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Neu im Archiv: Noch eine Gewerkschaft für SRG-Angestellte

Im Sommer 2012 gelangte der Nachlass des "Verbandes der Schweizerischen Radio- und Televisionsangestellten" (VSRTA) vom Radiostudio Bern ins Sozialarchiv. Der Verband wurde 1942 unter dem Namen "Vereinigung Schweizerischer Rundspruch-Angestellter" (VSRA) gegründet als Alternative zum dezidiert linken VPOD. Neben der "Vertretung der wirtschaftlichen, beruflichen, sozialen und geistigen Interessen des Personals" war die "Pflege freundschaftlicher Beziehungen" ein gleichberechtigter Vereinszweck. Als die SRG Ende der 1950er Jahre das Personalreglement aus den dreissiger Jahren überarbeitete, lehnte der VSRA dieses ab und forderte einen GAV, der 1962 auch zustande kam. In den siebziger Jahren wuchs die SRG vor allem im Fernsehbereich rasant; nun kam beim Verband mit der Öffnung für Televisionsangestellte 1975 das "T" hinzu – VSRTA. Die Aus- und Weiterbildung der Journalisten und die Programmqualität waren jetzt wichtige Streitpunkte zwischen den Sozialpartnern.

Die GAV-Verhandlungen 1977/78 verliefen deutlich weniger harmonisch als jene der sechziger Jahre. Der VSRTA musste sich klarer positionieren, zumal ihm 1974 mit dem SSM (Syndikat Schweizerischer Medienschaffender) eine weit kämpferischere Konkurrenzgewerkschaft erwachsen war. In den Statuten von 1975 waren neu die Vertretung des Personals gegenüber SRG, Behörden und öffentlicher Meinung, die Beachtung der Interessen verschiedener Berufsgruppen und Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen erklärte Vereinszwecke; die Pflege der freundschaftlichen Beziehungen hatte keinen Platz mehr in den Statuten. In den folgenden Jahren verlor der VSRTA kontinuierlich Mitglieder an das SSM, daran konnte auch eine Image-Renovation 1987 mithilfe einer Beratungsagentur nichts ändern. Mitte 2000 löste sich der Verband auf und traf mit dem SSM Vereinbarungen, die den Mitgliedern den Übertritt erleichtern sollten.

Die Akten des VSRTA sind erschlossen und verzeichnet. Sie stehen allen Interessierten im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs ohne Benutzungsbeschränkungen zur Einsicht offen.

> www.findmittel.ch: Signatur: Ar 515

18. November 2012Urs Kälin zurück