginn der 1970er Jahre in vielen Städten und Gemeinden Initiativgruppen Jugendlicher gebildet.
Der Autor nimmt die Kritik an der Jugendpflege und ihre Vorstellungen „selbstorganisierter Räume“, ihre soziale und politische Zusammensetzung sowie die regionalen und überregionalen Netzwerke in den Blick. Zugleich beleuchtet er die Reaktionen lokaler Politiker und Stadtverwaltungen und die damit verbundenen öffentlichen Auseinandersetzungen. Mit der Einrichtung hunderter selbstverwalteter Jugendzentren breitete sich die politisierte Jugendkultur der Zeit in ländlich-kleinstädtischen wie in suburbanen Räumen der Bundesrepublik aus. Die Bewegung trug damit zur Konstituierung eines linksalternativen Milieus abseits der Grossstädte entscheidend bei.

Barbara Franzen, Andreas Z’Graggen: An der Fluchgasse. Ein Ort voller Geschichten im Zürcher Niederdorf. Zürich 2015.

Die wichtigste Strasse im mittelalterlichen Zürich war die Marktgasse. Hier wurde gewerkt und gehandelt, gezecht und gerauft. Und hier, an ihrem oberen Ende und einander gegenüber, lagen das „Rothus“ und das „Goldene Schwert“. Und in beiden wurde seit dem 14. Jahrhundert gewirtet, im „Goldenen Schwert“ bis vor wenigen Jahren, im „Rothus“ bis zum heutigen Tag.
Reich illustriert mit alten Plänen und Fotografien erzählt das Buch die Geschichte der Marktgasse vom frühen Mittelalter bis zur heutigen Zeit. Von der Entwicklung der Zürcher Altstadt und ihren Plätzen und Häusern sowie den Menschen, die dort arbeiteten, ihren Geschäften nachgingen, sich stritten und sich liebten. Vor allem aber wird ausführlich – und angereichert mit vielen historischen Details – darüber berichtet, was sich im Laufe der letzten siebenhundert Jahre im „Rothus“ und „Goldenen Schwert“ so alles tat. Es ist die Geschichte von Wirten, die kamen und gingen, von Rechtsstreitigkeiten, von Cabarets und Varietés, von Schwulen, käuflichen Damen und Burgunderschnecken, von deutschen Emigranten, die sich über die Nazis lustig machten, bis zu Vico Torriani, der hier seine Karriere startete.
Das „Goldene Schwert“ wurde jüngst zu einem Geschäfts- und Wohnhaus umgebaut, während das „Rothus“, vielleicht Zürichs älteste Wirtschaft, im Sommer 2015 nach aufwändiger Renovation als zeitgemässes Altstadthotel in neuem Glanz erstrahlt.

Helmut Bachmaier: Lektionen des Alters. Kulturhistorische Betrachtungen. Göttingen 2015.

„Älter werden heisst: selbst ein neues Geschäft antreten; alle Verhältnisse verändern sich, und man muss entweder zu handeln ganz aufhören oder mit Willen und Bewusstsein das neue Rollenfach übernehmen“, schrieb Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“. Darüber, wie dieses „neue Rollenfach“ aussehen könnte, gibt es bergeweise Ratgeber oder Anleitungen. Dieses Buch will beides nicht sein. Im Gegenteil: Vorschriften, Kontrollen hält Bachmaier für kontraproduktiv. Sich gegen das Alter zu stellen, es zu negieren im Sinne eines Jugendwahns, ist ebenso falsch, wie es zu romantisieren, ohne die Beschwerlichkeiten überhaupt wahrzunehmen. Bachmaiers Konzept zielt hingegen auf Leichtigkeit, Entspanntheit, Mühelosigkeit. „Mach dir dein Alter selbst!“ könnte sein Leitspruch lauten. Vor allem aber können dabei Vergewisserungen über die Erfahrungsräume hilfreich sein, die Kultur-, Philosophie-, Kunst- und Literaturgeschichte zum Thema Alter zu bieten haben. Wie wurde jeweils Alter gesehen, verstanden, bewertet? Welche Bedingungen lagen und liegen dem Altersbild zugrunde? Der Kulturgerontologe Bachmaier weiss: Älter werden bedeutet, sich täglich eine neue Aufgabe zu stellen. Und die kann jeder nur selbst finden.

13. März 2016Susanne Brügger zurück