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4.12.2025, 18.30 Uhr: Mattmark 1965

Erinnerungen, Gerichtsurteile, italienisch-schweizerische Verflechtungen

Lesung und Gespräch mit der Herausgeberin Elisabeth Joris

Am 30. August 1965 wurden beim Bau des Stausees Mattmark 88 Bauarbeiter:innen durch den Abbruch einer Gletscherzunge unter 2 Millionen Kubikmetern Eis und Geröll begraben. Bei den Bergungsarbeiten konnten unter der bis zu 50 Meter starken Geröllschicht keine Überlebenden gefunden werden. Die Mehrheit der Todesopfer waren italienische Staatsangehörige. Das Risiko bei der Errichtung der Unterkunftsbaracken direkt unterhalb einer Gletscherzunge war nicht beachtet worden. Die Katastrophe rief deshalb in Italien heftige Kritik hervor. Sieben Jahre nach dem Unglück sprach die Walliser Justiz alle 17 Angeklagten frei. Ein grosser Teil der Gerichtskosten wurde den Familien der Opfer auferlegt, was in Italien eine neue Welle der Empörung hervorrief.

Das neue Buch von Elisabeth Joris lässt Familienangehörige zu Wort kommen, beleuchtet Unterschiede in der Erinnerungskultur in Italien und der Schweiz, stellt neue Erkenntnisse zum Gerichtsverfahren vor und beschreibt die Bedeutung der Mattmark-Katastrophe für den Wandel der gewerkschaftlichen Migrationspolitik zur Zeit der Schwarzenbach-Initiative.

Mit anschliessendem Apéro.

Donnerstag, 4. Dezember 2025, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 255 KB)

Call for Papers – Gosteli-Gespräche 2026

«Über Grenzen verbunden: Schweizerische Frauenbewegungen und ihre transnationalen Verflechtungen»

Konferenz des Gosteli-Archivs Geschichte schweizerischer Frauenbewegungen in Kooperation mit dem Schweizerischen Sozialarchiv, 4./5. Juni 2026, Universität Zürich

Feministische Bewegungen in der Schweiz sind nicht einzig nationale Phänomene (gewesen). Schon die frühen Kämpfe um Rechte, Bildung und Arbeit waren von transnationalen Debatten beeinflusst und mit ihnen vernetzt. Schweizer Aktivist:innen nahmen an internationalen Konferenzen teil, gründeten Organisationen, die über Grenzen hinweg wirkten, und knüpften an feministische Kämpfe in anderen Regionen an. Dabei wurde nicht nur transnationales Wissen rezipiert, sondern auch eigenständige Impulse in internationale Diskurse eingebracht und der Austausch von Erfahrungen, Ideen sowie Strategien gepflegt.

Wir laden Wissenschaftler:innen, insbesondere auch Nachwuchsforscher:innen, und Aktivist:innen ein, die Verflechtungen, Übersetzungsprozesse und Spannungen zwischen schweizerischen Frauenbewegungen und transnationalen Feminismen genauer zu betrachten. Gefragt sind Beiträge, die historische wie gegenwärtige Aspekte beleuchten und dabei die Rolle von Akteur:innen, Netzwerken, Ideen und Orten herausstellen. Uns interessiert, wie die Schweiz sowohl ein Resonanzraum als auch eine Ausgangsbasis feministischer Transformationen war – und wie feministische Anliegen hier in globale Zusammenhänge gestellt wurden. Ziel ist es, transnationale Dimensionen feministischer Geschichte(n) und Gegenwart(en) im schweizerischen Kontext sichtbar zu machen und zugleich kritisch zu reflektieren.

Wir freuen uns über Vorschläge aus den Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften ebenso wie aus Rechtswissenschaft oder verwandten Disziplinen. Auch Beiträge, die künstlerische oder aktivistische Perspektiven einbringen, sind ausdrücklich erwünscht.

Themenfelder

Die folgenden, beispielhaften Themenfelder sind als Anregung für Eingaben zu verstehen. Über zusätzliche Vorschläge freuen wir uns.

  • Netzwerke, Zirkulationen und Übersetzungen:
    Hier interessieren uns Beiträge zu transnationalen Allianzen, Austauschprozessen und der Zirkulation feministischer Ideen, Strategien, Praktiken und Symbole. Wie wurden Impulse aus der Schweiz ins Ausland getragen – und umgekehrt? Welche Übersetzungsleistungen waren notwendig, um Feminismus über Grenzen hinweg anschlussfähig zu machen? Welche Netzwerke von Frauenorganisationen verbanden die Schweiz mit anderen Regionen, und wie veränderten Übersetzungen und Anpassungen die Inhalte?
  • Themen, Kämpfe, Biografien:
    Dieses Panel rückt zentrale Themen feministischer Bewegungen in den Vordergrund wie etwa reproduktive Gerechtigkeit, sexuelle Selbstbestimmung, Bedingungen von Arbeit, Migration, rechtliche Gleichstellung oder politische Teilhabe. Im Fokus stehen thematische Verflechtungen und Auseinandersetzungen im transnationalen Kontext. Wo lassen sich Verbindungen finden, wo kam es zu Differenzen und Abgrenzungen? Beiträge können untersuchen, wie transnationale feministische Impulse lokal verhandelt, weiterentwickelt oder abgelehnt wurden und welche Rolle dabei einzelne Akteur:innen spielten.
  • Solidarität, Kritik, Intersektionalität:
    Feministische Bewegungen mussten sich stets mit Differenz auseinandersetzen, innerhalb eigener Gruppen und Bewegungen und im Austausch mit anderen. Dieses Panel fragt nach den Möglichkeiten und Grenzen solidarischer Allianzen: Wie prägten transnationale Debatten um Klasse, Ethnizität, Sexualität oder Religion die feministische Praxis in der Schweiz? Wie verhandelten Aktivist:innen Differenz, Ausschluss und Zugehörigkeit?
  • Orte des transnationalen Feminismus:
    Feministische Kämpfe fanden und finden an konkreten Orten statt – in Versammlungshäusern, in Konferenzsälen, in migrantischen Vereinen, bei Protestmärschen, an Universitäten, in internationalen Organisationen oder in virtuellen Räumen. Dieses Panel interessiert sich für die räumliche Dimension: Wo verdichteten sich transnationale feministische Verflechtungen? Welche Rolle spielten Städte, Grenzräume, Institutionen oder digitale Plattformen bei der Vernetzung von Aktivistinnen in und aus der Schweiz?

Einreichung

Bitte senden Sie ein Abstract von maximal 300 Wörtern sowie eine Kurzbiografie (max. 150 Wörter). Abstracts sind auf Deutsch, Französisch oder Englisch möglich.
Die Konferenz findet am 4./5. Juni 2026 in Zürich statt.
Einsendeschluss ist der 31. Januar 2026. Beiträge bitte an: fabienne.amlinger@gosteli-archiv.ch.
Eine Benachrichtigung über die Auswahl erfolgt bis zum 15. März 2026.

20.11.2025, 20.45 Uhr: Mobilität und Wohnraum in Zürich: Historische Kurzfilme im Filmpodium

Eine Kooperation der Cinémathèque suisse mit dem Filmpodium Zürich und dem Schweizerischen Sozialarchiv

Am 20. November präsentiert die Cinémathèque suisse anlässlich des Erscheinens der zweiten Ausgabe ihrer neuen Online-Zeitschrift «Repérages» im Filmpodium Zürich ein Kurzfilmprogramm mit vier restaurierten Filmen zu den Themen Stadtentwicklung, Mobilität und Wohnen, eingeführt von Jacqueline Maurer, Kunst- und Filmwissenschaftlerin mit Schwerpunkt Film-, Architektur- und Städtebauforschung.

Die beschleunigten Bilder in der kurzen Wochenschau «Zürich. Tempo, tempo!… Zeit ist Geld» symbolisieren die Dynamik und den Rhythmus der wachsenden Stadt in den 1920er Jahren. Der experimentelle Tourismusfilm «…via Zürich» (1967) von Alexander J. Seiler, Rob Gnant und June Kovach ist eine Auftragsarbeit, die in der formalen Gestaltung die ökonomisch geprägte Darstellung der Stadt ironisiert und von einem ambivalenten Verhältnis zur Auftragsfilmproduktion jener Zeit zeugt. «Beton-Fluss» von Hans-Ulrich Schlumpf prangert 1974 das später gescheiterte Bauprojekt «Expressstrasse Ypsilon» an. Mit «Zur Wohnungsfrage 1972» (1972) analysieren Nina und Hans Stürm den Wohnungsbau als Ware im kapitalistischen System.

«Repérages 02», herausgegeben von Stefan Länzlinger, Seraina Winzeler und Yvonne Zimmermann, widmet sich ganz und gar Zürich und versammelt zwölf Beiträge zu ausgewählten Themen aus dem Projekt «Gebrauchsfilm Zürich: Stadt-, Land-, Filmgeschichten», einem mehrjährigen Digitalisierungs- und Vermittlungsprojekt der Cinémathèque suisse zu Auftrags- und politischen Kurzfilmen Zürichs im 20. Jahrhundert. Parallel dazu werden in der virtuellen Ausstellung «Zürich – Stadt des Kapitals» Filme zugänglich gemacht. Beide Publikationen sind ab dem 19. November online.

Donnerstag, 20. November 2025, 20.45 Uhr
Kurzfilmprogramm im Filmpodium Zürich

Herman-Greulich-Gedenkmünze von 1955 (Urheber: H.J. Huguenin/SozArch F 5068-Oa-0473)
Herman-Greulich-Gedenkmünze von 1955 (Urheber: H.J. Huguenin/SozArch F 5068-Oa-0473)

7.11.2025, 18 Uhr: «Geh deine Bahn und lass die Leute schwätzen»

Zum 100. Todestag von Herman Greulich

Am 8. November jährt sich der Todestag von Herman Greulich zum 100. Mal. Als Vaterfigur der Schweizer Arbeiter:innenbewegung war der als Buchbindergeselle aus Preussen eingewanderte «Papa Greulich» auf lokaler, kantonaler, nationaler und internationaler Ebene aktiv, engagierte sich für die Sozialpolitik, das Frauenstimmrecht, die direkte Demokratie und den Frieden, gründete Gewerkschaften und Parteiorganisationen, war ein unermüdlicher Redner, Publizist und Pionier der schweizerischen Sozialstatistik, organisierte internationale Kongresse und Hilfsaktionen.

Greulichs Nachlass und die Akten des von ihm geleiteten Arbeitersekretariats befinden sich heute im Sozialarchiv. Aus Anlass von Greulichs 100. Todestag halten Annette Frei Berthoud, Christoph Arioli, Christian Koller und Adrian Zimmermann Rückschau auf Greulichs Wirken und diskutieren dessen Aktualität.
Mit anschliessendem Apéro.

Freitag, 7. November 2025, 18 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 277 KB)

Im November zeigen wir in den Lesesaalvitrinen eine kleine Ausstellung mit Dokumenten zu Greulichs Leben und Wirken.

27.11.2025, 18.30 Uhr: Starke Schweizer Frauen – Pionierinnen

Buchpräsentation mit Daniele Muscionico

Sie bestiegen die anspruchsvollsten Berggipfel der Welt und wurden dafür verspottet. Sie setzten neue Massstäbe in der Luftfahrt, doch waren sie zurück am Boden, bestimmten die Ehemänner über ihr Leben. Sie waren Wegbereiterinnen der biologischen Landwirtschaft und der Flüchtlingshilfe, engagierten sich für Sexualaufklärung und Selbstbestimmung. Sie gründeten Frauenvereine und Kunstakademien, standen für das Frauenstimmrecht ein und einige von ihnen lebten offen queer.

In der Schweizer Geschichte begegnen wir zahlreichen Pionierinnen, die mit Leidenschaft und Mut ihre Ziele verfolgten. Für ihre Kunst, ihre Texte oder ihr politisches Engagement waren sie einst bekannt und gefeiert – heute sind viele ihrer Namen fast vergessen. Daniele Muscionico lässt diese Frauen in zwanzig eindrücklichen Porträts wieder lebendig werden.

Die Autorin stellt an diesem Abend ausgewählte Frauenporträts vor, ergänzt durch Materialien aus verschiedenen Archivbeständen des Sozialarchivs.

Mit anschliessendem Apéro.

Donnerstag, 27. November 2025, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 237 KB)

Samuel Geiser, Heidi Kronenberg, Yoshiko Kusano: Küchengespräche. Wer kocht, putzt, wäscht und tröstet? Zürich, Rotpunktverlag, 2024
Samuel Geiser, Heidi Kronenberg, Yoshiko Kusano: Küchengespräche. Wer kocht, putzt, wäscht und tröstet? Zürich, Rotpunktverlag, 2024

23.10.2025, 18.30 Uhr: Küchengespräche

Wer kocht, putzt, wäscht und tröstet?

Single-, WG- oder Familienhaushalt – gemacht werden muss er!

Ob es um Ernährung, Traditionen, Kindererziehung oder Aufgabenverteilung geht – nirgends zeigen sich gesellschaftliche Veränderungen so spürbar wie im Haushalt. Niemand kommt darum herum: Entweder man oder frau – vor allem frau – macht ihn. Oder lässt ihn machen. Doch zu welchem Preis? Ist Hausarbeit eine Arbeit wie jede andere? Soll sie bezahlt werden? Oder ist sie unbezahlbar, weil sie mit Nähe und Liebe zu tun hat?

Heidi Kronenberg, Samuel Geiser und Yoshiko Kusano laden in «Küchengespräche» zu einer Entdeckungsreise durch die Haushaltsformen von heute ein. Wort und Bild fügen sich zu einem Mosaik vielfältiger Haushaltsformen zusammen: Senior:innen-WG, Mehrgenerationenhaus, Dreier-WG, Rainbow Dads, Single-Haushalte oder ein Familienhaushalt mit traditioneller Rollenverteilung und einem Hausmann. Mit den bebilderten Reportagen gibt das Buch Einblick in das unterschiedliche Haushalten, Gespräche mit Expert:innen wie etwa der Historikerin und Co-Direktorin des Gosteli-Archivs, Simona Isler, beleuchten das Thema zusätzlich aus historischer Perspektive und liefern erkenntnisreiche Hintergründe dazu.

Buchpräsentation mit den Autor:innen Samuel Geiser und Heidi Kronenberg, der Fotografin Yoshiko Kusano sowie der Historikerin Simona Isler.
Mit anschliessendem Apéro.

Donnerstag, 23. Oktober 2025, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 313 KB)

SozArch F 5008-Ox-007
SozArch F 5008-Ox-007

6.10.2025, 12.30 Uhr: Webinar arbeiterbewegung.ch

Relaunch der Ressourcenplattform zur schweizerischen Arbeiterbewegungsgeschichte

Seit ihrer Gründung im Jahr 2008 betreibt die Interessengemeinschaft «Geschichte der Schweizerischen Arbeiterbewegung» eine eigene Website. Die IG ist ein lockerer Kompetenzverbund zu Geschichte und Archiven der schweizerischen Arbeiterbewegung von Spezialarchiven, Forschungsinstitutionen und Gewerkschaften. Zurzeit gehören ihr an: das Schweizerische Sozialarchiv in Zürich, die Archives contestataires in Genf, die Association pour l’étude de l’histoire du mouvement ouvrier (AÉHMO) in Lausanne, das Centre international de recherches sur l’anarchisme (CIRA) in Lausanne, das Collège du Travail in Genf, die Fondazione Pellegrini Canevascini (FPC) in Bellinzona sowie der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) und die Gewerkschaften UNIA, VPOD, SEV und Syndicom.

Kern der bisherigen Website war ein Metakatalog zu den vielfältigen, vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart reichenden Archivbeständen der schweizerischen Arbeiterbewegungsgeschichte. Diese umfassen die Akten von Gewerkschaften, Parteien, Arbeiter:innenvereinen, Genossenschaften und Unternehmen, Frauen- und Jugendorganisationen und zum Anarchismus sowie Personennachlässe. Neben den umfangreichen Beständen im Sozialarchiv befinden sie sich auch in kleineren Spezialarchiven, im Bundesarchiv, in kantonalen und kommunalen Archiven, Bibliotheken und Museen, in gewerkschaftlichen Vorarchiven und in vereinzelten Fällen sogar im Ausland im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam oder im Archiv der sozialen Demokratie in Bonn.

Auch auf der nun inhaltlich und technisch vollständig neu aufgesetzten Website bildet der Metakatalog mit Direktzugriff auf die Findmittel der bestandeshaltenden Institutionen ein zentrales und für die Forschung unverzichtbares Tool. Die Forschungsinfrastrukturfunktion der Website wurde aber angereichert durch Übersichten und Links zu den immer zahlreicher greifbaren digitalen Beständen. Dazu gehören etwa retrodigitalisierte Zeitungen und Zeitschriften auf verschiedenen Portalen, Online-Datenbanken mit audiovisuellen Quellen oder biografischen Angaben und Archive von «digital born»-Dokumenten der letzten drei Jahrzehnte. Darüber hinaus bietet die Website arbeiterbewegung.ch Informationen zur Organisationsentwicklung der schweizerischen Arbeiterbewegung, zu laufenden und abgeschlossenen Forschungs- und Vermittlungsprojekten sowie einen aktuellen Veranstaltungskalender.

Am Montag, 6. Oktober 2025, von 12.30 bis 13.15 Uhr stellen wir in einem Webinar Benutzer:innen und weiteren Interessierten die neue Website vor (Link: https://uzh.zoom.us/j/61150200036?pwd=Deb5vaUs1dkpyrU9gGXkDyg1CBbz0F.1).

Flyer zum Webinar herunterladen (PDF, 385 KB)

26.8.2025, 18.30 Uhr: Mehr!

Wirtschaftswachstum und Wachstumskritik in der Schweiz seit 1945

Buchvernissage

Kein anderes Paradigma hat die Schweizer Wirtschaft und Wirtschaftspolitik seit dem Zweiten Weltkrieg so stark geprägt wie das Wachstumsparadigma. Spätestens seit der Ölpreiskrise der 1970er Jahre sind aber auch die «Grenzen des Wachstums» verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Neue Konzepte, die mit den Begriffen «qualitatives», «nachhaltiges» oder «grünes Wachstum» umschrieben werden können, prägten die Debatte zunehmend. «Degrowth» und «Suffizienz» sind inzwischen zu neuen wachstumskritischen Schlagworten geworden.
Das Buch untersucht nicht nur, wie (stetiges) Wachstum in den Nachkriegsjahren auch in der Schweiz zu einer Wirtschaft und Politik prägenden Leitidee werden konnte. Es thematisiert auch die zunehmende Wachstumskritik seit den 1970er Jahren und fragt nach den Adaptationen und Transformationen dieser Kritik bis zur Stagnation der 1990er Jahre.

Einführung von Christian Rohr (Universität Bern).
Podium mit Cédric Wermuth (Co-Präsident SPS), Irmi Seidl (Universität Zürich) und Roman Rossfeld (Universität St.Gallen/Universität Bern).
Moderation Sara Elmer (Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften).

Mit anschliessendem Apéro.

Dienstag, 26. August 2025, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

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22.5.2025, 18.30 Uhr: Solange es noch Tag ist

Walter Trösch: Verleger, Sozialist und Pazifist

Buchpräsentation

Der Name Walter Trösch ist heute weitgehend vergessen, trotz seiner Bedeutung für die Geschichte der Schweizer Presse und Arbeiter:innenbewegung. Trösch gründete 1905 mit der «Neuen Freien Zeitung» die erste Arbeiterzeitung auf dem Platz Olten und betrieb dort im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts einen sozialistischen und pazifistischen Verlag, in dem unter anderem Werke von Herman Greulich, Anny Klawa-Morf und Leonhard Ragaz erschienen. Betrügerische Machenschaften und widrige Umstände trieben jedoch sein Unternehmen bereits 1927 in den Ruin.
Mara Meier zeichnet in «Solange es noch Tag ist» ein faszinierendes Bild des Verlegers und SP-Politikers, der sich bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für das Frauenstimmrecht, eine AHV und den Achtstundentag engagiert hatte. Stets vertrat Trösch dabei die Ansicht, sozialer Wandel dürfe nur auf gewaltlosem Weg erreicht werden.

Lesung aus dem Buch durch die Autorin und historischer Input von Christian Koller (Schweizerisches Sozialarchiv).
Mit anschliessendem Apéro.

Donnerstag, 22. Mai 2025, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

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Filmplakat des Frauenkino Xenia, 1989 (Gestaltung: Claudia Labhart/SozArch F Pc-0308)
Filmplakat des Frauenkino Xenia, 1989 (Gestaltung: Claudia Labhart/SozArch F Pc-0308)

5.6.2025, 18.30 Uhr: Frauenkino Xenia: feministisch – autonom – kollaborativ

Das Frauenkino Xenia bestand von 1988 bis 2003 im Herzen von Zürich als «Kino von Frauen für Frauen». Ein feministisches Kollektiv betrieb es jeweils donnerstags, setzte sich für Filme aus Frauenhand und den «weiblichen Blick» ein und zelebrierte Sisterhood.
Im April 1988 eröffnete das Frauenkino mit einem ersten Programm. Eine Gruppe von Aktivistinnen aus dem Filmclub Xenix und dem benachbarten Kulturzentrum Kanzlei rief das Kollektiv Xenia ins Leben, das über fünfzehn Jahre lang ein dezidiert feministisches Filmprogramm mit kollaborativem Ansatz bot. Frauenräume – bereits ein Thema in der zweiten Welle der Frauenbewegung – florierten in den 80er und 90er Jahren in Zürich. Das Xenia war Teil davon und pflegte ein Netzwerk weit über die Landesgrenzen hinaus.
In den fünfzehn Jahren seines Bestehens zeigte das Xenia 1’001 Filme und produzierte rund 120 Programmplakate und -karten. Frauenräume gerieten Ende der 90er Jahre zunehmend unter Druck, 2003 wurde auch das Xenia verdrängt.

Das Buch «Frauenkino Xenia – Zürich» von Doris Senn ist eine Hommage an das Projekt und seine Macherinnen und gibt Einblick in die Fülle der Programmplakate.

Gespräch zum Buch mit Doris Senn.
Anschliessend Apéro.

Donnerstag, 5. Juni 2025, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

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