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Zwischen Top und Flop: Städtebau und Stadtplanung in Uster

Für den letzten Anlass der Reihe „In weiten Räumen denken“ führte der Gast des Sozialarchivs 2010, Ludi Fuchs, zu Brennpunkten der Stadtentwicklung in Uster. Der gut zweistündige Spaziergang führte nochmals vor Augen, wie drastisch sich Uster in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Er gab aber auch eine Ahnung davon, welches Potenzial in der künftigen Umnutzung von Brachen liegen kann.

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Ludi Fuchs konnte am Bahnhof Uster rund fünfzig Interessierte begrüssen. Als Einstieg gab er ein paar historische Hinweise, wie es zur Gestaltung der unmittelbaren Bahnhofsumgebung gekommen war. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden am Bahnhofplatz mit der Volksbank (heute Credit Suisse), der Post und verschiedenen Gasthäusern repräsentative Bauten. Dieser frühe Elan hielt allerdings viel zu wenig lang an, um dem Kerngebiet ein homogenes architektonisches Gesicht zu geben. Das Bahnhofareal wurde im 20. Jahrhundert wohl vielfältig genutzt, allerdings hauptsächlich zu landwirtschaftlichen und kleingewerblichen Zwecken. Der Grossstadttraum realisierte sich nicht.

Nur wenige Schritte entfernt, auf dem Geviert „Kern Nord“, rollte Stadträtin und Architektin Barbara Thalmann nochmals die desaströse Geschichte der Überbauung „Skyline“ auf (vgl. Veranstaltung vom 31. Juli). Nachdem die Gestaltung des Bahnhofhofareals lange Zeit in einen Dornröschenschlaf versunken war, zeigte sich vor rund zwanzig Jahren endlich wieder städtischer Gestaltungswille. Weil sich die Interessen von Investoren, Besitzer und Stadt aber nicht unter einen Hut bringen liessen, entstand eine Überbauung, die heute niemanden befriedigt. Bei den Umnutzungsplänen für das benachbarte Areal „Kern Süd“ ist man gewillt, eine städtebaulich wertvollere Lösung zu finden.

Auf dem Weg zum Stadtpark passierten die Stadtwanderer die bizarre Anordnung von zwei nebeneinander liegenden Einkaufszentren: „Illuster“ und „Uschter 77“ mögen abstossende Zeugen inspirationsloser Zweckarchitektur sein. Immerhin bieten sie – eine Rarität in Schweizer Kleinstädten – Einkaufsmöglichkeiten für alle Bedürfnisse an zentralster Lage.

Hinter den beiden Einkaufszentren liegt der Stadtpark. Dort war eine kantonale Auflage zum Hochwasserschutz Ausgangspunkt zu stadtplanerischer Innovation. Thalmann erläuterte im Stadtpark, vor der Kulisse der preisgekrönten Wohnanlage „Im Lot“, die Aufwertung des Aabachs zur „blauen Achse“ Usters. Das Flüsschen ist auch ein wichtiger Zeuge der industriellen Vergangenheit, lieferte doch seine Kraft den Strom für die (mittlerweile fast verschwundenen) Textilfabriken, die sich am Lauf des Aabachs ansiedelten.

Eine städtebauliche Chance sondergleichen bietet sich im Zellweger-Areal: In der ehemals „verbotenen Stadt“ (der Zutritt zum Areal war Betriebsfremden nur unter strengen Auflagen möglich) erläuterten Walter Ulmann, Stadtplaner von Uster, und Oliver Hagen, Architekt der mit der Ausführung beauftragten Immobilienfirma Immopoly, wie das Areal in einigen Jahren aussehen wird. Die Örtlichkeiten, die heute schon mit der idyllischen Lage an einem Weiher, einem exquisiten Pavillon von Roland Rohn und der atemberaubenden Rundsicht vom Dach des 6-stöckigen ehemaligen Firmensitzes der Zellweger Luwa AG aus auftrumpfen können, werden wohl schon bald sehr begehrt sein. Auf einem der vier Baufelder entstehen in den nächsten Jahren vorerst 135 Mietwohnungen. Die 500 Arbeitsplätze im denkmalgeschützten Zentralgebäude bleiben bestehen. Die Erschliessung der Bauten soll hauptsächlich von aussen geschehen, so dass die Strasseninfrastruktur innerhalb des „Zellwegerparks“ auf ein Minimum reduziert werden kann.

Weit weniger fortgeschritten sind die Pläne für das Zeughausareal. Hier fand der Rundgang seinen Abschluss. Immerhin entschloss sich das Stadtparlament von Uster nur wenige Tage nach dieser Veranstaltung, mit der Landbesitzerin, der Armasuisse, einen Kaufrechtsvertrag für das halbe Zeughausareal abzuschliessen. Was aber dereinst auf der grossen Landfläche stehen wird, ist noch ungewiss. Vorerst soll ein Nutzungsplan erstellt und dann zur Diskussion gestellt werden.

Stefan Länzlinger

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