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Flyer (Ausschnitt) zur kantonalzürcherischen Abstimmung vom 26.9.1982 über den Bau einer Psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche (SozArch Ar 578: Archiv VUA)
Flyer (Ausschnitt) zur kantonalzürcherischen Abstimmung vom 26.9.1982 über den Bau einer Psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche (SozArch Ar 578: Archiv VUA)

Neu im Archiv: Bestand Vereinigung Unabhängiger Ärztinnen und Ärzte (VUA)

Die "Vereinigung Unabhängiger Ärztinnen und Ärzte" (VUA) wurde 1975 in Zürich gegründet. Auslöser für die Gründung war eine Änderung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG). Die VUA-Gründerinnen und -Gründer warfen den ärztlichen Standesorganisationen vor, fast ausschliesslich mit der Behauptung und Mehrung ihrer überdurchschnittlichen Einkommen beschäftigt zu sein. Das Ziel einer optimalen medizinischen Versorgung der Bevölkerung scheitere "an der politischen Macht jener Interessengruppen, die im Gesundheitssektor eine Quelle von Profit gefunden" hätten. Von Anbeginn an verstand sich die VUA als Vereinigung politisch links orientierter Ärztinnen und Ärzte. Zielsetzungen waren (und sind) eine solidarischere Gesellschaft im Allgemeinen und ein gerechteres Gesundheitswesen im Speziellen.

Während der Zürcher Jugendunruhen von 1980 mischte sich die VUA dezidiert in die Tagespolitik ein. So publizierte sie u.a. eine viel beachtete Studie über die gesundheitlichen Risiken des Tränengas- und Gummigeschoss-Einsatzes. Neben politischen Aktivitäten wurden Diskussionen mit Referent/innen organisiert, teilweise als öffentliche Veranstaltungen mit entsprechendem Presse-Echo. Ein besonderes Anliegen war es, die eigene Berufstätigkeit kritisch zu reflektieren und freundschaftliche Kontakte untereinander zu pflegen.

Der Archivbestand der VUA hat einen Umfang von rund anderthalb Laufmetern. Vorhanden sind zum einen die klassischen Vereinsakten: Protokolle der Gremien (Vorstand, Versammlungen), Statuten, Korrespondenzen, Strategie- und Konzeptpapiere, Zirkulare, Flugblätter, Jahresrechnungen und Ähnliches. Darüber hinaus wurden aber auch thematische Dossiers abgeliefert, beispielsweise zu neuen und teilweise experimentellen Versorgungsmodellen (interdisziplinäre Gruppenpraxen, sozial-medizinische Dienstleistungszentren, Laborgemeinschaften), zu Einzelhaft bzw. Isolationshaft, zu (Teil-)Berufsverboten oder zur Drogenpolitik der Stadt Zürich in den Jahren 1982/83. Speziell hervorzuheben sind Unterlagen zu Abstimmungskomitees und Bürgerinitiativen, in denen die VUA prominent vertreten war. Zu nennen sind hier etwa das "Aktionskomitee gegen den Bau einer Psychiatrischen Klinik für Kinder und Jugendliche" (1982) oder das "Komitee gegen den Polizeistaat", das sich 1981 gegen Zürcher Gefängnisneubauten engagierte.

Für das Archiv der VUA gilt eine Schutzfrist von 30 Jahren. Die Leitung des Schweizerischen Sozialarchivs ist allerdings ermächtigt, die Einsichtnahme für wissenschaftliche Zwecke vor Ablauf der Schutzfrist zu gewähren. Voraussetzung dafür ist das Vorliegen eines schriftlichen Einsichtsgesuchs. Der Bestand wird zurzeit bearbeitet.

14. März 2015Urs Kälin zurück