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Genossenschaftsdruckerei Zürich (gdz), 1952 (Foto: Ernst Koehli / SozArch F 5144-1043-Nb-001)
Genossenschaftsdruckerei Zürich (gdz), 1952 (Foto: Ernst Koehli / SozArch F 5144-1043-Nb-001)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Adrian Knoepfli: gdz – Am Anfang war die Zeitung. Geschichte der Genossenschaftsdruckerei Zürich 1898–2022. Zürich, 2022

Die Genossenschaftsdruckerei Zürich (gdz) entstand 1898, als sich die aufstrebende Arbeiterbewegung daran machte, eigene Zeitungen und eigene Druckereien zu gründen. Mit der Gründung der gdz erschien am 1. April 1898 auch die erste Ausgabe des «Volksrecht». Die Anfänge gestalteten sich schwierig, doch bald entwickelte sich die gdz zu einem Grossbetrieb mit einem renommierten Namen, in dem zudem gute Arbeitsbedingungen herrschten. Technisch auf der Höhe der Zeit, gehörte die gdz zum Beispiel beim Rollenoffsetdruck und beim Filmsatz zu den Pionieren.
Eine Zäsur stellte in den 1970er Jahren die Einstellung der sozialdemokratischen Tageszeitung «Volksrecht» – zwischenzeitlich hiess sie auch «Zürcher AZ» – dar, die sich nicht mehr finanzieren liess. Die Strukturkrise der 1990er Jahre, die wirtschaftlichen Krisen im neuen Jahrtausend, das Internet, die Digitalisierung und die massive Verlagerung von Druckaufträgen ins Ausland führten schliesslich zum Entscheid, die Produktion 2019 einzustellen und die Firma zu liquidieren.
Der Historiker Adrian Knoepfli zeichnet die Geschichte der gdz nach; zahlreiche Bilder aus dem Nachlass des Zürcher Fotografen Ernst Koehli, der im Sozialarchiv archiviert ist, illustrieren die Untersuchung.

Bestände im Sozialarchiv:

  • Ar 568 Vereinigung der Genossenschaftsdruckereien der Schweiz (VGDS)
  • F 5144 Nachlass Ernst Koehli (1913-1983)

Susan Honegger, Christine K. Gubler: Spinnerei. Glarus, 2022

In den 1970er Jahren lebte die Autorin Susan Honegger als junge Kunst- und Architekturstudentin im Glarner Hinterland in einer alten Textilfabrik und war fasziniert von dieser Gegend, die stark von der Textilindustrie geprägt war. Dabei interessierte sie auch die Rolle der italienischen Fremdarbeiterinnen, deren Geschichte sie nun in der Form einer Graphic Novel erzählt.
Die Hauptrolle spielt Maria Santi, eine fiktive Textilarbeiterin aus Italien. Als billige Arbeitskräfte in die Schweiz gekommen, können die jungen Arbeiterinnen je nach Auftragslage beliebig entlassen und wieder zurückgeholt werden. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken sind hart, gewohnt wird in einem von Nonnen geführten Mädchenheim. Als Maria schwanger wird, wird sie dazu gedrängt, das Kind zur Adoption freizugeben. Die Geschichte findet dann trotzdem ein überraschendes Happy End – was der Ernsthaftigkeit des Themas aber keinen Abbruch tut.

Bestände im Sozialarchiv (Auswahl):

  • Dossier 02.3 C «Ausländerfrage»; Einwanderung; multikulturelle Gesellschaft: Schweiz
  • Dossier 75.8 C Ausländische Arbeitskräfte, Gastarbeiter/-innen in der Schweiz
  • Ar 108 Nachlass James Schwarzenbach (1911–1994)
  • Ar 40 Federazione Colonie Libere Italiane in Svizzera (FCLIS)

Thomas Färber: Protest mit der Schreibmaschine. «Splitter der Erinnerung» zu Walter Matthias Diggelmann. Zürich, 2021

Thomas Färber zeichnet das Leben dieses streitbaren Schriftstellers und Nonkonformisten nach und liefert zugleich neue Einsichten in das politische und kulturelle Klima der 1960er und 1970er Jahre. Walter Matthias Diggelmann gehörte einer Gruppe von Intellektuellen an, «die sich frevelnd über helvetisches Selbstverständnis hinwegzusetzen pflegen», wie Frank A. Meyer, der heutige Kolumnist des Sonntagblick, es 1968 formulierte. Oder wie es Peter Höltschi, ein Wegbegleiter, beschrieb: «Da war einer, der wild um sich schlagend seine private Wahrheit verbreitete, ohne Rücksicht auf Verluste, wohl wissend, dass es die ganze Wahrheit doch nicht gibt.» Er war ein Berserker mit all seinen Widersprüchen, der sich unter anderem auch immer wieder mit der NZZ anlegte. Diese Querelen kosteten seiner Partnerin, der Journalistin und Schriftstellerin Klara Obermüller, schliesslich ihre Stelle als Feuilletonredakteurin bei der NZZ.
Das Buch, eine überarbeitete Dissertation, zeigt, wie aus dem unehelich geborenen, in bäuerlichen Verhältnissen aufgewachsenen Walter Matthias Diggelmann ein Schriftsteller, Kolumnist und Schreibhandwerker wurde, der leider zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Kleine Auswahl der zahlreichen Bücher von Walter Matthias Diggelmann im Sozialarchiv:

Mychailo Wynnyckyj: Ukraine’s Maidan, Russia’s war. A chronicle and analysis of the revolution of dignity. With a foreword by Serhii Plokhy. Stuttgart, 2019

As you are reading this review, Ukraine is bravely fighting for its freedom for the seventh month. Or as they say in Ukraine: «It is the 7th month of a full scale invasion, of the 8-year war, that has been going on for the last 3 hundred centuries.» Such a long-time struggle, unfortunately, but inevitably, creates a large field for speculations, disinformation and simple lies. The shocking reality of war in Europe starts to seem mundane and not clear. Naturally, this state of things does not move us to the end of the aggression. Yet, what we can do is to deepen the knowledge and understanding of the real reasons behind current events.
A great help in this regard is the book of Mychailo Wynnyckyj, a prominent Ukrainian sociologist, historian and professor. As the nowadays invasion and ongoing war is a reaction to Ukraine’s Revolution in 2014, Wynnyckyj does a huge job by not only describing the events of the Revolution of Dignity, but also analysing it and defining its role in European and world history. It is extremely interesting to read this book as it points at phenomena of the Ukrainian Revolution, such as the lack of formal protest leaders, as well as debunking the vast majority of Russian myths that are spread by the propaganda.
Throughout his work, Mychailo Wynnyckyj keeps a constant connection between Ukrainian and Western narratives, comparing the events to European and American Revolutions. As the Russian war continues in Ukraine, we may assume that a big force is needed to fight the big changes. And if you want to discover what’s at stake in Ukraine it is highly recommended to read this book.

Dipesh Chakrabarty: Das Klima der Geschichte im planetarischen Zeitalter. Berlin, 2022

Die Klimaerwärmung ist nicht nur ein physikalisches Phänomen, die Klimakrise stellt auch unsere «condition humaine» auf den Kopf. Und die Forderung nach «Klimagerechtigkeit» (Wer ist für den Klimawandel verantwortlich? Wer ist am stärksten davon betroffen?) macht evident, dass die Massnahmen, mit denen die Weltgemeinschaft auf die Krise zu reagieren versucht, in höchstem Mass politisch und politisch höchst brisant sind.
Der indische Historiker entwirft in seinem Buch einen geisteswissenschaftlichen Paradigmenwechsel, der es ermöglichen soll, sich den Herausforderungen der Klimakrise mental und politisch zu stellen. Dazu entwickelt er zuerst, in Abgrenzung zum «Globus», die Kategorie des «Planeten». Die beiden nebeneinander existierenden Grössen zwingen zu einer chronologischen Doppelperspektive: Neben das unbefristete Projekt der Moderne mit ihren Zukunftsversprechen tritt das begrenzte Zeitfenster zur Bewältigung der Klimakrise; neben die überlieferte humanozentrische Geschichtsschreibung tritt die Tiefenhistorie der biologischen und geologischen Evolution, die den Menschen dezentriert; neben die Menschen als politische Subjekte und in ihrer internen Pluralität tritt der Mensch als «geologischer Handlungsträger», der als Spezies Verursacher des Anthropozäns ist.
Als Ausgangspunkt wählt Chakrabarty einen Aufsatz, den er bereits 2009 veröffentlicht hatte und der damals im Umfeld der postkolonialen Geschichtswissenschaft für heftige Kontroversen sorgte.

Tanja Polli und Ursula Markus (Fotos): Die Unsichtbaren. Sans-Papiers in der Schweiz. Zürich, 2021

«Viele Sans-Papiers sprechen nicht über die Angst, kontrolliert und ausgewiesen zu werden, doch sie frisst dein Leben auf.» Maria, 62, Hausarbeiterin und Sans-Papiers
Ungefähr 100’000 Sans-Papiers (Migrant:innen ohne geregelten Aufenthaltsstatus) leben und arbeiten in der Schweiz, das sind 1,2 Prozent der Bevölkerung. Die meisten von ihnen arbeiten in prekären Arbeitsverhältnissen: in privaten Haushalten, auf Baustellen, in Restaurants oder bei Bauern – meist zu skandalös tiefen Löhnen und ohne arbeitsrechtlichen Schutz und Sozialversicherungen. Gemäss einer Studie des Migrationsamts des Kantons Zürich und des Amts für Wirtschaft verrichten Sans-Papiers in der Schweiz bis zu 50 Prozent der bezahlten Hausarbeit. Sie sind systemrelevant, der Zugang zu grundlegenden Menschenrechten ist ihnen aber verwehrt.
In 15 Interviews erzählen Frauen und Männer ihre Geschichte – besonders berührt diejenige der Schülerin Haveen, der die Anmeldung zur gymnasialen Eintrittsprüfung verwehrt wurde. Bei der Arbeit an diesem Buch haben sie und ihre Mutter den Ausweis F erhalten und sind damit keine Sans-Papiers mehr, aber auch mit diesem Status ist es fast unmöglich, eine Lehrstelle zu bekommen.
Nebst den Interviews mit Sans-Papiers machen Gespräche mit Expert:innen wie der Leiterin der Sans-Papiers-Anlaufstelle (SPAZ) das Buch zusätzlich lesenswert. Die Fotografin Ursula Markus findet für diejenigen Sans-Papiers, die ihre Identität nicht preisgeben können, eine gelungene diskrete Form des Porträtierens.

Putzfrau in der Textilfabrik Schoeller, Derendingen, 1986 (Foto: Hansjörg Sahli/SozArch F 5031-Fb-0082)
Putzfrau in der Textilfabrik Schoeller, Derendingen, 1986 (Foto: Hansjörg Sahli/SozArch F 5031-Fb-0082)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Marianne Pletscher, Marc Bachmann: Wer putzt die Schweiz. Migrationsgeschichten mit Stolz und Sprühwischer. Zürich, 2022

Von den über 200’000 Menschen, die in der Schweiz Reinigungsarbeiten verrichten, sind die meisten Migrant:innen. Oft nehmen wir sie nicht wahr, sondern stellen höchstens fest, dass unsere Büros am Morgen wieder sauber, die Restauranttoiletten geputzt oder im Spital alles frisch desinfiziert ist. Da die meisten dieser Menschen dauerhaft in der Schweiz bleiben, tut es not, «sie besser kennenzulernen», wie die Autorin im Vorwort treffend schreibt.

In ihren Reportagen porträtieren Marianne Pletscher und Marc Bachmann neun Personen und ein Ehepaar, die in der Tieflohnbranche der Reinigung tätig sind oder waren. Da ist beispielsweise Rosa mit Jahrgang 1956 aus Süditalien, die bereits seit 1974 in der Schweiz lebt und damals als Reinigungskraft mit sieben Franken Stundenlohn begann. Sie kam zu einer Zeit in die Schweiz, in der die Fremdenfeindlichkeit grassierte – die «Überfremdungsinitiative» von James Schwarzenbach war erst vier Jahre zuvor knapp abgelehnt worden. Nura aus Bosnien, die im Buch auch ihre Erlebnisse während des Bosnienkriegs erzählt, kam 2002 in die Schweiz. Sie putzt 15 bis 20 Haushalte und ist inzwischen, nach einer langen Odyssee, bei einer Firma mit fairen Arbeitsbedingungen angestellt.

Noch heute beschäftigen viele private Haushalte Reinigungskräfte «schwarz», also unter illegalen und menschenunwürdigen Konditionen. Auch gegen diesen Missstand möchte das Buch ein Zeichen setzen.

Abstand von Protest oder Protest auf Abstand? Soziale Bewegungen in der Covid-19-Pandemie. Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Band 34, Heft 2. Berlin/Boston, Juni 2021

Die Pandemie als multiple Krise hat Fragen von Vulnerabilität und sozialer Ungleichheit, aber auch von Solidarität wieder ins Zentrum gesellschaftlicher Auseinandersetzungen gerückt. Wie soziale Bewegungen – vornehmlich in Deutschland – auf die Krise reagier(t)en, wie sie ihre Arbeitsweisen und Aktionsformen an die aussergewöhnlichen Umstände anpass(t)en, beleuchtet die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift «Forschungsjournal Soziale Bewegungen».

Zum Beispiel anhand der «Fridays for Future»-Bewegung, die auf digitale Aktionsformen zurückgriff und auf digitalen Plattformen zum Klimastreik vom 25. September 2020 aufrief; oder anhand der rechtspopulistischen PEGIDA, welche durch virtuellen Protest auf sich und ihre Anliegen aufmerksam machte und mitunter den Bogen zur regierungskritischen «Querdenker»-Bewegung schlug. Und schliesslich entstand quasi im Eiltempo eine neue Bewegung, welche sich weltweit gegen die Pandemie-Massnahmen richtete und nicht davor zurückschreckte, sich teilweise die Symbolik der extremen Rechten anzueignen.

Alle Beispiele zeigen die Zusammenhänge zwischen sozialen Bewegungen, Krisensituationen und Mobilisierung auf. Das Heft widerspiegelt den aktuellen Forschungsstand und belegt mit vielen Fallstudien, wie widerstandsfähig soziale Bewegungen auch in Krisenzeiten sind.

Siehe auch:
corona-memory.ch: partizipatives Archiv, das persönliche Momentaufnahmen zur Coronavirus-Pandemie in der Schweiz sammelt
Dossier 64.0 *8 Medizin: Krankheiten in der Sachdokumentation des Sozialarchivs

Mykhailo Minakov, Georgiy Kasianov, Matthew Rojansky (Hrsg.): From «the Ukraine» to Ukraine. A contemporary history, 1991-2021. Stuttgart, 2021

«The history of Ukraine is about losing the article» – that short but in-depth definition was given by the Ukrainian historian Yaroslav Hrytsak.

It was standard in the English-speaking world to refer to this Eastern European country as «The Ukraine» till its independence in 1991. Before this time, Ukraine was never fully an object of international politics. This small change in naming however identifies the development of the country which is now fighting to keep its independence.

Before February 2022, the Russian unleashed war in Ukraine wasn’t well understood in Europe, still, the recent full-scale invasion cleared up the situation. Obviously, Russia’s aggression toward Ukraine aims not only to destroy and annex the neighboring state but also to challenge the democratic world.

As we’re holding our breaths waiting for the outcome, we might as well enjoy reading this book, which can answer an important question: Why is a recent Russian ally now fighting against it to protect European values? The collective of authors made a huge effort to analyze different aspects of Ukraine’s history over the last 30 years. From political development to the shaping of a new Ukrainian national identity. This clearly written book is a toolkit that will help you understand the struggles of modern Ukraine and its perspectives.

Arbeitslosenkomitee der Region Basel (Hrsg): Surprise. Das Strassenmagazin. Basel, 1995-

Seit mehr als zwanzig Jahren gibt das «Surprise»-Magazin aus Basel der Armut im Land eine Stimme. Das Magazin ist vielleicht das landesweit einzige Blatt, das mehr Käufer:innen als Leser:innen hat, denn es wird oft nur aus Solidarität gekauft. Dies ist schade, denn es ist gut recherchierter, anwaltschaftlicher Journalismus mit Tiefgang und Qualität. Das Redaktionsteam setzt Schwerpunkte, die eng mit der Lebensrealität der Verkaufenden zusammenhängen (Schulden, Sucht, Ängste, Ausgrenzung), geht aber auch auf aktuelle Themen ein – spannend, ungewohnt und erfrischend.

So nahm sich das Surprise-Team in der Ausgabe Nr. 515, noch zu Zeiten coronabedingter Einschränkungen, ein sehr schweizerisches Thema vor, den «Konsens». Sechs Personen versuchten, sich über folgende drei Fragestellungen zu einigen: das Stimm- und Wahlrecht für Ausländer:innen, die Klimaveränderung und den politischen Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Nicht immer gelang es, einen Konsens zu finden.

Surprise Nr. 517 widmete die Titelgeschichte dem Land «Somalia», nachdem sich Surprise-Verkäufer:innen zunehmend besorgt gezeigt hatten, was in ihrem Land geschah und noch geschehen könnte. Der ausgewiesene Afrika-Kenner Marc Engelhardt schrieb über «Warlords, Islamisten, Investoren». Das gleichnamige Buch befindet sich übrigens in unserer Bibliothek.

Surprise Nr. 521 wiederum brachte Fotoreportagen aus der Ostukraine, eine aus dem regierungskontrollierten Gebiet und eine aus dem prorussischen, separatistischen Gebiet. Sie entstanden in den Jahren 2019 und 2020 und zeigen, dass der Krieg für diese Menschen schon lange vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine begann.

Alle gedruckten Surprise-Ausgaben können Sie bei uns ausleihen, aber noch besser ist es, Sie kaufen ein Exemplar und unterstützen damit die Verkaufenden und das Magazin.

Laura Backes, Margherita Bettoni: Alle drei Tage. Warum Männer Frauen töten und was wir dagegen tun müssen. München, 2021

Jeden Tag im Jahr 2019 versuchte in Deutschland ein Mann, seine Frau umzubringen. Alle drei Tage wurde dabei eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Das ist die erschreckende Bilanz einer Statistik, die die Journalistinnen Laura Backes und Margherita Bettoni für den Titel ihres Buches inspiriert hat. Bei diesen Verbrechen handelt es sich nicht um «Ehrenmorde» oder «Beziehungstaten», sondern um Femizide: Morde, verübt an Frauen, weil sie Frauen sind.

Doch wieso wird kaum über dieses Problem gesprochen? Oftmals als Familientragödien verharmlost, bleiben viele dieser Frauenmorde verborgen und die patriarchalen Macht- und Gewaltmuster, die sich tief durch unsere Gesellschaft ziehen, verdeckt.

Laura Backes und Margherita Bettoni brechen das Schweigen und geben in Form von Protokollen vor allem den Femizid-Überlebenden eine Stimme, die sich als roter Faden durch das Buch zieht. Sie gehen zusätzlich analytisch den Fragen nach, weshalb es zu einer solchen Tat kommt, wie sie abläuft, was nach einem Femizid passiert und wie das Umfeld der Opfer damit umgeht. Auf notwendigerweise bestürzende Art klären die Autorinnen über Femizide auf und liefern den Beweis dafür, dass Femizide ein politisches sowie gesamtgesellschaftliches Problem darstellen – bei uns und weltweit. «Alle drei Tage» ist Schock und Aufklärung zugleich.

Franco Ruault: «Baummord». Die staatlich organisierten Schweizer Obstbaum-Fällaktionen 1950-1975. Frauenfeld, 2021

Als Alternative zur industriellen Landwirtschaft mit ihren biodiversitätsfeindlichen Monokulturen hört man heute vermehrt (wieder) von der «Agroforstwirtschaft», einer Anbaumethode, bei der Nutzpflanzen wie Getreide oder Gemüse mit Bäumen kombiniert werden, wodurch der Artenreichtum gefördert, der Wasserhaushalt stabilisiert und der Boden vor Erosion und Degradation geschützt werden kann.

Nach dem Zweiten Weltkrieg suchte man das landwirtschaftliche Heil genau in der entgegengesetzten Richtung, weg von der damals noch «Feldobstbau» genannten Mischkultur: Auf Anordnung des Bundes mussten ab 1950 Hundertausende Hochstammobstbäume gefällt werden. Ziel war die «Umstellung» auf eine «brennlose Obstverwertung» bzw. auf die nachfragegerechte Produktion von marktkonformem Tafelobst in effizient zu bewirtschaftenden Niederstammplantagen. Den Hintergrund bildete das 1932 in Kraft getretene Alkoholgesetz, in dessen Folge der Obstanbau durch die Alkoholverwaltung reguliert wurde. Diese machte mit der neu erhobenen Alkoholsteuer zwar Einnahmen, mit der Übernahmegarantie der Obstüberschüsse im Gegenzug aber Millionenverluste.

Besonders betroffen war das «Obstparadies» Thurgau, an dessen Beispiel Franco Ruault diese martialische staatliche Massnahme genauer untersucht hat. Der Historiker hat schriftliche Quellen ausgewertet, aber auch Interviews mit damaligen Akteuren geführt und dem Text viele Fotos beigefügt, so dass sich dieses noch junge, aber bisher unterbeleuchtete Kapitel der Schweizer Agrargeschichte sehr anschaulich liest.

Foto von Pauline Schwarz aus dem Häftlingsdossier Nr. 389, Justizvollzugsanstalt Lenzburg
Foto von Pauline Schwarz aus dem Häftlingsdossier Nr. 389, Justizvollzugsanstalt Lenzburg

8.4.2022, 18.30 Uhr: Pauline Schwarz

Zwischen Psychiatrie und Gefängnis

Buchpräsentation mit der Autorin Lisbeth Herger

Pauline Schwarz (1918–1982) wuchs in ärmlichen Verhältnissen in der Ostschweiz auf. Das Schicksal der Dienstmagd, die früh heiratete und mehrmals Mutter wurde, schien vorgezeichnet. Doch sie zeigte sich widerständig, lehnte sich gegen den Willen ihrer verschiedenen Ehemänner auf und versuchte sich mit kleinen Diebstählen und Betrügereien etwas Wohlstand zu erschleichen.
Gefängnis und psychiatrische Untersuchungen waren die Folge, denn Schwarz‘ Verhalten entsprach nicht dem Rollenbild jener Zeit. Im Gutachten der Zürcher Klinik Burghölzli von 1942 wurde sie als «moralisch defekt» bezeichnet.

Lisbeth Herger sichtete die ausgezeichnete Quellenlage in Form von psychiatrischen Gutachten, Gerichtsurteilen, Vormundschaftsakten und Scheidungspapieren und schildert packend die Lebensgeschichte einer Frau aus der Unterschicht.

Freitag, 8. April 2022, 18.30 Uhr
Schweizerisches Sozialarchiv, Medienraum

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Unterschlupf; Henno Martin mit Hund Otto (Abbildung aus dem Buch)
Unterschlupf; Henno Martin mit Hund Otto (Abbildung aus dem Buch)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Henno Martin: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste. Eine Robinsonade in der Namib. Windhoek, 1980 (Neuausgabe; Originalausgabe 1956)

Henno Martin und Hermann Korn, zwei deutsche frisch promovierte Geologen, halten sich zu Forschungszwecken in den Naukluftbergen in Südwestafrika auf, wo sie nach Wasservorkommen für einheimische Farmer suchen, als der Zweite Weltkrieg ausbricht. Aus Angst, als Deutsche interniert zu werden, fliehen sie in die Wüste Namib und kämpfen dort zwei Jahre lang ums nackte Überleben. Ihr Alltag gestaltet sich beinahe urzeitlich: Die Unterkünfte sind provisorisch und primitiv, das Jagdglück wechselhaft, die Lebensbedingungen extrem – zwischen Verhungern am einen und Ertrinken am andern Tag. Die Angst, entdeckt zu werden, ist allgegenwärtig.
Der Erlebnisbericht liest sich wie ein spannendes Abenteuerbuch. Es lebt von wunderbaren Natur- und Tierbeschreibungen und von Reflexionen über das Leben – geschrieben von einem Wissenschaftler, der es gewohnt ist, seine Umgebung genau zu beobachten. Lange war das Buch vergriffen. Unter dem Titel «The Sheltering Desert» wurde es 1992 verfilmt und 1996 neu aufgelegt. Zu Zeiten, in denen das Reisen schwierig geworden ist, lässt sich mit diesem Buch das Fernweh ein bisschen stillen.

Vojin Saša Vukadinović (Hrsg.): Die Schwarze Botin. Ästhetik, Kritik, Polemik, Satire 1976–1980. Göttingen, 2021

Die komplett in der Bibliothek des Sozialarchivs vorhandene und im Lesesaal einsehbare Zeitschrift «Die Schwarze Botin» (Signatur D 4604) war eines der wichtigsten Sprachrohre der Neuen Frauenbewegung in den 1970er Jahren. Trotz der Kontroversen, die sie auslöste, steht die in Westberlin verlegte Zeitschrift bis heute im Schatten der bekannten feministischen Magazine «Emma» und «Courage», die fast zeitgleich gegründet wurden. Das vorliegende Buch zeichnet die ereignisreiche Entstehungsgeschichte der «Schwarzen Botin» nach und dokumentiert zahlreiche Originalbeiträge zwischen 1976 und 1980.
Eine Vielzahl der Autorinnen der «Schwarzen Botin» wurde später weit über feministische Kreise hinaus bekannt. Für die Zeitschrift schrieben unter anderen bekannten Namen etwa Elfriede Jelinek, Christa Reinig oder Heidi Pataki. Die Redaktion um die beiden Herausgeberinnen Gabriele Goettle und Brigitte Classen verfolgte mit dem Avantgarde-Journal nur ein Ziel: aus der Frauenbewegung heraus eine Kritik an derselben zu formulieren – ohne Rücksicht darauf, sich damit Feind:innen in anderen feministischen Fraktionen oder in der politischen Linken zu machen.

Elisabeth Joris und Martin Widmer: Mutters Museum. Das Oberhaus und die ländliche Oberschicht am Zürichsee. Zürich, 2021

Das Oberhaus in Feldbach am Zürichsee ist eine wahre Schatzkammer. Ein Haus, in dem tausende Alltagsgegenstände, Briefe, Dokumente und Fotos lagern – alles fein säuberlich geordnet. Nichts wurde weggeworfen. Es sind die Überbleibsel von Mitgliedern der Familie Bühler, die in dem herrschaftlichen Gutshaus zwischen 1743 und 2016 wohnten. Alles, was nicht mehr gebraucht wurde, kam in den Estrich.
Die Historiker:innen Elisabeth Joris und Martin Widmer haben das Oberhaus-Archiv gesichtet und dies zum Anlass für ein Buchprojekt genommen. Die Fülle der Zeugnisse ermöglichte es ihnen, den Spuren der Familienmitglieder bis ins 18. Jahrhundert zu folgen und diese Geschichte reich bebildert nachzuerzählen. Es entsteht das Bild einer ländlichen Oberschicht, die sich immer wieder mit historischen Umwälzungen konfrontiert sah – und für die nicht zuletzt das Heiraten entscheidende Weichen stellte.
Heute ist das Oberhaus übrigens ein Bed and Breakfast: «B&B Oberhaushof» (oberhaushof.ch).

Alexander Klose, Benjamin Steininger: Erdöl. Ein Atlas der Petromoderne. Berlin, 2021

«Kein anderer Stoff hat das moderne Leben so geprägt wie das Erdöl», sagen die Kulturforscher Alexander Klose und Benjamin Steininger. Sie erzählen von der «schaurig» schönen Zeit des Erdölzeitalters, der sogenannten Petromoderne: von ihren Errungenschaften wie Luftballons, Kraftstoff oder Kosmetik genauso wie von den negativen Auswirkungen des Abbaus und Verbrauchs wie Kriege ums Öl, Klimakrise oder mit Plastik vermüllte Meere. In 43 Kapiteln zeigen die beiden Autoren auf witzige und kluge Weise auf, wie sehr wir mit dem «Schwarzen Gold» verstrickt sind und wie schwierig es ist, sich von ihm zu trennen. In den einzelnen Kapiteln geht es beispielsweise um Pferdekopfpumpen, den «Terminator» (Arnold Schwarzenegger) oder um Daten als das «neue Öl».
Das Buch ist sehr sorgfältig gemacht und wurde in Deutschland als eines der schönsten Bücher 2021 ausgezeichnet. Texte, Fotos und visuelle Gestaltung überzeugen. Zwischen den Kapiteln gibt es Querverweise, so dass sich das Buch linear, aber auch mit Gewinn querlesen lässt.
Die Autoren haben das Forschungskollektiv «Beauty of Oil» gegründet und die Ausstellung «Oil – Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters» im Kunstmuseum Wolfsburg (4.9.2021 bis 9.1.2022) mitgestaltet. Der Katalog zur Ausstellung ist ebenfalls im Sozialarchiv verfügbar (Signatur 146858).

Martin J. Bucher: Führer, wir stehen zu dir! Die Reichsdeutsche Jugend in der Schweiz, 1931–1945. Zürich, 2021

«Ich gelobe, dem Führer Adolf Hitler treu und selbstlos zu dienen.» Bis 1945 schworen über 2’500 deutsche Kinder und Jugendliche in der Schweiz ihren Eid auf den Führer des nationalsozialistischen Deutschlands. Sie waren Mitglieder der Reichsdeutschen Jugend in der Schweiz, eines Ablegers der Hitlerjugend. Noch bis zum 1. Mai 1945 tolerierten die Schweizer Behörden die Aktivitäten der Organisation. Nach deren Verbot wurden der Landesjugendführer und andere fanatische Nazis aus der Schweiz ausgewiesen.
Die Dissertation von Martin J. Bucher zeigt, wie zu Beginn der 1930er Jahre die ersten Standorte der Hitlerjugend in der Schweiz parallel zu NSDAP-Ortsgruppen entstanden. Ziel der deutschen Hitlerjugend war es, alle im Ausland lebenden «reichsdeutschen Jungen und Mädel» unter ihrer Fahne zu vereinigen. Dafür baute man bis 1943 rund fünfzig Standorte der Reichsdeutschen Jugend in der Schweiz auf. Die Kinder und Jugendlichen unterstanden hiesigen Hitlerjugend-Führern, die vom Auslandsamt der Reichsjugendführung in Berlin angeleitet wurden. Die Tätigkeit der Reichsdeutschen Jugend unterschied sich nicht von derjenigen der Hitlerjugend in Deutschland: Heimabende mit weltanschaulicher Schulung, Sport, Fahrten und Lager prägten den Dienst.

Ibram X. Kendi: How to Be an Antiracist. München, 2020

«Wir wissen, wie man rassistisch ist. Wir wissen, wie man so tut, als ob man nicht rassistisch wäre. Jetzt müssen wir nur noch lernen, wie man antirassistisch wird.»
Ibram X. Kendi, einer der meistdiskutierten Historiker Amerikas, stellt in seinem neuen Buch die These auf, dass das Gegenteil von «rassistisch» nicht etwa «nicht-rassistisch» wäre, sondern «antirassistisch» heisst. Selbstkritisch und anhand von Ereignissen aus seinem eigenen Leben erzählt Kendi von seinem sich entwickelnden Konzept des «Antirassismus». Er erklärt unter anderem, warum «Nichtrassistisch-Sein» und «Color-Blindheit» verschleierter Rassismus sind und wieso eine Neutralität in der Rassismus-Debatte schlichtweg nicht existieren kann. Dabei berührt er sowohl Beobachtungen und Erfahrungen, die er selber als Kind und später als Professor gemacht hat, als auch zeitgenössische Ereignisse wie den Raubüberfall auf O.J. Simpson oder die Präsidentschaftswahlen von 2000 in den Vereinigten Staaten, aber auch historische Momente wie die wissenschaftlichen Vorschläge zum Polygenismus im Europa des 16. Jahrhunderts und zur Rassentrennung in den Vereinigten Staaten.
Kendis Konzept des Antirassismus gibt dem Diskurs über Rassengerechtigkeit in Amerika neuen Schwung und entwirft ein grundlegend neues Verständnis von Rassismus. Wir alle sind Rassist:innen, ob wir es merken oder nicht, und wir sind in unserer Ignoranz so lange Teil des Problems, bis wir Teil der Lösung werden und antirassistisch handeln. In seiner Erzählweise ist «How to Be an Antiracist» auch für Nicht-Historiker:innen geeignet und empfehlenswert für alle, die über ihr Bewusstsein für Rassismus hinausgehen wollen.

Tipps & Tricks für swisscovery VI

Bestellen von Bänden aus Reihen

Seit der Einführung des neuen Bibliothekssystems sorgt der Bestellvorgang bei Büchern, die einer Reihe angehören, bei den Benutzenden regelmässig für Verwirrung. Dieser Teil unserer Serie «Tipps & Tricks für swisscovery» soll hier deswegen etwas Licht ins Dunkel bringen. Gut zu wissen: Bei Reihen verfügen die Bibliotheken oft nicht über sämtliche Bände, sondern nur über diejenigen, die für ihren Sammlungsschwerpunkt relevant sind.

Bestellen eines Bandes aus einer Reihe

Sie möchten das Buch «Bürgerliche Frauenbilder im 19. Jahrhundert – die Zeitschrift ‘Der Bazar’ als Verhandlungsforum weiblichen Selbstverständnisses» aus der Reihe «Historische Geschlechterforschung» bestellen. Starten Sie die Suche auf bib.sozialarchiv.ch, der swisscovery-Suchoberfläche des Soziarchivs, und melden Sie sich zuallererst mit Ihrer SWITCH edu-ID an. Wenn Sie anschliessend den genannten Buchtitel im Suchschlitz eingeben, erhalten Sie folgenden Treffer (hier in der Detailansicht):

Die Angabe «nicht in der Bibliothek» beim Standort «Schweizerisches Sozialarchiv» bedeutet nicht, dass das Buch grundsätzlich nicht im Sozialarchiv vorhanden, sondern lediglich, dass es zur Zeit Ihrer Bestellung noch ausgeliehen ist (darauf deutet auch die Signatur-Angabe «147103» hin). Die Informationen zum Verfügbarkeitsstatus erhalten Sie, wenn Sie auf den Eintrag bei den «Standorten» klicken:

Natürlich können Sie nun den Band trotzdem via roten «Ausleihe»-Knopf vormerken. Sie erhalten dann eine Abholungseinladung per E-Mail, wenn das Buch wieder verfügbar ist.
Soweit funktioniert die Bestellung wie bei einer ganz «normalen» Monografie.

Aufrufen aller Bände aus einer Reihe, welche im Sozialarchiv vorhanden sind

In unserem Beispielfall gehen wir davon aus, dass Sie sich generell für Geschlechterthemen interessieren. Deshalb möchten Sie nun auch gleich noch wissen, welche weiteren Bände aus der Reihe «Historische Geschlechterforschung» im Sozialarchiv vorhanden sind. Dafür klicken Sie im linken Menü auf «Details» und dort wiederum auf den Titel der «Serie» «Historische Geschlechterforschung» (die Angabe «Band 4» können Sie ignorieren):

Danach werden Ihnen 4 Treffer präsentiert, wobei es sich beim ersten um den Eintrag für die Reihe selbst handelt (darauf deutet die Angabe «2018-» hin). Die Treffer 2 bis 4 zeigen Ihnen die drei Bände aus der Reihe an, welche in der Bibliothek des Sozialarchivs vorhanden sind, darunter auch den Band, den Sie bereits bestellt haben:

Die beiden anderen Bücher aus der Reihe können Sie ebenfalls wie oben beschrieben bestellen.

Aufrufen aller Bände aus einer Reihe, welche in anderen SLSP-Bibliotheken vorhanden sind

In unserem Beispielfall vermuten oder wissen Sie, dass es noch weitere Bände aus der Reihe «Historische Geschlechterforschung» gibt, die im Sozialarchiv offensichtlich nicht vorhanden sind. Erweitern Sie deshalb den Suchbereich auf «swisscovery» und ergänzen vielleicht noch den Verlag («transcript»):

Tatsächlich erhalten Sie dann nebst den 4 bisherigen noch 2 weitere Treffer, darunter das Buch «(In) visible Acts of Resistance in the Twilight of the Franco Regime» von Aurora G. Morcillo, welches zwar nicht im Sozialarchiv, aber im «Bibliotheksnetz Region Basel» verfügbar ist:

Mit Klick auf diesen Standort erhalten Sie die Informationen zum dortigen Verfügbarkeitsstatus: In unserem Beispiel ist das Buch zu diesem Zeitpunkt nicht verfügbar, da es sich noch im Erwerbungsprozess befindet. Grundsätzlich ist es aber ausleihbar und befindet sich im Freihandmagazin der UB Hauptbibliothek Basel:

Sie können den Band also via roten «Ausleihe»-Knopf vormerken und erhalten dann eine Abholungseinladung per E-Mail, wenn das Buch verfügbar ist.

Wenn Sie beim Bestellvorgang als «Abhol-Institution» (= IZ) «Bibliotheksnetz Region Basel» und als «Abholort» (= Bibliothek) die besitzende Bibliothek, nämlich «Basel – UB Hauptbibliothek», wählen, sollten Ihnen keine Gebühren entstehen:

Sie können aber auch den kostenpflichtigen SLSP-Kurier (CHF 6.-) nutzen und das Buch ans Sozialarchiv bestellen. In diesem Fall wählen Sie bei der «Abhol-Institution» «Spezialbibliotheken Region Zürich» und beim «Abholort» «Schweizerisches Sozialarchiv»:

Haben Sie weitere Fragen zu Reihen oder brauchen Sie sonst Unterstützung beim Recherchieren? – Wir helfen Ihnen gerne!

Das «Denkmal der Arbeit» am Helvetiaplatz in Zürich am 1. Mai 1983 (Foto: Gertrud Vogler; SozArch F 5107-Na-07-058-038)
Das "Denkmal der Arbeit" am Helvetiaplatz in Zürich am 1. Mai 1983 (Foto: Gertrud Vogler; SozArch F 5107-Na-07-058-038)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Hannes Lindenmeyer: Aussersihl bewegt. Der Zürcher Kreis 4. Zürich, 2021

Über hundert Jahre lang war der Zürcher Stadtkreis Aussersihl eine Hochburg der Arbeiterbewegung – das 1964 eingeweihte «Denkmal der Arbeit» auf dem Helvetiaplatz zeugt noch heute von dieser Geschichte. Ansonsten hat sich das Quartier stark verändert; es gehört nun der hippen und kreativen Stadtbevölkerung, die in den einstigen Industrie- und Handwerksgebäuden an den neuesten Trends herumtüfteln. Die Armut von damals ist verschwunden – samt dem Siechenhaus St. Jakob an der Ecke Kasernen-/Badenerstrasse und dem Hinrichtungsplatz Hauptgrube gegenüber dem heutigen Bezirksgericht. Davon – und von vielem mehr – erzählt Hannes Lindenmeyer in seinem Buch, welches zum 125-jährigen Jubiläum des Quartiervereins Aussersihl-Hard erschienen ist.

«Bewegt und bewegend» ist der Stadtteil Aussersihl aber weiterhin, starten doch die meisten politischen Demonstrationen noch heute auf dem Helvetiaplatz. Aussersihl stand stets für Menschen, die sich zusammenschlossen, um Häuser zu besetzen oder eine Baugenossenschaft zu gründen, für den Frieden zu kämpfen, gleiches Recht für Frauen einzufordern oder sich für Migrant/innen einzusetzen. Der reich bebilderte Band, in dem auch Fotografien aus dem Bestand des Sozialarchivs abgedruckt sind, macht diese ereignisreiche Geschichte erfahrbar und schlägt den Bogen zu Aussersihls heutigen Bewohner/innen.

Bestände zum Thema im Sozialarchiv:

Papierarchiv (Auswahl):

  • Ar 11 Grütliverein Aussersihl
  • Ar 201.127 Arbeiter-Radfahrerverein Zürich
  • Ar 111 Pflüger, Paul (1865-1947)
  • Ar 201.217 1.-Mai-Komitee Zürich

Periodika:

  • D 2114 Aussersihler Zeitung: die unabhängige Quartierzeitung, con la pagina italiana, 1983-1986
  • N 4283 Auf die Barrikaden! Zeitung der Quartiergruppe Wiedikon/Aussersihl (Y-Gegner), 1974-1975

Sachdokumentation:

  • 38.5 *ZH Sozialdemokratische Partei: Stadt & Kanton Zürich (SP Zürich)
  • CZH Zürich

David Signer: Afrikanische Aufbrüche. Wie mutige Menschen auf einem schwierigen Kontinent ihre Träume verwirklichen. Basel, 2021

«Es gibt keinen Kontinent, auf dem die Lebensbedingungen für die Mehrheit so hart sind wie in Afrika. Aber zugleich existiert wohl keine andere Weltregion, in der die Leute so einfallsreich, kreativ und wagemutig sind, wenn es darum geht, Hindernisse zu überwinden.» Dieser Satz fasst zusammen, was David Signer in seinem Buch zu Afrika zeigen will. Er lebte selber als NZZ-Korrespondent im Senegal und möchte mit seinem Buch der «Schwarz-Weiss-Malerei», zu der Aussenstehende in Bezug auf Afrika oft neigen, etwas entgegensetzen.

Und so erzählt er anhand von 18 Porträts aus verschiedenen afrikanischen Ländern von Menschen, denen es trotz aller Widerstände gelang, ihre Wünsche zu verwirklichen. Da ist beispielsweise die senegalesische Wäscherin und Witwe Djouma Ngom, die zehn Kinder zu versorgen hat und einen miserablen Lohn erhält. Nun hat sie sich mit anderen Wäscherinnen zusammengeschlossen und kämpft für bessere Arbeitsbedingungen. Godfrey Masauli aus Malawi hingegen träumte schon als Kind in seinem Dorf vom Fliegen. Heute besitzt er tatsächlich, nach einer Reihe unwahrscheinlicher Ereignisse, eine Pilotenlizenz. «Afrikanische Aufbrüche» macht Hoffnung – ohne die harten Lebensbedingungen in Afrika zu beschönigen.

Karin Fuchs, Paul Eugen Grimm, Martin Stuber: Nutzen und schützen. Johann Coaz (1822–1918), der Wald und die Anfänge der schweizerischen Umweltpolitik. Zürich, 2021

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts begann sich in der Schweiz eine nationale Umweltpolitik herauszubilden. Die beiden Bundesgesetze von 1876 und 1902, mit denen eine nachhaltige Forstwirtschaft verankert wurde, setzten die entscheidenden Meilensteine. Der Bündner Johann Coaz spielte in dieser Umbruchphase eine zentrale Rolle. In jungen Jahren war er am nationalen Projekt der Dufourkarte beteiligt, später engagierte er sich während zweier Jahrzehnte als Forstinspektor für den Bündner Wald. 1875 zum ersten eidgenössischen Oberforstinspektor gewählt, realisierte er eine nachhaltige Forstpolitik auf nationaler Ebene. Erst im Alter von 92 Jahren setzte er sich zur Ruhe, nachdem er den Schweizerischen Nationalpark entscheidend mitbefördert hatte.

Coaz gilt bis heute als Vorkämpfer für das Forstwesen in der Schweiz. 2016 wurde sein Nachlass an das Staatsarchiv Graubünden übergeben. Der vorliegende Band würdigt das Leben des bis anhin eher unbekannten Pioniers und wertet die verschiedenen Quellen – darunter auch die Tagebücher – des vielfältig tätigen Forstreformers aus.

Tipps & Tricks für swisscovery V

Es gibt verschiedene Ansichten

Wir sind in Teil I dieser Serie mit «Tipps & Tricks für swisscovery» bereits einmal auf die verschiedenen Suchoberflächen von swisscovery eingegangen und haben auf die Möglichkeiten hingewiesen, den Suchbereich je nachdem auf eine Bibliothek oder eine IZ (Institutionszone) einzuschränken bzw. auf die gesamte swisscovery-Netzwerkzone (swisscovery Network) zu erweitern. Die Erfahrung zeigt inzwischen, dass es nicht ganz einfach ist, auf den verschiedenen Suchoberflächen das Literaturangebot des Sozialarchivs im Auge zu behalten.

a) Suchoberflächen

Die Medien, welche im schweizweiten Bibliothekskatalog swisscovery verzeichnet sind, können über unterschiedliche Suchoberflächen (sog. «Views») recherchiert werden. Es gibt erstens die allgemeine swisscovery-View, zweitens die Views der verschiedenen IZs (Institutionszonen = Bibliotheksgruppen, die gemeinsam verwaltet werden) sowie drittens die Views von einzelnen Bibliotheken. Alle Suchoberflächen basieren auf «Primo VE», dem benutzerseitigen Frontend der Bibliothekssoftware «Alma» von Ex Libris. Je nachdem, auf welcher Primo-Suchoberfläche man seine Recherche beginnt, sind verschiedene Schritte nötig, um mehr oder weniger gezielt auf die Bestände des Sozialarchivs zuzugreifen.

Die allgemeine swisscovery-View (https://swisscovery.slsp.ch)

Wenn Sie schweizweit in den Beständen aller 475 SLSP-Bibliotheken nach einem Thema recherchieren möchten, wählen Sie diese allgemeine Suchoberfläche. Dieser Einstieg kann für die Recherche nach online verfügbaren elektronischen Ressourcen sinnvoll sein.

Für die Suche nach analogen Büchern und Zeitschriften empfiehlt es sich hingegen, die Recherche auf der Suchoberfläche der Bibliothek Ihres Vertrauens oder in Ihrer Nähe zu starten. Sie vermeiden so entweder Reisen durch die halbe Schweiz oder Kuriergebühren.

Die Sozialarchiv-View (https://bib.sozialarchiv.ch)

Der schnellste Weg zu den Beständen des Sozialarchivs führt also über die View des Sozialarchivs. Eine Recherche zum Thema «Frauen Gleichstellung» durchsucht hier ohne weitere Einstellungen ausschliesslich die Bestände des Sozialarchivs und präsentiert direkt rund 670 Ergebnisse.

Benötigen Sie über das Literaturangebot des Sozialarchivs zu diesem Thema hinaus weitere Quellen, erweitern Sie den Suchbereich (siehe Aufklappmenü rechts im Suchschlitz) ganz einfach auf «swisscovery» und Sie erhalten rund 4’700 Ergebnisse aus allen 475 SLSP-Bibliotheken.

Die View der IZ «Spezialbibliotheken Region Zürich» (https://rzh.swisscovery.slsp.ch)

Auch für die IZ «Spezialbibliotheken Region Zürich», zu der das Sozialarchiv gehört, gibt es eine eigene View. Wir empfehlen Ihnen jedoch, entweder spezifisch in der View des Sozialarchivs oder dann schweizweit im allgemeinen swisscovery-Katalog zu recherchieren. Mit letzterem durchsuchen Sie nämlich u.a. die Bestände aller Bibliotheken auf dem Platz Zürich gleichzeitig, also nicht nur diejenigen der «Spezialbibliotheken Region Zürich», sondern ebenso die der «UZH / ZBZ», der «ETH Zürich», der «Zürcher PHs» sowie der «ZHdK».

Die View der IZ UZH / ZBZ (https://uzb.swisscovery.slsp.ch)

Vielleicht starten Sie Ihre Suche aber auch mal von der Website der ZB Zürich aus, weil Sie dort gerade ein paar Bücher aus den Freihandmagazinen geholt haben. In diesem Fall landen Sie auf dem «Rechercheportal» bzw. der View der IZ «UZH / ZBZ». Zu dieser IZ gehören neben der ZBZ alle Institutsbibliotheken der Uni Zürich.

b) Suchbereich

Standardmässig werden auf dem «Rechercheportal» der «UZH / ZBZ» alle in swisscovery nachgewiesenen Bestände durchsucht: Der Suchbereich ist by default auf «swisscovery» eingestellt. In den über 2’600 Ergebnissen für die Suche nach «Frauen Gleichstellung» sind also auch die Ressourcen aus dem Sozialarchiv enthalten.

Sie könnten den Suchbereich auch auf «ZB / UZH» einschränken und erhielten dann noch rund 1’270 Ergebnisse. In unserem Beispielfall möchten Sie aber vielmehr wissen, welche Literatur zum Thema auf dem Platz Zürich, im Speziellen im auf gesellschaftliche Fragen spezialisierten Schweizerischen Sozialarchiv, vorhanden ist.

c) Facetten/Filter

Sie lassen also den Suchbereich auf «swisscovery» eingestellt. Um die Suchergebnisse im Hinblick auf die Bestände des Sozialarchivs hin zu optimieren, nutzen Sie die Facetten (unter «Ergebnisse optimieren» im linken Bildschirmbereich). Hier sind unter «swisscovery Network» alle IZs nebst der IZ «UZH / ZBZ» gelistet, die auch Ressourcen zum Thema haben. Um alle anzuzeigen, müssen Sie allerdings zuerst auf «Weitere anzeigen» klicken.

An vierter Position erscheinen nun die «Spezialbibliotheken Region Zürich», also die IZ «RZH», zu der auch das Sozialarchiv gehört.

Wenn Sie die Suche auf die Bestände in der IZ «RZH» einschränken möchten, setzen Sie diesen Filter, indem Sie auf «Spezialbibliotheken Region Zürich» klicken. Die Ergebnisliste umfasst nun rund 750 Treffer, darunter die rund 670 Titel aus dem Sozialarchiv.

Leider ist es aber in der View einer IZ, in unserem Fall derjenigen der IZ «UZH / ZBZ», nicht möglich, gezielt nach Bibliotheken aus einer anderen IZ, in unserem Fall der IZ «RZH», zu filtern. Dies ist immer nur innerhalb einer IZ-View möglich.

Fazit

Mit SLSP und swisscovery ist es möglich geworden, auf einer einzigen Katalogoberfläche 475 Bibliotheksbestände aus der ganzen Schweiz gleichzeitig zu durchsuchen – dies ist ein Fortschritt. Nun wären wir aber nicht in der föderalistisch organisierten Schweiz, wenn es dafür auch nur eine einzige Suchoberfläche gäbe. Vielmehr tritt das benutzerseitige Frontend des bibliografischen Gesamtkatalogs in zahlreichen unterschiedlichen Kleidern auf – je nach IZ oder Bibliothek. (Tatsächlich kann man sich die Organisationsstruktur von SLSP analog zu den Staatsebenen vorstellen: Gemeinden/Bibliotheken, Kantone/Institutionszonen (IZ), Bund/swisscovery Network – mit allen Komplikationen, die das mit sich bringt.)

Ob diese Vielfalt an Views einen Mehrwert darstellt, darüber kann man getrost unterschiedlicher Ansicht sein. Wir empfehlen Ihnen jedenfalls, wie oben ausgeführt, Ihre Recherchekarriere von der nahen Gemeindeebene aus zu starten (z.B.: https://bib.sozialarchiv.ch), denn mit dem variablen Suchbereich bleibt Ihnen der Zugang zu den Kantonsebenen (IZs) bzw. zum Bundeshaus (swisscovery Network) jederzeit offen.

Haben Sie weitere Fragen zu den verschiedenen Suchoberflächen oder brauchen Sie Unterstützung bei Ihren Recherchen? – Wir helfen Ihnen gerne!

Pin, 1980er Jahre (SozArch F Ob-0004-091)
Pin, 1980er Jahre (SozArch F Ob-0004-091)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Interessengruppe Rote Fabrik (Hrsg.): Rote Fabrik – Bewegung tut gut. Zürich, 2021

Mitten in der Jugendrevolte wurde in Zürich 1980 die Rote Fabrik als alternatives Kulturzentrum eröffnet. Dieses Buch blickt zurück auf die Vorgeschichte und spannt den Bogen bis zur heutigen Zürcher Alternativkultur. Es begann mit Widerstand und endete mit der Etablierung eines neuen Kulturverständnisses, zu dessen Symbol die Rote Fabrik wurde.
Die Beiträge – u. a. von Stephan Pörtner, Michael Hiltbrunner und Esther Banz – setzen sich kritisch mit der Gegenwart und dem betrieblichen Selbstverständnis auseinander und erzählen Geschichten von vor und hinter den Kulissen. Erstmals wurden für dieses Buch die Archivschätze gehoben und unzählige Dokumente und Fotos gesichtet und eingeordnet.

Bestände zum Thema im Sozialarchiv:

Silke Plate: Widerstand mit Briefmarken. Die polnische Oppositionsbewegung und ihre Unabhängige Post in den 1980er Jahren. Paderborn, 2021

Nach der Verhängung des Kriegsrechts in der Volksrepublik Polen im Dezember 1981 sah sich die breite Oppositionsbewegung – geprägt durch die nunmehr verbotene Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft Solidarność – gezwungen, ihre Aktivitäten in den Untergrund zu verlegen. Daraufhin entwickelte sich ein unabhängiger Publikationsumlauf ausserhalb der staatlichen Zensur, der sogenannte «Zweite Umlauf». Dazu gehörten nicht nur Texte in illegal erschienenen Büchern und Untergrundzeitschriften; auch nachgeahmte «Untergrund»-Briefmarken und Poststempel wurden veröffentlicht, die jedoch keine Frankaturfunktion hatten.
Die Autorin zeigt in ihrer Dissertation, wie die Grafiker/innen der Unabhängigen Post in Form von visuellen Kurzbotschaften Themen des oppositionellen kulturellen Gedächtnisses verbildlichten, die der Standortbestimmung der Oppositionsbewegung dienten. Der Erlös aus dem Verkauf der Untergrundbriefmarken floss weitestgehend in die Unterstützung oppositioneller Aktivitäten zurück. Zudem trugen sie als Sammelobjekt zur Bestätigung einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten bei.

Regula Schmid: Der Kunsthaus-Maskenball. Zürichs goldene Zwanzigerjahre. Zürich, 2021

1921 führte die Zürcher Kunstgesellschaft erstmals einen Maskenball durch, der sich in den folgenden Jahren zu einem Höhepunkt der Zürcher Ballsaison entwickelte. Im ersten Jahr fand er noch im Kunsthaus statt, danach in einem der führenden Hotels und unter dem Namen «Kunsthaus-Maskenball im Baur au Lac». Das Besondere daran war die künstlerische Note, die sich von der Einladung über die Plakate in der Stadt bis hin zur Dekoration des Hotels, den Menükarten, Kostümen und Masken zog. Die rauschenden Bälle entsprachen dem Zeitgeist nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. 1932 fand der festliche Taumel mit dem letzten Kunsthaus-Maskenball ein Ende.
Die Autorin hat sich auf Spurensuche begeben und das attraktive Material des Anlasses gesichtet, hat Plakate, Menükarten, Fotografien und vieles mehr ausgegraben. Auf eine kurze Einführung zum Hintergrund folgt ein ausführlicher Bildteil mit Erklärungen, die durch die vielfältigen Dokumente zum Ball führen.

Tipps & Tricks für swisscovery IV

a) Ausleihen aus verschiedenen IZs im SLSP-Konto

Sie kennen das wahrscheinlich: Sie recherchieren für eine wissenschaftliche Arbeit und bestellen Dokumente aus verschiedenen Bibliotheken und irgendwann verlieren Sie den Überblick, was Sie wo bestellt haben oder wie lange Sie gewisse Bücher noch behalten dürfen. Das Sozialarchiv ist ja Teil der IZ «Spezialbibliotheken Region Zürich». Wie können Sie aber in Ihrem SLSP-Benutzungskonto auch Ihre Bestellungen und Ausleihen aus anderen IZs im Auge behalten?

Loggen Sie sich auf swisscovery ein und öffnen Sie Ihr Profil.

Gehen Sie dort direkt zu «Meine Ausleihen» oder via «Mein Konto» zum Reiter «Ausleihen» bzw. «Bestellungen».

Im linken Menübereich unter «swisscovery Network» sehen Sie zudem verschiedene andere IZs aufgelistet, die Sie mit der Funktion «Mit Aktivität» auch filtern können. Das «Klemmbrettsymbol» bei einem IZ-Namen signalisiert, dass Sie in dieser IZ unabgeschlossene Prozesse haben. Klicken Sie auf den Namen der IZ, die Sie interessiert, und Sie erhalten eine Übersicht über Ihre Ausleihen, Bestellungen und allenfalls Gebühren in der angewählten IZ.

b) Hilfreiche Filterfunktionen bei der Recherche

Der swisscovery-Katalog zeigt bei einer Rechercheanfrage als Treffer nicht nur Bücher, sondern prominent auch Artikel aus Zeitschriften und Repositorien an. Um eine Trefferliste Ihren (medialen) Wünschen anzupassen, benutzen Sie die Filter.

Sie suchen beispielsweise nach Büchern zum Thema «Hausaufgaben in der Schulbildung». Mit dem einfachen Suchbegriff «Hausaufgaben» erhalten Sie eine Trefferliste mit insgesamt 9 Titeln – an erster, dritter und vierter Stelle rangieren jedoch lediglich Zeitschriftenartikel.

Benutzen Sie also die Filter auf der linken Seite unter «Ergebnisse optimieren».

Wählen Sie in diesem Fall unter der Rubrik «Ressourcentyp» «Bücher».

Jetzt werden Ihnen als Treffer nur noch Bücher präsentiert, die Sie zudem weiter filtern können, zum Beispiel nach Bibliothek. Generell können Sie mit den diversen Filterfunktionen Ihre Suche viel genauer gestalten: So können Sie auch nach Urheber/in, Publikationsjahr, Thema, Sprache und/oder Publikationsform filtern, was insbesondere bei thematischen Recherchen mit hohen Treffermengen sehr hilfreich sein kann. Aktive Filter deaktivieren Sie ganz einfach wieder mit Klick auf das Kreuz.

Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie Fragen zu Ihrem Benutzungskonto haben oder Unterstützung bei der Recherche benötigen.

Gewerkschaftsdemonstration, Olten, 8.5.1976 (SozArch F 5069-Na-004-012)
Gewerkschaftsdemonstration, Olten, 8.5.1976 (SozArch F 5069-Na-004-012)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Anina Zahn: Wider die Verunsicherung. Arbeitslosenkomitees in der Schweiz, 1975–2002. Zürich, 2021

1975 steckt die Schweiz in einer Krise. Um den steigenden Arbeitslosenzahlen zu begegnen, wird die obligatorische Arbeitslosenversicherung (ALV) eingeführt. Zur selben Zeit entstehen selbstorganisierte Gruppen von Arbeitslosen, die sich Arbeitslosenkomitees nennen. Beharrlich protestieren sie gegen Verschlechterungen bei der Arbeitslosenversicherung, auch in den folgenden Krisen der 1980er- und 1990er-Jahre.
Die vom Fonds «Forschung Ellen Rifkin Hill» unterstützte Dissertation erzählt die Geschichte der Arbeitslosigkeit und der Arbeitslosenbewegung aus Sicht der Betroffenen während einer entscheidenden Übergangsphase der Industriegesellschaft. Die Beziehung der Arbeitslosen zum Sozialstaat wird am Beispiel von fünf Arbeitslosenkomitees in der Deutschschweiz und der Romandie bis ins Jahr 2002 untersucht. Für ihre Abhandlung hat die Autorin auch zahlreiche Quellen aus dem Sozialarchiv eingesehen.

Bestände zum Thema im Sozialarchiv:

Mélanie Gerber, Sabine Hunziker, Silvio Saxer: Oase in einer Wüste der Ordnung. Die Geschichte einer unbeugsamen Berner Protestgruppe zum Thema Drogenpolitik. Boll, 2021

Nicht nur Studierende, sondern auch Schülerinnen und Schüler bildeten einen wichtigen Teil der 80er-Bewegung: Rund 2’000 traten am 18. November 1987 in Bern in einen Proteststreik, um sich für unabhängige Lebens- und Kulturräume einzusetzen. Die aus der Bewegung entstandene SchülerInnenkoordination Bern (SIKB) setzte sich nicht nur für die Rechte von Schülerinnen und Schülern ein, sondern betrieb ab Winter 1990/91 mehr als 20 Jahre lang eine Gassenküche in den Strassen der Bundesstadt.
Anhand von Gesprächen mit Aktivistinnen und Aktivisten und vielen erstmals erschlossenen Archivquellen wird die Tätigkeit der Gruppe, die sich 2013 schliesslich aufgelöst hat, nacherzählt.

Bestände zum Thema im Sozialarchiv:

Nadina A. Brügger: Helvetias Töchter. Kampf, Streik, Stimmrecht. Acht Frauengeschichten aus der Schweiz von 1846 bis 2019. Embrach, 2021

«Helvetias Töchter» beleuchtet für einmal nicht prominente Vertreterinnen der Schweizer Frauenbewegung, sondern acht «gewöhnliche» Frauen, die den verschiedensten gesellschaftlichen Schichten entstammen. Es sind zudem fiktive Biografien von Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten leb(t)en und stellvertretend für viele Frauen ihrer Generation stehen.
So beispielsweise diejenige von Luisa: Im November 1918 erlebt die Fabrikarbeiterin den Tag des Landesstreiks als aktive Teilnehmerin in Zürich. Sie eilt durch die von Soldaten besetzte Stadt und schliesst sich schliesslich dem Marsch von Tausenden ArbeiterInnen an. Neun Forderungen hat das Oltener Aktionskomitee dem Bundesrat vorgelegt; Punkt 2 des Programms fordert das aktive und passive Frauenwahlrecht. Viele weitere Forderungen werden allerdings noch folgen (müssen), bis dieses endlich Realität wird.

> Siehe auch die bereits erschienenen Beiträge von Christian Koller zum Thema:
Vor 25 Jahren: Der Frauenstreiktag vom 14. Juni 1991
Vor 150 bis 30 Jahren: Der lange Weg zum Schweizer Frauenstimmrecht