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Vor 65 Jahren: Bau der Berliner Mauer

«Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort – ‹unverzüglich›.» Mit diesen gestammelten Worten zu den neuen Reisebestimmungen der DDR trat das schlecht vorbereitete SED-Politbüromitglied Günter Schabowski auf einer Pressekonferenz am Abend des 9. November 1989 ein welthistorisches Ereignis los, das als «Fall der Mauer» ins kollektive Gedächtnis eingegangen ist. Obwohl die in den folgenden Stunden unkontrolliert vonstattengehende Öffnung der DDR-Grenzen keineswegs nur die Übergänge zwischen Ost- und Westberlin, sondern auch die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik betraf, konzentrierte sich das mediale Interesse sofort auf die geradezu karnevalesken Szenen an der Berliner Mauer und galt deren Abbruch in der Folgezeit als Symbol für die Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas und die Liquidation des Kalten Krieges (s. SozialarchivInfo 5/2019). In der im Herbst 1989 rasch anschwellenden Protestbewegung in der DDR hatte an den Massendemonstrationen neben den Rufen «Wir sind das Volk!», «Keine Gewalt!» und «Freie Wahlen!» der Slogan «Die Mauer muss weg!» zum Standardrepertoire gehört. Ein Demonstrationsplakat brachte die politische und wirtschaftliche Doppelkrise der DDR direkt mit der Berliner Mauer in Zusammenhang: «Bleibt die Mauer, gehn die Leute – fällt die Mauer, ist sie pleite – Ja sie hat es wirklich schwer ‹unsre› arme DDR».

Die Berliner Mauer und der «Eiserne Vorhang» stehen als befestigte Grenzhindernisse in einer langen universalhistorischen Tradition – stellen innerhalb dieser aber durch ihren Zweck, Menschen nicht aus-, sondern einzuschliessen, einen Sonderfall dar, der durch propagandistische Verkehrung ins Gegenteil («Antifaschistischer Schutzwall») nur wenig überzeugend zu übertünchen versucht wurde. Die Geschichte von Mauern und befestigten Grenzanlagen zur Abhaltung militärischer Invasionen reicht von antiken Bauwerken wie beispielsweise den «Langen Mauern», die im 5. Jahrhundert v. Chr. den Verkehrsweg zwischen Athen und seinem Hafen Piräus sicherten, oder dem im 2. Jahrhundert n. Chr. im heutigen Nordengland von den Römern errichteten Hadrianswall über mittelalterliche Stadtmauern und die ab dem 14. Jahrhundert erbaute Chinesische Mauer und ihre Vorläufer oder die französische Maginot-Linie und den deutschen «Westwall» vor bzw. im Zweiten Weltkrieg bis zur seit 2024 von den Kleinstaaten Estland, Lettland und Litauen an den Grenzen zu Russland und Belarus errichteten «Baltic Defence Line». Im 20. und 21. Jahrhundert sind dazu Bauwerke zur Verhinderung von Immigration gekommen, so ab den 1990er Jahren Zäune an einzelnen Abschnitten der amerikanisch-mexikanischen Grenze, deren Ausbau ab 2006 und von 2017 bis 2021 einige Abschnitte von Trumps Prestigeprojekt einer neun Meter hohen Grenzmauer oder die ab 1993 errichteten Zäune um die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika. Funktionale Mischformen sind die in den letzten Jahren ausgebauten nordkoreanischen Befestigungen an der Demarkationslinie zu Südkorea, die sowohl der Verhinderung von Fluchten als auch militärischen Zwecken dienen, die indischen Grenzbefestigungen in der umstrittenen Region Kaschmir, die Immigration wie auch die Infiltration bewaffneter Gruppen aus Pakistan verhindern sollen, oder die von Israel errichteten Sperranlagen um den Gazastreifen (erbaut 1994 bis 1996) und entlang der Demarkationslinie zum Westjordanland (Baubeginn 2002), die offiziell der Abwehr von Terroranschlägen dienen, aber auch die Kontrolle der Migration vereinfachen. Auf einer lokaleren Ebene kommen die «Gated Communities» hinzu, geschlossene Wohnkomplexe gehobener Gesellschaftsschichten mit verschiedenen Arten von Zugangsbeschränkungen, die (mit Vorläufern seit dem späten 19. Jahrhundert) ab den 1970er Jahren vor allem in Grossstädten Nord- und Lateinamerikas, aber auch Europas und Asiens entstehen.

Waren der Fall der Berliner Mauer und das Ende des Kalten Krieges zeitlich und kausal unmittelbar miteinander verknüpft, so stand der Bau der Mauer nicht am Anfang der Teilung Europas, sondern stellte nach anderthalb Jahrzehnten frühem Kalten Krieg deren Höhepunkt und Vollendung dar. Die unter einem besonderen Statut stehende, in vier Besatzungssektoren aufgeteilte ehemalige Reichshauptstadt Berlin hatte bis 1961 als letzte Lücke im «Eisernen Vorhang» gegolten, der den Ostblock hermetisch von Westeuropa abzuschirmen versuchte, und war mehrfach Brennpunkt internationaler und innerdeutscher Krisen und Spannungen gewesen.

Die aus der Theatersprache entlehnte Metapher des «Eisernen Vorhanges» hatte sich mit ihrer Verwendung durch Winston Churchill in seiner Rede «The Sinews of Peace» in Fulton im März 1946 definitiv in der politischen Sprache des entstehenden Kalten Krieges etabliert. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war sie mit verschiedenen Bedeutungen aufgetaucht, darunter schon kurz nach der Oktoberrevolution auch bereits im Zusammenhang mit dem bolschewistischen Russland. Um das Ende des Zweiten Weltkriegs fokussierte sich die Begriffsverwendung auf den Vorstoss der Roten Armee nach Mitteleuropa. Im Winter 1944/45 war in der nationalsozialistischen Propaganda beim Versuch, die Alliierten in letzter Minute zu spalten, mehrfach vom drohenden Niedergehen eines «Eisernen Vorhanges» in Europa die Rede. Bereits ab dem Frühjahr 1945 tauchte die Metapher aber auch in Telegrammen Churchills an US-Präsident Harry Truman sowie in der Presse neutraler Staaten wie der Schweiz und Schwedens auf. In den folgenden Monaten wandelte sich angesichts der Sowjetisierung der von der Roten Armee besetzten Gebiete die Redeweise vom dynamischen «Niedergehen» zum statischen «Vorhandensein» des «Eisernen Vorhangs» und dessen Qualität wurde zunehmend nicht mehr als simple Kommunikationsbarriere, sondern als Systemgrenze gesehen. In seiner Rede in Fulton beklagte dann Churchill, von Stettin bis Triest sei ein «Iron Curtain» über Europa niedergegangen, hinter dem in der sowjetischen Sphäre die wichtigen Metropolen Zentral- und Osteuropas lägen und wo die ehemals kleinen kommunistischen Parteien nun nach totalitärer Kontrolle strebten. Zu den hinter dem «Eisernen Vorhang» liegenden Metropolen zählte er dabei ausdrücklich auch Berlin und Wien, die unter Viermächtebesatzung standen.

Geteilte Städte als Symbole der konfliktbeladenen Nachkriegszeit

Berlin war in der Nachkriegszeit der Inbegriff einer «geteilten Stadt», freilich nicht die einzige Metropole mit einem solchen Schicksal. Während die Teilungen anderer Städte aus regionalen Konflikten mit Wurzeln in religiösen und nationalistischen Gegensätzen resultierten, war der direkt mit dem globalpolitischen Zentralkonflikt der Epoche verbundene, nicht auf soziokulturellen Gegensätzen in der lokalen Bevölkerung beruhende Fall von Berlin aber anders gelagert. Die Stadt Wien, die ab 1945 ebenfalls unter Viermächtebesatzung stand, entging dagegen dank des österreichischen Staatsvertrags von 1955 diesem Schicksal (s. SozialarchivInfo 2/2025). Globalhistorisch war das Phänomen baulich geteilter Städte in der Nachkriegszeit nicht neu. Viele Metropolen in Afrika und Asien wiesen in der Kolonialzeit eine duale Struktur auf, bei der die Wohnquartiere der europäischstämmigen Kolonisator:innen von denjenigen der Kolonisierten strikt getrennt waren und die Abgrenzung durch Mauern, Zäune oder unbebaute Pufferzonen auch baulich sichtbar war – mit Nachwirkungen weit über die Dekolonisation hinaus. Das Motiv geteilter Städte erfuhr vielfältige kulturelle Verarbeitungen. So handelte der Asterix-Band «Le Grand Fossé» von 1980 von einem zwischen den Anhängerschaften zweier verfeindeter Häuptlinge durch einen Graben geteilten keltischen Dorf, dessen Spaltung und zeitweiser Verrat an die Römer in einer Romeo-und-Julia-Geschichte erst durch die unbesiegbaren Gallier überwunden wird.

Durch den ersten arabisch-israelischen Krieg von 1948/49 war Jerusalem, das gemäss dem von der jüdischen Seite akzeptierten, von der arabischen aber abgelehnten UNO-Teilungs- und Konföderationsplan für das Mandatsgebiet Palästina von 1947 neben je einem geplanten jüdischen und arabischen Staat zu einem unter UNO-Verwaltung stehenden, demilitarisierten und neutralen dritten Element hätte werden sollen, entlang der Waffenstillstandslinie geteilt worden: Der Westen der Stadt gelangte unter israelische, der Osten (inklusive das jüdische Viertel der Altstadt, dessen etwa 1’500 Einwohner:innen vertrieben wurden) unter jordanische Herrschaft. Wie vor den Sektorengrenzen Berlins warnten in Jerusalem Schilder vor dem Verlassen des jeweiligen Bereichs. Im dritten arabisch-israelischen Krieg von 1967 griffen jordanische Einheiten Westjerusalem an, im Gegenzug eroberte die israelische Armee aber Ostjerusalem, so dass nun die ganze Stadt unter israelische Herrschaft gelangte. Ihr Status blieb umstritten. Das 1978 von der Carter-Administration vermittelte israelisch-ägyptische Friedensabkommen klammerte die Jerusalem-Frage aus. 1980 beschloss die Knesset das «Jerusalemgesetz», das die Gesamtheit von Jerusalem zur Hauptstadt Israels erklärte, vom UNO-Sicherheitsrat aber umgehend und einstimmig für nichtig erklärt wurde. 1988 gab Jordanien seinen Anspruch auf Ostjerusalem auf, kurz darauf erklärte aber die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) Jerusalem zur Hauptstadt des von ihr ausgerufenen, nur auf dem Papier bestehenden «Staates Palästina». Im Oslo-Friedensprozess der frühen 90er Jahre war die Jerusalem-Frage heftig umstritten und blieb ohne Lösung. 2018 anerkannte die erste Trump-Administration in einem international umstrittenen Entscheid Jerusalem als israelische Hauptstadt und verlegte die US-Botschaft dorthin.

Der Zypernkonflikt führte mit der faktischen Teilung der Insel auch zur Teilung der Hauptstadt Nikosia. 1974 folgte auf einen Putschversuch griechisch-zypriotischer Offiziere, hinter denen die damalige griechische Militärjunta stand und die einen Anschluss an Griechenland erstrebten, eine türkische Militärintervention. Bis 1983 verstand sich die türkisch-zypriotische Administration in den türkisch besetzten Gebieten der Insel noch als Teil einer zukünftigen gesamtzypriotischen Föderation, dann wurde die Unabhängigkeit beanspruchende «Türkische Republik Nordzypern» ausgerufen, die aber international keine Anerkennung fand. Nikosia blieb Hauptstadt der Republik Zypern, der türkisch besetzte Nordteil der Stadt wurde aber als «Nord-Nikosia» zur Hauptstadt der «Türkischen Republik Nordzypern» erklärt. Durch die Stadt zieht sich seither die durch Mauern, Zäune und andere Absperrungen markierte, von UNO-Friedenstruppen überwachte «Grüne Linie», in deren Umfeld verschiedene Graffiti auf die Berliner Mauer verweisen.

Eine weitere «geteilte Stadt» der Nachkriegszeit war Belfast. Anders als Berlin, Jerusalem und Nikosia war die nordirische Kapitale aber nicht entlang einer internationalen Konfliktlinie in zwei Teile gespalten, sondern es akzentuierte sich in den «troubles» eine bereits zuvor bestehende konfessionelle Segregation der Wohnquartiere, bei der es schon in der Zwischenkriegszeit vereinzelte bauliche Einrichtungen zur Trennung der Bevölkerungsgruppen gegeben hatte. 1969 richtete die nordirische Regierung nach schweren Ausschreitungen eines protestantisch-unionistischen Mobs aus der Shankill Road in der Falls Road mit ihrer katholisch-republikanischen und teils gälischsprachigen Bevölkerung, die erst nach einem Armeeeinsatz beendet werden konnten, zwischen den beiden Quartieren eine «peace line» in Gestalt eines durch Polizei und Militär kontrollierten Stacheldrahtzauns ein, der aber explizit keine zweite Berliner Mauer sein sollte. In den folgenden Jahren nahm die konfessionelle Segregation zu. Etwa 60’000 Menschen wurden aus ihren bisherigen Wohnquartieren vertrieben. Es entstanden weitere «peace lines» aus Wellblechzäunen, Mauern, Gittern und Stahlwänden, insbesondere im Norden und Westen von Belfast, aber auch in den Städten Derry/Londonderry und Portadown. Auf dem Höhepunkt des Jurakonflikts in den 1970er Jahren wurde teilweise das Menetekel einer ähnlichen Spaltung Moutiers als «zweites Belfast» an die Wand gemalt (s. SozialarchivInfo 1/2019). Um die Jahrtausendwende betrug die Gesamtlänge der knapp 100 «peace lines» in Belfast 21 Kilometer. Nach dem von den Regierungen des Vereinigten Königsreichs und der Republik Irland vermittelten Karfreitagsabkommen von 1998 setzten Diskussionen über den Abbau der «peace lines» ein, bedeutende Teile der Bevölkerung Belfast halten sie aber nach wie vor für notwendig. Zugleich sind sie in jüngerer Zeit zu Touristenattraktionen geworden.

Von der Kapitulation der Nazis zur ersten Berlinkrise

Die Schlacht um Berlin vom 16. April bis 2. Mai 1945 war die letzte grosse Militäroperation des Zweiten Weltkriegs in Europa, kostete etwa 200’000 Menschenleben und führte zu umfangreichen Zerstörungen von Gebäuden und Verkehrsinfrastruktur. Am 30. April entzog sich Adolf Hitler im «Führerbunker» durch Selbstmord der Verantwortung für seine Verbrechen, am 2. Mai wurde die ganze Reichshauptstadt von der Roten Armee kontrolliert, deren Einheiten beim Sturm auf Berlin von rund 180’000 polnischen Soldaten unterstützt worden waren. Am 8./9. Mai 1945 unterzeichnete die deutsche Militärführung in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation. Am 17. Mai setzte der sowjetische Stadtkommandant eine hauptsächlich aus Kommunisten bestehende Zivilverwaltung unter Oberbürgermeister Arthur Werner ein. Bereits im Februar 1945 hatten die alliierten Mächte auf der Konferenz von Jalta die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen und Berlins, das vollständig von der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) umgeben war, in vier Sektoren beschlossen. Im Juli 1945 trafen die ersten amerikanischen, britischen und französischen Besatzungskontingente in Berlin ein und übernahmen ihre Sektoren.

Als sich in den ersten Nachkriegsjahren Westzonen und SBZ vor dem Hintergrund des einsetzenden Kalten Krieges politisch zunehmend auseinanderentwickelten und 1949 zwei deutsche Staatsgründungen erfolgten, wurde der Status Berlins prekär. Zunächst standen indessen das Überleben und der Wiederaufbau im Zentrum. Rund ein Fünftel der Gebäude Berlins, in der Innenstadt sogar die Hälfte waren zerstört und 1,5 Millionen Menschen obdachlos geworden. Hatte die Reichshauptstadt bei Kriegsbeginn 4,3 Millionen Einwohner:innen gezählt, so war diese Zahl bis im Mai 1945 auf 2,8 Millionen abgesackt. Insbesondere in der Alterskohorte zwischen 20 und 45 Jahren wies die Bevölkerung einen extremen Frauenüberschuss auf – die Männer waren noch auf den diversen Kriegsschauplätzen, in Kriegsgefangenschaft oder gefallen. In den ersten Nachkriegswochen waren Vergewaltigungen durch Rotarmisten ein Massenphänomen – aufgrund von Spitalakten werden für Berlin Zahlen von mindestens 110’000 (in vielen Fällen mehrfach) vergewaltigten Frauen geschätzt. Wegen des Mangels an arbeitsfähigen Männern wurden die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten zunächst vor allem von Frauen ausgeführt. Das Bild der «Trümmerfrauen», die schwere körperliche Arbeit leisteten, wurde dadurch zu einem Symbol des Berlins der unmittelbaren Nachkriegszeit.

In allen Besatzungsgebieten Deutschlands erwachte in der zweiten Jahreshälfte 1945 das politische Leben durch Parteigründungen wieder. Im Wesentlichen entstanden als Wiedergründungen die Sozialdemokratische Partei (SPD) und die Kommunistische Partei (KPD), als Neugründung die überkonfessionelle Christlich Demokratische Union (CDU) sowie unter verschiedenen Namen eine liberale Partei. Während in den westlichen Besatzungszonen die Entwicklung zu einem pluralistisch-demokratischen Konkurrenzmodell tendierte, förderten die sowjetischen Militärbehörden in ihrer Zone ein Blockmodell unter kommunistischer Führung. Bereits im Juli 1945 wurden die vier zugelassenen Parteien in der SBZ im «Block der antifaschistisch demokratischen Parteien» zusammengeschlossen. Erste Wahlen Ende 1945 und Anfang 1946 in einzelnen Ländern der westlichen Besatzungszonen Deutschlands sowie in Österreich zeigten unerwartet schwache Resultate der Kommunist:innen mit Stimmenanteilen unter 10%. Da Ähnliches auch in der SBZ zu erwarten war und damit der kommunistische Führungsanspruch delegitimiert worden wäre, erhöhten die sowjetischen Militärbehörden daraufhin den Druck für einen Zusammenschluss von KPD und SPD.

Anfängliche sozialdemokratische Sympathien für eine Vereinigung und die Überwindung der Spaltung der Arbeiter:innenbewegung, die in der Weimarer Republik den Abwehrkampf gegen die Nazis entscheidend geschwächt hatte, verflogen angesichts des kommunistischen Machtanspruchs. Kurt Schumacher, spiritus rector des Wiederaufbaus der SPD in den westlichen Besatzungszonen, der in der späten Weimarer Republik den kommunistischen Kampf gegen die Sozialdemokratie im Rahmen der «Sozialfaschismus-Theorie» (der wie beim Berliner Verkehrsarbeiterstreik von 1932, der KPD-seitig vom späteren SED-Chef Walter Ulbricht, NSDAP-seitig von Josef Goebbels ausgerufen worden war, sogar zu punktuellen Kooperationen zwischen KPD und Nazis führen konnte) selbst miterlebt hatte, lehnte die Vereinigung strikte ab.

Die Furcht vor schlechten kommunistischen Wahlresultaten führte Anfang 1946 aber zur Forcierung der Vereinigungsbewegung in der SBZ durch sowjetische Behörden und KPD. Sozialdemokratische Vereinigungsskeptiker wurden zum Ziel behördlicher Repressionen, als «Spalter» diffamiert und mit Redeverboten belegt. Am 10./11. Februar 1946 fällte der Zentralausschuss der SPD in der SBZ mit 8 gegen 3 Stimmen bei 4 Enthaltungen den Entscheid für die sofortige Verschmelzung mit der KPD. Widerstand kam aber aus Berlin, wo eine SPD-Funktionärskonferenz sich mit grosser Mehrheit für eine Mitgliederbefragung aussprach. Diese fand am 31. März 1946 statt, allerdings nur in den Westsektoren, während sie im sowjetischen Sektor von der Besatzungsmacht nicht zugelassen wurde. Bei einer Beteiligung von 73% der SPD-Mitglieder sprachen sich 61,7% grundsätzlich für eine Zusammenarbeit mit der KPD aus, aber 82,2% waren gegen den sofortigen Zusammenschluss der beiden Parteien. Am 21./22. April 1946 fand im Admiralspalast im sowjetischen Sektor Berlins der Vereinigungsparteitag zur Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) für die gesamte SBZ statt. In Berlin selbst existierte neben der SED aber weiterhin in allen vier Sektoren auch die SPD. Die anfänglich paritätische Besetzung der SED-Gremien wurde rasch zugunsten ehemaliger KPD-Mitglieder aufgegeben und «Sozialdemokratismus» im Parteijargon zum Schimpfwort.

Am 20. Oktober 1946 fanden in den Ländern der SBZ sowie in Gross-Berlin Wahlen statt. Bei den Landtagswahlen war die Kandidatur einer eigenständigen SPD nicht zugelassen, dennoch blieb die SED in allen fünf Ländern knapp unter 50% und die beiden bürgerlichen Parteien CDU und LDP erzielten beachtliche Resultate von je um die 25%. Bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung Gross-Berlins kam es dagegen zum direkten Duell zwischen SPD und SED, welches eindeutig ausfiel: Die SPD kam auf 48,8% gegenüber nur 19,8% der SED, die noch hinter der CDU (22,2%) landete. Selbst im sowjetischen Sektor lag die behördlich geförderte SED mit 29,8% deutlich hinter der SPD (43,6%). Im Dezember wählte die Stadtverordnetenversammlung einen neuen Magistrat unter dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Otto Ostrowski, der einer Dreierkoalition aus SPD, CDU und LDP vorstand.

Als Ostrowskis Nachfolger wurde im Juni 1947 der Sozialdemokrat Ernst Reuter gewählt, der aber aufgrund eines sowjetischen Vetos in der Alliierten Kommandantur sein Amt zunächst nicht antreten konnte. Reuter war im Ersten Weltkrieg Kriegsgefangener in Russland gewesen und hatte sich 1917/18 aktiv an der bolschewistischen Revolution beteiligt. Nach seiner Rückkehr war er 1919 bis zu seinem Parteiausschluss 1922 KPD-Funktionär gewesen und gelangte dann wieder zur SPD zurück. Bis 1933 war er Kommunalpolitiker in Berlin und Magdeburg, ging dann nach zweimaliger KZ-Haft ins Exil in die Türkei, wo er an der Universität Ankara Stadtplanung unterrichtete, und kehrte 1946 nach Berlin zurück, wo er Stadtrat für Verkehr und Versorgungsbetriebe wurde.

Aufgrund des sowjetischen Vetos gegen Reuter wurde vom Juni 1947 bis Oktober 1948 Louise Schroeder als erste Frau kommissarische Oberbürgermeisterin Berlins. In ihre Amtszeit fiel der Beginn der ersten Berlinkrise. Im Frühjahr 1948 zeichnete sich zunehmend eine wirtschaftspolitische Verschmelzung der drei Westzonen und deren Einbezug in den Marshallplan ab. Zudem scheiterten Bestrebungen für eine einheitliche Währungsreform für alle Besatzungszonen. Ende März stellte die Sowjetunion ihre Mitarbeit im Alliierten Kontrollrat für Deutschland ein und erhöhte, auch in Absprache mit der SED-Führung, die für die im Herbst bevorstehenden Berliner Wahlen ein ähnlich schlechtes Ergebnis wie 1946 befürchtete, den Druck auf die Berliner Westsektoren. Ab dem 1. April gab es Einschränkungen westalliierter Truppentransporte auf den Zufahrtswegen nach Berlin. Am 16. Juni verliess die Sowjetunion die Alliierte Kommandantur Berlins. Am 20. Juni wurde in den westlichen Besatzungszonen die D-Mark eingeführt, drei Tage darauf erfolgte in der SBZ und Berlin die Einführung der Ostmark.

Ab dem 24. Juni 1948 wurde die D-Mark aber auch in den westlichen Sektoren Berlins Zahlungsmittel. Am selben Tag stellten die sowjetischen Behörden die Belieferung der Westsektoren mit Strom aus der SBZ ein, was gewaltige Blackouts verursachte, und blockierte zunehmend den Personen- und Güterverkehr zwischen den westlichen Besatzungszonen und den Westsektoren Berlins auf Strassen, Schienen, Flüssen und Kanälen. Nur der Verkehr zum Ostsektor der Stadt und zur SBZ blieb offen, wobei aber betont wurde, dass eine Versorgung der Westsektoren aus diesen Gebieten nicht erfolgen werde. Da die Westsektoren mit ihren 2,2 Millionen Einwohner:innen zu etwa drei Viertel aus den westlichen Besatzungszonen versorgt wurden, kam dies der Ankündigung einer Aushungerungsstrategie gleich. Am 2. August liess Stalin die Botschafter der westalliierten Mächte wissen, die Blockade könne aufgehoben werden, wenn die auf die Gründung eines provisorischen westdeutschen Staats abzielenden Beschlüsse der Londoner Sechsmächtekonferenz ausgesetzt würden. Diese von Februar bis Anfang Juni 1948 tagende Konferenz war hervorgegangen aus dem Scheitern des Versuchs einer einheitlichen Deutschlandpolitik nach fünf ergebnislosen Aussenministertreffen der vier Hauptsiegermächte.

Ebenso setzten im Ostsektor Berlins Repressionen gegen gewählte Behördenmitglieder und Verwaltungsmitarbeitende, die sich der sowjetischen Linie nicht unterordneten, ein. Anfang September verlegte die Stadtverordnetenversammlung ihre Sitzungen deshalb vom sowjetischen in den britischen Sektor. Am 9. September 1948 demonstrierten 350’000 Menschen auf dem Platz der Republik gegen die Blockade, die Spaltung Berlins und die Repressionen gegen frei gewählte Amtsträger:innen. Ernst Reuter rief in einer international beachteten Rede vor der Ruine des Reichstagsgebäudes aus: «Ihr Völker der Welt, […] schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft!» Nach der Kundgebung erschossen Ostberliner Volkspolizisten einen 15-jährigen Schüler.

Die westalliierten Mächte waren von der Blockade zunächst überrumpelt und reagierten darauf wenig koordiniert, zumal die Möglichkeiten, Westberlin zu halten, sehr kontrovers eingeschätzt wurden. Erst im Februar war in der Tschechoslowakei mit dem Prager Umsturz die letzte Demokratie in der sowjetischen Einflusssphäre, die Churchill 1946 in seiner «Iron Curtain»-Rede noch ausdrücklich als Sonderfall genannt hatte, zerstört worden. Bereits ab dem 26. Juni 1948 startete aber eine Luftbrücke mit Versorgungsflügen der amerikanischen und britischen Luftwaffen. Die täglich 500 Flugzeuge, die im Volksmund als «Rosinenbomber» bezeichnet wurden, transportierten in drei Luftkorridoren Lebensmittel, andere Gebrauchsgüter und vor allem Kohle nach Westberlin. Ebenso untersagten die Westmächte den Export gewisser Produkte und Rohstoffe (u. a. von Steinkohle und Stahl) in die SBZ. Diese Retorsionsmassnahme traf die dortige Wirtschaft umso schmerzhafter, als zuvor bereits zwei Drittel der industriellen Kapazität in die Sowjetunion abtransportiert worden waren.

Am 30. November 1948 erklärte eine von der sowjetischen Militäradministration und der SED inszenierte «ausserordentliche Stadtverordnetenversammlung» mit «Delegierten» aus dem Ostsektor ohne demokratische Legitimation die Stadtregierung für abgesetzt und ernannte einen SED-geführten «provisorischen demokratischen Magistrat», der die Gesamtheit von Berlin zu einem Teil der SBZ erklärte und von den sowjetischen Behörden sofort anerkannt wurde. Damit war die politische Spaltung der Stadt besiegelt. Die ordentlichen Berliner Wahlen am 5. Dezember konnten nur in den Westsektoren stattfinden und endeten mit einem überwältigenden Sieg der SPD, die 64,5% der Stimmen erhielt. Die CDU kam auf 19,4%, die LDP auf 16,1%, die SED trat nicht mehr an. Ernst Reuter wurde daraufhin Oberbürgermeister Westberlins und setzte in der Krisensituation die Koalition mit CDU und LDP fort. In Ostberlin sollte es erst 1953 wieder Wahlen geben, die dann nach dem DDR-System mit Einheitslisten stattfanden. Umgekehrt beteiligte sich die SED ab 1954 wieder an den Westberliner Wahlen (nach dem Bau der Mauer als vorgeblich von der DDR unabhängige, aber massiv von dieser finanzierte SED-W bzw. SEW), blieb aber stets deutlich unter 3%.

Mit dem anbrechenden Winter wurde allgemein mit einer Verschlechterung der Versorgungslage Westberlins gerechnet. Nach dem für Berlin sehr harten «Hungerwinter» 1946/47 war der «Blockadewinter» 1948/49 aber von den Temperaturen her viel milder, so dass die Minimalversorgung mit Nahrungsmitteln und Energie über die Luftbrücke knapp gesichert werden konnte. Damit war das Scheitern der Blockade offenkundig. Ab Februar 1949 verhandelte die Sowjetunion insgeheim mit den Westmächten über die Aufhebung der Blockade und der Gegenmassnahmen und am 4. Mai kam es zu einem entsprechenden Abkommen. Ab Mitternacht vom 11. auf den 12. Mai 1949 wurden die Westsektoren wieder mit Strom versorgt und die Blockade der Verkehrswege zu Wasser und Land aufgehoben. Erst im Herbst waren die Verkehrswege aber wieder wie vor der Blockade benutzbar, weswegen die Luftbrücke bis zum 30. September weiterging. Insgesamt wurden von Juni 1948 bis September 1949 in 277’569 Flügen rund 2,1 Millionen Tonnen Fracht nach Berlin gebracht, davon 1,44 Millionen Tonnen Kohle, 485’000 Tonnen Nahrungsmittel und 160’000 Tonnen Baustoffe. Für die emotionale Westbindung der Westberliner Bevölkerung spielte die Hilfe aus der Luft eine wesentliche Rolle.

Von der politischen Spaltung zur zweiten Berlinkrise

In der Zwischenzeit waren die Gründungsprozesse der beiden deutschen Staaten weiter vorangeschritten. In den Westzonen erarbeitete der von den Landtagen gewählte Parlamentarische Rat vom 1. September 1948 bis 8. Mai 1949 das Grundgesetz, welches am 12. Mai, dem Tag der Beendigung der Berlin-Blockade, von den Militärgouverneuren der drei westlichen Besatzungsmächte genehmigt wurde und nach Annahme durch die Landtage am 23. Mai in Kraft trat. Am 14. August 1949 fanden die ersten Bundestagswahlen statt, welche die Unionsparteien mit 31% knapp vor der SPD (29,2%) gewannen, während die KPD nur auf 5,7% kam. Am 15. September wählte der Bundestag Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler. Obwohl das Grundgesetz «Gross-Berlin» (also alle Sektoren) als Bundesland vorsah, gab es in Westberlin aufgrund des Viermächtestatuts keine Direktwahlen zum Bundestag. Die Berliner Stadtverordnetenversammlung wählte Abgeordnete in den Bundestag, die aber nicht voll stimmberechtigt waren.

In der SBZ war aus der zunächst zonenübergreifenden, die gewählten Behörden konterkarierenden «Volkskongress»-Bewegung, die die SED bereits Ende 1947 initiiert hatte, im März 1948 der nicht gewählte «Erste Deutsche Volksrat» hervorgegangen, der die Verfassung der DDR ausarbeitete. Mitte Mai 1949 wurde der «Dritte Deutsche Volkskongress» mittels Einheitsliste «gewählt». Dieser genehmigte Ende Mai die Verfassung der DDR und wählte den «Zweiten Deutschen Volksrat». Am 7. Oktober 1949 wurde die DDR proklamiert, am selben Tag erklärte sich der «Zweite Deutsche Volksrat» zur provisorischen Volkskammer der DDR. Gemäss der Verfassung der DDR war deren Hauptstadt «Berlin» (de facto Ostberlin), wie im Bundestag hatten aber auch in der Volkskammer die Berliner Abgeordneten kein volles Stimmrecht.

Die erste Volkskammerwahl fand dann am 15. Oktober 1950 mittels Einheitsliste statt, die auf die in der Folge obligaten 99,7% der Stimmen kam. Seit den Landtagswahlen von 1946 waren in der SED die sozialdemokratischen Elemente weiter ausgeschaltet worden, ebenso bei Ost-CDU und LDPD Persönlichkeiten, die sich der sowjetischen Linie nicht unterwerfen wollten. Die «Blockparteien» unterlagen vielfältigen behördlichen Kontrollen und Repressionen, die von der Anmeldungspflicht selbst interner Veranstaltungen über Verweigerung von Papier und Druckmöglichkeiten sowie Vorzensur von Reden, Publikationen und Parteibeschlüssen bis zur Absetzung und Verhaftung, in einzelnen Fällen sogar Hinrichtung von Funktionär:innen reichten. Zudem wurden zur Schwächung von CDU und LDPD 1948 zwei Retortenparteien ins Leben gerufen, die Demokratische Bauernpartei (DBD) und die National-Demokratische Partei (NDPD). Letztere war als Gefäss für «kleine» Nazis, Wehrmachtoffiziere und Ostvertriebene gedacht und zu ihrer Leitung wurden zuverlässige SED-Genossen abgeordnet. Nur in Ostberlin existierte bis 1961 zudem als klassische Spoilerpartei die SED-nahe «Sozialdemokratische Aktion» (SDA), die sich als Konkurrenz zur «spalterischen» SPD aus «oppositionellen Sozialdemokraten» aufspielte. Neben der SED und diesen Blockparteien gehörten den Einheitslisten auch die sogenannten «Massenorganisationen» an, die ebenfalls stark von der SED kontrolliert wurden.

Mit der doppelten Staatsgründung blieben aber sowohl die Deutschlandfrage als auch der Status von Berlin zunächst noch in der Schwebe. Im März 1952 bot Stalin plötzlich Verhandlungen über eine Wiedervereinigung und Neutralisierung Deutschlands an. Die Westmächte und die Bundesregierung betrachteten dies als taktisches Manöver, um die zunehmende Westintegration der Bundesrepublik zu torpedieren: 1951 war der westdeutsche Staat Gründungsmitglied der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) geworden, zugleich liefen Verhandlungen über die Bildung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG). Die Westmächte forderten in ihrer Antwort, dass die Abhaltung gesamtdeutscher Wahlen unter Aufsicht der UNO der Bildung einer gesamtdeutschen Regierung vorangehen müsse, was die Sowjetunion aber ablehnte. Die Initiative verpuffte im September 1952.

Ebenfalls 1952 begann die DDR, die Grenze zur Bundesrepublik mit Zäunen, Alarmvorrichtungen, Bewachung und einer fünf Kilometer breiten Sperrzone abzuriegeln und siedelte in der «Aktion Ungeziefer» Tausende als politisch unzuverlässig betrachtete Menschen aus der Sperrzone aus. In Berlin wurden zwar von 277 Sektorenübergängen 200 gesperrt und bei den restlichen die Kontrollen verschärft, dennoch gab es immer noch eine relative Bewegungsfreiheit, etwa auch mit der S-Bahn. Dadurch konzentrierten sich die Fluchten aus der DDR in der Folge immer mehr auf den Weg über Berlin.

Im folgenden Jahr wurde die DDR von einer von Ostberlin ausgehenden Protest- und Streikwelle erschüttert, die als «Aufstand vom 17. Juni» in die Erinnerung eingegangen ist. Die junge DDR befand sich im Frühjahr 1953 in einer multiplen Krise. Zur politischen Repression kamen starke Probleme bei der Lebensmittelversorgung, ein stetig grösser werdender Wohlstandsrückstand auf die Bundesrepublik und ein Anwachsen der Abwanderungsbewegung nach Westdeutschland via Westberlin. Mitte Mai beschloss das Zentralkomitee der SED eine Erhöhung der Arbeitsnormen um 10%. Bereits im Mai und Anfang Juni kam es in zahlreichen Betrieben zu Streiks. Die Bestätigung der Normerhöhung in mehreren Artikeln der DDR-Presse Mitte Juni wirkte dann als Auslöser weitreichender Proteste in zahlreichen Ortschaften. Am 16. Juni kam es zunächst an Grossbaustellen in Ostberlin zu Arbeitsniederlegungen, aus denen rasch eine grosse Demonstration erwuchs, an der auch der Rücktritt der Regierung und freie Wahlen gefordert und zum Generalstreik aufgerufen wurde. Am folgenden Tag weitete sich die Protestbewegung aus. In über 500 Ortschaften der DDR gab es Streiks und Demonstrationen, an denen sich bis zu 1,5 Millionen Menschen beteiligten.

Die DDR-Regierung flüchtete unter den Schutz der sowjetischen Militärbehörden Ostberlins und gab per Rundfunk die Rücknahme der Normerhöhung bekannt, bezeichnete die Proteste aber als das «Werk von Provokateuren und faschistischen Agenten ausländischer Mächte». Das Zerrbild eines angeblich vom Westen gesteuerten «faschistischen Putsches» wurde in der Folge im Ostblock zum Standardnarrativ über die Ereignisse von 1953 – und sechs Jahrzehnte später dann von der putinistischen Propaganda fast wörtlich auf die Euromaidan-Proteste in Kyjiw übertragen. Kurz nach Mittag des 17. Juni verhängten die sowjetischen Militärbehörden das Kriegsrecht über Ostberlin und weite Teile der DDR. In Ostberlin rückten bereits ab 10 Uhr sowjetische Truppen und Panzer ein, in anderen Ortschaften einige Stunden später. Insgesamt gelangten etwa 20’000 sowjetische Soldaten nebst 8’000 Angehörigen der Kasernierten Volkspolizei zum Einsatz, die 34 Protestierende erschossen. Die Protestbewegung verlor dadurch rasch an Schwung, vereinzelte Streiks und Demonstrationen gingen aber noch bis Anfang Juli weiter. Erst am 11. Juli wurde das Kriegsrecht aufgehoben. In einer ersten Repressionswelle wurden über 2’000 Personen verhaftet und verurteilten Standgerichte 19 Aufständische zum Tod und Hunderte weitere zur Zwangsarbeitslagerstrafen in Sibirien. Tausende weitere Angeklagte wurden in den folgenden Monaten von DDR-Gerichten zu kürzeren oder längeren Haftstrafen sowie in zwei Fällen zum Tod verurteilt.

In den folgenden Jahren blieb das gespaltene, aber weiterhin durchlässige Berlin ein Hotspot des Kalten Krieges, in dem sich lokale Bewältigungsstrategien der komplexen politischen und wirtschaftlichen Situation mit Geopolitik mischten. Trotz vielfältiger Schikanen und Anti-Grenzgänger-Propaganda durch die DDR-Behörden arbeiteten nach wie vor Zehntausende von Ostberliner:innen in Westberlin oder umgekehrt. Der unmittelbar nach Kriegsende aufgrund der katastrophalen Versorgungssituation florierende Schwarzmarkt war mit den Währungsreformen von 1948 zwar zurückgegangen, setzte sich aber aufgrund der unterschiedlichen Währungen und Wirtschaftssysteme, des Wohlstandsgefälles, der in der DDR bis 1958 anhaltenden Lebensmittelrationierung und der Möglichkeit, sich polizeilicher Verfolgung durch Flucht über die Sektorengrenzen zu entziehen, bis zum Mauerbau fort.

Die Geheimdienste der vier Besatzungsmächte sowie der beiden deutschen Staaten besassen in der geteilten Stadt grosse Netze von Informant:innen und führten zahlreiche verdeckte Operationen durch. Spektakulär war etwa die «Operation Gold» der angelsächsischen Geheimdienste MI6 und CIA. Ab 1954 gruben sie unter der Sektorengrenze hindurch einen Spionagetunnel nach Ostberlin, um die Telefonleitungen des sowjetischen Militärhauptquartiers anzapfen zu können. Im Frühjahr 1955 wurde die Abhörung gestartet, mit deren Übersetzung und wenig ergiebigen Auswertung sich zeitweise über 300 Mitarbeiter:innen befassten. Die sowjetischen Behörden hatten indessen durch den MI6-Mitarbeiter George Blake, der als Kriegsgefangener im Koreakrieg zum «Maulwurf» umgedreht worden war und nach seiner Enttarnung dann 1966 auf spektakuläre Weise aus einem Londoner Gefängnis in die DDR und weiter nach Moskau flüchten sollte, schon vor Baubeginn Kenntnis von der Operation. Im April 1956 inszenierten sie die «Entdeckung» des Tunnels durch sowjetische und ostdeutsche Soldaten und nutzten das Ereignis zur propagandistischen Medialisierung.

Knapp zehn Jahre nach der ersten begann im November 1958 die zweite Berlinkrise. In der Zwischenzeit hatten beide deutsche Staaten wieder Streitkräfte aufgestellt. In der DDR war ab 1952 die Kasernierte Volkspolizei aufgebaut worden, die 1953 auch See- und Luftstreitkräfte erhielt und 1956 in die Nationale Volksarmee (NVA) umgewandelt wurde. In der Bundesrepublik erfolgte, nachdem 1954 der EVG-Plan einer Europa-Armee mit bundesdeutscher Beteiligung an einer «unheiligen» kommunistisch-gaullistischen Allianz im französischen Parlament gescheitert war, 1955 die Gründung der Bundeswehr. 1955 trat die Bundesrepublik der NATO und die DDR dem Warschauer Pakt bei.

Am 27. Oktober 1958 verkündete Ulbricht in einer Rede, ganz Berlin sei von Beginn weg «Bestandteil der Sowjetischen Besatzungszone» gewesen und gehöre nun zum «Hoheitsbereich der Deutschen Demokratischen Republik». Am 27. November 1958 erklärte der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow, der Viermächtestatus Berlins sei nicht mehr in Kraft, und drohte den Westmächten an, dass die Sowjetunion der DDR die Kontrolle über die Verbindungswege zwischen der Bundesrepublik und Westberlin übertragen werde, sollte nicht innerhalb eines halben Jahres eine alliierte Übereinkunft zur Umwandlung Westberlins in eine entmilitarisierte (d. h. von westalliierten Truppen geräumte) und von der Bundesrepublik völlig unabhängige «Freie Stadt» zustande kommen. Die Bundesrepublik, die westlichen Siegermächte und die Aussenministerkonferenz der NATO wiesen dieses «Chruschtschow-Ultimatum» zurück. Im Januar 1959 doppelte Chruschtschow mit der Forderung nach einem Friedensvertrag mit Gesamtdeutschland und dem Ersatz der NATO durch ein nicht weiter beschriebenes gesamteuropäisches Sicherheitssystem unter Einschluss Deutschlands nach. Als Reaktion auf die sowjetischen Pressionen, die eine neuerliche Blockade Westberlins befürchten liessen, gründeten die Westalliierten Anfang 1959 die Organisation «Live Oak», die koordinierte Massnahmen bei Störungen des Zugangs nach Westberlin durch die Luft oder zu Lande plante, an der ab 1961 in eingeschränktem Masse auch die Bundesrepublik beteiligt war und die bis 1990 existieren sollte.

Am 1. Mai 1959 fand am Ort von Reuters «Schaut auf diese Stadt»-Rede unter dem Motto «Berlin bleibt frei» eine grosse Kundgebung mit einer halben Million Teilnehmer:innen statt. Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt begrüsste die Versammlung, die «aus freiem Willen» anwesend sei, und rief Richtung Sektorengrenze: «Der Tag wird kommen, an dem das Brandenburger Tor nicht mehr an der Grenze liegt! […] Macht das Tor auf, macht Schluss mit der widernatürlichen Spaltung!» Auf der anderen Seite der Sektorengrenze paradierten zum Tag der Arbeit NVA-Einheiten im Stechschritt, mit gefällten Bajonetten und gefolgt von Panzerkolonnen an der SED-Spitze vorüber. Die Westberliner UFA Film AG kontrastierte in ihrer Wochenschau die performativen Unterschiede der beiden Mai-Feiern und meinte zur militaristischen Manifestation in Ostberlin: «Es sind Bilder, die keines Kommentars bedürfen.» An der Aussenministerkonferenz der Siegermächte in Genf mit Beobachterdelegationen der beiden deutschen Staaten vom Mai bis August 1959 kam keine Einigung zustande. Am 8. September 1959 benannte Brandt als politische Grundsätze die Zugehörigkeit Westberlins zum freien Teil Deutschlands, das Selbstbestimmungsrecht der Berliner Bevölkerung, die Vier-Mächte-Verantwortung in und für Berlin sowie das Recht auf freien Zugang nach Berlin.

Im Juni 1961 erneuerte Chruschtschow in Wien am ersten und einzigen Treffen mit dem neuen US-Präsidenten John F. Kennedy sein Berlin-Ultimatum. Kennedy konterte darauf Ende Juli 1961 in einer Radio-Ansprache mit den «Three Essentials», dem unantastbaren Recht der Westmächte auf Anwesenheit in ihren jeweiligen Sektoren Westberlins, dem Zugangsrecht der Westmächte nach Berlin und der Wahrung der Sicherheit und der Rechte der Bürger:innen Westberlins durch die westlichen Besatzungsmächte, und verkündete, Westberlin werde notfalls militärisch verteidigt. Aufgrund der Gefahr, dass der Konflikt um Berlin in einen Atomkrieg ausarten könnte, änderte die sowjetische Seite im Anschluss ihre Strategie.

«Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!»

Der erneute sowjetische Druck auf Westberlin ab 1958 hing einerseits mit dem gestiegenen Selbstbewusstsein der östlichen Supermacht zusammen. Ende 1956 hatte sie den ungarischen Volksaufstand unterdrückt, ohne dass der Westen mehr als verbal protestierte (s. SozialarchivInfo 5/2016), ein Jahr darauf versetzte sie mit der ersten Erdumrundung eines Satelliten dem Westen den «Sputnik-Schock». Mit dem Trägersystem des Sputnik, «R-7», war das Territorium der USA mit atomar bestückten Interkontinentalraketen erreichbar geworden. Andererseits und ausschlaggebend war der Druck auf Westberlin die Folge einer anhaltenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krisenlage der DDR. 1949 bis 1961 flohen 2,6 Millionen Menschen, darunter besonders viele Junge, aus der DDR und Ostberlin in den Westen. Damit verliessen in den ersten 12 Jahren etwa 14% der DDR-Bevölkerung das Land. Als um 1960 in scharfem Kontrast zum anhaltenden bundesdeutschen «Wirtschaftswunder» die DDR in eine Wirtschaftskrise geriet, die diejenige von 1953 noch übertraf, nahm die Fluchtwelle weiter zu, so dass in Ostberlin etwa 45’000 Arbeitskräfte fehlten. Auch zählten die Behörden 1960 166 Arbeitsniederlegungen. Stimmungsberichte der Stasi zeigten eine wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung. Von März 1960 bis Juni 1961 flohen monatlich zwischen 13’000 und 21’000 Menschen, im Juli 1961 dann sogar über 30’000. Einen Tag vor der Sperrung der Sektorengrenzen übersiedelten am 12. August 1961 3’190 DDR-Bürger:innen und Ostberliner:innen in den Westen.

Ab 1960 galt für die DDR-Grenztruppen in Fällen des «ungesetzlichen Grenzübertritts» der Schiessbefehl. Im März 1961 plädierte Ulbricht an einer Tagung der Warschauer-Pakt-Staaten für eine sofortige Abriegelung der Sektorengrenzen, drang damit bei Chruschtschow aber noch nicht durch. Der Begriff der «Mauer» tauchte im Zusammenhang mit der Spaltung Berlins erstmals prominent an einer internationalen Pressekonferenz in Ostberlin am 15. Juni 1961 auf. Die Journalistin Annamarie Doherr von der «Frankfurter Rundschau» fragte dabei im Zusammenhang mit Chruschtschows Berlin-Ultimatum, ob die geforderte Umwandlung Westberlins in eine «Freie Stadt» die Errichtung einer Staatsgrenze am Brandenburger Tor zur Folge haben würde. Ulbricht stritt daraufhin, ohne explizit danach gefragt worden zu sein, den Plan einer Abriegelung Westberlins ab: «Ich verstehe Ihre Frage so, dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer aufzurichten, ja? Äh, mir ist nicht bekannt, dass solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!»

Die Entscheidung, genau dies zu tun, fiel dann am 3. August 1961 bei einer Besprechung zwischen Ulbricht und Chruschtschow in Moskau. Eine Tagung der Warschauer-Pakt-Staaten vom 3. bis 5. August bestätigte Pläne zur «Sicherung der Westgrenze». Nach seiner Rückkehr aus Moskau informierte Ulbricht das SED-Politbüro am 7. August über die Abriegelungspläne. Am 11. August stimmte die DDR-Volkskammer der «Sicherung der Westgrenze» zu. Das Ausmass des Plans war streng geheim. Erst am 10. August erhielt der westdeutsche Bundesnachrichtendienst (BND) einen ersten Hinweis. Die Westalliierten hatten bereits zuvor Informationen über die Planung drastischer Massnahmen, wahrscheinlich aber nicht über deren Ausmass und Zeitpunkt. Am 12. August erhielt der BND konkretere Informationen über eine in Bälde geplante Abriegelung der Berliner Sektorengrenzen. Erst am späten Abend desselben Tages informierte Ulbricht den DDR-Ministerrat, den Oberbürgermeister von Ostberlin und die Vorsitzenden der Blockparteien über die unter dem Decknamen «Operation Rose» vom späteren Parteichef Erich Honecker geleitete, unmittelbar bevorstehende Abriegelung der Sektorengrenzen.

Noch in derselben Nacht begannen Tausende von Mitgliedern der NVA, Grenz-, Schutz- und Volkspolizei sowie der paramilitärischen Betriebskampfgruppen mit der Abriegelung von Strassen und Schienenwegen nach Westberlin. Die Ostberliner Stationen der Westberliner S- und U-Bahn-Linien wurden abgesperrt. NVA-Einheiten und sowjetische Truppen waren in erhöhter Gefechtsbereitschaft bei den alliierten Grenzübergängen präsent. Am frühen Morgen des 13. Augusts, einem Sonntag, erfolgte die Sperrung der Sektorengrenzen und begann deren bauliche Abriegelung durch Betonblöcke, Zäune und Stacheldraht. Parallel dazu berief die Ostberliner SED ihre Mitglieder am Vormittag zu ausserordentlichen «Kreisaktivtagungen» zusammen und schwor sie zu argumentativer Beeinflussung von Fragenden, aber gewaltsamem Vorgehen gegen «Provokateure» ein. Bei Gebäuden auf Ostberliner Territorium mit Ausgang auf Westberliner Strassen wurden Hauseingänge und Fenster zugemauert und in den folgenden Wochen die Sperrelemente Schritt für Schritt durch eine Mauer verstärkt. In der Aktion «Blitz kontra NATO-Sender» kletterten Mitglieder der «Freien Deutschen Jugend» (FDJ) Anfang September auf die Ostberliner Dächer und verbogen Antennen, die zum Empfang bundesdeutscher Fernsehsender ausgerichtet waren.

Für die Berliner Bevölkerung kam der Beginn des Mauerbaus als ein Schock und führte zu Wut, Verbitterung und Verzweiflung. Die noch am selben Tag im DDR-Radio zitierten Stimmen von Ostberliner:innen, die die Abriegelung der Sektorengrenzen als überfällig begrüssten, konnten schwerlich Repräsentativität beanspruchen. Allerdings mischten sich in Angst und Unsicherheit bei vielen auch Gleichgültigkeit, Resignation oder die trügerische Hoffnung auf eine Art «Burgfrieden». Grösseren Unmut konstatierte die Stasi insbesondere bei Jugendlichen. Vereinzelt gab es an den Sektorengrenzen Proteste. Am 14. August kam es auch in wenigen DDR-Betrieben zu kleineren Streiks. Massendemonstrationen blieben nach der Erfahrung von 1953 aber aus. Dennoch kam es zu einer Repressionswelle. Allein bis zum 4. September wurden über 3’000 Personen wegen «staatsfeindlicher Hetze» oder «Staatsverleumdung» verhaftet. Waren in der ersten Jahreshälfte 1961 4’500 Personen als «Staatsverbrecher» abgeurteilt worden, so sprang diese Zahl in der zweiten Jahreshälfte auf 20’000. Am 25. August 1961 ordnete der Staatsrat der DDR zudem die Einrichtung von Arbeitslagern für «arbeitsscheue Personen» an.

Zahlreiche Menschen nutzten die noch vorhandenen Schlupflöcher, um sich in letzter Minute nach Westberlin abzusetzen. Bis September 1961 gab es 216 gelungene Fluchtversuche von etwa 400 Menschen, auch desertierten von den eingesetzten Sicherungskräften 85 Personen. Flüchtlinge seilten sich an Bettlaken aus noch nicht zugemauerten Fenstern ab oder sprangen auf Sprungtücher der Westberliner Feuerwehr. Ikonisch wurden die Bilder vom desertierenden Volkspolizisten Conrad Schumann, der am 15. August beim Überspringen einer Stacheldrahtrolle in den Westen fotografiert wurde.

Politischer Protest kam zunächst vor allem von Willy Brandt, der an einer Sondersitzung des Westberliner Abgeordnetenhauses am 13. August den Mauerbau scharf verurteilte: «In Wahrheit hat das kommunistische Regime in den letzten 48 Stunden das Eingeständnis dafür geliefert, dass es selbst schuld ist an der Flucht von Deutschen nach Deutschland. Eine Clique, die sich Regierung nennt, muss versuchen, ihre eigene Bevölkerung einzusperren. Die Betonpfeiler, der Stacheldraht, die Todesstreifen, die Wachtürme und die Maschinenpistolen, das sind die Kennzeichen eines Konzentrationslagers. Es wird keinen Bestand haben. Wir werden in Zukunft noch sehr viel mehr Menschen als früher nach Berlin bringen, aus allen Teilen der Welt, damit sie die kalte, die nackte, die brutale Wirklichkeit eines Systems sehen können, das den Menschen das Paradies auf Erden versprochen hat.»

Drei Tage später sprach Brandt zu einer Protestversammlung von 300’000 Menschen vor dem Rathaus Schöneberg. In seiner von mehreren bundesdeutschen und ausländischen Fernsehstationen live übertragenen Rede, die der Empörung der Bevölkerung Ausdruck verlieh, ohne zusätzliches Öl ins Feuer zu giessen, titulierte er Ulbricht als «Kettenhund» der Sowjetunion, lud den Bundeskanzler zu einem möglichst raschen Besuch in Berlin ein, forderte von den Westalliierten «politische Aktionen», warnte vor einer Politik der Schwäche und Nachgiebigkeit und hielt fest: «Die Moral der Welt wird so viel wert sein, wie die Moral in Berlin wert ist.» In rhetorischer Anlehnung an Reuters Blockaderede von 1948 rief Brandt auch aus: «Wir rufen die Völker der Welt […] auf, hierher nach Berlin zu sehen, wo die blutende Wunde eines Volkes verkrustet werden soll durch Stacheldraht und genagelte Stiefel.» Brandt prägte auch den Begriff «Schandmauer», der rasch in den allgemeinen westdeutschen und Westberliner Sprachgebrauch einging.

Bundeskanzler Adenauer rief am Tag des Mauerbaus die Bevölkerung zu Ruhe und Besonnenheit auf. Dass er erst am 22. August Westberlin besuchte, stiess manchenorts auf Kritik. Seine Rede unweit des Brandenburger Tors wurde von Lautsprechern aus dem Ostsektor übertönt, die zur Melodie von Gus Backus’ wenige Monate zuvor lanciertem Erfolgsschlager «Da sprach der alte Häuptling der Indianer, wild ist der Westen, schwer ist der Beruf» Adenauer und Brandt verhöhnten und sich über den Bundestagswahlkampf zwischen den beiden Spitzenpolitikern lustig machten. Die Wahl fand einen Monat nach dem Mauerbau statt. Adenauer erlitt kurz nach dem 13. August einen Popularitätseinbruch, konnte sich dann aber fangen. Die Unionsparteien verloren mit einem Stimmenrückgang von 4,9% zwar die bisherige absolute Mehrheit, blieben aber stärkste Kraft. Die SPD mit Brandt als Kanzlerkandidaten gewann 4,4%, blieb aber 9% hinter CDU und CSU, die in der Folge eine Koalition mit der FDP eingingen.

Die Westmächte reagierten auf den Mauerbau zögerlich und zurückhaltend. Erst nach zwanzig Stunden erschienen Militärstreifen an der Sektorengrenze und erst nach drei Tagen gingen diplomatische Proteste in Moskau ein. Dies nährte Gerüchte, die Sowjetunion habe den Westalliierten vorgängig zugesichert, ihre Rechte in Westberlin nicht zu verletzen. Aus dieser Perspektive wäre der Mauerbau der Anerkennung des Status quo durch den Ostblock gleichgekommen, die die Gefahr eines Krieges wegen Berlin bannte. Zur Bekräftigung des amerikanischen Engagements für Westberlin schickte Kennedy Vize-Präsident Lyndon B. Johnson sowie General Lucius D. Clay, den «Vater» der Luftbrücke von 1948/49, nach Europa, die am 19. August, noch vor dem Bundeskanzler, in Berlin eintrafen. Zugleich wurden die amerikanischen Truppen in Westberlin um 1’500 Mann verstärkt. Zu einer direkten sowjetisch-amerikanischen Konfrontation, die ikonische Fotografien hervorbrachte, kam es am 27. Oktober 1961 am Checkpoint Charlie. Als die DDR an diesem Grenzübergang Kontrollen für ausländische Diplomaten und Militärs einzuführen versuchte, fuhren je dreissig Kampfpanzer unmittelbar am Grenzstreifen einander gegenüber auf, wurden am nächsten Tag aber wieder abgezogen.

Die DDR-Propaganda stellte den Mauerbau als notwendige Schutzmassnahme gegen «westliche Wühlarbeit», Spionage, Sabotage, Schmuggel und Destabilisierung durch den Westen dar. Am Tag nach der Sperrung der Sektorengrenzen sendete Radio DDR ein neues Lied mit der Anfangsstrophe: «Unser schönes Berlin wird sauber sein, denn wir haben den kalten Kriegern am Rhein, ihre Menschenfalle verriegelt, und mit rotem Wachs versiegelt.» Aufgrund der raschen Verbreitung des von Brandt geprägten Begriffs «Schandmauer» erteilte das SED-Politbüro im Herbst 1961 dem Leiter der Abteilung Agitation und Propaganda beim Zentralkomitee der SED, Horst Sindermann, den Auftrag, eine ideologische Begründung für den Mauerbau zu ersinnen. Resultat war der Begriff «Antifaschistischer Schutzwall», der rasch in den offiziellen DDR-Jargon einging. So erwähnte Ulbricht bereits am 20. Oktober 1961 in seiner Grussansprache an den XXII. Parteitag der KPdSU in Moskau die Errichtung des «Antifaschistischen Schutzwalls» als Beitrag der DDR zum «Friedenskampf». Der von der DDR-Filmgesellschaft DEFA in Zusammenarbeit mit der Pressestelle des Ministeriums für Staatssicherheit produzierte Fernsehfilm «Treffpunkt Genf» (1968) enthielt dann eine Sequenz, in der ein ostdeutscher Chemiker einer als australische Journalistin getarnten CIA-Agentin erläuterte, der Mauerbau sei eine «normale» Reaktion gewesen, wie auch in Australien Menschen ihre Wohnungstür aus Sicherheitsgründen abschlössen, und er habe es der DDR erlaubt, «weltoffener» zu werden.

Die Berliner Mauer und die Schweiz

Der Bau der Mauer führte in der Schweiz zwar nicht zu so heftigen Reaktionen wie fünf Jahre zuvor der sowjetische Einmarsch in Ungarn, er rief aber grosse Empörung hervor. Aufgrund des bundesdeutschen Alleinvertretungsanspruchs («Hallstein-Doktrin») verzichtete die Schweiz bis 1972 auf die diplomatische Anerkennung der DDR. Entsprechende Anfragen der Partei der Arbeit (PdA) im Nationalrat blieben 1951, 1959 und 1968 folgenlos. Die Niederschlagung der Protestbewegung von 1953 war in der Schweizer Presse scharf kritisiert worden. Zum zehnten Jahrestag veranstaltete die «Schweizerische Aktion für das Selbstbestimmungsrecht der Völker» dann 1963 vor dem Hintergrund des inzwischen erfolgten Mauerbaus eine Gedenkfeier im Zürcher Kongresshaus, an der der ehemalige Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen Ernst Lemmer das Hauptreferat hielt, auch Vertreter des von 1956er-Flüchtlingen gegründeten Verbandes der ungarischen christlichen Arbeitnehmer der Schweiz (dessen Archiv sich im Sozialarchiv befindet) sprachen und zu deren Besuch die Sozialdemokratische Partei der Stadt Zürich im «Volksrecht» aufrief.

Der Handel zwischen der Schweiz und der DDR bewegte sich bis in die 1970er Jahre auf einem tiefen Niveau. Die ehemals grosse Schweizer Kolonie auf ostdeutschem Gebiet war nach 1949 stark zurückgegangen, allerdings übersiedelten bis 1966 rund dreissig Schweizer Kommunist:innen in die DDR. Ebenso wirkte ab 1949 der Schweizer Schauspieler und Regisseur Benno Besson in Ostberlin, zunächst bis 1958 in Bertold Brechts «Berliner Ensemble», dann im Theater am Schiffbauerdamm, von 1962 bis 1968 als Chefregisseur am Deutschen Theater Berlin und 1969 bis 1978 als künstlerischer Leiter und dann Intendant der Volksbühne Berlin.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war das Schweizerische Arbeiterhilfswerk, dessen Akten sich im Sozialarchiv befinden, mit Hilfsaktionen der «Schweizer Spende» auch in Berlin tätig gewesen. Zur Zeit der zweiten Berlinkrise organsierte es dann im Rahmen der «Schweizer Europa Hilfe» Ferienlager für tuberkulosegefährdete Berliner Flüchtlingskinder in Malix (GR) und Cavigliano (TI). 1959 wurde am Zürcher Central bei der Bahnhofbrücke ein von Otto Münch geschaffener «Berliner Meilenstein» in Anwesenheit von Stadtpräsident Emil Landolt und einer Delegation des Westberliner Senats unter Leitung von Bürgermeister Franz Amrehn (Brandts Stellvertreter) eingeweiht, dessen Inschrift die Freundschaft zwischen Zürich und Berlin betont und die Distanz zwischen den beiden Metropolen mit 863 Kilometern angibt. Ähnliche Steine, die an das Schicksal Westberlins erinnern sollten, wurden ab 1954 an zahlreichen Orten der Bundesrepublik sowie in einigen Städten im Ausland errichtet. Im September 1959 demonstrierte der legendäre Schweizer «Friedensapostel» Max Daetwyler mit seiner weissen Fahne vor dem Brandenburger Tor.

Fünf Monate vor dem Bau der Mauer traten die deutsch-deutschen Konflikte auch auf Schweizer Boden offen zutage: Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Genf und Lausanne im März 1961 gab das bundesdeutsche Team die Partie gegen die DDR forfait, um nicht im Fall einer Niederlage bei der Siegerehrung mit Hymne und Flaggenhissung der DDR auf dem Eis anwesend sein zu müssen. Die Schweizer Presse kritisierte trotz Verständnis für das politische Anliegen das bundesdeutsche Verhalten scharf, die Zeitungen der DDR kosteten das Ereignis während über einer Woche aus und Ulbricht nahm einige Tage darauf an seiner Schlussrede zur 12. Tagung des Zentralkomitees der SED den Vorfall als Beleg, «dass nur noch die Deutsche Demokratische Republik die Interessen der ganzen deutschen Nation, des ganzen deutschen Vaterlandes vertritt». Die Schweizer:innen seien «friedfertige Menschen, die auf Vertragstreue, Anstand und Fairness Wert legen. Das unerhörte Vorgehen der Bonner Regierung erinnerte auch sie peinlich an gewisse Praktiken und Methoden der Nazidiktatur. […] Die Völker stellen mit Recht die Frage: So, wie jetzt in Westdeutschland […], so hat es doch schon einmal, damals bei Hitler, begonnen?» Anderthalb Monate vor dem Mauerbau verteilte ein «Aktionskomitee gegen kommunistische Kulturpropaganda» beim Zürcher Leichtathletik-Meeting, an dem eine Delegation aus der DDR teilnahm, Protestflugblätter.

Die Schweizer Presse berichtete dann vom Mauerbau intensiv und mehrheitlich mit grosser Empörung. Die Zeitung «Die Tat» hatte bemerkenswerterweise bereits am 7. Juni 1961, eine Woche vor Ulbrichts «Niemand hat die Absicht»-Statement und über zwei Monate vor der Abriegelung der Sektorengrenze, im Zusammenhang mit einem neuen allgemeinen Reiseverbot für Studierende der DDR einen Artikel mit dem Titel «Eine chinesische Mauer durch Deutschland?» gebracht. Nach dem 13. August schrieben dann etwa die «Neue Zürcher Zeitung» und die «Berner Tagwacht» in seltener semantischer Übereinstimmung von einem «Gewaltstreich Pankows». Eine Ausnahme machte die PdA-Presse, die die DDR-Propaganda multiplizierte. So behauptete der «Vorwärts» am 18. August unter dem Titel «Was geschah in Berlin?», «anständige Menschen» würden von den «Grenzschutzmassnahmen» nicht betroffen und die «einzigen Leidtragenden» seien «Spionageagenten, Wechselkursprofiteure, Schieber und Konzernherren». In der Zeitungsausschnittsammlung des Sozialarchivs wurde zum Bau der Mauer ein Sonderdossier angelegt. Entgegen der Praxis, innerhalb der Dossiers die Artikel ohne weitere inhaltliche Strukturierung chronologisch in Heften einzukleben, unterstrich man die Dramatik des Ereignisses dadurch, dass die einzelnen Hefte eigene Titel erhielten: «Auf dem Weg zur Berliner Mauer», «Die DDR beginnt mit dem Mauerbau», «Kommentare zum Berliner Mauerbau Ulbricht’s» [sic!], «Rund um die Berliner Mauer».

In der 1959 vom Schweizerischen Aufklärungsdienst (SAD) lancierten Kampagne gegen den «Osthandel» spielte Berlin als Argument nun rasch eine Rolle. Bereits am 13. August 1961 verteilte der SAD Tausende von Flugblättern. Auch sprangen nach dem Mauerbau vermehrt Mitglieder von DDR-Sport- und Kulturdelegationen bei Wettkämpfen und Gastspielen in der Schweiz ab, so 1963 bei Basketball-Europacupspielen Adelheid Nentwig und Helmut Uhlig, 1965 der Geländeläufer Rainer Bieseke sowie der Fussballer Ingolf Ruhloff (der dann allerdings in die DDR zurückkehrte), 1966 der Eiskunstläufer Ralph Borghard, 1967 der Radballer Wolfgang Lips und 1968 der Nordisch-Kombinierer Ralph Pöhland. Ebenfalls 1968 setzten sich bei einem Gastspiel in Lausanne vier Mitglieder der Ostberliner Oper ab. 1975 verschwand bei einem Wettkampf in Bern der Kunstturner und NVA-Offizier Wolfgang Thüne und fuhr verborgen im Auto seines bundesdeutschen Konkurrenten und späteren CDU-Politikers Eberhard Gienger in die Bundesrepublik. 1984 setzte sich Eishockey-Nationalspieler Guido Hiller in Langenthal (BE) ab, ging aber wegen der bei einem Wechsel in die Bundesrepublik drohenden 18-monatigen Sperre zurück in die DDR, wo er nach umfangreichen Stasi-Verhören wieder bei Dynamo Berlin spielen durfte. Noch dreieinhalb Monate vor dem Fall der Mauer flüchtete Katrin Ranger bei einem Radrennen in Embrach (ZH). 1965 hatte sich aber bei einem Zürcher Fussballklub auch ein schriftenloser Deutscher gemeldet, der angab, ein bedeutender DDR-Fussballer zu sein. Nachforschungen ergaben dann, dass es sich um einen westdeutschen Kleinkriminellen handelte.

Mit der gegenseitigen De-facto Anerkennung der beiden deutschen Staaten im Zuge der «neuen Ostpolitik» der Bundesrepublik nahm dann die Schweiz 1972 diplomatische Beziehungen zur DDR auf. 1975 schlossen die Schweiz und die DDR einen Handelsvertrag, als dessen Folge sich der bilaterale Warenaustausch bis 1989 mehr als verdoppelte. Parallel dazu stieg auch die Bedeutung des Finanz- und Wirtschaftsplatzes Schweiz als Drehscheibe verdeckter Geschäftsaktivitäten des eng mit der Stasi verzahnten, von Alexander Schalck-Golodkowski geleiteten und über unzählige, teils auch von Schweizer Strohmännern geleitete Tarngesellschaften und Briefkastenfirmen verfügenden «Bereichs Kommerzielle Koordinierung» (KoKo) zur Beschaffung von Gütern, deren Export in den Ostblock unter Embargo stand, und zur Erwirtschaftung von Devisen im «kapitalistischen Ausland».

Ebenso gingen DDR-Spionageaktivitäten im militärischen und wirtschaftlichen Bereich weiter. Die Schweizer Behörden deckten 1949 bis 1979 sechzehn solche Fälle auf, im letzten Jahrzehnt der Existenz der DDR dann nochmals sieben. Am spektakulärsten war 1973 die Verhaftung eines Agenten-Duos, das getarnt als zurückgekehrtes Auslandschweizer-Ehepaar «Kälin» seit 1968 eine Residentur aufzubauen versucht hatte. Auf der anderen Seite war seit den späten 1960er Jahren der Zürcher Pelztierzüchter, Schmuggler, Treuhänder, Bordellwirt, Kunst-, Auto- und Waffenhändler Hans Ulrich Lenzlinger als kommerzieller Fluchthelfer aus der DDR und anderen Ostblock-Staaten aktiv und schleuste gegen Gebühren von um die 30’000 D-Mark vermutlich eine dreistellige Zahl von Menschen in den Westen. Seine Aktivitäten brachten ihn auf den Radar der Behörden der DDR, der Bundesrepublik und der Schweiz. Nachdem ein ehemaliger Mitarbeiter seiner Schlepperorganisation «Aramco» zur Stasi übergelaufen war, kidnappte Lenzlinger 1973 einen weiteren Mitarbeiter, den er als Stasi-Agenten verdächtigte, und lieferte ihn auf einen Schubkarren gefesselt im Bundeshaus ab. Für diese Aktion wurde er wegen Freiheitsberaubung verurteilt, floh nach Brasilien, wurde 1976 in Frankreich erneut verhaftet und sass bis 1978 im Gefängnis. 1979 wurde er in seinem Haus in Zürich-Höngg erschossen aufgefunden. Der Verdacht, dass hinter dem Mord die Stasi steckte, die etwa fünfzig Spitzel auf ihn angesetzt hatte, konnte in den nach der Wende zugänglich gewordenen, über 100’000 Seiten umfassenden Stasi-Akten über ihn nicht erhärtet werden.

1976 entstand die «Gesellschaft Schweiz – DDR», deren Akten sich heute im Sozialarchiv befinden. Sie wurde Schweizer Ansprechpartner der 1961 von der DDR gegründeten «Liga für Völkerfreundschaft» und ihrer Unterabteilung «Freundschaftsgesellschaft DDR – Schweiz», befasste sich insbesondere mit dem Ausbau bilateraler Kulturbeziehungen und zählte zu ihren besten Zeiten etwa 150 Mitglieder in zehn Regionalsektionen. War ihre Gründung von der DDR und Persönlichkeiten aus dem Umfeld der PdA vorangetrieben worden, so versuchte sie – anders als die Schweizer «Freundschaftsgesellschaften» mit der Sowjetunion, China oder Nordkorea – durch nichtkommunistische Persönlichkeiten in Führungspositionen in der Öffentlichkeit ein «unpolitisches» Image zu pflegen.

Die eingemauerte Gesellschaft

Der Bau der Mauer war für viele Menschen in Ostberlin ein einschneidendes biografisches Ereignis. Drei prominente Beispiele verdeutlichen dies exemplarisch: Der zum Zeitpunkt des Mauerbaus 23-jährige Radrennfahrer Harry Seidel, mehrfacher Gewinner der Berliner Stadtmeisterschaft und der DDR-Meisterschaft sowie Mitglied der DDR-Bahnradsport-Nationalmannschaft, wurde als Spitzensportler von der Propaganda benutzt, durfte aber 1960, wohl wegen Verweigerung von Doping, nicht zu den Olympischen Spielen nach Rom reisen. Im Frühjahr 1961 beendete er seine Karriere und nahm einen Arbeitsplatz in Westberlin an. Am 13. August war er in Ostberlin, fand ein Schlupfloch in den Westen, kehrte aber zunächst zu seiner Familie zurück und floh in der Nacht erneut. Anfang September holte er seine Frau und seinen Sohn durch eine Lücke im Grenzzaun in den Westen. In der Folge engagierte er sich in der Fluchthilfe und verhalf Dutzenden von Menschen zur Übersiedlung. Im Dezember 1961 nahmen ihn die DDR-Behörden erstmals fest, er konnte aber nach dem Verhör durch Sprung aus einem Fenster in acht Metern Höhe entkommen. Ab Anfang 1962 war er Teil einer Fluchthelfergruppe, die mehrere Tunnels baute. Ende März erfolgte bei einer Fluchtaktion ein Stasi-Zugriff, bei dem Seidel entkommen konnte. Mitte November 1962 wurde er aber verhaftet. Ende Dezember wurde er in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt, was zu internationalen Protesten führte. Willy Brandt sprach von einem «Schandurteil der modernen Inquisition eines Unrechtsstaates». 1966 konnte die Bundesregierung Seidel freikaufen. In der Folge nahm er seine Sportkarriere im Westen wieder auf und wurde 1973 bundesdeutscher Meister im Mannschaftszeitfahren.

Der 21-jährige Rudi Dutschke war in Brandenburg aufgewachsen und in einer evangelischen Jugendgruppe christlich-sozialistisch geprägt worden. Seine Politisierung kam mit der Ungarnkrise 1956. Nachdem er seinen Schuldirektor informiert hatte, als Pazifist und religiöser Sozialist werde er den Dienst in der NVA verweigern, wurde 1958 seine Abiturnote herabgestuft und statt des Studiums musste er eine Ausbildung zum Industriekaufmann absolvieren. Um in Westberlin studieren zu können, absolvierte er dort von Oktober 1960 bis Juni 1961 einen Abiturientenkurs. Am 10. August 1961 übersiedelte er nach Westberlin. Als drei Tage darauf die Sektorengrenzen abgeriegelt wurden, liess er sich aus Protest als politischer Flüchtling registrieren. Seine erste politische Aktion war am 14. August 1961 der Versuch, mit einigen Freunden ein Stück Mauer einzureissen; auch warf er Flugblätter in den sowjetischen Sektor. Im Herbst begann er sein Studium an der Freien Universität Berlin. Über die Gruppe «Subversive Aktion» kam er zum Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und wurde in der Folge in Westberlin und der Bundesrepublik eine zentrale Figur der Ausserparlamentarischen Opposition und der 68er-Bewegung.

Der 18-jährige Rainer Eppelmann wuchs in einer ehemals nationalsozialistischen Familie im Ostsektor Berlins auf, besuchte aber ein Gymnasium in Westberlin. Wegen des Baus der Mauer musste er den Schulbesuch abbrechen. Da er nicht FDJ-Mitglied war, konnte er das Abitur in der DDR nicht ablegen und absolvierte eine Facharbeiterausbildung als Maurer. 1966 verweigerte er den NVA-Dienst an der Waffe und leistete seinen Wehrdienst als Bausoldat ab. Danach studierte er am kirchlichen Seminar Paulinum in Ostberlin Theologie und wurde Pfarrer im Ostberliner Bezirk Friedrichshain. Er engagierte sich in der DDR-Opposition, setzte sich für Wehrdienstverweigerer ein und wurde in den 1980er Jahren zum Ziel zweier gescheiterter, als Autounfälle getarnter Mordversuche der Stasi. Von März bis Oktober 1990 war er in der letzten und einzigen aus freien Wahlen hervorgegangenen DDR-Regierung für die CDU-nahe Kleinpartei «Demokratischer Aufbruch» Minister für Abrüstung und Verteidigung. Nach der Wiedervereinigung wurde er CDU-Bundestagsabgeordneter, Präsident der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und ab 1998 Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Auch nach dem Bau der Mauer versuchten zahlreiche Menschen, von Ost- nach Westberlin zu fliehen – auf häufig recht abenteuerliche Art und Weise. Neben geläufigen Methoden wie Tunnelbauten, dem Durchbrechen von Sperren mit Autos, dem Weg durch die Kanalisation oder Sprüngen aus Fenstern gab es etwa auch Entführungen von Zügen und Ausflugsschiffen, eine Flucht in einem gestohlenen Schützenpanzer, das Durchtauchen von Grenzgewässern (in mindestens einem Fall mit einem selbstgebauten Mini-U-Boot), das anfänglich noch mögliche Überwinden der Mauer mit Leitern, Fluchtversuche in Motorflugzeugen, Drachen-Gleitern oder Heissluftballonen, Fluchten in Verstecken wie Kabelrollen oder die Grenzüberwindung mit Planierraupen. Eine spektakuläre Massenflucht ereignete sich im Oktober 1964 durch einen 145 Meter langen Tunnel, den Westberliner Studierende an der Bernauer Strasse während eines halben Jahres gegraben hatten und durch den 57 Menschen entkommen konnten. Über 5’000 Fluchten in Berlin waren zwischen 1961 und 1989 erfolgreich, dabei entfielen knapp 600 auf Fahnenfluchten von Grenzsoldaten.

Nach dem Mauerbau erfolgte der grösste Teil der etwa 200’000 Fluchten aus der DDR aber nicht mehr in Berlin, sondern über die innerdeutsche Grenze, durch Absprung bei genehmigten Auslandsreisen oder via Drittstaaten. Ein Beispiel für letztere Form stellte 1972 die Flucht über die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Italien in die Schweiz des Leipzigers Rüdiger F. Findeisen dar, der 2023 seine Fluchtmemoiren zusammen mit seiner Schweizer Fluchthelferin und nachmaligen Ehefrau an einer Veranstaltung im Sozialarchiv vorstellte. Hinzu kamen noch etwa 570’000 Menschen, die sich hartnäckig ihre Ausreisegenehmigung erstritten. In derselben Zeitspanne scheiterten geschätzte 75’000 Fluchtversuche.

Nachdem bereits zwischen 1948 und 1961 mindestens 37 Menschen dem DDR-Grenzregime in Berlin zum Opfer gefallen waren, endeten nach dem Mauerbau Fluchtversuche von Ost- nach Westberlin in über 100 Fällen tödlich. Nach aktuellem Forschungsstand verloren an der Berliner Mauer mindestens 140 Menschen ihr Leben, weil sie erschossen wurden, verunglückten oder sich nach einer Entdeckung das Leben nahmen. Davon waren 101 Flüchtlinge, 31 Menschen ohne Fluchtabsichten (darunter 22 Westberliner:innen) und acht Grenzsoldaten. Der quantitative Höhepunkt (78 Opfer) fiel in die Jahre 1961 bis 1966. Bereits wenige Tage nach der Abriegelung der Sektorengrenze waren die ersten Opfer zu beklagen: Am 22. August 1961 verunglückte Ida Siekmann einen Tag vor ihrem 59. Geburtstag bei einem Fluchtversuch tödlich, am 24. August erschossen DDR-Grenztruppen den 24-jährigen Günter Litfin und fünf Tage später den 27-jährigen Roland Hoff. Für besondere Empörung sorgte der Tod von Peter Fechter am 17. August 1962. Der 18-Jährige wurde beim Versuch, die Mauer in der Nähe des Checkpoint Charlie zu überklettern, ohne Vorwarnung angeschossen und fiel verletzt auf Ostberliner Gebiet, wo er eine Stunde lang bewegungsunfähig und laut schreiend liegenblieb. Westberliner Polizisten warfen ihm Verbandspäckchen zu, durften ihm weiter aber nicht helfen. Nach einer Stunde wurde der verblutende Fechter unter empörten Rufen einer immer grösser werdenden Menschenmenge auf der Westseite von DDR-Grenzern abtransportiert und verstarb kurz darauf im Krankenhaus.

Das älteste bekannte Todesopfer war die 80-jährige Olga Segler, die sich im September 1961 bei einem Sprung aus ihrer Wohnung verletzte und am folgenden Tag verstarb. Das jüngste Opfer war der 15 Monate alte Holger H. Er erstickte im Januar 1973 bei der Flucht mit seinen Eltern, die sich in Kisten im Lastwagen von Westberliner Bekannten versteckt hatten. Die letzten bekannten Mauertoten waren der 20-jährige Chris Gueffroy, der am 5. Februar 1989 vor dem Überwinden des letzten Metallgitterzauns der Grenzbefestigung erschossen wurde, und der 32-jährige Winfried Freudenberg, der am 8. März 1989 bei einem Fluchtversuch mit einem Gasballon bereits über Westberliner Gebiet abstürzte. Hinzu kamen noch geschätzte 300 bis 500 Menschen, die 1961 bis 1989 bei Fluchtversuchen über die innerdeutsche Grenze ums Leben kamen.

Die grosse Mehrheit der Ostberliner Bevölkerung reagierte auf den Mauerbau aber eher mit Resignation. Dietrich Müller-Hegemann, ehemaliger Psychiatrieprofessor an der Universität Leipzig und Direktor eines Krankenhauses in Ostberlin, sprach nach seiner Flucht 1971 in einer Publikation gar von psychischen Störungen, die er «Berliner Mauerkrankheit» nannte. Die Spaltung der Stadt und die Einschliessung in der DDR erschienen nun definitiv. Manche reagierten darauf mit einem Rückzug ins Private, andere mit aktivem Mitwirken am DDR-System mit seinen vielfältigen Organisationen und Zeremonien.

Obwohl der Brennpunkt des Kalten Krieges sich schon 1962 mit der Kubakrise weg von Berlin in eine andere Weltregion verschob (s. SozialarchivInfo 3/2022), blieb die Berliner Mauer Symbol und Mahnmal der Ost-West-Konfrontation. Bereits 1963 liess John Le Carré mit seinem Spionagethriller «The Spy Who Came in from the Cold», der in einem komplex verschachtelten Verwirrspiel britischer und ostdeutscher Geheimdienste ein amoralisches Rattenrennen zwischen Ost und West thematisierte, einen Schlüsselroman des Kalten Krieges mit Todesschüssen an der Berliner Mauer beginnen und enden. Die meisten US-Präsidenten bis 1989 statteten als «leader of the free world» dem als Aussenposten der freien Welt betrachteten Westberlin einen Besuch ab. Am 23. Juni 1963 hielt John F. Kennedy vor dem Rathaus Schöneberg eine von bundesdeutschen und amerikanischen Fernseh- und Rundfunkstationen live übertragene Rede, die mit den legendären Worten endete: «All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‹Ich bin ein Berliner›!» Im Februar 1969 besuchte Richard Nixon kurz nach seinem Amtsantritt Westberlin und liess sich auf dem Dach einer Limousine stehend von der Menge bejubeln. Jimmy Carter wurde im Juli 1978 auf dem Kurfürstendamm von 150’000 Menschen begrüsst, besichtigte auf einer Plattform am Potsdamer Platz die Mauer und sagte in einer Rede am Luftbrückendenkmal auf Deutsch: «Was immer sei, Berlin bleibt frei!» Ronald Reagan besuchte Westberlin erstmals im Juni 1982 und fragte in einer Rede: «I’d like to ask the Soviet leaders one question […] Why is the wall there?» Im Juni 1987 forderte er dann in einer Ansprache zur 750-Jahr-Feier Berlins unmittelbar bei der Mauer vor dem Brandenburger Tor: «Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!»

Bis Mitte der 1960er Jahre tobte entlang der Mauer ein intensiver «Krieg der Lautsprecher». Als Reaktion auf die Störung von Adenauers Rede wenige Tage nach dem Mauerbau richtete die Westberliner Stadtregierung in Zusammenarbeit mit dem Sender RIAS Berlin das «Studio am Stacheldraht» (SaS) ein, bestehend aus mehreren Lautsprecherwagen, die den Osten nicht nur mit westlicher Musik beschallten, sondern auch Nachrichten (inklusive Aussageprotokolle geflüchteter NVA-Soldaten) sendeten und die DDR-Grenztruppen unter Strafandrohung zur Verweigerung des Schiessbefehls gegen Flüchtlinge ermahnten. Im Gegenzug fuhren auf der östlichen Seite der Mauer als «Rote Hugos» bezeichnete Lautsprecherwagen auf, die das SaS zu übertönen versuchten. Das ostdeutsche Pendant zum SaS nannte sich zynischerweise «Studio 13. August» und sendete Propagandawortbeiträge (u. a. Warnungen an die Westberliner:innen vor angeblichen Kriegsplänen der Bundesregierung) sowie häufig satirisch umgetextete Schlager, in denen westliche Politiker (u. a. «Willy-Wein-Brandt») aufs Korn genommen wurden. Am 1. Mai 1962 dröhnten die «Roten Hugos» die Westberliner Feier des Deutschen Gewerkschaftsbundes nieder. Die Westberliner Seite setzte bei besonderen Anlässen vier mit Kränen bestückte Lastkraftwagen ein, deren Lautsprecher bis zu fünf Kilometer weit hörbar waren. Verschiedentlich versuchten entnervte Grenztruppen beider Seiten, die Lautsprecherwagen der Gegenseite mit Wasserwerfern oder Tränengas zu vertreiben. Finaler Höhepunkt war am 7. Oktober 1965 die Störung der Feierlichkeiten zum 16. Gründungstag der DDR durch das SaS – anschliessend endete der «Krieg der Lautsprecher» durch «Kapitulation» der östlichen Seite.

Zur akustischen kam die visuelle Propagandaschlacht. Hatten schon bald nach Kriegsende an Ostberliner Fassaden und Stellwänden kommunistische Symbole und Propagandaparolen geprangt und an den Sektorengrenzen eine umfangreiche Schilder-Signaletik auf das Viermächte-Regime hingewiesen, so rüstete nach dem Mauerbau auch die Westberliner Seite auf. Neben den Lautsprecheraktivitäten sendete das SaS auch durch Plakatwände und riesige Leuchtreklamen Nachrichten nach Ostberlin. Nach Einstellung des Lautsprecherkriegs wurden die vier Kranlastwagen dazu verwendet, in der Nähe der Mauer Plakate in die Höhe zu ziehen. Eine grosse Leuchtschriftanlage am Potsdamer Platz erhielt den Namen «Kino am Stacheldraht» und existierte bis 1974. Darüber hinaus informierten im Osten sichtbare Inschriften über die Zahl der Mauertoten. Mit dem Aufkommen von Farb-Spraydosen wurde die Westseite der Mauer auch zunehmend zur Projektionsfläche urbaner Graffiti-Kultur und kontrastierte visuell immer mehr mit dem Verwendungszweck des Bauwerks und seiner Erscheinung von der Ostseite her.

Eine gewisse, in geopolitische Veränderungen eingebettete Entspannung brachten die frühen 1970er Jahre. 1971 schlossen die USA, die Sowjetunion, das Vereinigte Königreich und Frankreich das Viermächteabkommen über Berlin, das die Grundlagen zum Rechtsstatus Berlins, zum Verhältnis zwischen Westberlin und der Bundesrepublik sowie der Verbindungen nach Westberlin festlegte. Im selben Jahr unterzeichneten im Rahmen der «neuen Ostpolitik» der von Willy Brandt geführten Bundesregierung die Bundesrepublik und die DDR ein Transitabkommen zum Personen- und Güterverkehr zwischen der Bundesrepublik und Westberlin. Im folgenden Jahr erfolgte der Abschluss des Grundlagenvertrags, in dem Bundesrepublik und DDR gutnachbarliche Beziehungen auf gleichberechtigter Basis vereinbarten und de facto diplomatische Beziehungen aufnahmen, den Status von Berlin aber ausklammerten.

Diese Entspannung führte aber nicht zu einer grösseren Durchlässigkeit der Berliner Mauer, vielmehr wurde diese kurz danach noch weiter ausgebaut. Bis zum 9. November 1989 entstanden mehrere «Generationen» der Mauer entlang der 155 Kilometer langen Grenze Westberlins. Die anfänglichen Stacheldrahthindernisse wurden schon ab dem 15. August 1961 durch eine erste Mauer aus Betonelementen und Hohlblocksteinen ergänzt. 1962 kam die sogenannte «Hinterlandmauer» hinzu, 1965 ersetzten zwischen Stahl- oder Betonpfosten eingelassene Betonplatten die bisherigen Bauteile. 1975 wurde als «dritte Generation» nach und nach die aus 3,6 Meter hohen Stützwandelementen bestehende «Grenzmauer 75» errichtet, die das bisherige Grenzbauwerk vollständig ablöste. In ihrem Endausbaustadium der 1980er Jahre bestand die Mauer aus mehreren Elementen: Hinterlandmauer von zwei bis drei Meter Höhe, Zaun mit Stacheldraht und alarmauslösendem Signaldraht, Hundelaufanlagen, Kraftfahrzeugsperrgräben, Panzersperren, Kolonnenweg für die Grenzwachttruppen, Lichttrasse zur Ausleuchtung des Kontrollstreifens, rund 300 Wachttürme mit Suchscheinwerfern, Kontrollstreifen, Streckmetallzaun, Betonmauer von 3,75 Meter Höhe nach Westberlin. Die Gesamtbreite dieser Grenzanlagen betrug 30 bis 500 Meter. Die Vorderlandgrenzanlagen waren insgesamt 267 Kilometer lang, die Hinterlandgrenzanlagen 297 Kilometer. Nahe an der Mauer stehende Gebäude wurden schrittweise gesprengt, so noch 1985 die Versöhnungskirche an der Bernauer Strasse.

Dem für die Bewachung der Mauer zuständigen «Grenzkommando Mitte» gehörten in den 1980er Jahren über 10’000 Soldaten und etwa 1’000 Diensthunde an, es verfügte über 500 Schützenpanzer, 2’400 Kraftfahrzeuge, je etwa 50 Granatwerfer und Panzerabwehrkanonen und über 100 Flammenwerfer. Bau, Unterhalt und stetige Erneuerung der Berliner Mauer sowie der ähnlich umfangreichen Befestigungen an der innerdeutschen Grenze stellten für die Volkswirtschaft der DDR eine enorme finanzielle Belastung dar und hielten das Land im ökonomischen Wettstreit mit der Bundesrepublik weiter zurück. Allerdings waren die finanziellen Kosten für das Grenzregime gemäss späteren Kalkulationen und Schätzungen wohl kleiner als der volkswirtschaftliche Nutzen, den es durch die Unterbindung der Flucht von Arbeitskräften generierte. Aus rein ökonomischer Perspektive «lohnte» sich der Bau der Mauer für die DDR mittelfristig also möglicherweise – allerdings im Rahmen wirtschaftlicher Handlungsdilemmata, die bereits in den frühen 1960er Jahren ersichtlich waren und schliesslich 1989 eine wesentliche Rolle für den Systemzusammenbruch spielen sollten. Ulbricht gestand dies indirekt bereits 1966 ein, als er anlässlich des fünften Jahrestages des Mauerbaus von der Bundesregierung einen Kredit von 30 Milliarden D-Mark forderte, um «wenigstens einen Teil des Schadens» wiedergutzumachen, der der DDR vor Errichtung der Mauer durch «Ausplünderung» seitens des Westens entstanden sei.

Mauer und Grenzbefestigung waren lediglich eine Dimension des Umstandes, dass die DDR, obgleich ihre Verteidigung letztlich in den Händen der Sowjetunion lag, zu den am stärksten militarisierten Gesellschaften der Welt zählte. Bei einer Bevölkerungszahl von zuletzt 16 Millionen Menschen umfassten ihre bewaffneten Organe in den 1980er Jahren neben der NVA (170’000 Aktivsoldaten, 400’000 Reservisten der sofort verfügbaren Kategorie I und weit über eine Million Reservisten der Kategorie II), die performativ bolschewistisches Rotgardistentum mit preussischem Militarismus synthetisierte, die Grenztruppen (47’000 Mann), das Ministerium für Staatssicherheit (91’000 hauptamtliche und 170’000 «inoffizielle» Mitarbeiter:innen, darunter das Wachregiment «Feliks Dzierzynski» mit 11’000 Mann), die Kräfte des Ministeriums des Innern (113’000 Mann und 150’000 «Freiwillige Helfer»), die «Kampftruppen der Arbeiterklasse» bzw. «Betriebskampftruppen» (189’000 Mann), die Zivilverteidigung (491’000 Angehörige) und die paramilitärische «Gesellschaft für Sport und Technik» (640’000 Mitglieder). Hinzu kamen etwa 300 Mitglieder der «Gruppe Ralf Forster», einer dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellten, aus westdeutschen Mitgliedern der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) gebildeten geheimen Militärorganisation, die im Krisenfall in der Bundesrepublik Sabotageakte hätte verüben sollen. Weit grösser als der Aktivbestand der NVA waren aber mit 420’000 Mann die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen. Im Verhältnis zur Grösse des Territoriums und zur Bevölkerungszahl war die Präsenz ausländischer Bündnistruppen in der DDR damit zweieinhalbmal grösser als in der Bundesrepublik.

Erinnerungen an die Mauer

Schon vor dem Fall und dem darauffolgenden weitgehenden Rückbau der Mauer waren auf Privatinitiative hin verschiedene Mahnmale und Gedenkstätten entstanden. So hatte bereits 1963 die Bürgerinitiative «Arbeitsgemeinschaft 13. August e. V.» im «Haus am Checkpoint Charlie» das bis heute existierende Mauermuseum eingerichtet. Nach 1989 intensivierten sich solche Aktivitäten. Über die Art und Weise des Gedenkens und einzelne Gedenkstätten gab es wiederholt öffentliche Kontroversen. 2006 legte der Berliner Senat dann ein integriertes «Gesamtkonzept zur Erinnerung an die Berliner Mauer» vor. Nur wenige Mauerteile blieben am Originalort erhalten und von den ehemals 302 Wachttürmen stehen heute nur noch fünf. Der ehemalige Verlauf der Mauer wurde an manchen Orten der Innenstadt durch eine doppelte Pflastersteinreihe und gusseiserne Tafeln gekennzeichnet. Die Mauer wurde kurz nach ihrer Öffnung auch zum profitablen Souvenirsteinbruch. Scharen sogenannter «Mauerspechte» pickelten tonnenweise Bruchstücke heraus, die in kleinen Portionen in alle Welt verkauft wurden.

Schon bald nach dem Fall der Mauer gab es Initiativen von Umweltschützer:innen und Fahrradverbänden, um die Freiräume am unbebauten Mauerstreifen zu erhalten und zu renaturieren. Daraus entstand nach der Jahrtausendwende der 160 Kilometer lange «Berliner Mauerweg» als Rad- und Fusswanderweg. Auf ihm wird seit 2011 jährlich der unter dem Patronat von Rainer Eppelmann stehende Ultramarathon «100 Meilen Berlin» ausgetragen. An 32 Stationen des Mauerwegs informiert die «Geschichtsmeile Berliner Mauer» über die Geschichte der Teilung Berlins und der Mauer. Im Rahmen der «Gedenkstätte Berliner Mauer» wurde 1998 bei der Bernauer Strasse ein 70 Meter langes originales Stück der Mauer wieder aufgerichtet. Hinzu kamen ein Dokumentationszentrum, die auf dem Fundament der 1985 gesprengten Versöhnungskirche im Jahr 2000 errichtete «Kapelle der Versöhnung» sowie das «Fenster des Gedenkens» mit den Porträts der Mauertoten. 2008 wurde sie zusammen mit der «Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde» in die landeseigene «Stiftung Berliner Mauer» überführt. Bereits im Frühjahr 1990 war in Friedrichshain ein 1’300 Meter langes Teilstück der Mauer von 118 Künstler:innen aus 21 Ländern bemalt worden, das als «East Side Gallery» erhalten blieb.

Auch im virtuellen Raum wird die Erinnerung gepflegt. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) beispielsweise betreibt eine eigene Website zur Geschichte der Berliner Mauer (www.berlin-mauer.de). Ebenso wurde die Mauer Gegenstand zahlreicher filmischer Verarbeitungen, etwa der TV-Serie «Spy City» (2020), die im Sommer 1961 spielt und mit der Abriegelung der Sektorengrenzen endet.

Runde Jahrestage des Falls der Mauer, aber viel weniger von deren Baubeginn, wurden zum Gegenstand von Gedenkveranstaltungen. Zum 40. Jahrestag des Mauerbaus setzten die Bundesländer Berlin und Brandenburg aber am 13. August 2001 zum Gedenken an die Mauertoten ihre Flaggen auf Halbmast. Die Gedenkaktivitäten für diese Opfer hatten schon früh eingesetzt. Bereits 1971 stiftete eine private Initiative den Gedenkort «Weisse Kreuze» am Ufer der Spree neben dem Reichstagsgebäude. Dieser zog 1995 in den Tiergarten um. Zum ersten Jahrestag des Falls der Mauer schuf 1990 der Aktionskünstler Ben Wagin das «Parlament der Bäume», das an die Mauertoten, aber auch an weitere Opfer von Krieg und Gewalt erinnert. Eine Reihe weiterer Mahnmale erinnert an die Mauertoten, darunter fast zwei Dutzend Gedenkorte für einzelne Opfer. Für Kontroversen sorgte der 2006 von Berliner Spitzenexponent:innen der SPD und der SED-Nachfolgerin PDS eingeweihte Gedenkstein «Den Opfern des Stalinismus» in der «Gedenkstätte der Sozialisten» im Zentralfriedhof Friedrichsfelde, der von führenden Mitgliedern der «Kommunistischen Plattform» innerhalb der PDS wie Sahra Wagenknecht abgelehnt wurde.

In diesen Erinnerungskontext gehörten auch die «Mauerschützenprozesse» gegen Angehörige der DDR-Staats- und Parteiführung sowie Grenzsoldaten, die bis 2004 andauerten. Insgesamt kam es zu 112 Verfahren gegen 246 Schützen oder Tatbeteiligte. 132 Angeklagte wurden zu Freiheits- oder Bewährungsstrafen verurteilt, darunter zehn Mitglieder der politischen Führung, 42 führende Militärs und 80 ehemalige Grenzsoldaten. Die Todesschützen erhielten in der Regel Strafen zwischen 6 und 24 Monaten auf Bewährung, während die Befehlshaber mit zunehmender Verantwortung stärker bestraft wurden.

Schliesslich hat die Erinnerung an die Mauer auch die politisch-gesellschaftliche Sprache geprägt. Seit geraumer Zeit werden anhaltende mentale und kulturelle Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen als «Mauer in den Köpfen» bezeichnet. In den letzten Jahren hat dann in den Social Media der Begriff «Antifaschistischer Schutzwall» eine Renaissance erlebt mit der ironischen Forderung, angesichts des besonders starken Zuwachses der AfD in den Ländern der ehemaligen DDR einen solchen Wall wieder aufzurichten. Besondere Brisanz enthält dieses Wortspiel dadurch, dass die AfD in den neuen Ländern in ihren Strukturen eine bedeutende Zahl ehemaliger hauptamtlicher Stasi-Mitarbeiter aufweist (Recherchen des Medienhauses CORRECTIV identifizierten 2024 deren 34), was mit Ausnahme des ähnlich belasteten BSW in der Parteienlandschaft der neuen Länder einen Sonderfall darstellt.

Material zum Thema im Sozialarchiv (Auswahl)

Archiv

  • Ar 20.830.30-34 Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH: Depot Berlin Okt. 1948–Jan. 1950
  • Ar 20.830.35 Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH: Depot Berlin Dankbriefe 1947 u. Russische Zone 1947–1948
  • Ar 20.830.36 Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH: Depot Berlin Dankbriefe 1946–Juli 1948
  • Ar 20.860.14 Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH: SEH 1959–1960
  • Ar 20.891.29 Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH: Diverse Aktionen: Speyer/Stuttgart/Berlin
  • Ar 20.910.16 Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH: Kinderlager mit ausländischen Kindern
  • Ar 105.30.4 Willi Kobe (1899–1995): Diverse Friedensorganisationen I
  • Ar 123.10 Hugo Kramer (1890–1969): Reisen
  • Ar 197.80.11 Willy Spieler (1937–2016): Broschüren
  • Ar 201.250 Gesellschaft Schweiz – DDR
  • Ar 201.363.8 Rote Fabrik um 1990: Dokumentation D. Siegrist: Veranstaltungen zur DDR und Südafrika
  • Ar 625.10.1 Dokumentation Claude Giger: Weltfestspiele der Jugend und Studenten, Ost-Berlin
  • Ar 1024.20.2 Ueli Wildberger: DDR-Briefe

Archiv Bild + Ton

  • F 1010-MC0229_A Radio LoRa: DDR: Was kommt nach Honecker? I
  • F 1010-MC0230_A Radio LoRa: DDR: Was kommt nach Honecker? III
  • F 1010-MC0231_A Radio LoRa: DDR: Was kommt nach Honecker? II
  • F 1010-MC0231_B Radio LoRa: Umbruch in der DDR und hier? I
  • F 1010-MC0232_A Radio LoRa: DDR: Was kommt nach Honecker? IV
  • F 1010-MC0232_B Radio LoRa: Umbruch in der DDR und hier? II
  • F 1010-MC0240_A Radio LoRa: DDR: Was kommt nach der Ära Honecker? III
  • F 1010-MC0259_B Radio LoRa: Die Agonie der DDR I
  • F 1010-MC0260_B Radio LoRa: Die Agonie der DDR II
  • F 1010-MC0300_A Radio LoRa: Europäisches BürgerInnenforum I
  • F 1010-MC0301_A Radio LoRa: Europäisches BürgerInnenforum II
  • F 1010-MC0391_A Radio LoRa: DDR – ein Jahr danach I
  • F 1010-MC0391_B Radio LoRa: DDR – ein Jahr danach II
  • F 1010-MC0392_A Radio LoRa: DDR – ein Jahr danach III
  • F 1010-MC0392_B Radio LoRa: DDR – ein Jahr danach IV
  • F 1010-MC0646_B Radio LoRa: Neue Frauenbewegung in der DDR I
  • F 1010-MC0647_B Radio LoRa: Neue Frauenbewegung in der DDR II
  • F 5045 Partei der Arbeit (PdA)
  • F 5156 Claude Giger
  • F 9093-069 Ohne Uns Geht Nichts. Gewerkschaften in der DDR (um 1982)
  • F 9093-074 DDR Magazin (1974)
  • F 9093-075 Der Arbeiterpräsident (um 1960)
  • F 9093-077 Jung sein in der DDR (um 1985)
  • F 9093-078 Leben nach dem Ruhm – Weltbekannte Sportler der DDR im Alltag heute (1988)
  • F 9093-079 Die manipulierte Gesellschaft «Kennen Sie Kappler?» (1977)
  • F 9093-085 Leben nach dem Ruhm – Weltbekannte Sportler der DDR im Alltag heute (1988)

Sachdokumentation

  • DS 1414 Liberales Institut: Der Fall der Berliner Mauer und die Tyrannei des Staates (2009)
  • KS 32/21 Nachkriegsdeutschland
  • KS 32/22 Gesamtdeutsche Frage
  • KS 32/22a+b Gesamtdeutsche Frage; Berlin, Berlin-Status
  • KS 32/23a-c DDR: Allg.
  • KS 32/127 Asylpolitik & Flüchtlingswesen: Deutschland
  • KS 335/389a-d Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED): Schriften
  • KS 338/40 Agrarpolitik & Landwirtschaft: DDR, Jugoslawien
  • KS 338/48 Agrarpolitik & Landwirtschaft; Lebensmittelversorgung: Deutschland
  • KS 338/151 Industrie: Deutschland (BRD & DDR)
  • KS 338/265 Wirtschaftspolitik: Berlin (Ost und West)
  • KS 338/266 Wirtschaftspolitik: Deutschland – Ost
  • KS 338/267 Wirtschaft: Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • KS 338/268 Wirtschaft: Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • QS EMB 4 Bundesrepublik Deutschland (BRD): Aussen- & Sicherheitspolitik
  • QS EMD *Berl Deutsch-deutsche Beziehungen: Berlin, Berliner Mauer
  • QS EMD *DtDt Deutsch-deutsche Beziehungen
  • QS KVD Deutsche Demokratische Republik (DDR)
  • QS KVD 0 Deutsche Demokratische Republik (DDR): Gesellschaft, soziale Gruppen & Minderheiten, Religionen
  • QS KVD 1 Deutsche Demokratische Republik (DDR): Kultur, Wissenschaften, Bildung
  • QS KVD 2 Deutsche Demokratische Republik (DDR): Recht, Polizei, Prozesse, Gefängnisse
  • QS KVD 3 Deutsche Demokratische Republik (DDR): Innenpolitik, Sozialpolitik
  • QS KVD 4 Deutsche Demokratische Republik (DDR): Aussen- & Sicherheitspolitik
  • QS KVD 7 Deutsche Demokratische Republik (DDR): Arbeit
  • QS KVD 8 Deutsche Demokratische Republik (DDR): Wirtschaft
  • ZA 58.0 KVD Kommunismus in der DDR; Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)
  • ZA 58.1 *KVD Kommunismus und Religion in der DDR
  • ZA 91.0 *4 KVD Agrarpolitik & Landwirtschaft in der DDR
  • ZA EMB *1 Deutsch-deutsche Beziehungen
  • ZA EMB *2 Deutsch-deutsche Beziehungen: Berlin-Status
  • ZA EMB *2 F Deutsch-deutsche Beziehungen: Fluchthelfer
  • ZA EMB *2 M Deutsch-deutsche Beziehungen: Berliner Mauer
  • ZA EMB 4 Bundesrepublik Deutschland (BRD): Aussen- & Sicherheitspolitik
  • ZA EMD *DtDt Deutsch-deutsche Beziehungen
  • ZA KVD Sowjetische Besatzungszone (SBZ), Deutsche Demokratische Republik (DDR)

Bibliothek

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  • Albrecht, Vera: Feindberührung: Die russischen Sieger in Berlin: Frauen berichten. Berlin 2013, 131741
  • Allen, Keith R.: Interrogation nation: Refugees and spies in Cold War Germany. Lanham 2017, 140582
  • Anonyma [= Marta Hillers]: Eine Frau in Berlin: Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945. Frankfurt 2003, 111406
  • Apelt, Andreas H. und Jürgen Engert (Hg.): Das historische Gedächtnis und der 17. Juni 1953. Halle 2014, 131437
  • Arndt, Herbert et al.: Die DDR stellt sich vor. Dresden 1969, 45427
  • Auswärtiges Amt (Hg.): Die Bemühungen der deutschen Regierung und ihrer Verbündeten um die Einheit Deutschlands, 1955–1966. Bonn 1966, 39528
  • Bach, Jonathan: Die Spuren der DDR: Von Ostprodukten bis zu den Resten der Berliner Mauer. Ditzingen 2019, 143492
  • Bahl, Holger: Als Banker zwischen Ost und West: Zürich als Drehscheibe für deutsch-deutsche Geschäfte. Zürich 2002, 110928
  • Bahr, Egon: Ostwärts und nichts vergessen! Kooperation statt Konfrontation. Hg. Dietlind Klemm. Hamburg 2012, 126672
  • Barclay, David E.: Schaut auf diese Stadt: Der unbekannte Ernst Reuter. Berlin 2000, 106338
  • Bark, Dennis L.: Die Berlin-Frage 1949–1955: Verhandlungsgrundlagen und Eindämmungspolitik. Berlin (West) 1972, 49027
  • Beetz, Eberhard: Eine Kindheit im Weddinger Hinterhof: Erinnerungen. o. O. u. J. [Berlin 2009?], Hf 6944
  • Beier, Gerhard: Wir wollen freie Menschen sein: Der 17. Juni 1953: Bauleute gingen voran. Köln 1993, Gr 8123
  • Benz, Wolfgang und Michael F. Scholz: Gebhardt: Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 22: Deutschland unter alliierter Besatzung 1945–1949 / Die DDR 1949–1990. 10. bearbeit. Aufl. Stuttgart 2009, 121495
  • Bernuth, Ernst-Jörg: Operation Alpenhorn: Wie die STASI 3,8 Milliarden DM in die Schweiz verschob. München 2016, 143361
  • Besson, André: Les 30 jours de Berlin: 8 avril – 8 mai 1945. Paris 1995, 99039
  • Bischof, Erwin: Honeckers Handschlag: Beziehungen Schweiz-DDR, 1960–1990: Demokratie oder Diktatur. Bern 2010, 122485
  • Bischof, Erwin: Verräter und Versager: Wie Stasi-Spione im Kalten Krieg die Schweiz unterwanderten. Bern 2013, 128717
  • Bisky, Jens: Berlin: Biographie einer grossen Stadt. Berlin 2019, 143318
  • Boberg, Jochen et al. (Hg.): Die Metropole: Industriekultur in Berlin im 20. Jahrhundert. München 1986, Gr 5328
  • Bohleber, Wolfgang: Mit Marshallplan und Bundeshilfe: Wohnungsbaupolitik in Berlin 1945 bis 1968. Berlin 1990, 90336
  • Brandt, Peter: 1948 – Jahr der Entscheidungen: Ernst Reuter und der Weg in den Kalten Krieg. Berlin 2012, 126814
  • Brandt, Willy: Ernst Reuter: Ein Leben für die Freiheit: Eine politische Biographie. München 1957, 23446
  • Brandt, Willy: Berlin ma Ville. Paris 1960, 66285
  • Brandt, Willy: Begegnungen mit Kennedy. München 1964, 32014
  • Brandt, Willy: Reden, 1961–1965. Köln 1965, 33781
  • Brandt, Willy: Begegnungen und Einsichten: Die Jahre 1960–1975. Hamburg 1976, 57526
  • Brandt, Willy: Die Spiegel-Gespräche 1959–1992. Hg. Erich Böhme und Klaus Wirtgen. Stuttgart 1993, 94850
  • Brandt, Willy: Berlin bleibt frei: Politik in und für Berlin, 1947–1966. Bearb. von Siegfried Heimann. Bonn 2004, 107419:3
  • Brant, Stefan: Der Aufstand: Vorgeschichte, Geschichte und Deutung des 17. Juni 1953. Stuttgart 1954, 21255
  • Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (Hg.): Das geteilte Berlin und die Stasi: Spionage, Opposition und Alltag. Berlin 2018, Gr 14773
  • Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (Hg.): Die Flucht aus der Sowjetzone und die Sperrmassnahmen des kommunistischen Regimes vom 13. August 1961 in Berlin. Bonn 1961, Gr 1145
  • Buschfort, Wolfgang: Das Ostbüro der SPD: Von der Gründung bis zur Berlin-Krise. München 1991, 92874
  • Caldwell, Peter C. und Karrin Hanshew: Germany since 1945: Politics, culture, and society. London 2018, 140898
  • Catudal, Honoré Marc: Kennedy in der Mauer-Krise: Eine Fallstudie zur Entscheidungsfindung in USA. Berlin (West) 1981, 70139
  • Colin, Nicole et al. (Hg.): Le Mur de Berlin: Histoire, mémoires, représentations. Brüssel 2016, 136471
  • Dalma, Alfons: Hintergründe der Berlin-Krise. Karlsruhe 1962, 33292
  • Darnton, Robert: Der letzte Tanz auf der Mauer: Berliner Journal 1989–1990. München 1991, 91624
  • Dasbach Mallinckrodt, Anita: Propaganda hinter der Mauer: Die Propaganda der Sowjetunion und der DDR als Werkzeug der Aussenpolitik im Jahre 1961. Stuttgart 1971, 47280
  • Defrance, Corine et al. (Hg.): Die Berliner Luftbrücke: Erinnerungsort des Kalten Krieges. Berlin 2018, 139671
  • Der 17. Juni 1953: Der Anfang vom Ende des sowjetischen Imperiums: Deutsche Teil-Vergangenheiten – Aufarbeitung West: Die innerdeutschen Beziehungen und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung in der DDR: Dokumentation: 4. Bautzen-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung, 17. bis 18. Juni 1993. Leipzig 1993, 100047
  • Detjen, Marion: Ein Loch in der Mauer: Die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland, 1961–1989. München 2005, 118508
  • Diedrich, Torsten: Waffen gegen das Volk: Der 17. Juni 1953 in der DDR. Hg. Militärgeschichtliches Forschungsamt. München 2003, 111564
  • Dierikx, Marc und Sacha Zala (Hg.): When the wall came down: The perception of German reunification in international diplomatic documents 1989–1990. Bern/München 2019, 142017
  • Dollmann, Lydia und Manfred Wichmann (Hg.): Fotografieren verboten! Die Berliner Mauer von Osten gesehen: Mit Aufnahmen und Erinnerungen von Gerd Rücker. Berlin 2015, 134304
  • Domentat, Tamara: Coca-Cola, Jazz & AFN: Berlin und die Amerikaner. Berlin 1995, Gr 8356
  • Dülffer, Jost: Europa im Ost-West-Konflikt 1945–1991. München 2004, 113710
  • Dülffer, Jost: Geheimdienst in der Krise: Der BND in den 1960er-Jahren. Berlin 2018, 143577
  • Dulles, Eleanor Lansing: Berlin: The wall is not forever. Chapel Hill 1967, 39241
  • Ebert, Friedrich [Jr.]: Der Sozialismus, die Zukunft Deutschlands: Ausgewählte Reden und Aufsätze, 1959–1964. Hg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Berlin (Ost) 1964, 32649
  • Eckert, Astrid M.: Zonenrandgebiet: Westdeutschland und der Eiserne Vorhang. Berlin 2022, 148121
  • Eckert, Rainer: SED-Diktatur und Erinnerungsarbeit im vereinten Deutschland: Eine Auswahlbibliografie. 2. erw. Aufl. Halle 2019, 143308
  • Ehlert, Hans et al. (Hg.): Der Schatten der Mauer – die zementierte Spaltung: Dokumentation eines Zeitzeugenforums zum 13. August 1961. Berlin 2001, 108937
  • Eisenfeld, Bernd und Roger Engelmann: 13. August 1961: Mauerbau: Fluchtbewegung und Machtsicherung. Bremen 2001, Gr 10427
  • Eisenhuth, Stefanie: Die Schutzmacht: Die Amerikaner in Berlin, 1945–1994. Göttingen 2018, 140114
  • Elo, Kimmo: Die Systemkrise eines totalitären Herrschaftssystems und ihre Folgen: Eine aktualisierte Totalitarismustheorie am Beispiel der Systemkrise in der DDR 1953. Münster 2005, 116119
  • Engel, Helmut und Wolfgang Ribbe (Hg.): Karl-Marx-Allee Magistrale in Berlin: Die Wandlung der sozialistischen Prachtstrasse zur Hauptstrasse des Berliner Ostens. Berlin 1996, 100930
  • Engelmann, Bernt: Berlin: Eine Stadt wie keine andere. Göttingen 1991, 91862
  • Faminsky, Valery: Berlin Mai 1945. Berlin 2018, UGr 201
  • Farber, Paul M.: A wall of our own: An American history of the Berlin Wall. Chapel Hill 2020, 147050
  • Fenemore, Mark: Fighting the Cold War in post-blockade, pre-wall Berlin: Behind enemy lines. London 2020, 143064
  • Fenemore, Mark: Sensual Sirens: Gendering Berlin’s Cold War Telephony, in: Mrozek, Bodo (Hg.): Sensory Warfare in the Global Cold War: Partition, Propaganda, Covert Operations. University Park 2024. S. 73-90, 153958
  • Filmer, Werner und Heribert Schwan (Hg.): Opfer der Mauer: Die geheimen Protokolle des Todes. München 1991, 92145
  • Findeisen, Rüdiger F.: Das Fräulein mit dem roten Koffer: Die Geschichte einer Liebe, die keine Grenzen kannte. Uetikon am See 2022, 149925
  • Flemming, Thomas: Kein Tag der deutschen Einheit: 17. Juni 1953. Berlin 2003, 111569
  • Flemming, Thomas und Hagen Koch: Die Berliner Mauer: Geschichte eines politischen Bauwerks. Berlin 1999, Gr 10049
  • Fleury, Antoine et al. (Hg.): Die Schweiz und Deutschland 1945–1961. München 2004, 113003
  • Föllmer, Moritz: Individuality and modernity in Berlin: Self and society from Weimar to the Wall. Cambridge 2013, 128221
  • Förster, Andreas: Eidgenossen contra Genossen: Wie der Schweizer Nachrichtendienst DDR-Händler und Stasi-Agenten überwachte. Berlin 2016, 135433
  • Fricke, Karl Wilhelm et al. (Hg.): Opposition und Widerstand in der DDR: Politische Lebensbilder. München 2002, 110521
  • Friedmann, Ronald: Die Zentrale: Geschichte des Berliner Karl-Liebknecht-Hauses. Berlin 2011, 124348
  • Gehler, Michael und Rolf Steininger: 17. Juni 1953: Der unterdrückte Volksaufstand: Seine Vor- und Nachgeschichte. Reinbek 2018, 143187
  • Geist, Johann Friedrich und Klaus Kürvers: Das Berliner Mietshaus-1945–1989: Eine dokumentarische Geschichte der Ausstellung «Berlin plant/Erster Bericht» 1946 und der Versuche, auf den Trümmern der Hauptstadt des Grossdeutschen Reiches ein NEUES BERLIN zu bauen, aus dem dann zwei geworden sind. München 1989, Gr 7088:3
  • Gieseke, Jens: Mielke-Konzern: Die Geschichte der Stasi 1945–1990. Stuttgart 2001, 108871
  • Gosztony, Peter (Hg.): Der Kampf um Berlin 1945 in Augenzeugenberichten. Düsseldorf 1970, 41354
  • Grabbe, Hans-Jürgen: Unionsparteien, Sozialdemokratie und Vereinigte Staaten von Amerika: 1945–1966. Düsseldorf 1983, 80919
  • Graml, Hermann: Die Alliierten und die Teilung Deutschlands: Konflikte und Entscheidungen 1941–1948. Frankfurt 1985, 80065
  • Grebner, Susanne: Der Telegraf: Entstehung einer SPD-nahen Lizenzzeitung in Berlin 1946 bis 1950. Münster 2002, 111114
  • Gründer, Ralf: Niemand hat die Absicht…: Screenshot-Fotografie aus der Kameraarbeit von Herbert Ernst: Gedreht in den Jahren 1961 und 1962 im geteilten Berlin. Berlin 2016, 134821
  • Grüning, Barbara: Commemorating the Berlin Wall: Forms and Spaces of Collective Memory after the Cold War, in: Pizzi, Katia und Marjatta Hietala (Hg.): Cold War Cities: History, Culture and Memory. Oxford 2016. S. 17-44, 135814
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  • Heidelmeyer, Wolfgang et al. (Hg.): Die Berlin-Frage: Politische Dokumentation 1944–1965. Frankfurt 1965, 34154
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  • Henke, Klaus-Dietmar (Hg.): Die Mauer: Errichtung, Überwindung, Erinnerung. München 2011, 124672
  • Hertle, Hans-Hermann: Chronik des Mauerfalls: Die dramatischen Ereignisse um den 9. November 1989. Berlin 1996, 100439
  • Hertle, Hans-Hermann: Sofort, unverzüglich: Die Chronik des Mauerfalls. Berlin 2019, 142972
  • Hertle, Hans-Hermann et al. (Hg.): Mauerbau und Mauerfall: Ursachen – Verlauf – Auswirkungen. Berlin 2002, 109534
  • Hess, Hans-Jürgen: Innerparteiliche Gruppenbildung: Macht- und Demokratieverlust einer politischen Partei am Beispiel der Berliner SPD in den Jahren von 1963 bis 1981. Bonn 1984, 76421
  • Heym, Stefan: 5 Tage im Juni: Roman. München 1974, 53541
  • Hildebrandt, Alexandra: Die Mauer: Zahlen, Daten. Berlin 2001, 111827
  • Hildebrandt, Dieter: Die Mauer ist keine Grenze: Menschen in Ostberlin. Düsseldorf 1964, 32179
  • Hildebrandt, Rainer: Berlin – von der Frontstadt zur Brücke Europas: Die gemeinsame und die getrennte Geschichte beider Teile der Stadt Berlin vom Kriegsende bis heute. Berlin 1984, Hf 6036
  • Hochmuth, Hanno: Berlin: Das Rom der Zeitgeschichte. Berlin 2024, 153480
  • Hockenos, Paul: Berlin calling: A story of anarchy, music, the Wall, and the birth of the new Berlin. New York 2017, 137138
  • Hohler, Stefan: Hans Ulrich Lenzlinger: Fluchthelfer, Abenteurer und Lebemann. Bern 2013, 136358
  • Honecker, Erich: Aus meinem Leben. Berlin (Ost)/Frankfurt 1980, 69724
  • Horn, Harald: Die Berlin-Krise 1958/61: Zur Funktion der Krise in der internationalen Politik. Frankfurt 1970, 42514
  • Hurwitz, Harold: Demokratie und Antikommunismus in Berlin nach 1945. 3 Bde. Köln 1983-1990, 76305
  • Institut zur Erforschung der UdSSR (Hg.): Berlin: A compilation of analytical and critical materials. München 1959, Gr 4315
  • Jaenicke, Martin: Der dritte Weg: Die antistalinistische Opposition gegen Ulbricht seit 1953. Köln 1964, 32355
  • Jankowski, Martin: Der Tag, der Deutschland veränderte: 9. Oktober 1989. Leipzig 2015, 133843
  • Jaquet, Beate et al. (Hg.): Vom Träumen und Aufwachen: Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall. Heidelberg 2022, 149104
  • Jarausch, Konrad H. et al. (Hg.): Cold War Berlin: Confrontations, cultures, and identities. London 2021, 146100
  • Kaminsky, Anna (Hg.): Die Berliner Mauer in der Welt. 3. erw. Aufl. Berlin 2021, 154825
  • Kaule, Martin und Stefan Wolle: 100 Orte der DDR-Geschichte. Berlin 2018, Gr 14649
  • Kellerhoff, Sven Felix: Berlin im Krieg: Eine Generation erinnert sich. Berlin 2011, Hf 6920
  • Kimmel, Elke: West-Berlin: Biografie einer Halbstadt. Berlin 2018, 140369
  • Klemm, Barbara: Mauerfall 1989. Wädenswil 2011, Gr 12804
  • Knabe, Hubertus: 17. Juni 1953: Ein deutscher Aufstand. München 2003, 111547
  • Koller, Christian: Der «Eiserne Vorhang»: Zur Genese einer politischen Zentralmetapher in der Epoche des Kalten Krieges, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 54 (2006). S. 366-384, N 2273
  • König, Guntram (Hg.): NVA – die roten Preussen? Zeitzeugenberichte. Aachen 2010, 131452
  • Koop, Volker: Der 17. Juni 1953: Legende und Wirklichkeit. Berlin 2003, 111548
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: 17. Juni 1953. München 2013, 127735
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: Stasi konkret: Überwachung und Repression in der DDR. München 2013, 127752
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha: Walter Ulbricht: Der kommunistische Diktator (1945–1973). München 2024, 152061
  • Kowalczuk, Ilko-Sascha et al. (Hg.): Der Tag X – 17. Juni 1953: Die «Innere Staatsgründung» der DDR als Ergebnis der Krise 1952/54. Berlin 1995, 99238
  • Krämer, Martin: Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 und sein politisches Echo in der Bundesrepublik Deutschland. Bochum 1996, 101180
  • Krause, Scott H.: Bringing Cold War democracy to West Berlin: A shared German-American project, 1940–1972. London 2019, 141179
  • Krenz, Egon: Wenn Mauern fallen: Die friedliche Revolution: Vorgeschichte, Ablauf, Auswirkung. Wien 1990, 89878
  • Krusch, Hans-Joachim: Irrweg oder Alternative? Vereinigungsbestrebungen der Arbeiterparteien 1945/46 und gesellschaftspolitische Forderungen. Bonn 1996, Gr 8844
  • Kühne, Tobias: Das Netzwerk «Neu Beginnen» und die Berliner SPD nach 1945. Berlin 2018, 146489
  • Kundler, Herbert: RIAS Berlin: Eine Radio-Station in einer geteilten Stadt: Programme und Menschen, Texte, Bilder, Dokumente. Berlin 1994, GR 8175
  • Laabs, Hans-Jürgen: Beusselstrasse 23: Kindheit im Berlin der 50er Jahre. Norderstedt 2011, Hf 6457
  • Lapp, Peter Joachim: Grenzregime der DDR. Aachen 2013, 131288
  • Large, David Clay: Berlin: Biographie einer Stadt. München 2002, 109826
  • Lemke, Michael: Die Berlinkrise 1958 bis 1963: Interessen und Handlungsspielräume der SED im Ost-West-Konflikt. Berlin 1995, 98466
  • Lengsfeld, Vera: Ich wollte frei sein: Die Mauer, die Stasi, die Revolution. München 2011, 126035
  • Loth, Wilfried: Die Sowjetunion und die deutsche Frage: Studien zur sowjetischen Deutschlandpolitik von Stalin bis Chruschtschow. Göttingen 2007, 134612
  • Lüthi, Lorenz M.: The Iron Curtain: A Short History of Socialist Borders. Cambridge 2026, erwartet
  • Mächler, Christian: Der Drache: Theater als Staatsaffäre: Thriller mit Benno Besson. Kempten 2022, 152820
  • Mächler, Christian (Hg.): 100 Jahre Benno Besson: Die Macht vom Theater im Kalten Krieg. Zürich 2023, Gr 15833
  • Magistrat von Berlin – Hauptstadt der DDR (Hg.): Berlin: Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik: Grundlinie zur städtebaulich-architektonischen Gestaltung. Berlin (Ost) 1984, UGr 158
  • Mählert, Ulrich (Hg.): Der 17. Juni 1953: Ein Aufstand für Einheit, Recht und Freiheit. Bonn 2003, 111565
  • Marx, Christoph: Politische Presse im Nachkriegsberlin 1945–1953: Erik Reger und Rudolf Herrnstadt. Stuttgart 2016, 143891
  • Mayer, Tilman (Hg.): Im «Wartesaal der Geschichte»: Der 17. Juni als Wegmarke der Freiheit und Einheit. Baden-Baden 2014, 130562
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  • Meyer, Bernhard: Sozialdemokraten in der Entscheidung. Berlin 1994, 102632
  • Mihr, Anja: Amnesty International in der DDR: Der Einsatz für Menschenrechte im Visier der Stasi. Berlin 2002, 109533
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  • Rauh, Robert: «Die Mauer war doch richtig!»: Warum so viele DDR-Bürger den Mauerbau widerstandslos hinnahmen. Berlin 2021, 148214
  • Reif, Heinz und Moritz Feichtinger (Hg.): Ernst Reuter: Kommunalpolitiker und Gesellschaftsreformer, 1921–1953. Bonn 2009, 123099
  • Rein, Heinz (Hg.): Unterm Notdach: Berliner Erzählungen. Berlin 1949, 17644
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  • Richter, Günter et al. (Hg.): Geschichte Berlins, Bd. 2: Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart. Berlin (West) 1987, Gr 5810:2
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  • Rottmann, Andrea: Queer lives across the wall: Desire and danger in divided Berlin, 1945–1970. Toronto 2023, 154110
  • Rühle, Jürgen und Gunter Holzweißig: 13. August 1961: Die Mauer von Berlin. Hg. Ilse Spittmann. Köln 1981, 73388
  • Sälter, Gerhard et al.: Die vergessenen Toten: Todesopfer des DDR-Grenzregimes in Berlin von der Teilung bis zum Mauerbau (1948–1961). Berlin 2016, 138073
  • Saunders, Anna: Memorializing the GDR: Monuments and memory after 1989. New York 2018, 142048
  • Schivelbusch, Wolfgang: Vor dem Vorhang: Das geistige Berlin, 1945–1948. München/Wien 1995, 97834
  • Schlögel, Karl: Das russische Berlin: Eine Hauptstadt im Jahrhundert der Extreme. Berlin 2019, 141463
  • Schmidt, Wolfgang: Kalter Krieg, Koexistenz und kleine Schritte: Willy Brandt und die Deutschlandpolitik 1948–1963. Wiesbaden 2001, 108201
  • Scholz, Arno: Berlin ist eine freie Stadt: Beiträge zum politischen Geschehen der Gegenwart. Berlin-Grunewald 1962, 29640
  • Schöne, Jens: Ronald Reagan in Berlin: Der Präsident, die Staatssicherheit und die geteilte Stadt. Berlin 2017, 137883
  • Schroeder, Klaus: Der SED-Staat: Partei, Staat und Gesellschaft 1949–1990. München 1998, 103825
  • Schroeder, Klaus: Kampf der Systeme: Das geteilte und wiedervereinigte Deutschland. Reinbek 2020, 144730
  • Schuller, Wolfgang: Die deutsche Revolution 1989. Berlin 2009, 121274
  • Schweizerische Aktion für das Selbstbestimmungsrecht aller Völker (Hg.): Der Arbeiteraufstand in der DDR am 17. Juni 1953 und seine Wahrnehmung in der Schweiz: Eine Dokumentation. Zürich 2007, Gr 11851
  • Senator für Inneres (Hg.): Östliche Untergrundarbeit gegen Westberlin. Berlin-Wilmersdorf 1960, Gr 1136
  • Smith, Jean Edward: Der Weg ins Dilemma: Preisgabe und Verteidigung der Stadt Berlin. Berlin (West) 1965, 33671
  • Sonnevend, Julia: Stories without borders: The Berlin Wall and the making of a global iconic event. New York 2016, 135856
  • Speier, Hans: Die Bedrohung Berlins: Eine Analyse der Berlin-Krise von 1958 bis heute. Köln 1961, 28142
  • Spittmann, Ilse und Karl Wilhelm Fricke (Hg.): 17. Juni 1953: Arbeiteraufstand in der DDR. Köln 1982, 73391
  • Staadt, Jochen (Hg.): Die deutschen Todesopfer des Eisernen Vorhangs 1948–1989: Ein biografisches Handbuch. Halle 2023, 155957
  • Stadelmann-Wenz, Elke: Widerständiges Verhalten und Herrschaftspraxis in der DDR: Vom Mauerbau bis zum Ende der Ulbricht-Ära. Paderborn 2009, 122042
  • Steffen, Gerber Therese: Das Kreuz mit Hammer, Zirkel, Ährenkranz: Die Beziehungen zwischen der Schweiz und der DDR in den Jahren 1949–1972. Berlin 2002, 113791
  • Steininger, Rolf: Der Mauerbau: Die Westmächte und Adenauer in der Berlinkrise 1958–1963. München 2001, 107954
  • Steininger, Rolf: Von der Teilung zur Einheit: Deutschland 1945–1990: Ein Lesebuch. Innsbruck 2020, 143086
  • Stützle, Walther: Kennedy und Adenauer in der Berlin-Krise, 1961–1962. Bonn/Bad Godesberg 1973, 50035
  • Taliano-des Garets, Françoise: Les capitales européennes et la culture depuis 1945: Berlin, Londres, Madrid, Paris. Paris 2025, 155973
  • Tarli, Ricardo: Operationsgebiet Schweiz: Die dunklen Geschäfte der Stasi. Zürich 2015, 131453
  • Taylor, Frederick: Die Mauer: 13. August 1961 bis 9. November 1989. München 2009, 120900
  • Timmermann, Heiner (Hg.): Dem Gedächtnis eine Erinnerung: Der Mauerfall von 1989 und seine Relevanz für kommende Generationen. Berlin 2016, 133504
  • Tröndle, Ursula: Spionageabwehr und Antikommunismus: Der Fall Wolf alias Kälin (1967–1978), in: Caillat, Michel et al. (Hg.): Histoire(s) de l’anticommunisme en Suisse. Zürich 2009. S. 225-238, 120661
  • Van Nes, Harald: Das Ringen um Berlin im Kalten Krieg: Die Geschichte von Live Oak. Berlin 2021, 145933
  • Veen, Hans-Joachim (Hg.): Die abgeschnittene Revolution: Der 17. Juni 1953 in der deutschen Geschichte. Köln 2004, 113040
  • Veleff, Peter: Spionageziel Schweiz? Die Geheimdienste der DDR und deren Aktivitäten in der Schweiz. Zürich 2006, 116202
  • Voorhees, Theodore: The silent guns of two Octobers: Kennedy and Khrushchev play the double game. Ann Arbor 2020, 145000
  • Weber, Wolfgang: DDR – 40 Jahre Stalinismus: Ein Beitrag zur Geschichte der DDR. Essen 1993, 95079
  • Wettig, Gerhard: Das Vier-Mächte-Abkommen in der Bewährungsprobe: Berlin im Spannungsfeld von Ost und West. Berlin 1981, 70150
  • Wilke, Manfred: Der Weg zur Mauer: Stationen der Teilungsgeschichte. Berlin 2011, 124683
  • Wolff, Frank: Die Mauergesellschaft: Kalter Krieg, Menschenrechte und die deutsch-deutsche Migration 1961–1989. Berlin 2019, 142404
  • Wolfrum, Edgar: Die Mauer: Geschichte einer Teilung. München 2009, 120895
  • Wolle, Stefan: Der grosse Plan: Alltag und Herrschaft in der DDR (1949–1961). Berlin 2013, 128808
  • Zierenberg, Malte: Stadt der Schieber: Der Berliner Schwarzmarkt 1939–1950. Göttingen 2008, 119654
  • Zolling, Hermann und Uwe Bahnsen: Kalter Winter im August: Die Berlin-Krise 1961/1963: Ihre Hintergründe und Folgen. Oldenburg 1967, 41656
  • Zum 40. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer: Erklärung der Historischen Kommission vom 26. Juni 2001, in: Friedmann, Ronald und Jürgen Hofmann (Hg.): Den Sozialismus am humanistischen Ansatz messen: Erklärungen der Historischen Kommission beim Vorstand der Partei Die Linke. Berlin 2020. S. 59-63, 153979

Periodika

  • DDR in Wort und Bild: Journal aus der Deutschen Demokratischen Republik, N 2628
  • DDR-Revue: Magazin aus der DDR, N 2629
  • Deutsche Aussenpolitik, N 2123
  • Freie Welt, NN 1362
  • Hinter dem Eisernen Vorhang: Uebersicht aus Zeitungen und Zeitschriften der Sowjetzone, N 1537
  • Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik, N 2079
  • Probleme der politischen Ökonomie: Jahrbuch des Instituts für Wirtschaftswissenschaften, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 25911
  • Protokoll der Verhandlungen des … Parteitages der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, D 5112
  • Revue rund um die Welt, N 805
  • Sonntag: Wochenzeitung für Kulturpolitik, Kunst und Wissenschaft, Z 447
  • Statistisches Jahrbuch der Deutschen Demokratischen Republik, N 801

26.6.2026, 18 Uhr: Ein Netzwerk im Krieg

Moritz Tramer und die «Zeitschrift für Kinderpsychiatrie» 1934–1963

Moritz Tramer war ein Pionier der Kinderpsychiatrie, die als neues Fachgebiet Kinder ins Zentrum wissenschaftlichen Interesses rückte. 1934 gründete Tramer die «Zeitschrift für Kinderpsychiatrie», die in den Kriegsjahren ein Ort internationaler Vernetzung wurde, der auch jüdischen Forscher:innen im Exil eine Plattform bot. Die Zeitschrift war interdisziplinär; sie veröffentlichte auch Beiträge aus der Psychologie, Psychoanalyse, Psychohygiene und (Heil-)Pädagogik. Eine besondere Bedeutung kam Kinderzeichnungen zu, die als eine Sprache verstanden wurden, die Kindern zur Verfügung stand, und zugleich als ein Schema, nach dem sie taxiert werden konnten. Trotz ihrer pionierhaften Leistung erfuhren Moritz Tramer, der 1937 auch die international beachtete Kinderbeobachtungsstation «Gotthelfhaus» in Biberist gründete, und seine Frau, die Psychologin und Pazifistin Franziska Baumgarten, nicht die erwünschte Anerkennung und sind bis heute erstaunlich unbekannt.

Buchvernissage mit den Herausgeberinnen Katrin Luchsinger und Stefanie Mahrer sowie Gregor Spuhler (Moderation).
Mit anschliessendem Apéro.

Freitag, 26. Juni 2026, 18 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 149 KB)

Verlagsflyer herunterladen (PDF, 4’998 KB)

Anstecknadel-Verkauf zugunsten der heimkehrenden Russland-Schweizer, um 1918 (SozArch F 5119-Oa-002)
Anstecknadel-Verkauf zugunsten der heimkehrenden Russland-Schweizer, um 1918 (SozArch F 5119-Oa-002)

Der Jahresbericht 2025 des Sozialarchivs liegt vor

Das Wichtigste in Kürze

Neben analogen und digitalen Schriftquellen, stehenden und bewegten Bildern sowie Tonaufnahmen bewahrt das Sozialarchiv auch dreidimensionale Objekte aller Art auf: Fahnen, Wimpel, Transparente, Plaketten, Pins, Gedenk- und Jubiläumsteller, Besteck, Fensterbilder, Skulpturen, Instrumente u. v. a. m., aber auch Gadgets vom Ballon, Bierdeckel und Bonbon über den Teebeutel bis zur Zahnbürste und Zündholzschachtel. Es handelt sich um materiell wenig wertvolle Manifestationen einer bestimmten Organisationskultur (Erkennungszeichen, Auszeichnungen, Geschenke, Werbeartikel, Gebrauchsutensilien usw.) oder um dinghaft gewordene politische Rhetorik. Solche Sammlungsstücke fallen oft zwischen die Sparten: Für Museen sind sie zu wenig kostbar und einmalig, für Archive zu sperrig und ungewohnt. Manchmal sagen diese «Sachquellen» aber fast so viel wie tausend Worte und können andere Quellengattungen pointiert ergänzen. Die Illustrationen des vorliegenden Jahresberichts zeigen eine kleine Auswahl dieser dreidimensionalen Sammelobjekte des Sozialarchivs.

Im Berichtsjahr hat das Sozialarchiv das Angebot an analogen und digitalen, schriftlichen und audiovisuellen Quellen, wissenschaftlicher und grauer Literatur zu seinen Schwerpunktthemen erneut in allen Abteilungen ausgebaut. Das Archiv verzeichnete fast 90 Ablieferungsanfragen. Gegen Ende der Berichtsperiode näherte sich die Zahl der erschlossenen Archivbestände der 1000er-Grenze. Wichtige Übernahmen waren etwa die Archive von Veloland Schweiz/SchweizMobil, Arche Zürich und des Frauenflüchtlingsprojekts FEMIA oder der Nachlass des Radiopioniers Christoph Lindenmaier. Die wachsenden Bestände wollen auch sorgfältig aufbewahrt werden: Während des ganzen Berichtsjahres arbeitete das Sozialarchiv am neuen Magazinkonzept sowie der internen Notfallplanung. Zugleich wurden verschiedene Projekte der digitalen Transformation vorangetrieben.

Die Sammlungen des Sozialarchivs wurden im Berichtsjahr intensiv genutzt. Die Benutzung von Archivbeständen hat von hohem Niveau aus nochmals stark zugenommen. Die Benutzung der analogen Bestände der anderen Abteilungen war nur leicht rückläufig, diejenigen der digitalen Angebote nimmt weiter zu.

Einen hohen Stellenwert hatten auch in diesem Berichtsjahr die Vermittlungsaktivitäten und die Öffentlichkeitsarbeit. Die zahlreichen Buchpräsentationen und weiteren öffentlichen Veranstaltungen sowie Führungen für ganz unterschiedliche Gruppen stiessen auf ein gutes Echo. Der Fonds «Forschung Ellen Rifkin Hill» förderte im Berichtsjahr acht Projekte. Mitarbeitende des Sozialarchivs wirkten in zahlreichen Gremien und Veranstaltungen des Archiv- und Bibliothekswesens, der Forschung und Hochschullehre, der Berufs- und Gymnasialbildung und öffentlichen Vermittlung mit.

Das Schweizerische Sozialarchiv dankt allen, die es 2025 unterstützt haben: den Behörden, den Vereinsmitgliedern, den Partnerinstitutionen und -vereinigungen, den Benutzerinnen und Benutzern sowie allen Personen und Organisationen, die uns Schenkungen und Leihgaben anvertraut haben. Ein besonderer Dank geht an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne deren Einsatz das Sozialarchiv seine vielfältigen Aufgaben nicht erfüllen könnte.

Den Jahresbericht 2025 als PDF-Dokument herunterladen (10 MB)

5.2.2026, 19 Uhr: «Und das nennt sich Grenzbesetzung!»

Erfahrungen von Deutschschweizer Offizieren während des Aktivdienstes im Ersten Weltkrieg

Als der Erste Weltkrieg sich dem Ende zuneigte, hofften einige Deutschschweizer Offiziere auf Aufstände und Unruhen in der Schweiz. Nicht weil sie die protestierende Arbeiterschaft unterstützt hätten, im Gegenteil: Die Unruhen niederzuschlagen, hätte es ihnen erlaubt, ihren Ruf zu polieren und am Ende der ereignisarmen Grenzbesetzung doch noch etwas zu erleben.

Mario Podzorskis Buch bietet gestützt auf bisher wenig beachtete Briefe und Tagebücher ein Panorama wesentlicher Elemente der Aktivdiensterfahrung von Offizieren. Nach einer Phase der Unsicherheit im August 1914 standen die Bedürfnisse, etwas zu erleben und sich zu bewähren, im Vordergrund. Diese konnten die Offiziere während der oft als ereignisarm und sinnfrei erfahrenen Grenzbesetzung und angesichts lauter werdender Kritik an der Armee aber kaum befriedigen. Erst der Ordnungsdienst während des Landesstreiks sollte ihnen die Möglichkeit dazu bieten.

Buchpräsentation mit dem Autor Mario Podzorski-Gächter sowie Daniel Marc Segesser (Universität Bern).

Mit anschliessendem Apéro.

Donnerstag, 5. Februar 2026, 19 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

Veranstaltungsflyer herunterladen (PDF, 251 KB)

Vor 100 Jahren: Der Geist von Locarno

Die Schweiz war in den letzten drei Jahrhunderten Schauplatz zahlreicher internationaler Konferenzen, die sich um Krieg und Frieden drehten. Noch zur Zeit der Alten Eidgenossenschaft fand 1714 in Baden eine dreimonatige Friedenskonferenz statt, die den Spanischen Erbfolgekrieg beendete. Dieser hatte knapp 14 Jahre gedauert und trug mit Kriegsschauplätzen in Europa, Nordamerika, der Karibik und auf den Weltmeeren bereits Züge eines Weltkriegs. Der während der Französischen Revolution 1795 zwischen Frankreich, Preussen, Spanien und Hessen-Kassel abgeschlossene, wesentlich vom Basler Stadtschreiber und späteren Autor der ersten Verfassung der Helvetischen Republik Peter Ochs vermittelte Friede von Basel war lediglich eine vorübergehende Atempause in der Serie der Koalitionskriege von 1792 bis 1815, die mit ihren Kriegsschauplätzen in Europa, im Nahen Osten, Nordafrika, Nordamerika, in der Karibik und auf den Weltmeeren, der Vernetzung des allgemeinen europäischen Krieges mit Kolonialkriegen, europäischen und asiatischen Regionalkonflikten sowie neuen Formen des «Volkskrieges», nationalistischer Propaganda und des Wirtschaftskriegs im Rückblick als ein 13-jähriger Weltkrieg erscheint.
Ab dem 19. Jahrhundert fanden dann viele solche Konferenzen am Genfersee statt, aber auch Bern, Basel, Zürich, Luzern, Locarno oder der Bürgenstock wurden zu Kongressorten. Am Ende des Ersten Weltkrieges anerbot sich die Schweiz neben Frankreich und Belgien als Gastgeberin der anstehenden grossen Friedenskonferenz, die wie die Kongresse in Münster und Osnabrück von 1645 bis 1648 und in Wien 1814/15 nach einem katastrophalen Krieg mit Zerstörung des bisherigen internationalen Systems eine stabile Friedensordnung zu errichten versuchen sollte. US-Präsident Woodrow Wilson favorisierte zunächst einen Konferenzstandort ausserhalb der kriegführenden Länder und schlug Ende Oktober 1918 Lausanne vor. Auch Genf war, wie dann erneut nach dem Zweiten Weltkrieg, als potenzieller Schauplatz der Friedenskonferenz im Gespräch. Angesichts des zeitgleich mit dem Waffenstillstand und den Revolutionen in Deutschland und Österreich Anfang November 1918 stattfindenden Landesstreiks übertrieb die französische Diplomatie dann gezielt das Unruhepotenzial und die bolschewistische Gefahr in der Schweiz und konnte so Paris als Konferenzstandort sichern. Ein halbes Jahrzehnt später fand aber in der Schweiz ein weiterer internationaler Kongress statt, der von vielen Zeitgenoss:innen als eigentlicher Schlusspunkt hinter dem Ersten Weltkrieg betrachtet wurde: die Konferenz von Locarno.

Krieg und Frieden auf Konferenzen in der Schweiz

Die Locarno-Konferenz von 1925 reiht sich ein in eine grosse Zahl diplomatischer und zivilgesellschaftlicher Konferenzen in der Schweiz um Krieg und Frieden. Genf war als Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Unterzeichnungsort der ersten «Genfer Konvention» (1864) und dann Völkerbund- und UNO-Sitz Gastgeberin einer Serie von Konferenzen zur Begründung und Weiterentwicklung des humanitären Völkerrechts (1863/64, 1906, 1925, 1929, 1949, 1951, 1977, 1980, 1992, 2005) und von verschiedenen Abrüstungs- und Rüstungskontrollverhandlungen zwischen Grossmächten (1927, 1932 bis 1934, 1958 bis 1962, 1962 bis 1968, 1977, 1979 ff., 1980 bis 1985). 1925 wurde das «Genfer Protokoll» unterzeichnet, das den Einsatz chemischer und biologischer Waffen verbietet. Im Kalten Krieg wurde Genf Sitz verschiedener UNO-Foren zur Abrüstung: des kurzlebigen «Ten Nation Committee on Disarmament» (1960), des «Eighteen Nation Committee on Disarmament» (1961 bis 1968), der «Conference of the Committee on Disarmament) (1969 bis 1978) und der «Conference on Disarmament» (seit 1979). Aus ihren Arbeiten gingen unter anderem der Atomwaffensperrvertrag (1968), die Biowaffenkonvention (1971), die Chemiewaffenkonvention (1992) und der (noch nicht in Kraft getretene) Atomwaffenteststoppvertrag (1996) hervor. Bereits 1958 hatten Atomexperten auf einer Konferenz in Genf ein Kontrollprogramm zur Überwachung eines zukünftigen Atombombentestabkommens entworfen. 1972 in Genf begonnene amerikanisch-sowjetische Verhandlungen mündeten 1979 in die Unterzeichnung des SALT II-Abkommens in Wien zur Begrenzung nuklear-strategischer Waffensysteme (s. SozialarchivInfo 3/2022). 1973 bis 1975 war Genf auch Schauplatz von Verhandlungen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). 2016 und 2019 veranstalteten das UN-Büro zur Verhinderung von Völkermord und die «Internationale Vereinigung zur Verteidigung der Religionsfreiheit» in Genf zwei internationale Konferenzen zum Thema «Religion, Frieden und Sicherheit».

1872 verurteilte ein in Genf tagendes Schiedsgericht Grossbritannien zur Zahlung einer Entschädigung an die USA, weil es im Sezessionskrieg seinen internationalen Verpflichtungen zur Einhaltung der Neutralität nicht nachgekommen war. In Genf wurde beispielsweise auch 1922 das deutsch-polnische Abkommen über Oberschlesien unterzeichnet, 1952 gab es indisch-pakistanische Verhandlungen zum Kaschmirkonflikt, 1955 bis 1957 chinesisch-amerikanische Gespräche über den Status von Taiwan, 1957 im Nachgang zur Suezkrise französisch-ägyptische Diskussionen, 1962 eine Konferenz zur (freilich nicht nachhaltigen) Beendigung des Bürgerkriegs in Laos, 1963 und 1964 Gespräche zum Südtirolkonflikt, 1967 Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der jemenitischen Befreiungsfront über die beschleunigte Unabhängigkeit des von bürgerkriegsartigen Konflikten erschütterten Südjemen, 1973 nach dem Jom-Kippur-Krieg eine Nahostkonferenz (s. SozialarchivInfo 4/2023), 1974, 1988, 2000 und 2021 Verhandlungen zum Zypernkonflikt, 1976 zum Bürgerkrieg in Rhodesien/Zimbabwe, 1977, 1994 und 2000 zwischen den USA und Syrien zum Nahostkonflikt, 1981/82 zu Namibia, 1983 zum Bürgerkrieg im Libanon, 1983 und 1987 zu Palästina, 1985, 1987, 1988, 2018 und 2020 zum Afghanistankonflikt, 1988 zu den Kriegen im Südlichen Afrika und am Persischen Golf, 1990 zum Bürgerkrieg in El Salvador, 1991 im Vorfeld des zweiten Golfkrieges zur irakischen Besetzung Kuwaits, als vor dem Aussenministertreffen des Iraks und der USA in der Calvinstadt als vergebliche Friedensdemonstrationen die Kirchenglocken läuteten und aus vielen Fenstern weisse Fahnen gehisst wurden, 1992 bis 1995 zu den Zerfallskriegen Jugoslawiens, 1993 zum Bürgerkrieg in Liberia, 1994 und 2007 zum nordkoreanisch-amerikanischen Atomstreit, 1994 und 1997 zum Abchasienkonflikt, 1994, 2015 und 2018 zu den Kriegen im Jemen, 1997 und 1999 zu Korea, im Jahr 2000 zum Bürgerkrieg in Kolumbien, 2000 und möglicherweise 2007 im Geheimen zwischen Syrien und Israel, 2001 zum Konflikt um die separatistische indonesische Provinz Aceh, 2006 zum Bürgerkrieg in Sri Lanka, 2012 bis 2018 zum syrischen Bürgerkrieg, 2014 zur russländischen Aggression gegen die Ukraine, 2015 zum Bürgerkrieg in Libyen, 2022 zum Berg-Karabach-Konflikt und 2024 zum Bürgerkrieg im Sudan.

1937 fand angesichts der internationalen Dimensionen des spanischen Bürgerkriegs eine Konferenz in Nyon und Genf zum Schutz der Mittelmeerseefahrt vor U-Boot-Angriffen statt. 1954 tagte in Genf drei Monate lang eine Konferenz zur Beilegung der Konflikte in Indochina und Korea, an der neben den direkten Konfliktparteien Frankreich und Việt Minh bzw. Nord- und Südkorea auch die USA, die Sowjetunion, die Volksrepublik China und Grossbritannien beteiligt waren. Die Konferenz beendete den achtjährigen Indochinakrieg mit der französischen Anerkennung der Unabhängigkeit von Nord- und Südvietnam, Kambodscha und Laos. Die für 1955 festgelegten gesamtvietnamesischen Wahlen fanden dann aber nicht statt und die anhaltenden Spannungen eskalierten in der Folge in den bis 1975 dauernden Vietnamkrieg. Bezüglich Koreas, wo ein Jahr zuvor ein dreijähriger Krieg mit über 4 Millionen Toten durch einen Waffenstillstand beendet worden war, brachte die Genfer Konferenz keine Ergebnisse.

Im folgenden Jahr fand in Genf das erste Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der USA, der Sowjetunion, Grossbritanniens und Frankreichs seit der Potsdamer Konferenz unmittelbar zu Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Diskussionspunkte waren Fragen der europäischen Sicherheit und Abrüstung sowie die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Konferenz gilt als Höhepunkt einer Phase der «Entspannungspolitik» im frühen Kalten Krieg und es war sogar von einem «Geist von Genf» die Rede. Allerdings konnte in keinem der zentralen Diskussionspunkte eine Einigung erzielt werden und die zum Abschluss formulierte «Genfer Direktive» enthielt nur eine vage Formulierung, dass die deutsche Wiedervereinigung und die europäische Sicherheit einen unauflöslichen Zusammenhang bildeten. Ohne konkrete Resultate blieben auch die folgenden Aussenministertreffen in Genf 1955, 1959 und 1962. Während der von der Schweizer Diplomatie wesentlich unterstützten Verhandlungen zur Beendigung des Algerienkrieges im französischen Évian-les-Bains 1961/62 residierte die algerische Delegation in Genf und auf dem Signal de Bougy.

Während das Gipfeltreffen zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow von 1985 in Genf inhaltlich zwar unmittelbar ergebnislos blieb, aber zu einer erheblichen atmosphärischen Verbesserung führte, vermochte 2021 das gleichenorts abgehaltene Treffen zwischen Joe Biden und Vladimir Putin die weitere Radikalisierung der russländischen Expansionspolitik nicht zu verhindern. Im Streit um das iranische Atomprogramm gab es 2008, 2009 und 2013 Verhandlungen in Genf, aus denen 2013 ein Übergangsabkommen hervorging. In der Folge wurden die Verhandlungen 2015 in Lausanne weitergeführt und mündeten im ab 2016 umgesetzten Wiener Atomabkommen zwischen dem Iran, den USA, China, Russland, Frankreich, Grossbritannien und Deutschland. Mit dem 2018 von Donald Trump angeordneten unilateralen Ausstieg der USA aus diesem Abkommen setzte aber eine neue Eskalationsspirale um das iranische Atomprogramm ein bis hin zum israelisch-iranischen Krieg von 2025, während dem dann wiederum in Genf Deeskalationsgespräche der EU, Grossbritanniens, Deutschlands und Frankreichs mit dem Iran stattfanden.

In Lausanne fand 1922/23 eine achtmonatige Konferenz zur Beendigung des aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangenen griechisch-türkischen Krieges statt, die den gegenseitigen «Bevölkerungsaustausch» (also die wechselseitige Vertreibung der Minderheiten) mitbeinhaltete und die Hoffnungen auf kurdische und armenische Eigenstaatlichkeit vernichtete. Weitere Konferenzen in Lausanne gab es 1932 zum Ende der deutschen Reparationen für den Ersten Weltkrieg und 1949 zum arabisch-israelischen Konflikt. In Montreux wurde 1936 das Meerengen-Abkommen unterzeichnet, das die türkische Souveränität über die Durchfahrt vom Mittelmeer ins Schwarze Meer wiederherstellte und im Zweiten Weltkrieg wie auch im Ukrainekrieg eine wichtige Rolle spielen sollte, 2008 dann die Grundsätze zum Umgang von Staaten mit privaten Sicherheits- und Militärunternehmen.

In Zürich wurde 1859 nach dem im Zusammenhang mit der italienischen Einigung stehenden Sardischen Krieg der Friedensvertrag zwischen Österreich, Frankreich und Sardinien-Piemont unterzeichnet, 1959 ein britisch-türkisch-griechisch-zypriotisches Abkommen zur Unabhängigkeit von Zypern und 2009 in der Aula der Universität ein postgenozidales Annäherungsabkommen zwischen der Türkei und Armenien. 1988 unterzeichneten Griechenland und die Türkei am World Economic Forum die «Davos Declaration» zur Normalisierung ihrer stark angespannten Beziehungen. 2022 tagte in Lugano die erste «Ukraine Recovery Conference». Auf dem Bürgenstock fanden ebenfalls wichtige Konferenzen statt: 2002 zum Sudan, 2004 zu Zypern und 2024 zur Ukraine. Hingegen lehnte der Bundesrat 2025 die Organisation eines von christlichen NGOs und vom Parlament geforderten «Internationalen Friedensforums» ab, das sich mit dem Schicksal der 2023 in einer aserbaidschanischen Militäraktion aus Berg-Karabach vertriebenen armenischen Bevölkerung beschäftigen sollte.

Darüber hinaus war die Schweiz auch Schauplatz wichtiger zivilgesellschaftlicher Konferenzen im Themenfeld von Krieg und Frieden. Eine der ersten pazifistischen Organisationen, die «Internationale Liga für Frieden und Freiheit», wurde 1867 an einer Konferenz in Genf unter dem Ehrenpräsidium von Giuseppe Garibaldi gegründet und hielt dann ihre Jahreskonferenzen 1868, 1884 und 1892 in Bern, 1869 und 1871 in Lausanne, 1870 in Basel, 1872 in Lugano, 1874, 1875, 1876, 1879, 1881, 1882, 1886, 1887 und 1893 in Genf und 1888 und 1894 in Neuchâtel ab. Der ab 1889 beinahe jährlich von verschiedenen Friedensorganisationen ausgerichtete «Congrès universel pour la paix» fand 1892 in Bern (das auch Sitz des Internationalen Friedensbüros wurde), 1905 in Luzern (das Standort eines Kriegs- und Friedensmuseums wurde), 1912 und 1926 in Genf, 1934 in Locarno und 1939, eine Woche vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, in Zürich statt. Die «Internationale Friedensvereinigung» als Dachverband pazifistischer Organisationen hielt ihre Konferenz 1897 und 1912 in Bern ab, 1920 erstmals nach dem Unterbruch des Ersten Weltkriegs in Basel (wobei unter den rund 70 Delegierten die noch vor kurzem verfeindeten Länder vertreten waren) und 1937 in Genf. Die 1889 zur Sicherung des Friedens, Förderung des Demokratieverständnisses und Wahrung der Menschenrechte ins Leben gerufene «Interparlamentarische Union» tagte mehrfach in Bern (1892, 1914, 1952, 2001) und Genf (1912, 1932, 1984, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2013, 2014, 2015, 2016, 2018).

1911 fand in Bern eine internationale Konferenz der volkswirtschaftlichen und historischen Kommission der im Vorjahr gegründeten «Carnegie Endowment for International Peace» mit Teilnehmer:innen aus Grossbritannien, Deutschland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Italien, Belgien, der Schweiz, Dänemark, den Niederlanden, den USA und Japan zu den Fragen von Kriegsursachen und Kriegsfolgen statt. 1912 hielt die Zweite Internationale angesichts von Kriegen auf dem Balkan und der Gefahr eines grossen europäischen Krieges einen ausserordentlichen, der Friedenssicherung gewidmeten Kongress in Basel ab. 1913 fand in Bern unter der Leitung von SP-Nationalrat Robert Grimm eine «Verständigungskonferenz» von je etwa 50 deutschen und französischen Parlamentariern unterschiedlicher Parteien statt, die eine Friedensresolution verabschiedete und jeglichen Chauvinismus ablehnte. Noch zwei Monate vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kamen zu einer kleinen Folgekonferenz 16 französische und 18 deutsche Parlamentarier in Basel zusammen.

Während des Kriegs tagte 1915 im Berner Volkshaus die Internationale Konferenz sozialistischer Frauen gegen den Krieg mit 25 Teilnehmerinnen aus Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Russland, Polen, den Niederlanden, Italien und der Schweiz, gefolgt von den von Grimm organisierten linkssozialistischen Antikriegskongressen in Zimmerwald (1915, getarnt als vogelkundliche Konferenz) und Kiental (1916) (s. SozialarchivInfo 5/2015 und 2/2024). An diesen Konferenzen zeigten sich scharfe Differenzen zwischen der pazifistischen Mehrheit, die eine möglichst rasche Beendigung des Weltkriegs herbeiführen wollte, und der weltrevolutionären Minderheit um Lenin, die den Weltkrieg als Sprungbrett für einen revolutionären Weltbürgerkrieg zu benutzen trachtete. Hingegen konnten zu zwei in Bern geplanten, parteiübergreifenden internationalen Kongressen «zum Studium der Grundlagen eines dauerhaften Friedens» 1915 und 1917 jeweils nur wenige ausländische Delegierte anreisen.

1919 gründete die im Ersten Weltkrieg entstandene Frauenfriedensbewegung in Zürich im Haus Gartenhof (heute Sitz des Schweizerischen Friedensrates) die «Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit» (von der sich das Archiv der Schweizer Sektion im Sozialarchiv befindet). Diese trug später zwei weitere Kongresse in der Schweiz aus: 1934 erneut in Zürich und 2001 in Genf. Von einer Serie von «Internationalen demokratischen Friedenskongressen» in den 1920er Jahren fand die Auflage von 1928 in Genf statt. Der von der Union der amerikanischen Kirchen initiierte «Weltkongress für den Frieden durch Religion» hielt 1928 und 1937 Konferenzen in Genf ab, an denen Delegierte aus allen Kontinenten und von unterschiedlichen Religionen teilnahmen. Die «Vereinigung antimilitaristischer Pfarrer» (deren Archiv sich im Sozialarchiv befindet) organisierte 1931 einen internationalen Kongress in Zürich. Angesichts der vom Völkerbund initiierten Abrüstungskonferenz in Genf fand 1932 in Zürich im wenige Monate zuvor eingeweihten Limmathaus eine gemeinsame Konferenz der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes zum Thema Abrüstung statt. Hingegen verbot die Genfer Kantonsregierung die Abhaltung einer im Ruch des Kommunismus stehenden Friedenstagung am 1. August 1932. Initiiert vom kommunistischen französischen Schriftsteller Henri Barbusse wurde sie von einem Komitee propagiert, dem unter anderen die Schriftsteller Maxim Gorki, Upton Sinclair, Romain Rolland und Heinrich Mann angehörten. Die 1935 unter dem Eindruck des Überfalls des faschistischen Italien auf Äthiopien vom britischen Konservativen Robert Cecil und dem französischen Sozialisten Pierre Cot gegründete «International Peace Campaign» hielt 1936 eine Konferenz in Genf mit Persönlichkeiten aus Frankreich, Grossbritannien, der Tschechoslowakei, der Sowjetunion, Spanien und der Schweiz ab. Der von dieser Kampagne ursprünglich ebenfalls in Genf geplante, mehrtausendköpfige «Congrès du rassemblement universel de la paix» fand dann aber in Brüssel statt. Im selben Jahr tagte in Genf ein von Vereinigungen zur Unterstützung des Völkerbundes organisierter «Friedenskongress der Jugend».

Auch die aus dem Ersten Weltkrieg hervorgegangene und dann durch den Zweiten Weltkrieg verstärkte Bewegung für eine europäische Integration hielt wichtige Konferenzen in der Schweiz ab: 1932 fand in Basel der vierte Paneuropa-Kongress statt. 1944 trafen sich Vertreter:innen antifaschistischer Widerstands- und Exilorganisationen aus Frankreich, Italien, Deutschland, den Niederlanden, Jugoslawien, der Tschechoslowakei, Polen, Norwegen und Dänemark zu drei Konferenzen in Genf und erliessen eine Deklaration zugunsten einer europäischen Föderation. 1946 beherbergte Genf die ersten «Rencontres Internationales», an denen 50 führende Intellektuelle darüber diskutierten, wie das europäische Kulturerbe zur Erneuerung des kriegsversehrten Kontinents beitragen könnte. Im selben Jahr kamen in Bern und Hertenstein 78 Delegierte aus 13 europäischen Ländern sowie den USA zu einer Konferenz zusammen, die zeitgleich zu Winston Churchills berühmter Europa-Rede an der Universität Zürich stattfand und Anstoss zur Gründung der «Union Européenne des Fédéralistes» (UEF) gab. Das «Hertensteiner Programm» der UEF für eine europäische Gemeinschaft auf föderativer Grundlage als Teil einer friedenssichernden Weltunion wurde am 22. September 1946 der Öffentlichkeit auf dem Rütli vorgestellt. Der erste UEF-Kongress tagte 1947 in Montreux. Ebenfalls 1947 fand in Gstaad die Gründungsversammlung der «Europäischen Parlamentarier-Union» statt, die 1948 auf ihrem zweiten Kongress in Interlaken über die Gründung der Vereinigten Staaten von Europa (über die beispielsweise bereits an der Jahreskonferenz 1869 der «Internationalen Liga für Frieden und Freiheit» in Lausanne diskutiert worden war) beriet. 1949 kam in Lausanne eine «Conférence européenne de la Culture» zusammen (s. SozialarchivInfo 4/2016 und 4/2022).

Neben den pro-europäischen Bestrebungen gab es unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg weitere Konferenzen in der Schweiz, die sich mit dem Themenfeld Krieg und Frieden befassten. Der im Ersten Weltkrieg von kirchlichen Kreisen gegründete «Internationale Versöhnungsbund» (von dem sich das Archiv der Schweizer Sektion im Sozialarchiv befindet) hielt 1947 eine internationale Tagung im Château de Bossey im Waadtland ab. 1948 kam in Montreux, wenige Tage vor der am selben Ort abgehaltenen Konferenz der UEF, der erste Kongress für eine föderative Weltregierung zusammen. Die rund 300 Delegierten aus verschiedenen europäischen Ländern und den USA, unter denen Frauen und Studierende zahlreich vertreten waren, forderten vor dem Hintergrund des sich bereits abzeichnenden Ost-West-Konflikts einen friedenssichernden, über die Kompetenzen der neugeschaffenen UNO weit hinausreichenden Weltbundesstaat und gründeten das «World Federalist Movement». Sowohl die Welt- als auch die Europaföderalist:innen eröffneten 1948 ein Büro in Genf.

1946 organisierte der im Vorjahr als Dachverband schweizerischer Friedensorganisationen gegründete Schweizerische Friedensrat (dessen Archiv sich im Sozialarchiv befindet) im Berner Grossratssaal einen Anlass mit 23 in- und 15 ausländischen Organisationen, an dem auch Delegierte der gleichzeitigen Europakonferenz teilnahmen. Zur selben Zeit tagte in Genf eine internationale Konferenz der Leiter der Friedensbewegung zur Vorbereitung eines Weltkongresses der pazifistischen Organisationen. Dieser fand im folgenden Jahr in Saint-Cergue und Genf statt und mündete in die Gründung der «Union mondiale des organisations pour la paix». Sie vermochte sich aufgrund der Konkurrenz des drei Jahre darauf in Warschau auf Initiative der Kominform aus der Taufe gehobenen, pro-kommunistischen «Weltfriedensrats» (von dem sich Akten im Nachlass von Arthur Villard im Sozialarchiv befinden) aber nicht als internationale Dachorganisation zu etablieren. Für den Gründungskongress des «Weltfriedensrats» waren zunächst auch Basel, Zürich oder Genf zur Diskussion gestanden, nach einer ersten Fühlungnahme der Organisator:innen mit den Bundesbehörden sowie ähnlicher Skepsis der britischen Regierung gegenüber einer Austragung in London oder Sheffield war man aber ins kommunistische Polen ausgewichen. 1951 hielt das Büro des «Weltfriedensrats» seine erste Sitzung in Genf ab, dem dazu eingeladenen sowjetischen Schriftsteller und Propagandisten Ilja Ehrenburg wurde aber das Einreisevisum verweigert. Auch lehnten die Schweizer Behörden die Abhaltung des «Weltfriedensrat»-Kongresses 1951 in Genf ab. Der Kongress fand dann in Ostberlin statt.

Nach der Ausweisung des «Weltfriedensrats» aus Wien im Nachgang zum sowjetischen Einmarsch in Ungarn, der die Kontakte zu nichtkommunistischen Friedensorganisationen weitgehend zum Erliegen brachte, hielt dessen Exekutivkomitee 1957 eine Konferenz in Lausanne ab, dieses Mal unter dem Vorsitz von Ehrenburg. Ebenfalls als Ostblock-nahe kritisiert wurde 1964 die vom pazifistischen Pfarrer Willi Kobe (dessen Nachlass sich im Sozialarchiv befindet) im Kirchgemeindehaus Zürich-Oerlikon organisierte Konferenz «Friede und Abrüstung» mit Delegationen aus Polen, der DDR, der Tschechoslowakei, Grossbritannien und der Schweiz. Sie diente der Vorbereitung der zweiten «Allchristlichen Friedensversammlung» in Prag (deren Trägerorganisation «Christliche Friedenskonferenz» in jenen Jahren einseitig die Aufrüstung der NATO kritisierte, jene des Warschauer Pakts hingegen akzeptierte und 1968 dann die Niederschlagung des Prager Frühlings mehrheitlich begrüsste).

1966 fand in Genf ein Kongress des «Weltfriedensrats» mit mehreren Hundert Delegierten aus Ost und West statt, was Kritik in der Schweizer Presse und im Parlament hervorrief. Der Bundesrat sah danach die Auflage, sich Angriffen und beleidigenden Äusserungen gegen ausländische Regierungen zu enthalten, verletzt und kündigte an, solche Anlässe in Zukunft nicht mehr zu bewilligen. Der «Weltfriedensrat» konnte aber, trotz Kritik im Parlament, wenige Jahre darauf ein Büro in Genf eröffnen. 1978 initiierte er zusammen mit seiner Schweizer Sektion, der PdA-nahen «Schweizerischen Friedensbewegung» (die 1984 dann durch ihre Weigerung, Solidaritätsbekundungen für oppositionelle Friedensbewegungen im Ostblock zu tolerieren und den «Abbau des Blocksystems» in den Forderungskatalog aufzunehmen, die Schweizer Ostermarschbewegung vorübergehend spaltete) in Genf ein Treffen von Delegationen aus über 50 Ländern und von 15 internationalen Organisationen zum Start einer Kampagne gegen amerikanische Neutronenbombenpläne. 1979 und 1980 richteten der «Weltfriedensrat», die «Schweizerische Friedensbewegung» und die PLO in Basel internationale Konferenzen aus, an welchen das 1979 abgeschlossene Friedensabkommen zwischen Israel und Ägypten scharf verurteilt wurde. Dieses hatte den seit drei Jahrzehnten zwischen den beiden Ländern bestehenden, 1948/49, 1956, 1967 und 1973 in offene Kriege eskalierenden Kriegszustand beendet, führte zur Rückgabe der im Sechstagekrieg 1967 von Israel eroberten Sinai-Halbinsel an Ägypten und Abbau der dortigen israelischen Siedlungen und verstärkte die Abwendung Ägyptens vom Ostblock. Ebenfalls in Basel organisierte der «Weltfriedensrat» 1982 eine internationale Konferenz zur Verurteilung der israelischen Intervention in den libanesischen Bürgerkrieg, 1991 ein europäisches Regionaltreffen und 1993 seine Weltversammlung.

Die katholische Friedensorganisation «Pax Christi» hielt ihre internationalen Kongresse 1954 in Einsiedeln, 1960 in Genf sowie 1969 und 1983 in Fribourg ab, ebenso 1970 eine internationale Jugendkonferenz. Die «Kampagne für nukleare Abrüstung», die in den späten 1950er Jahren ausgehend von Grossbritannien die Ostermarschbewegung initiiert und das Friedenslogo kreiert hatte (s. SozialarchivInfo 3/2022), plante 1958 ihren ersten internationalen Kongress in Basel. Der Bundesrat, der zu jener Zeit selbst Atomwaffenpläne hegte, verbot aber die Abhaltung des Kongresses, was einen offenen Brief des an der Spitze der Bewegung stehenden Philosophen, Mathematikers und Literaturnobelpreisträgers Bertrand Russell an Bundespräsident Thomas Holenstein und einiges Echo in der internationalen Presse nach sich zog. Der Kongress tagte schliesslich 1959 mit rund 250 Delegierten aus Grossbritannien, der Bundesrepublik, Österreich, Schweden, Norwegen, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz in London.

1960 kamen im Freidorf Muttenz Delegierte des «Internationalen Verbindungskomitees für Friedensorganisationen» aus Grossbritannien, den Niederlanden, Schweden, Norwegen, der Bundesrepublik, Frankreich und der Schweiz zu einer Konferenz über Abrüstungsfragen zusammen. 1967 fand in Genf die zweite «Pacem in Terris»-Konferenz statt, organisiert vom amerikanischen «Zentrum zum Studium der demokratischen Institutionen». Die nach der päpstlichen Friedensenzyklika von 1963 benannte Konferenz, an der etwa 350 Intellektuelle und Politiker:innen aus der ganzen Welt teilnahmen, unter ihnen der im Folgejahr von einem Rassisten ermordete Friedensnobelpreisträger Martin Luther King sowie aus der Schweiz etwa alt Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen und der Künstler Hans Erni, der das Kongressplakat gestaltet hatte, befasste sich vor allem mit dem Vietnamkrieg und den Spannungen zwischen Ost und West. Allerdings wurde die Konferenz von der Sowjetunion, China und Nordvietnam boykottiert.

Aus Anlass des 70. Jahrestags des Basler Friedenskongresses der Zweiten Internationale organisierten 1982 die Sozialdemokratische Partei der Schweiz, der Schweizerische Gewerkschaftsbund und die Sozialistische Internationale in Basel eine «Friedenswoche» (deren Organisationsakten sich teilweise im SP-Archiv im Sozialarchiv befinden) mit Referaten unter anderem von Bundesrat Willi Ritschard, dem deutschen Altbundeskanzler Willy Brandt, dem Schriftsteller und ehemaligen senegalesischen Staatspräsidenten Léopold Sédar Senghor, dem ehemaligen portugiesischen Ministerpräsidenten Mário Soares sowie Vertreter:innen von Kirchen, Frauen- und Friedensorganisationen und der Wissenschaft (darunter Karl Lang vom Sozialarchiv). Der 100. Jahrestag war dann 2012 Anlass für eine internationale wissenschaftliche Konferenz zu Krieg und Frieden an der Universität Basel, deren Akten vom Sozialarchiv publiziert wurden.

1991 kamen in Genf auf Initiative der «Frauen für den Frieden» (von denen sich das Archiv der Schweizer Sektion im Sozialarchiv befindet) etwa 70 Vertreterinnen von Friedens- und Frauenorganisationen zu einer Nahostkonferenz zusammen, unter ihnen zehn Israelinnen (u.a. ein Mitglied der Knesset) und acht Palästinenserinnen (u.a. Delegierte der PLO). Im selben Jahr fand in Caux ob Montreux eine von der «Moralischen Aufrüstung» organisierte Konferenz zum Thema «Frau und Frieden» statt, an der 700 Delegierte aus 60 Ländern teilnahmen. 2003 unterzeichneten je ein israelischer und palästinensischer Ex-Minister einen privat initiierten und in Genf finalisierten Friedensplan zur Beilegung des Nahostkonflikts mit einer Zwei-Staaten-Lösung. Die Unterstützung dieser «Genfer Initiative» durch den Bundesrat wurde 2023, noch vor den Hamas-Anschlägen vom 7. Oktober, eingestellt. 2004 fand in Genf eine dreitägige Frauenfriedenskonferenz mit 400 Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt unter dem Vorsitz von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und der ägyptischen First Lady Suzanne Mubarak statt, an der ein Aktionsplan zum Einbezug von Frauen in die Friedensförderung verabschiedet und eine globale «Koalition der Frauen zur Verteidigung des Friedens» gegründet wurde. Und 2010 hielten die «ÄrztInnen für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkrieges» (von denen sich das Archiv der Schweizer Sektion im Sozialarchiv befindet) ihren 19. Weltkongress in Basel ab.

Versailles und die Folgen

Der am 28. Juni 1919 unterzeichnete Friedensvertrag von Versailles zwischen dem Deutschen Reich einerseits sowie Frankreich, Grossbritannien, den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten andererseits beendete formal den Ersten Weltkrieg an der Westfront, nachdem bereits seit dem 11. November 1918 ein Waffenstillstand geherrscht hatte. Die Vertragsunterzeichnung begründete zugleich den Völkerbund als System kollektiver Sicherheit, zu dem indessen Deutschland zunächst nicht zugelassen war, und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) – beide mit Sitz in Genf (s. SozialarchivInfo 2/2019 und 6/2019). Der Vertrag hielt die deutsche Kriegsschuld fest und auferlegte dem Deutschen Reich, das sich inzwischen vom Kaiserstaat zu einer parlamentarisch-demokratischen Republik gewandelt hatte, harte Friedensbedingungen. Diese kamen für die deutsche Öffentlichkeit als ein Schock und das Parlament ratifizierte den Vertrag nur unter dem Druck der fortbestehenden britischen Seeblockade, die nach der Hungerkatastrophe der zweiten Kriegshälfte einen erneuten Zusammenbruch der Lebensmittelversorgung befürchten liess. Die Revision der Versailler Vertragsbestimmungen war in der Folgezeit aber ein Grundkonsens aller politischen Richtungen Deutschlands, die sich freilich hinsichtlich des Ausmasses und der dabei anzuwendenden Mittel unterschieden.

Deutschland verlor nicht nur alle seine Kolonien in Afrika, Ostasien und im Pazifik, sondern musste auch umfangreiche Territorien in Europa abtreten. Im Westen gingen Eupen-Malmedy an Belgien und das 1870/71 eroberte Elsass-Lothringen wieder an Frankreich. Im Osten gingen umfangreiche Teile Posens sowie weitere Gebiete an Polen, wodurch Ostpreussen durch den «polnischen Korridor» vom Reich abgetrennt wurde. Ein kleineres Gebiet ging an die Tschechoslowakei. Danzig und das Memelland wurden unter Völkerbundverwaltung gestellt. Für verschiedene Gebiete im Osten und Norden sollten Volksabstimmungen über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit entscheiden. Das Saarland wurde für 15 Jahre vom Völkerbund verwaltet und in den französischen Wirtschaftsraum eingegliedert, dann sollte ein Referendum über die staatliche Zugehörigkeit abgehalten werden. Deutschland verlor damit 13% seines europäischen Territoriums, auf denen sich 80% der Eisenerzvorkommen, 63% der Zinklager, 40% der Hochöfen und 28% der Steinkohleförderung befanden, ebenso 17% der Kartoffel- und 13% der Weizenernte.

Im Weiteren musste das Heer massiv auf 115’000 Berufssoldaten verkleinert, die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft und die Marine stark reduziert werden. Schwere Waffen, der Wiederaufbau der Luftwaffe und der Festungsbau an der Grenze waren verboten. Darüber hinaus wurden die linksrheinischen Gebiete sowie alle rechtsrheinischen Gebiete mit bis zu 50 km Abstand zum Rhein zur entmilitarisierten Zone erklärt, in der sich keine deutschen Truppen aufhalten durften. Die Abrüstung Deutschlands sollte durch interalliierte Überwachungsausschüsse kontrolliert werden.

Abgeleitet aus dem Kriegsschuldartikel wurde Deutschland zu Reparationen durch Geld- und Sachleistungen in durch eine Reparationskommission zu bestimmender Höhe verpflichtet. Dieser Punkt spielte in der französischen Innenpolitik eine wichtige Rolle. Im November 1919 errang der rechtsrepublikanische «Bloc national» mit dem Slogan «L’Allemagne paiera!» einen deutlichen Wahlsieg. Das Insistieren auf hohen Reparationsleistungen war einerseits durch die gewaltigen Kriegsschäden der zu einem grossen Teil auf französischem Territorium ausgetragenen Kämpfe der Westfront, denen auch ein bedeutender Teil der Industrie zum Opfer gefallen war, und die kriegsbedingten Staatsschulden bedingt, andererseits durch die Enttäuschung über den Umstand, dass gegenüber den anderen Siegermächten eine französische Annexion von Rhein- und Saarland oder gar eine territoriale Zerstückelung Deutschlands nicht hatte durchgesetzt werden können.

Als Druckmittel zur Durchsetzung der Reparationsforderungen wurden das linksrheinische Deutschland und einige rechtsrheinische Brückenköpfe unter Besatzung durch Frankreich, Belgien, Grossbritannien und die USA gestellt, die stufenweise auf fünf, zehn und fünfzehn Jahre befristet war. Die französische Besetzung stach dabei durch eine besonders hohe Truppenzahl hervor. Ende 1921 waren in der französischen Besatzungszone, in der etwa 3 Millionen Menschen lebten, 93’000 Soldaten stationiert (d.h. 1 Soldat auf 32 Einwohner:innen), in der belgischen mit 1,4 Millionen Einwohner:innen 25’000 (1 Soldat auf 56 Einwohner:innen), in der britischen mit 1,1 Millionen Einwohner:innen knapp 8’000 (1 Soldat auf 137 Einwohner:innen) und in der amerikanischen mit 470’000 Einwohner:innen rund 12’000 (1 Soldat auf 39 Einwohner:innen). Dasselbe Bild zeigte sich bei der Grösse der Verwaltungsapparate. Die französischen Besatzungsbehörden griffen auch viel direkter in die lokalen Verhältnisse ein und schwächten zugleich den bestehenden preussischen Verwaltungs- und Polizeiapparat, während die Briten stärker auf Methoden der in den Kolonien erprobten «indirect rule» zurückgriffen, die von der Bevölkerung als weniger belastend empfunden wurden.

Zudem duldeten die französischen und belgischen Besatzungsbehörden wohlwollend und teilweise sogar unterstützend die Aktivitäten rheinischer Separatist:innen. Diese erreichten nach ersten Putschversuchen im Sommer 1919 ihren Höhepunkt im Herbst 1923 mit der Proklamation einer «Rheinischen Republik» mit Regierungssitz in Koblenz, die sich aber nur für etwa einen Monat halten konnte. Die innenpolitische Situation der Weimarer Republik blieb aber auch im unbesetzten Deutschland bis 1923 sehr instabil mit einer grossen Zahl politischer Morde, paramilitärischen Gruppierungen unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung (s. SozialarchivInfo 3/2019) und mehreren Umsturzversuchen von rechts aussen (Kapp-Lüttwitz-Putsch im März 1920, Hitler-Ludendorff-Putsch im November 1923) und links aussen (Spartakusaufstand im Januar 1919, Bremer Räterepublik im Januar/Februar 1919, Münchner Räterepublik im April 1919, Ruhraufstand im März/April 1920, Mitteldeutscher Aufstand im März 1921, «Deutscher Oktober» und Hamburger Aufstand im Oktober 1923).

Die labile innenpolitische und auch wirtschaftliche Lage Deutschlands und der anhaltend scharfe deutsch-französische Gegensatz verstärkten sich dabei wechselseitig. Der Kapp-Lüttwitz-Putsch von Teilen der Reichswehr und rechten Kreisen gegen die Reichsregierung der Weimarer Mitte-links-Koalition, aber auch gegen die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrags ab dem 13. März 1920 brach angesichts eines Generalstreiks zur Unterstützung der legalen Regierung nach wenigen Tagen zusammen. Aus dem Abwehrkampf gegen die Putschisten entstand im Ruhrgebiet eine Rote Armee mit mehr als 50’000 Bewaffneten aus einem breiten Spektrum linker und linksradikaler Gruppierungen, die über das Ende des Putsches hinaus die Städte kontrollierte und teilweise lokale Räteherrschaften errichtete. Die blutige Niederschlagung dieser als Aufstand wahrgenommenen Bewegung durch regierungsloyale Reichswehrtruppen und rechte Freikorps beinhaltete auch die Verletzung des Entmilitarisierungsgebots im Rheinland.

Darauf reagierte Frankreich Anfang April 1920 mit der Besetzung weiterer Gebiete, unter anderem dem Einmarsch in Darmstadt, Hanau, Dietburg, Homburg und Frankfurt am Main, wo es zu einem Zwischenfall mit marokkanischen Soldaten und mehreren Toten kam. Dies wiederum gab Anlass für den Beginn einer jahrelangen deutschen Propagandakampagne gegen die Verwendung afrikanischer Kolonialsoldaten in den französischen Besatzungstruppen. Die hochgradig rassistische Kampagne mit dem Slogan «Schwarze Schmach» wurde mit einer aussenpolitischen Stossrichtung von den Behörden und allen politischen Kräften ausser der äusseren Linken mitgetragen und stiess insbesondere im angelsächsischen Raum auf die gewünschte Resonanz. Zusätzlich benutzten rechtsradikale Kräfte das Thema aber auch, um neben Frankreich und Afrikanern gegen die eigene Regierung, die Weimarer Demokratie, Juden und Freimaurer Stimmung zu machen. Unter anderem formulierte Adolf Hitler in «Mein Kampf» dazu eine Passage, die die heutige rechtsextreme Verschwörungstheorie vom «Grossen Bevölkerungsaustausch» vorwegnahm.

Nachdem Deutschland die sehr hohen französischen Reparationsforderungen abgelehnt hatte, besetzten französische und belgische Truppen Anfang März 1921 Duisburg und Düsseldorf und erhoben Zölle zwischen dem besetzten und dem unbesetzten Gebiet. Auf britische Vermittlung wurden die jährlichen Reparationsforderungen dann um mehr als die Hälfte reduziert. Aus der ansonsten ergebnislosen Konferenz von Cannes vom Januar 1922, an der Frankreich ein deutsches Begehren auf Zahlungsaufschub zurückwies, ging im April und Mai gleichen Jahres die von Grossbritannien eingefädelte Wirtschafts- und Finanzkonferenz von Genua hervor, an der die meisten Staaten teilnahmen, die aktiv in den Weltkrieg verwickelt gewesen waren – inklusive die internationalen Parias Deutschland und Sowjetrussland. Die beiden schlossen am Rand der Konferenz überraschend den Vertrag von Rapallo, der ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen normalisierte. Deutschland konnte sich dadurch nicht nur von seiner Anhängigkeit von den Westmächten lösen, sondern ab 1924 durch eine zunächst geheime, 1926 vom «Manchester Guardian» aufgedeckte Zusammenarbeit zwischen Reichswehr und Roter Armee auch gewisse Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrages umgehen, indem nun in verschiedenen Orten der Sowjetunion deutsches Militär an Panzern, Flugzeugen und in der chemischen Kriegführung ausgebildet wurde.

Ende 1922 stellte die alliierte Reparationskommission Rückstände fest und führte diese nicht auf die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands zurück, sondern auf absichtliches Zurückhalten. Im Januar 1923 marschierten französische und belgische Truppen mit bis zu 100’000 Mann im Ruhrgebiet ein und stiessen bis über Dortmund hinaus vor. Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und der USA lehnten die Besetzung des Ruhrgebiets ab. Die Vereinigten Staaten zogen sogar ihre Besatzungstruppen aus dem Rheinland ab, worauf die bisherige amerikanische Zone von Frankreich übernommen wurde. Das ohne parlamentarische Mehrheit regierende Mitte-rechts-Kabinett des parteilosen Reichskanzlers Wilhelm Cuno rief die Bevölkerung in den besetzten Gebieten am 13. Januar zu passivem Widerstand auf. Die Reparationsleistungen wurden ganz eingestellt, die regionalen Behörden verweigerten die Zusammenarbeit mit den Besatzungstruppen, Industrie und Verkehr wurden mit Generalstreiks teilweise lahmgelegt und die Angestellten der Deutschen Reichsbahn sabotierten den Betrieb mit vielfältigen Mitteln. Sowohl rechtsradikale als auch kommunistische Kreise begingen Sabotageakte und Anschläge gegen die Besatzungstruppen. Auf Anordnung aus Moskau arbeitete die Kommunistische Partei im Sommer 1923 beim Widerstand gegen die Ruhrbesetzung kurzfristig mit den Nazis zusammen (sog. «Schlageter-Kurs»). Die französisch-deutsche Konfrontation von 1923 bewegte sich knapp unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges. Im Kontext der «Democratic peace theory», die den Umstand betont, dass Demokratien praktisch nie Krieg gegen andere Demokratien führen, ist der Ruhrkonflikt somit ein Sonderfall.

Die Reichsregierung finanzierte den passiven Widerstand, unter anderem den Lohnausfall streikender Arbeiter:innen, wie schon vorher viele Kriegsausgaben und dann die Reparationsleistungen mit der Notendruckerpresse. Die dadurch verursachte gewaltige Ausweitung der Geldmenge hatte für die deutsche Währung katastrophale Folgen. Die seit Kriegsbeginn 1914 bereits sehr hohe Teuerung, die sich 1922 massiv beschleunigt hatte, entwickelte sich während des Ruhrkampfes zur Hyperinflation. 1914 hatte 1 US-Dollar noch 4,2 Mark gekostet, 1918 dann 13 Mark und 1921 56 Mark. Anfang 1923 kostete 1 Dollar bereits 7’200 Mark, am 9. Juni 100’000 Mark, Ende November 1923 dann nicht weniger als 4’200 Milliarden Mark! Der Preis für ein Ei in Berlin stieg vom 9. Juni bis 2. Dezember 1923 von 800 Mark auf 320 Milliarden Mark. Im August 2023 entbrannte in den unbesetzten Teilen Deutschlands eine Streikwelle gegen die Regierung Cuno. Am 12. August trat Cuno nach neunmonatiger Amtszeit zurück.

Sein Nachfolger wurde Gustav Stresemann von der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei, der eine grosse Koalition der Mitte-rechts-Parteien mit der SPD formte. Stresemann hatte als Nationalliberaler während des Ersten Weltkriegs zu den «Annexionisten» gehört, die auf einen «Siegfrieden» hofften, während der Novemberrevolution die Bildung einer einheitlichen liberalen Partei zusammen mit den Linksliberalen abgelehnt und war ein entschiedener Gegner des Versailler Vertrages. In der Folge wurde er aber ein pragmatischer «Vernunftrepublikaner», der den neuen Staat als – wenn auch ungeliebte –Tatsache akzeptierte und auf dessen Grundlage Realpolitik betreiben wollte. Aussenpolitisch machte ihn das zu einem Vertreter der «Erfüllungspolitik»: Der Kampf gegen die Versailler Vertragsbestimmungen und insbesondere die Reparationen sollte nicht konfrontativ geführt, sondern es sollte durch Kooperation die Unmöglichkeit der Erfüllung der französischen Forderungen nachgewiesen und eine schrittweise Revision der Vertragsbedingungen erlangt werden. Dies sollte in der Folge bezüglich der Reparationen und der Besetzung gelingen, nicht aber bezüglich territorialer Veränderungswünsche.

Am 26. September 1923 verkündete Stresemann offiziell den Abbruch des passiven Widerstands im Ruhrgebiet, der zu mehreren Hundert Toten und einem Zusammenbruch der Wirtschaft geführt, aber seinen Zweck nicht erreicht hatte. Mitte November stoppte er mit einer Währungsreform die Hyperinflation: Eine Billion Papiermark wurde gegen eine durch Grundschuldverschreibungen gedeckte «Rentenmark» getauscht, die zum Dollar wieder im gleichen Verhältnis stand wie die Mark 1914. In einem zweiten Schritt wurde ab August 1924 die stabile Rentenmark in die neue Reichsmark umgetauscht. Damit einher ging eine Konsolidierung des Staatshaushalts durch drastische Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen.

Die Hyperinflation entschuldete den Staat und Hausbesitzer:innen mit Hypotheken, ruinierte aber breite Mittelschichten mit Barvermögen und Staatsanleihen, deren Kauf während des Krieges als patriotische Tat propagiert worden war. Das Vertrauen in den demokratischen Staat und die politischen Eliten wurde durch dieses Trauma nachhaltig beschädigt, was den nachfolgenden Aufstieg radikaler, antidemokratischer Kräfte begünstigte. Unmittelbar führte die Krisensituation im Oktober und November 1923 in verschiedenen Teilen Deutschlands zu kommunistischen, rechtsradikalen und separatistischen Aufständen und Putschversuchen. In diesem Zusammenhang stürzte Stresemann bereits Ende November über ein Misstrauensvotum des Reichstags. Im nachfolgenden Kabinett unter dem Zentrumspolitiker Wilhelm Marx und den folgenden Regierungen amtierte er als Aussenminister.
Im Lauf des Jahres 1924 fanden sowohl in Frankreich als auch in Deutschland Wahlen statt. In Frankreich kam es bei den Parlamentswahlen im März zu einem Umschwung. Die seit 1922 vom antideutschen Hardliner Raymond Poincaré geführte rechtsrepublikanische Regierung erhielt die Quittung für die verheerenden Auswirkungen der Ruhrbesetzung. Statt der erhofften Reparationseinnahmen hatte die Militäraktion das französische Haushaltsdefizit noch vergrössert und den Franc geschwächt. Die französische Regierung musste beim amerikanischen Bankhaus J. P. Morgan um einen Stabilisierungskredit nachsuchen, der nur gegen die Zusage von Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen und Kooperation mit den angelsächsischen Mächten in der Reparationenfrage gewährt wurde. Vor diesem Hintergrund siegte bei den Parlamentswahlen das «Cartel des gauches», ein Bündnis aus linksbürgerlichen Radikalen und Sozialisten, dessen Regierung in der Folge eine weit weniger konfrontative Deutschlandpolitik betrieb.

Die Reichstagswahlen im Mai standen unter dem Eindruck des politischen und wirtschaftlichen Chaos des Vorjahres und der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit und stärkten die politischen Extreme. Die Kommunistische Partei gewann etwa 11% dazu, ebenso auf der äusseren Rechten zusammengenommen die konservativ-ultranationalistische Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und die (als Ersatz für die nach dem Hitler-Ludendorff-Putsch vorübergehend verbotene NSDAP gebildete) Nationalsozialistische Freiheitspartei. Da keine stabile Regierungsbildung möglich war, kam es bereits im Dezember zu Neuwahlen. Sie standen im Zeichen eines einsetzenden Wirtschaftsaufschwungs. Die politischen Extreme gaben wieder Stimmen ab und die SPD verbuchte grosse Zugewinne. Die regierenden Mitte-rechts-Parteien erhielten geringfügige Zuwächse und gingen nach der Wahl erstmals eine Koalition mit der DNVP ein. Am 28. Februar 1925 verstarb überraschend der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert. Bei der Wahl seiner Nachfolge gewann im zweiten Durchgang der vom «Reichsblock» der Rechtsparteien portierte monarchistische Weltkriegsgeneral Paul von Hindenburg mit nur relativem Mehr gegen Wilhelm Marx, den Kandidaten des republiktreuen «Volksblocks» aus Zentrumspartei, SPD und Linksliberalen. Ermöglicht wurde dieser als Rechtsrutsch der Weimarer Republik interpretierte Sieg durch die chancenlose Zählkandidatur des Kommunisten Ernst Thälmann.

Im Anschluss an die politische und ökonomische Krise des Ruhrkampfs bildete die alliierte Reparationskommission am 30. November 1923 eine Expertengruppe unter dem Vorsitz des amerikanischen Finanzspezialisten und nachmaligen Vizepräsidenten Charles Gates Dawes für die Ausarbeitung eines realistischeren Reparationszahlungsplanes für die Postinflationsära. Dieser wurde am 9. April 1924 vorgelegt, am 16. August in London unterzeichnet und trat am 1. September in Kraft. Gleichzeitig zogen die Besatzungstruppen aus dem Ruhrgebiet ab. Der Dawes-Plan ermöglichte durch Anpassung der jährlichen Reparationszahlungen an die Wirtschaftskraft die Stabilisierung Deutschlands und bedeutete einen ersten aussenpolitischen Erfolg Stresemanns.

Die Konferenz von Locarno und ihre Resultate

Bereits vor der Ruhrkrise hatte die Regierung Cuno Ende 1922 die Absicherung der Rheingrenze durch internationale Garantien vorgeschlagen. Die Regierung Poincaré hatte aber abgelehnt. Im Oktober 1924 beschloss der Völkerbund das sogenannte «Genfer Friedensprotokoll», das jeden Angriffskrieg zwischen zwei Vertragsstaaten verbieten wollte und Sanktionen gegen Staaten vorsah, die sich weigerten, Streitfälle schlichten zu lassen. Aufgrund des Widerstands der konservativen britischen Regierung trat das Friedensprotokoll aber nicht in Kraft. Hingegen schlug der britische Botschafter in Berlin Anfang 1925 vor, den Grenzgarantieansatz noch einmal zu prüfen. Daraufhin sandte der neue Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Carl von Schubert, ein Memorandum an die Regierungen des Vereinigten Königreichs und Frankreichs, das sich zur Lösung der Probleme auf friedlichem Wege bekannte und die Idee von 1922 präzisierte. Vorgeschlagen wurde ein Pakt aller am Rhein interessierten Staaten (einschliesslich der USA), der den Kriegsverzicht und die Anerkennung des gegenwärtigen Gebietsstandes sowie Schiedsverträge und die Bekräftigung des Verbots, deutsche Truppen im Rheinland zu stationieren, beinhalten sollte. Die Initiative blieb zunächst geheim, da Obstruktion seitens der mitregierenden DNVP befürchtet wurde. Im Frühjahr 1925 begrüssten aber nacheinander der konservative britische Aussenminister Austen Chamberlain und der reformsozialistische französische Aussenminister Aristide Briand den Vorschlag öffentlich. Daraufhin gab es während des Sommers 1925 lange Verhandlungen und Vorbereitungsgespräche auf Botschafterebene.

Vom 5. bis 16. Oktober traf in Locarno eine hochkarätige Konferenz zusammen. Die deutsche Delegation wurde vom parteilosen Reichskanzler Hans Luther und Aussenminister Stresemann angeführt, die französische von Briand, die britische von Chamberlain und die belgische vom sozialdemokratischen Aussenminister Emile Vandervelde, der vor dem Ersten Weltkrieg Vorsitzender der Zweiten Internationale gewesen war. Die Anreise der Deutschen wurde durch Hinweise auf einen rechtsradikalen Attentatsplan gegen Stresemann erschwert, die nach den Morden an Aussen- und Finanzpolitiker Matthias Erzberger (1921) und Aussenminister Walther Rathenau (1922) durch Rechtsterroristen ernst genommen werden mussten. In der von Italiens Vertreter beim Völkerbund Vittorio Scialoja geleiteten italienischen Delegation war am 15./16. Oktober der faschistische Regierungschef Benito Mussolini, der seit seinem letzten diplomatischen Auftritt in der Schweiz an der Konferenz von Lausanne den Umbau seines Landes in eine totalitäre Diktatur entschieden vorangetrieben hatte, kurzzeitig persönlich anwesend, um sich zum Konferenzschluss im medialen Ruhm zu sonnen. Der «Duce» erhielt für seine Teilnahme vom katholisch-konservativen Schweizer Aussenminister Giuseppe Motta ein überschwängliches Dankestelegramm. Allerdings wurde seine Pressekonferenz von den meisten Journalisten boykottiert und gelang es ihm auch nicht, die wegen der Südtirolfrage umstrittene italienisch-österreichische Grenze zum Gegenstand eines Garantieabkommens zu machen. Ebenso waren eine polnische Delegation unter dem konservativen Aussenminister Aleksander Skrzyński und eine tschechoslowakische Delegation unter dem reformsozialistischen Aussenminister Edvard Beneš präsent, die sich aber nur an Verhandlungen beteiligten, die ihre mit Frankreich verbündeten Länder unmittelbar betrafen. Die Delegationen logierten im Grand Hotel von Locarno und im Esplanade von Minusio. Nicht vertreten waren die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion.

Die Konferenzvorbereitungen liefen weitgehend im Geheimen. So erfuhr der Stadtpräsident von Locarno, der Linksfreisinnige Giovan Battista Rusca, angeblich erst am 25. September von der bevorstehenden Konferenz in seiner Stadt. Allerdings war er mit Briand befreundet und Befürworter einer europäischen Integration. Die Schweiz war als Konferenzstandort naheliegend, wobei aber der Völkerbundsitz Genf nicht infrage kam, da Deutschland noch nicht Völkerbundmitglied war. Bereits bei der Konferenz zur Beendigung des griechisch-türkischen Kriegs 1922 war Genf ausser Betracht gefallen, weil die Türkei und das mit ihr verbündete Sowjetrussland ausserhalb des Völkerbundes standen. Konferenzstandort wurde deshalb Lausanne. Dass 1925 die Wahl auf Locarno fiel, hing möglicherweise mit der Nähe zu Italien zusammen, da Mussolini sein Land nicht gerne verliess. Frankreich hatte einen indirekten Bezug zu Locarno infolge der Finanzierung der 1923 eröffneten Centovalli-Bahn durch die französische «Banque Franco-Américaine».

Zur Konferenz im Justizgebäude von Locarno reisten auch über 200 Journalist:innen aus dem In- und Ausland an. Die Schweizer Zeitungen berichteten intensiv über das Ereignis. Ein informelles Vorbereitungsgespräch zwischen Luther und Briand am 7. Oktober im Hotelrestaurant «Albergo Elvezia» in Ascona brach das Eis. In den folgenden Tagen wurde eine Serie völkerrechtlicher Verträge ausgehandelt, welche ein europäisches Sicherheits- und Friedenssystem begründen sollten. Im sogenannten «Westpakt» verzichteten Deutschland, Frankreich und Belgien auf eine gewaltsame Veränderung der im Versailler Vertrag gezogenen Grenze. Ebenso bestätigte Deutschland die Entmilitarisierung des Rheinlandes. Grossbritannien und Italien übernahmen die Garantie, bei einer vom Völkerbundrat (Vorläufer des UNO-Sicherheitsrates) festgestellten Vertragsverletzung der jeweils geschädigten Seite zu Hilfe zu kommen.

Hingegen kam ein «Ostpakt» mit Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze nicht zustande. Deutschland behielt sich ausdrücklich die Möglichkeit einer Revision seiner neuen Ostgrenze offen. Während Frankreich seine Verteidigungsverträge mit Polen und der Tschechoslowakei bekräftigte, garantierte Grossbritannien die Grenzen der ostmitteleuropäischen Staaten im Gegensatz zu den westeuropäischen Grenzen nicht. Zudem verminderte sich aufgrund des deutsch-französischen Ausgleichs die strategische Bedeutung dieser Länder als Bündnispartner Frankreichs. Insbesondere die Position Polens, das sich sowohl von Deutschland als auch der Sowjetunion bedroht sah, wurde durch die Annäherungen Deutschlands zunächst an die Sowjetunion und nun an Frankreich geschwächt. Das Ungleichgewicht zwischen der vertraglichen Absicherung und Garantie der Grenzen zwischen Deutschland und seinen westlichen Nachbarn und der Regelungen bezüglich der ostmitteleuropäischen Grenzen liess schon bald Rufe nach einem ergänzenden «Ost-Locarno» laut werden.

Hinzu kamen Schiedsverträge Deutschlands mit Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei. Alle aufkommenden Streitfragen zwischen den Vertragspartnern sollten durch mehrstufige Schiedsverfahren geklärt werden. Als erste Instanz wurden ständige internationale «Vergleichskommissionen» eingerichtet, die dem Modell des 1921 abgeschlossenen Schiedsgerichts- und Vergleichsvertrags zwischen Deutschland und der Schweiz folgten und in die unter anderem der liberale Waadtländer Nationalrat und Rechtsanwalt Aloïs de Meuron als Präsident der Kommission Deutschland-Belgien sowie Mitglied der Kommissionen Deutschland-Polen und Deutschland-Tschechoslowakei sowie der Genfer Rechtsprofessor und ehemalige Sekretär der Schweizer Delegation an der Pariser Friedenskonferenz Paul Logoz als Mitglied der Kommission Deutschland-Frankreich gewählt wurden. Übergeordnete Instanzen waren ein Schiedsgericht gemäss Haager Abkommen von 1907 und der Ständige Internationale Gerichtshof.

Ebenso bereitete die Konferenz von Locarno den Beitritt Deutschlands zum Völkerbund vor, den zuvor vor allem Frankreich aktiv behindert hatte. Ein vorzeitiges Ende der Rheinlandbesetzung stand dagegen nicht zur Debatte. Erst mit dem Young-Plan, der 1930 den Dawes-Plan ablöste, war dann der – in Frankreich durchaus umstrittene – Abzug der Besatzungstruppen verbunden. Bei Konferenzende läutete die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso ob Locarno, deren Fassade mit der Leuchtinschrift «Pax» geschmückt war, die Glocken und stieg am Ufer des Lago Maggiore ein Friedensfeuerwerk auf.

Noch vor dem Vollzug des deutschen Völkerbundbeitritts wurde wenige Tage nach Abschluss der Konferenz von Locarno die Zusammenarbeit in einer griechisch-bulgarischen Krise auf die Probe gestellt. Aufgrund eines Missverständnisses, angeblich wegen eines entlaufenen Hundes, kam es am 19. Oktober 1925 bei der Grenzstadt Petritsch zu einem Schusswechsel zwischen Soldaten der beiden Länder, worauf griechische Truppen auf bulgarisches Territorium vorrückten. Das aufgrund des Friedensvertrags von 1919 weitgehend entwaffnete Bulgarien rief daraufhin den Völkerbundrat an, der am 23. Oktober eine unverzügliche Einstellung der Feindseligkeiten forderte. Nach einem Ultimatum des Völkerbundes zogen sich die Griechen am 28. Oktober zurück. Chamberlain lobte daraufhin den Beitrag der deutschen Gesandten in Athen und Sofia zur Beilegung der Krise und Briand betonte die «Atmosphäre von Locarno».

Die in Locarno ausgehandelten Verträge wurden nach Genehmigung durch die Parlamente am 1. Dezember 1925 in London unterzeichnet. Am 10. September 1926 beschloss die Völkerbundversammlung die Aufnahme Deutschlands. Deutschland erhielt dabei – neben Grossbritannien, Frankreich, Italien und Japan – auch gleich einen ständigen Sitz im Völkerbundrat. In seiner Antrittsrede vor der Völkerbundversammlung betonte Stresemann die Vereinbarkeit von nationaler Souveränität, gegenseitiger Achtung und friedlicher Zusammenarbeit: «Die einen vertreten das Prinzip der nationalen Geschlossenheit und verwerfen die internationale Verständigung, weil sie das national Gewordene nicht durch den allgemeinen Begriff der Menschheit ersetzen wollen. Ich bin der Meinung, dass keine Nation, die dem Völkerbund angehört, dadurch ihr nationales Eigenleben irgendwie aufgibt.» Es könne «nicht der Sinn einer göttlichen Weltordnung sein, dass die Menschen ihre nationalen Höchstleistungen gegeneinander kehren und damit die allgemeine Kulturentwicklung immer wieder zurückwerfen. Der wird der Menschheit am meisten dienen, der, wurzelnd im eigenen Volke, das ihm seelisch und geistig Gegebene zur höchsten Bedeutung entwickelt und damit, über die Grenzen des eigenen Volkes hinauswachsend, der gesamten Menschheit etwas zu geben vermag, wie es die Großen aller Nationen getan haben, deren Namen in der Menschheitsgeschichte niedergeschrieben sind.»

Für und wider den «Geist von Locarno»

Das Resultat der Konferenz von Locarno rief grosse Hoffnungen hervor und liess sofort die Redeweise vom «Geist von Locarno» aufkommen. NZZ-Auslandsredaktor Hans Kloetzli als Augenzeuge der Konferenz lobte in einem Referat vor der «Zürcher Vereinigung für den Völkerbund» am 2. Dezember 1925 die «neue geistige Einstellung, in der die beteiligten Staaten an den Verhandlungstisch traten», als Erfolgsrezept: «Wir wollen nicht in blinden Enthusiasmus verfallen und vom ewigen Frieden reden, der nun gesichert wäre. Aber des Glaubens darf man sein, dass Locarno eine neue Epoche einleitet, in der den Kräften der Gewalt und des Krieges stärkere und besser organisierte Kräfte der Versöhnung und des Friedens entgegenstehen als es vor 1914 der Fall war. Die Lehren, die der Weltkrieg gegeben hat, sie wurden nicht in Versailles, sie wurden erst in Locarno beherzigt.» Der pazifistische Theologe Leonhard Ragaz (dessen Frau Clara Vizepräsidentin der «Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit» und Präsidentin von deren Schweizer Sektion war) schrieb in der religiös-sozialistischen Zeitschrift «Neue Wege» wenige Tage nach Konferenzende sogar vom «Wunder von Locarno». Wichtiger als die einzelnen Abmachungen sei dabei «die Ersetzung des Prinzips der Gewalt durch das Prinzip des Rechtes und damit die Preisgabe des Krieges». Auch sei der Locarno-Pakt «etwas wie ein Statut des einheitlichen Europa. Er schafft auch direkt Organe dieser neuen Einheit Europas, z. B. gewisse ständige schiedsgerichtliche Instanzen. Wenn nun noch eine europäische Zollunion dazu käme – und jetzt sind ihr die Wege geöffnet – und vielleicht noch einige andere freiwillige oder offizielle Zentralinstanzen, so hätten wir so ziemlich das, was man vernünftigerweise unter den ‘Vereinigten Staaten von Europa’ verstehen muss, alles freilich noch in mehr embryonaler Gestalt.» Und schliesslich sei auch die seit den Friedensverträgen von 1919 drohende Gefahr gebannt, «dass Europa durch eine Trennung von Westen und Osten, wobei Russland mit Deutschland verbunden den Osten gebildet hätten, zerrissen, vergiftet und zuletzt zerstört werde». Auch Ruggero Dollfus, katholisch-konservativer Nationalrat und Zentralpräsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft, schrieb Anfang 1926, die Welt habe «auf dem Wege zum Frieden gewaltige Fortschritte gemacht», meinte aber, es sei noch zu früh zum Abrüsten (ASMZ, 15.4.1926).

Der deutsche Völkerrechtler Hans Wehberg, nachmaliger Professor am Genfer Institut Universitaire de Hautes Etudes Internationales, meinte im November 1925 in der von ihm herausgegebenen pazifistischen Zeitschrift «Die Friedens-Warte», «derjenige, der in dem Zeitalter der Haager Friedenskonferenzen mit frohen Hoffnungen auf die kommende Entwicklung sah, dann den entsetzlichen Zusammenbruch des Weltkrieges und die Schwere der Nachkriegszeit miterlebte», könne den Pakt von Locarno «nur mit tiefer Ergriffenheit» betrachten: «An dem Tage, an dem er in Kraft tritt, beginnt eine neue Epoche, das Zeitalter der friedlichen Verständigung aller Völker. Die Kraft der Edelsten Deutschlands und Frankreichs, die hingebende Arbeit aller Europäer werden zusammenwirken, um den Weltfrieden in den Herzen der Völker zu verankern.» 1926 erhielten dann Austen Chamberlain rückwirkend für 1925 sowie Aristide Briand und Gustav Stresemann gemeinsam für 1926 den Friedensnobelpreis «for their crucial role in bringing about the Locarno Treaty». Auch die «Internationale Konferenz der Kriegsverstümmelten- und Frontkämpferverbände» begrüsste 1926 an ihrem Kongress in Genf die Locarno-Verträge.

Die Verträge waren indessen keineswegs unumstritten, insbesondere in Deutschland nicht. Noch im Oktober 1925 verliess die DNVP deswegen die Regierung, die dadurch ihre parlamentarische Mehrheit verlor. Mitte November beschloss ein DNVP-Parteitag den «rücksichtlosen Kampf gegen das Werk von Locarno». Von nationalsozialistischer und völkischer Seite wurden die Locarno-Verträge als Machwerk eines angeblich jüdischen «internationalen Finanzgeistes» denunziert und die Reichsregierung des Landesverrats bezichtigt. In der Reichstagsdebatte über die Verträge und den Völkerbundbeitritt am 24. November 1925 sprach der deutschnationale Fraktionsvorsitzende Kuno Graf von Westarp von einer «Locarnopsychose» und kritisierte scharf die erneute deutsche Anerkennung des Versailler Vertrages sowie die angebliche Einschränkung der Souveränität durch den Völkerbundbeitritt.

Ablehnend äusserten sich in der Reichstagsdebatte aber auch die Sprecher:innen der Kommunistischen Partei, die im Einklang mit der sowjetischen Diplomatie die Locarno-Verträge als Versuch des «englischen Imperialismus» zur Bildung einer Front gegen die Sowjetunion und mithin als «Kriegspakt» denunzierten und stattdessen zu einer prosowjetischen proletarischen «Einheitsfront» aufriefen. Gegen die unheilige Allianz der Parteien vom rechten und linken Rand setzten sich in der Abstimmung die liberalen und katholischen Regierungsparteien nur dank Unterstützung der oppositionellen SPD mit 291 gegen 174 Stimmen durch. NZZ-Korrespondent Willy Bretscher meldete aus Berlin eine «deutschnational-kommunistische Waffenbrüderschaft» und schlussfolgerte: «Wollte man auf Grund dieser Aeusserung den Kampf gegen Locarno summarisch etikettieren, so wäre das passende Wort gegeben: Nationalbolschewismus» (NZZ, 19.11.1925). Der Begriff «Nationalbolschewismus» bezeichnete in der Weimarer Republik Überlegungen und Bestrebungen in Teilen der Kommunistischen Partei, «nationalrevolutionären» Kreisen und Teilen des «linken», antikapitalistisch-antisemitischen Flügels der NSDAP zu einer Zusammenarbeit von extremen Linken und Rechten beim Sturz der Demokratie unter aussenpolitischer Anlehnung an die Sowjetunion. Sie gelten als Vorläufer und Inspiration für «Querfront»-Strategien, wie sie ab etwa 1970 wieder aufkamen und in der Gegenwart im Zeichen von Putinismus und Covid-Krise fröhliche Urstände feiern.

Aristide Briand wurde bei seiner Rückkehr aus Locarno in Paris ein triumphaler Empfang zuteil. In Frankreich wertete man die Verträge von Locarno überwiegend als erfolgreiche Abkehr von Poincarés Sicherheitspolitik der Stärke, deren Nachhaltigkeit angesichts eines erwarteten Wiederaufschwungs der deutschen Wirtschaft, der für Frankreich ungünstigen demografischen Entwicklung der beiden Länder sowie der deutsch-sowjetischen Annäherungstendenzen zweifelhaft schien. An die Stelle der deutsch-französischen «Erbfeindschaft» sollte eine in die umfassenden Strukturen des Völkerbundes eingebettete und von Grossbritannien unterstützte Zusammenarbeit treten. Auch in Grossbritannien stiessen die Locarno-Verträge auf ein sehr positives Echo.

Harsche Kritik kam dagegen aus Moskau. Die sowjetische Aussenpolitik befürchtete die Festlegung Deutschlands auf einen antisowjetischen Westkurs. Sie versuchte, Deutschland vom Abschluss des «Westpaktes» und Völkerbundbeitritt abzuschrecken, und drohte mit einer Anerkennung der polnischen Grenzen sowie einem sowjetisch-polnischen Bündnis. Ebenso versuchte sie, parallel mit Frankreich und Deutschland zu einer Verständigung zu gelangen. Im April 1926 wurde ein deutsch-sowjetischer Freundschafts- und Neutralitätsvertrag unterzeichnet, der Deutschland neben der Locarno-Politik als Rückversicherung die Fortsetzung der Rapallo-Politik gestattete. Der Vertrag bestimmte, dass, wenn eines der Länder angegriffen würde, das andere neutral bleiben sollte und keiner der Vertragspartner sich an einem wirtschaftlichen oder finanziellen Boykott gegen den anderen beteiligen sollte. Dies schwächte für den Fall eines sowjetisch-polnischen Krieges die Wirksamkeit des polnisch-französischen Verteidigungsbündnisses.

Im Zuge der Feierlichkeiten zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund kamen Briand und Stresemann am 17. September 1926 im französischen Dorf Thoiry zu einem Treffen zusammen, das häufig als Höhepunkt der Locarno-Politik betrachtet wird. Dabei diskutierten sie die gegenseitige Unterstützung bei wichtigen aussenpolitischen Zielen. Stresemann sicherte materielle Unterstützung Deutschlands zur Stabilisierung des französischen Franc zu, Briand stimmte der vorzeitigen Rückgabe des Saargebiets, dem vorzeitigen Ende der alliierten Militärkontrolle und Rheinlandbesetzung sowie einer deutsch-belgischen Vereinbarung zur Rückgabe Eupen-Malmedys zu. Nicht alle Punkte wurden in der Folge von den beiden Regierungen gutgeheissen und umgesetzt. Die Überwachung der deutschen Abrüstung wurde aber zunehmend laxer und 1927 durch eine mehr fiktive Völkerbundkontrolle ersetzt.

Über die diplomatischen und sicherheitspolitischen Aspekte hinaus führte der «Geist von Locarno» auch zur Reintegration Deutschlands in die internationale Kultur- und Sportwelt, von der es trotz der Demokratisierung bei Kriegsende in den frühen 1920er Jahren weitgehend ausgeschlossen blieb. Ausstellungen deutscher Malerei und Graphik auf Initiative der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes gab es zunächst fast ausschliesslich in den neutralen Ländern Europas sowie in Ostasien und Lateinamerika. Erst nach der Konferenz von Locarno kamen vermehrt Ausstellungen in den ehemaligen europäischen Feindstaaten zustande.

Auch hatten die Vertretungen der Siegermächte im Internationalen Olympischen Komitee und den meisten internationalen Verbänden des «bürgerlichen» Sports die Mitgliedschaften der Kriegsverlierer suspendiert und Sportkontakte zu ihnen untersagt. Bei den Olympischen Spielen von 1920 waren Deutschland, Österreich und Ungarn ausgeschlossen, Deutschland auch noch 1924. Hingegen vergab die Sozialistische Arbeitersport-Internationale die Ausrichtung der ersten Arbeiterolympiade 1925 nach Frankfurt am Main. Die sportpolitische Isolation führte 1922 aber auch zur Entstehung der «Deutschen Kampfspiele» als nationalistische Gegen-Olympiaden. Vor allem auf Druck neutraler Länder wie der Schweiz und Schwedens bröckelte die Boykottfront dann zunehmend. Ein frühes Beispiel des Versuchs der Völkerversöhnung durch Sport war der erste Spengler-Cup, der Ende 1923 in Davos unter Beteiligung je eines Teams aus Deutschland, Grossbritannien und Österreich ausgespielt wurde. Bereits 1923 wurde Deutschland auch wieder Vollmitglied im Weltfussballverband FIFA, aber erst nach Locarno beispielsweise 1926 wieder im internationalen Eishockeyverband, und 1928 erfolgte das olympische Comeback bei den Winterspielen in St. Moritz.

«Locarno» als Vorbild für Europa und die Welt?

Die mit dem «Geist von Locarno» verbundenen Hoffnungen auf eine Überwindung der Ressentiments aus dem Ersten Weltkrieg liessen «Locarno» zu einer Chiffre für eine friedlichere, auf internationaler Kooperation statt Konfrontation beruhende Welt werden. Sie wurde auch von der Bewegung für eine europäische Integration aufgegriffen. Die bereits im 19. Jahrhundert herumgeisternde Idee hatte während der Katastrophe des Ersten Weltkriegs Auftrieb erhalten. Führende Figur dieser Bewegung in der Zwischenkriegszeit war der österreichisch-japanische Philosoph und Historiker Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, der 1923 in seinem «Pan-Europäischen Manifest» geradezu prophetisch vor einem neuen Krieg warnte, der die Grauen des Ersten Weltkrieges noch weit übertreffen würde: «Sein Element wird die Luft sein […] – sein Ziel die Ausrottung der feindlichen Nation. Der Hauptkampf wird sich gegen die Städte des Hinterlandes richten, gegen Frauen und Kinder.» Zur Abwendung einer solchen Katastrophe propagierte Coudenhove, der ab 1931 dann während mehrerer längerer Perioden in der Schweiz lebte, den politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss aller Staaten von Polen bis Portugal zu einer Föderation mit gemeinsamem Parlament und gemeinsamer Exekutive, zu deren Kompetenzen die Aussenpolitik und die Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsgebietes gehören sollten.

Die von Coudenhove ins Leben gerufene Paneuropa-Union wuchs in den folgenden Jahren zu einer eindrucksvollen Organisation mit Sektionen in den meisten europäischen Ländern (ab 1927 auch in der Schweiz) und zahlreichen prominenten Mitgliedern heran. Anders als dann nach dem Zweiten Weltkrieg, als sie in Abgrenzung zu anderen pro-europäischen Bewegungen zunehmend ein christlich-konservatives Profil annahm, deckte sie in der Zwischenkriegszeit ein breites politisches Spektrum von gemässigt Konservativen bis zur Sozialdemokratie ab. Neben promintenten Politikern – darunter mit Aristide Briand (als Ehrenpräsident), Gustav Stresemann und Edvard Beneš drei wichtigen Teilnehmern der Konferenz von Locarno und in der Schweiz etwa dem demokratischen Zürcher Regierungsrat Oskar Wettstein, dem sozialdemokratischen Zürcher Stadtpräsidenten Emil Klöti oder dem freisinnigen Präsidenten des Schweizerischen Handels- und Industrievereins John Syz – gehörten ihr auch Persönlichkeiten wie Albert Einstein und Thomas Mann an.

1925 nahm mit der SPD die wählerstärkste deutsche Partei einen Artikel in ihr Programm auf, dass sie sich für eine «Europäische Wirtschaftsunion» als Weg in die Vereinigten Staaten von Europa einsetze. Zu den erbittertsten Gegnern der paneuropäischen Bestrebungen zählte dagegen die NSDAP. Adolf Hitler lehnte in einem 1928 verfassten Manuskript über aussenpolitische Fragen die Paneuropa-Idee dezidiert ab und forderte stattdessen «ein Europa mit freien und unabhängigen Nationalstaaten, deren Interessengebiete auseinandergehalten und genau begrenzt sind». Die paneuropäische Bewegung entspreche «der Sinnlosigkeit unserer westlichen Demokratie ebenso sehr wie dem feigen Pazifismus unserer Überwirtschaftskreise. Dass sie das Ideal aller minderwertigen oder halbrassischen Bastarde ist, liegt auf der Hand. Ebenso, dass der Jude eine solche Auffassung besonders begrüsst, führt sie doch in ihrer konsequenten Befolgung zu einem Rassenchaos und Durcheinander, zu einer Verbastardung und Verniggerung der Kulturmenschheit und endlich damit zu einer solchen Senkung ihres rassischen Wertes, dass der sich davon freihaltende Hebräer langsam zum Weltherren aufzusteigen vermag.» Eine Verschwörungstheorie dieses Inhalts zirkuliert in rechtsextremen Kreisen wieder seit 2005 unter dem Titel «Kalergi-Plan».

1927 führte die Paneuropa-Union mit der Parole «Paneuropäisches Locarno» eine Kampagne für eine zweite Locarno-Konferenz. Diese sollte weit über ein «Ost-Locarno» hinausgehend das Friedenssystem von 1925 auf ganz Europa ausweiten. Im Herbst 1927 erschien am Tag vor Eröffnung der Völkerbundversammlung ein entsprechender Aufruf in mehr als hundert europäischen Zeitungen, der aber ohne Folgen blieb. Die europäische Integration kam dann aber zwei Jahre darauf auf die Agenda des Völkerbundes. Aristide Briand wurde im Juli 1929 zusätzlich zu seiner Funktion als Aussenminister auch französischer Ministerpräsident. Am 5. September 1929 schlug er in einer Rede vor der Völkerbundversammlung den Aufbau einer föderalen «europäischen Union» vor, um Solidarität und Zusammenarbeit als Ausgleich zur nationalen Zerstückelung zu schaffen. Auch Stresemann sprach sich für die Einigung Europas aus, betonte aber stärker die wirtschaftliche Integration. Der Völkerbund beauftragte daraufhin Briand mit der Ausarbeitung einer Denkschrift über seine Einigungsidee. Das im Mai 1930 vorgelegte «Memorandum über die Organisation einer europäischen Bundesordnung» präsentierte in vier Abschnitten einen ausführlichen Organisationsplan sowie einen Katalog von Zielen und Aufgaben eines «Bundes auf der Grundlage des Gedankens der Einigung» als System kollektiver Sicherheit im Rahmen des Völkerbundes. Ebenso skizzierte es die Schaffung eines gemeinsamen Marktes im Sinne der Vereinfachung des Güter-, Kapital- und Personenverkehrs. Die «Bundesordnung» sollte eine «Europäische Konferenz» aus Repräsentanten der nationalen Regierungen als leitendes Organ erhalten, einen «Ständigen Politischen Ausschuss» als Exekutivorgan und ein Sekretariat.

Die Reaktionen der anderen Regierungen fielen zurückhaltend aus. In Deutschland, wo Aussenminister Stresemann im Oktober 1929 verstorben war, sahen viele im Briand-Plan einen Versuch zur Aufrechterhaltung der französischen Hegemonialstellung. Besonders missfiel der deutschen Regierung die im Briand-Plan vorgesehene Ausdehnung der existierenden Grenzgarantien von Locarno auf Osteuropa, die deutschen Revisionswünschen einen Riegel geschoben hätten. Ebenso wurde der Ausschluss der nicht dem Völkerbund angehörenden Sowjetunion und Türkei bemängelt. Deutlich zeigte sich in der Antwort der Reichsregierung der Druck der Rechtsopposition, die den Briand-Plan strikte ablehnte und ihn etwa als «Rattenfänger-Denkschrift» (so das Nazi-Blatt «Völkischer Beobachter» am 20. Mai 1930) verhöhnte. Als Gegenprojekt startete der neue deutsche Aussenminister Julius Curtius, der Stresemanns Verständigungspolitik grundsätzlich ablehnte, den auch von der NSDAP als Vorstufe zu einem «Anschluss» geforderten Versuch einer deutsch-österreichischen Zollunion, der 1931 aber an einem Urteil des Ständigen Internationalen Gerichtshofs scheiterte. Die britische Regierung sah in einer europäischen Regionalorganisation eine Beeinträchtigung ihrer Beziehungen zum Commonwealth und zu den USA und setzte stattdessen auf den Völkerbund. Die faschistische Regierung Italiens machte ein halbes Dutzend grundsätzlicher Einwände.

Im September 1930 setzte die Völkerbundversammlung eine «Studienkommission für die Europäische Union» ein, die keine weiterführenden Resultate hervorbrachte und 1932 ihre Arbeit einstellte. Im selben Jahr verstarb Aristide Briand. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg diente sein Plan wieder als Vorbild für neue Integrationsbestrebungen, die zuerst 1951 in die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) mündeten. An den «Geist von Locarno» knüpfte nach dem Zweiten Weltkrieg auch die deutsch-französische Versöhnung an, welche die von nationalistischen Propagandisten beider Länder seit dem 19. Jahrhundert beschworene «Erbfeindschaft» beendete, die etwa in den «Freiheitskriegen» von 1813 bis 1815, der Rheinkrise von 1840, dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, den beiden Marokko-Krisen von 1905/06 und 1911, dem Ersten Weltkrieg, der Ruhrbesetzung und dann nochmals dem Zweiten Weltkrieg eskaliert war und infolge derer Elsass-Lothringen zwischen 1870 und 1945 viermal die Staatszugehörigkeit wechselte.

«Locarno» wurde aber auch zur Chiffre über die europäische Integration hinausreichender Friedensbemühungen. Seit dem Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen, Krieg als Mittel zur Durchsetzung nationaler Interessen völkerrechtlich zu verbieten. 1927 gelangte Briand mit dem Vorschlag eines bilateralen Kriegsverzichtsabkommens an die US-Regierung. Diese sah darin eine zu starke bündnispolitische Bindung an Frankreich, wollte zugleich aber die Friedensbewegung nicht verprellen und spielte zunächst auf Zeit. Schliesslich legte US-Aussenminister Frank B. Kellogg Ende 1927 den Gegenvorschlag vor, möglichst alle Staaten vertraglich zu verpflichten, auf Krieg als Mittel nationaler Politik zu verzichten. Stresemann stimmte dieser Idee, die eine Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen und eine allgemeine Abrüstung (und damit relative Stärkung des abgerüsteten Deutschland) versprach, sofort zu. Am 27. August 1928 wurde der Vertrag zur Ächtung des Krieges (sogenannter «Briand-Kellogg-Pakt») in Paris unterzeichnet. Er verbot Angriffskriege, sah aber keine Sanktionen gegen Verstösse vor. Der Vertrag stand ausserhalb des Völkerbundsystems, dem die USA nicht angehörten. Er wurde zunächst von elf Staaten unterzeichnet und trat am 24. Juli 1929 in Kraft. Bis 1939 ratifizierten ihn 63 Staaten. Kellogg erhielt 1929 den Friedensnobelpreis.

Im Völkerbund war nach der Konferenz von Locarno eine «Vorbereitende Abrüstungskonferenz» eingerichtet worden, die ein erneutes Wettrüsten wie vor dem Ersten Weltkrieg verhindern sollte, aber jahrelang an Gegensätzen zwischen den westlichen Grossmächten scheiterte. Schliesslich berief sie auf Februar 1932 die Hauptkonferenz nach Genf ein. Daran nahmen 64 Länder teil (darunter die Nichtmitglieder Ägypten, Saudi-Arabien, Brasilien, Costa Rica und USA). Den Vorsitz hatte der britische Oppositionsführer und Labour-Präsident Arthur Henderson, Ehrenpräsident war der Schweizer Aussenminister Motta. Die Schweizer Delegation leitete der Diplomat und Rechtsprofessor Max Huber. Obwohl die Grossmächte im Dezember 1932 die grundsätzliche militärische Gleichberechtigung Deutschlands anerkannten und damit die Versailler Rüstungsbeschränkungen aufhoben, verliess im Oktober 1933 das nunmehr von Hitler regierte Deutschland, das zugleich aus dem Völkerbund austrat, die Konferenz. Diese tagte noch bis Juni 1934 und endete weitgehend ergebnislos. Henderson erhielt den Friedensnobelpreis 1934.

Ende der Locarno-Politik und Weg in die Katastrophe

Mit dem Tod der beiden Protagonisten Stresemann – dessen Ableben in Frankreich grosse Trauer hervorrief und dem rückblickend die Fähigkeit zugebilligt wurde, er hätte Hitler eventuell stoppen können – und Briand, der anbrechenden, den Wirtschaftsnationalismus verstärkenden Weltwirtschaftskrise und vor allem dem Untergang der Weimarer Demokratie kam die Locarno-Politik an ein Ende. Das Nazi-Regime demontierte Schritt für Schritt die im Zeichen des «Geistes von Locarno» getroffenen Vereinbarungen und Kooperationen. Im Oktober 1933 verkündete Hitler den Austritt aus dem Völkerbund. Da dafür eine zweijährige Kündigungsfrist bestand, war Deutschland de iure noch bis 1935 Mitglied, beteiligte sich aber nicht mehr an der Gremienarbeit. Als im September 1934 in Locarno der 30. «Congrès universel pour la paix» der pazifistischen Organisationen von Stadtpräsident Rusca eröffnet wurde, gehörten zum Tagungsprogramm zwar auch der Stand der Umsetzung der Vereinbarungen von 1925 und der Abrüstungsverhandlungen, in erster Linie aber die stark veränderte geopolitische Lage. Im selben Monat schlossen in Genf Estland, Lettland und Litauen angesichts der Bedrohung durch die grossen Nachbarstaaten die «Baltische Entente» zur gegenseitigen diplomatischen Unterstützung auf dem internationalen Parkett ab.

1936 stellte sich Hitler nach der Ratifikation eines französisch-sowjetischen Beistandspakts auf den Standpunkt, dadurch sei der Vertrag von Locarno gebrochen worden, und nahm dies als Vorwand, die Wehrmacht in die entmilitarisierte Zone im Rheinland einmarschieren zu lassen und die Kündigung des Vertrages von Locarno bekanntzugeben. Die Westmächte, die die damalige militärische Stärke Deutschlands überschätzten, begnügten sich mit verbalen Protesten gegen diesen flagranten Bruch des Versailler Vertrages. Dadurch ermutigten sie Hitler, in Ostmitteleuropa, dessen Grenzen infolge des fehlenden «Ost-Locarno» bündnispolitisch noch weniger gut abgesichert waren, territoriale Veränderungen herbeizuführen.

Im März 1938 erfolgte der deutsche Einmarsch in Österreich und der gemäss den Friedensverträgen von 1919 verbotene «Anschluss». Wenige Monate darauf inszenierte Hitler eine Propagandakampagne gegen die angebliche Verfolgung der deutschsprachigen Minderheit in der Tschechoslowakei und erhob Anspruch auf die Sudetengebiete, die auch vor 1919 nicht zu Deutschland gehört hatten. Ein sehr ähnliches Drehbuch benutzten dann später Saddam Hussein in Bezug auf Chuzestan im Vorfeld des irakischen Angriffs auf den Iran von 1980, der den achtjährigen ersten Golfkrieg auslöste, und Putin ab 2014 in Bezug auf den Donbass. Zur Verhütung eines Krieges, auf den Hitler aktiv hinarbeitete, unterzeichneten Ende September 1938 Grossbritannien, Frankreich und Italien mit dem Deutschen Reich das Münchner Abkommen, das die an den Verhandlungen nicht beteiligte Tschechoslowakei zur Abtretung der gewünschten Gebiete (und damit eines grossen Teils ihrer Grenzbefestigungen) an Deutschland zwang. Bei der Rückkehr nach London verkündete der konservative britische Premierminister Neville Chamberlain (Halbbruder des Aussenministers und Friedensnobelpreisträgers von 1925) «peace for our time». Bereits im März 1939 zeigte Hitler aber den Appeasement-Politikern die lange Nase mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Prag, Anerkennung eines stark von Deutschland abhängigen slowakischen Staates unter faschistischer Herrschaft, «Zerschlagung der Rest-Tschechei», Errichtung des «Reichsprotektorats Böhmen-Mähren» und Übernahme der starken tschechischen Rüstungsindustrie. Im selben Monat annektierte Deutschland nach einem Ultimatum an Litauen das Memelland.

Im August gleichen Jahres, genau gleichzeitig mit dem letzten «Congrès universel pour la paix» im Zürcher Rathaus, erfolgte im Moskauer Kreml die Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts mit einem geheimen Zusatzprotokoll zur Aufteilung Ostmitteleuropas zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. Eine Woche später eröffnete der Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg.

Material zum Thema im Sozialarchiv (Auswahl)

Archiv

  • Ar 1.260.1 Sozialdemokratische Partei der Schweiz: Friedenskongress Basel 1912; Internationale Korrespondenz 1914–1921; Gremienbeschlüsse 1915–1923
  • Ar 45 Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF)
  • Ar 201.280.1 Dokumentation Erster Weltkrieg: Friedensbemühungen, Pazifismus

Sachdokumentation

  • KS 32/137 Europäische Politik
  • KS 32/140 Deutschland: Geschichte 1918–1933: Ruhrbesetzung 1923
  • KS 32/153 Europäische Einigung
  • KS 32/160 Friedensbewegung, Pazifismus
  • KS 32/170 Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit
  • KS 32/200 Erster Weltkrieg: Nachkriegsordnung: Vorschläge für Friedensverträge
  • KS 32/201 Erster Weltkrieg: Nachkriegsordnung: Friedensverträge
  • KS 32/202 Erster Weltkrieg: Nachkriegsordnung: Reparationen
  • KS 34/15 Völkerbund: Idee, Projekte
  • KS 34/16, a-e Völkerbund
  • KS 34/17, a-d Völkerbund: Wirtschaftsfragen
  • KS 335/19 Sozialismus und Krieg
  • ZA 04.9 Brem-Bri Biografien: einzelne Personen: Brem–Bri
  • ZA 04.9 Stp-Stz Biografien: einzelne Personen: Stp–Stz

Bibliothek

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  • Bader-Zaar, Brigitta et al. (Hg.): Friedenskonzepte im Wandel: Analyse der Vergabe des Friedensnobelpreises von 1901 bis 2016. Innsbruck 2018, 137780
  • Bariéty, Jacques und Antoine Fleury (Hg.): Mouvements et initiatives de paix dans la politique internationale: 1867–1928: Actes du colloque tenu à Stuttgart, 29-30 août 1985. Bern 1987, 86220
  • Bauer, Heinrich: Stresemann: Ein deutscher Staatsmann. 2. Aufl. Berlin 1930, 25300
  • Baumont, Maurice: Aristide Briand: Diplomat und Idealist. Göttingen/Zürich 1966, 34818
  • Beaupré, Nicolas: Das Trauma des grossen Krieges, 1918–1932/33. Darmstadt 2009, 148913
  • Bellon, Christophe: Aristide Briand: Parler pour agir. Paris 2016, 134324
  • Berber, Fritz (Hg.): Locarno: Eine Dokumentensammlung. Berlin 1936, 45158
  • Bernstein, Reiner: Von Gaza nach Genf: Die Genfer Friedensinitiative von Israelis und Palästinensern. Schwalbach 2006, 115900
  • Boesch, Ina et al.: Haus Gartenhof in Zürich: Raum für vernetzte Friedensarbeit. Zürich 2019, 142764
  • Bond, Martyn: Hitler’s cosmopolitan bastard: Count Richard Coudenhove-Kalergi and his vision of Europe. Montreal 2021, 149252
  • Borodziej, Włodzimierz und Maciej Górny: Der vergessene Weltkrieg: Europas Osten 1912–1923. 2 Bde. Darmstadt 2018, 140232
  • Bouverie, Tim: Mit Hitler reden: Der Weg vom Appeasement zum Zweiten Weltkrieg. Hamburg 2021, 146072
  • Brandt, Susanne: Das letzte Echo des Krieges: Der Versailler Vertrag. Ditzingen 2018, 140158
  • Brandt, Willy: Friedenssicherung in Europa: Rede zur Feier des 90. Geburtstags von Gustav Stresemann am 10. Mai 1968, sowie die wichtigsten Dokumente der Politik des Reichskanzlers und Aussenministers Gustav Stresemann. Berlin (West) 1968, Hf 656
  • Braune, Andreas, und Michael Dreyer (Hg.): Weimar und die Neuordnung der Welt: Politik, Wirtschaft, Völkerrecht nach 1918. Stuttgart 2020, 143975
  • Bretscher, Willy: Berlin und Deutschland in den zwanziger Jahren, 1925–1929: Als Berichterstatter in der Reichshauptstadt. Hg. Alfred Cattani. Zürich 1997, 103602
  • Brückner, Thomas: Europa organisieren: Zu den Anfängen der Schweizer Europabewegung, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 57 (2007). S. 174–187, D 4212
  • Büsch, Otto, und Gerald D. Feldman (Hg.): Historische Prozesse der Deutschen Inflation: 1914 bis 1924. Berlin 1978, 62879
  • Buschak, Willy: Die Vereinigten Staaten von Europa sind unser Ziel: Arbeiterbewegung und Europa im frühen 20. Jahrhundert. Essen 2014, 129542
  • Carr, Edward Hallett: Berlin-Moskau: Deutschland und Russland zwischen den beiden Weltkriegen. Stuttgart 1954, 20727
  • Čelovský, Bořivoj: Das Münchener Abkommen 1938. Stuttgart 1958, 40573
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  • Conze, Eckart: Die grosse Illusion: Versailles 1919 und die Neuordnung der Welt. München 2018, 148260
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  • Coudenhove-Kalergi, Richard Nicolaus von: Zum paneuropäischen Locarno, in: Paneuropa 3/8 (1927). S. 16f., 3/9 (1927). S. 15–23, 3/10 (1927). S. 19–21, N 227
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  • Degen, Bernard et al. (Hg.): Gegen den Krieg: Der Basler Friedenskongress 1912 und seine Aktualität. Basel 2012, 127326
  • Dewall, Wolf von: Der Kampf um den Frieden: Deutschland-Frankreich in der europäischen Politik. Frankfurt a. M. 1929, 6904
  • Dreist, Markus: Die deutsch-italienischen Beziehungen im Spannungsfeld der europäischen Politik 1918–1934. Frankfurt a. M. 2000, 107918
  • Ebray, Alcide: La paix malpropre: «Versailles» – pour la réconciliation par la vérite. Mailand 1924, 6457
  • Feldman, Gerald D.: The great disorder: Politics, economics and society in the German inflation, 1914–1924. New York 1993, Gr 8332
  • Fierz, Gaby et al.: Frontières: Le Traité de Lausanne 1923–2023. Lausanne 2023, 151735
  • Fisch, Jörg: Krieg und Frieden im Friedensvertrag: Eine universalgeschichtliche Studie über Grundlagen und Formelemente des Friedensschlusses. Stuttgart 1979, 72987
  • Fischer, Conan: A vision of Europe: Franco-German relations during the Great Depression, 1929–1932. Oxford 2017, 136505
  • Förster, Birte: 1919: Ein Kontinent erfindet sich neu. Ditzingen 2018, 140253
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  • Der Friedensvertrag von Versailles zwischen Deutschland und den Alliierten und Assoziierten Mächten (1919). Bern 1940, 11377
  • Gackenholz, Hermann: Das Diktat von Versailles und seine Auswirkungen: Gemeinverständliche Darstellung. Leipzig 1935, R 568
  • Gasteiger, Daniela: Kuno von Westarp (1864–1945): Parlamentarismus, Monarchismus und Herrschaftsutopien im deutschen Konservatismus. Berlin/Boston 2018, 143663
  • Gauss, Julia: Motta an der Konferenz von Genua 1922, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 28 (1978). S. 453–481, D 4212
  • Gorguet, Ilde: Les mouvements pacifistes et la réconciliation franco-allemande dans les années vingt (1919–1931). Bern 1999, 107046
  • Grieser, Helmut: Die Sowjetpresse über Deutschland in Europa 1922–1932: Revision von Versailles und Rapallo-Politik in sowjetischer Sicht. Stuttgart 1970, 42634
  • Grimm, Friedrich: Frankreich am Rhein: Rheinlandbesetzung und Separatismus im Lichte der historischen französischen Rheinpolitik. Berlin 1931, 36605:1-3
  • Grossi, Verdiana: Le pacifisme européen 1889–1914. Brüssel 1994, 98038
  • Grüttler, Heinrich Theodor et al. (Hg.): Hände weg vom Ruhrgebiet! Die Ruhrbesetzung 1923–1925: Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Ruhr Museum, Essen vom 12.1.–27.8.2023. Essen 2023, Gr 15605
  • Guggenheim, Paul: L’organisation de la société internationale. Neuchâtel o. J. [1944?], 15352
  • Guieu, Jean-Michel: Gagner la paix: 1914–1929. Paris 2015, 133685
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  • Hannig, Nicolai und Detlev Mares (Hg.): Krise! Wie 1923 die Welt erschütterte. Darmstadt 2022, 149605
  • Hartmann, Christian et al. (Hg.): Hitler, Mein Kampf: Eine kritische Edition. 2 Bde. München 2016, Gr 13767
  • Hathaway, Oona A. und Scott Shapiro: The internationalists: How a radical plan to outlaw war remade the world. New York 2017, 142871
  • Herren, Madeleine und Sacha Zala: Netzwerk Aussenpolitik: Internationale Kongresse und Organisationen als Instrumente der schweizerischen Aussenpolitik, 1914–1950. Zürich 2002, 110292
  • Heusler, Andreas et al.: Fünf Stimmen über den Versailler Völkerbund. Basel 1920, 36218
  • Hirsch, Felix: Gustav Stresemann: Patriot und Europäer. Göttingen/Zürich 1964, 34266
  • Hirsch, Felix: Stresemann: Ein Lebensbild. Göttingen 1978, 64630
  • Hitler, Adolf: Aussenpolitische Standortbestimmung nach der Reichstagswahl: Juni-Juli 1928. Hg. Gerhard L. Weinberg et al. München 1995, erwartet
  • Hoffritz, Jutta: Totentanz: 1923 und seine Folgen. Hamburg 2022, 149546
  • Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit: Beschlüsse des Zürcher Kongresses, 1919: Beschlüsse des Haager Kongresses, 1915: Satzungen der I.F.F.F. o. O. u. J., K 111 A
  • Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit: Bericht des Internationalen Frauenkongresses: Zürich, Mai 12–17, 1919. Genf 1919, 9004
  • Jeismann, Michael: Das Vaterland der Feinde: Studien zum nationalen Feindbegriff und Selbstverständnis in Deutschland und Frankreich 1792–1918. Stuttgart 1992, 95574
  • Jones, Mark: 1923: Ein deutsches Trauma. Berlin 2022, 148113
  • Keynes, John Maynard: The economic consequences of the peace. London 1920, 16004
  • Keynes, John Maynard: Revision des Friedensvertrages: Eine Fortsetzung von «Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages». München 1922, 1042
  • Keynes, John Maynard: Krieg und Frieden: Die wirtschaftlichen Folgen des Vertrags von Versailles. Hg. Dorothea Hauser. Berlin 2024, 151977
  • Kieser, Hans-Lukas: Nahostfriede ohne Demokratie: Der Vertrag von Lausanne und die Geburt der Türkei 1923. Zürich 2023, 150817
  • Kloetzli, Hans: Das Friedenswerk von Locarno: Eindrücke aus den Konferenztagen: Vortrag, gehalten am 2. Dezember 1925 im Schwurgerichtssaal Zürich auf Einladung der Bezirksvereinigung für den Völkerbund. Zürich. o. J., 32/137-16
  • Klötzl, Walter (Red.): 50 Jahre Münchner Abkommen: Zusammenhänge, Erkenntnisse, Urteile, Perspektiven. München 1988, 87227
  • Knipping, Franz: Deutschland, Frankreich und das Ende der Locarno-Ära, 1928–1931: Studien zur internationalen Politik in der Anfangsphase der Weltwirtschaftskrise. München 1987, 84631
  • Knipping, Franz und Ernst Weisenfeld (Hg.): Eine ungewöhnliche Geschichte: Deutschland-Frankreich seit 1870. Bonn 1988, 87236
  • Kolb, Annette: Versuch über Briand. Berlin 1929, 8467
  • Kolb, Eberhard: Deutschland 1918–1933: Eine Geschichte der Weimarer Republik. München 2010, 124031
  • Kolb, Eberhard: Der Frieden von Versailles. München 2011, 138444
  • Koller, Christian: «Von Wilden aller Rassen niedergemetzelt»: Die Diskussion um die Verwendung von Kolonialtruppen in Europa zwischen Rassismus, Kolonial- und Militärpolitik (1914–1930). Stuttgart 2001, 108958
  • Koller, Christian: Réconciliation des nations à travers le sport? Le football et le hockey sur glace suisses et l’essai d’un retour à la normale dans les relations internationales sportives (1919–1926), in: Quin, Grégory et al. (Hg.): Des réseaux et des hommes: Participation et contribution de la Suisse à l’internationalisation du sport (1912–1972). Neuchâtel 2019. S. 51–74, 142328
  • Körber, Andreas: Gustav Stresemann als Europäer, Patriot, Wegbereiter und potentieller Verhinderer Hitlers: Historisch-politische Sinnbildungen in der öffentlichen Erinnerung. Hamburg 1999, 105800
  • Krüger, Peter: Die Aussenpolitik der Republik von Weimar. Darmstadt 1985, 80711
  • Krüger, Peter: Carl von Schubert, Aussenpolitiker aus Leidenschaft: Sein Beitrag zur internationalen Politik und europäischen Ordnung in der Ära der Weimarer Republik. Berlin 2017, 143890
  • Krumeich, Gerd (Hg.): Versailles 1919: Ziele – Wirkung – Wahrnehmung. Essen 2001, 107745
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  • Kunze, Thomas et al. (Hg.): Bis in den Krieg: Die Aussenpolitik der UdSSR 1938/39: Dokumente aus russischen Archiven. Paderborn 2023, Gr 15623
  • Lappenküper, Ulrich et al. (Hg.): Europäische Einigung im 19. und 20. Jahrhundert: Akteure und Antriebskräfte. Paderborn 2013, 130820
  • Laqua, Daniel (Hg.): Internationalism reconfigured: Transnational ideas and movements between the World Wars. London 2011, 129056
  • Leonhard, Jörn: Der überforderte Frieden: Versailles und die Welt 1918–1923. München 2018, 139975
  • Lévy, Raphaël-Georges: La juste paix ou la vérité sur le traité de Versailles. Paris 1920, 6605
  • Linke, Horst Günther: Deutsch-sowjetische Beziehungen bis Rapallo. Köln 1970, 42040
  • Lloyd George, David: Die Wahrheit über Repartionen und Kriegsschulden. Berlin 1932, 30874
  • Löhr, Isabella: Deutschland im Völkerbund, in: Cornelissen, Christoph und Dirk van Laak (Hg.): Weimar und die Welt: Globale Verflechtungen der ersten deutschen Republik. Göttingen 2020. S. 275–311, 144232
  • Longerich, Peter: Ausser Kontrolle: Deutschland 1923. Wien 2022, 149547
  • Loth, Wilfried: Europas Einigung: Eine unvollendete Geschichte. Frankfurt a. M. 2014, 129479
  • Mai, Gunther: Die Weimarer Republik. München 2009, 121572
  • Maier, Charles S.: Recasting bourgeois Europe: Stabilization in France, Germany, and Italy in the decade after World War I. Princeton 2016, 133593
  • Mann, Heinrich: Sieben Jahre: Chronik der Gedanken und Vorgänge. Berlin 1929, 5792
  • Margueritte, Victor: Aristide Briand. Paris 1932, 4853
  • Materialien, betreffend die Friedensverhandlungen: Amtlicher Text. Autorisierte Ausgabe im Auftrage des Auswärtigen Amtes. 2 Bde. Charlottenburg 1919-1921, Hf 4232
  • Mayoraz, Sandrine et al. (Hg.): Hundert Jahre Basler Friedenskongress (1912–2012): Die erhoffte «Verbrüderung der Völker». Basel/Zürich 2015, https://e-monos.sozialarchiv.ch/990101574850205526
  • Mehrmann, Carl: Locarno – Thoiry – Genf in Wirklichkeit: Eine Bilanz der Rheinlandräumung
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  • Miard-Delacroix, Hélène und Andreas Wirsching: Ennemis héréditaires? Un dialogue franco-allemand. Paris 2020, 146461
  • Michalka, Wolfgang, und Marshall M. Lee (Hg.): Gustav Stresemann. Darmstadt 1982, 73383
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  • Minz, I. I. et al.: Die Diplomatie in der Periode der Vorbereitung des zweiten Weltkrieges (1919–1939). Moskau 1947, 15774:B
  • Muralt, Leonhard von: Der Friede von Versailles und die Gegenwart. Zürich 1947, 36772
  • Neuwöhner, Benedikt: Britannia rules the Rhine: Die britische Rheinlandbesatzung 1918–1926. Paderborn 2023, 150286
  • Nowak Karl, Friedrich: Versailles 1919. Paris 1928, 44751
  • Oeri, Albert: Sorge um Europa: Von Versailles bis Potsdam 1919–1945: Aussenpolitische Kommentare. Hg. Julia Gauss. Basel 1977, 58889
  • Olden, Rudolf: Stresemann. Berlin 1929, 25387
  • Payk, Marcus M.: Frieden durch Recht? Der Aufstieg des modernen Völkerrechts und der Friedensschluss nach dem Ersten Weltkrieg. Berlin/Boston 2018, 140456
  • Payk, Marcus M. und Roberta Pergher (Hg.): Beyond Versailles: Sovereignty, legitimacy, and the formation of new polities after the Great War. Bloomington 2019, 143576
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  • Raschhofer, Hermann: Völkerbund und Münchener Abkommen: Die Staatengesellschaft von 1938. München 1976, 59169
  • Rathenau, Walther: Cannes und Genua: Vier Reden zum Reparationsproblem. Berlin 1922, 27584
  • Reichel, Peter: Rettung der Republik? Deutschland im Krisenjahr 1923. München 2022, 148759
  • Reuth, Ralf Georg: 1923: Kampf um die Republik. München 2023, 149541
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  • Rosenfeld, Günter: Sowjetunion und Deutschland 1922–1933. Köln 1984, 26242:2
  • Rossol, Nadine und Benjamin Ziemann (Hg.): Aufbruch und Abgründe: Das Handbuch der Weimarer Republik. Darmstadt 2021, Gr 15371
  • Ruck, Michael: Die freien Gewerkschaften im Ruhrkampf 1923. Köln 1986, 82335
  • Rück, Fritz: 1919–1939: Friede ohne Sicherheit. Stockholm 1945, 13716
  • Ruge, Wolfgang: Die Stellungnahme der Sowjetunion gegen die Besetzung des Ruhrgebietes: Zur Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen von Januar bis September 1923. Berlin (Ost) 1962, 48358
  • Sabrow, Martin: Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution. Göttingen 2022, 147743
  • Sabrow, Martin (Hg.): Gewalt gegen Weimar: Zerreissproben der frühen Republik 1918–1923. Göttingen 2023, 151355
  • Die Sachverständigen-Gutachten: Der Dawes- und McKenna-Bericht. 2. Aufl. Frankfurt a. M. 1924, 46262
  • Saehrendt, Christian: Kunstausstellungen in der Schweiz als Mittel der auswärtigen Kulturpolitik der Weimarer Republik und des «Dritten Reiches» 1919–1939, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 54 (2004). S. 426–438, D 4212
  • Schacht, Hjalmar: Das Ende der Reparationen. Oldenburg 1932, 28849
  • Das Schlussprotokoll von Locarno und seine Anlagen, in: Die Friedens-Warte 25/11 (1925). S. 327-333, N 235
  • Schultze, Ernst (Hg.): Ruhrbesetzung und Weltwirtschaft: Eine Internationale Untersuchung der Einwirkungen der Ruhrbesetzung auf die Weltwirtschaft. Leipzig 1927, 4826
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  • Stocker, Frank: Die Inflation von 1923: Wie es zur grössten deutschen Geldkatastrophe kam. München 2022, 149520
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  • Xammar, Eugeni: Das Schlangenei: Berichte aus dem Deutschland der Inflationsjahre 1922–1924. Berlin 2007, 118304
  • Zala, Sacha und Marc Perrenoud (Hg.): Documents diplomatiques suisses sur l’histoire de la Société des Nations 1918–1946. Bern 2019, 142472
  • Zapp, Arthur: «Revanche für Versailles»: Eine Vision. Berlin 1924, 5313
  • Zetkin, Klara: Gegen den imperialistischen Locarnovertrag (Aus der Rede im Reichstag, 27. November 1925), in: dies.: Ausgewählte Reden und Schriften, Bd. 3. Hg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED. Berlin (Ost) 1960. S. 189–209, 25988:3
  • Ziegler, Wilhelm: Versailles: Die Geschichte eines missglückten Friedens. Hamburg 1933, 45170
  • Ziele und Organisation des Völkerbundes. Genf 1930, 36270

26.8.2025, 18.30 Uhr: Mehr!

Wirtschaftswachstum und Wachstumskritik in der Schweiz seit 1945

Buchvernissage

Kein anderes Paradigma hat die Schweizer Wirtschaft und Wirtschaftspolitik seit dem Zweiten Weltkrieg so stark geprägt wie das Wachstumsparadigma. Spätestens seit der Ölpreiskrise der 1970er Jahre sind aber auch die «Grenzen des Wachstums» verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Neue Konzepte, die mit den Begriffen «qualitatives», «nachhaltiges» oder «grünes Wachstum» umschrieben werden können, prägten die Debatte zunehmend. «Degrowth» und «Suffizienz» sind inzwischen zu neuen wachstumskritischen Schlagworten geworden.
Das Buch untersucht nicht nur, wie (stetiges) Wachstum in den Nachkriegsjahren auch in der Schweiz zu einer Wirtschaft und Politik prägenden Leitidee werden konnte. Es thematisiert auch die zunehmende Wachstumskritik seit den 1970er Jahren und fragt nach den Adaptationen und Transformationen dieser Kritik bis zur Stagnation der 1990er Jahre.

Einführung von Christian Rohr (Universität Bern).
Podium mit Cédric Wermuth (Co-Präsident SPS), Irmi Seidl (Universität Zürich) und Roman Rossfeld (Universität St.Gallen/Universität Bern).
Moderation Sara Elmer (Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften).

Mit anschliessendem Apéro.

Dienstag, 26. August 2025, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Theater Stadelhofen

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