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Hauptanliegen des Vereins Alpen-Initiative: Verlagerung des Transitgüterverkehrs von der Strasse auf die Schiene
Hauptanliegen des Vereins Alpen-Initiative: Verlagerung des Transitgüterverkehrs von der Strasse auf die Schiene

Neu im Archiv: Verein Alpen-Initiative

1980 eröffnete Bundesrat Hans Hürlimann den neuen Strassentunnel am Gotthard. Er versprach, dass die neue Röhre kein Transitkorridor für den Schwerverkehr werde. Dann kam doch alles anders: 1986 wurden am Gotthard pro Tag 1’590 Lastwagen gezählt und der sich öffnende EG-Binnenmarkt liess eine weitere Zunahme des Schwerverkehrs erwarten. Das wollten links-grüne Kreise in den Alpenkantonen nicht kampflos hinnehmen. Im Dezember 1987 trafen sich Aktivistinnen und Aktivisten aus Uri, Graubünden, dem Wallis und Tessin im Restaurant Helvetia in Andermatt: die Geburtsstunde des sogenannten Andermatter-Clubs, aus dem im Februar 1989 der Verein Alpen-Initiative hervorgehen sollte.

Dem Andermatter-Club gehörten Personen an, die später in der Schweizer Politik eine bedeutende Rolle spielen sollten: Andrea Hämmerle, Peter Bodenmann, Fabio Pedrina, Reto Gamma, Markus Züst oder Filippo Leutenegger, der damals den VCS Ticino vertrat. An der Gründungsversammlung der Alpen-Initiative nahmen ganze 42 Personen teil. Der neue Verein setzte sich zum Ziel, das Alpengebiet vor den negativen Auswirkungen des Transitverkehrs zu schützen und als Lebensraum zu erhalten. Im Mai 1989 startete der Verein eine Volksinitiative, auch „Alpen-Initiative“ genannt, um dieses Ziel gesetzlich zu verankern.

Die Alpen-Initiative kam am 20. Februar 1994 zur Abstimmung. Was kaum jemand für möglich gehalten hatte, traf nach einem heftigen und turbulenten Abstimmungskampf ein: Die Alpen-Initiative wurde mit einem Ja-Stimmenanteil von 51.9 % angenommen. Bis heute steht der Alpenschutzartikel in der Schweizerischen Bundesverfassung und verlangt mit zwei Massnahmen den Schutz des Alpengebiets vor den negativen Auswirkungen des Transitverkehrs: Die Verlagerung des Transitgüterverkehrs von der Strasse auf die Schiene und den Verzicht auf einen Ausbau der Kapazität der Transitstrassen.

Die Verlagerungspolitik wurde in mehreren Abstimmungen bestätigt, so bei der Einführung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA, 1998), bei der Vorlage zur Finanzierung des öffentlichen Verkehrs (FinöV, 1998) oder bei der Ablehnung des Gegenvorschlags zur Avanti-Initiative (2004). Eine grosse Enttäuschung war dann das Ja zur 2. Gotthardröhre in der Volksabstimmung vom 28. Februar 2016.

Alle Kampagnen zu den erwähnten Abstimmungen sowie zahlreiche weitere Aktionen und verkehrspolitische Themen  sind im Archiv der Alpen-Initiative bestens dokumentiert. Die Unterlagen stehen nach Abschluss der Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten allen Interessierten ohne Benutzungsbeschränkungen zur Verfügung.

11. November 2016Urs Kälin zurück