Wegen der Corona-Situation gelten zurzeit besondere Benutzungsbestimmungen: Der Ausleihschalter ist für die Abholung von Medien für die Heimausleihe geöffnet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9:00 bis 19:30, Sa 11:00 bis 16:00). Bitte bestellen Sie vorgängig online von zu Hause aus. Für die Benutzung von nicht für die Heimausleihe freigegebenen Medien (Archivalien, Dokumentationen, Bibliotheks-Altbestände) beachten Sie bitte den obersten Beitrag unter AKTUELL. Wir danken für Ihr Verständnis. Schweizerisches Sozialarchiv, Direktion
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Werbetafel der «Freundinnen junger Mädchen», um 1950 (SozArch F 5134-Od-003)
Werbetafel der "Freundinnen junger Mädchen", um 1950 (SozArch F 5134-Od-003)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Esther Hürlimann, Ursina Largiadèr, Luzia Schoeck: Das Fräulein vom Bahnhof. Der Verein Freundinnen junger Mädchen in der Schweiz. Zürich, 2021

Der 1886 gegründete Verein «Freundinnen junger Mädchen» war einer der ersten Frauenvereine der Schweiz. Er entstand im Lauf der Industrialisierung, als junge Frauen vermehrt ihre Dörfer verliessen und Arbeit in der Stadt suchten. Dort boten die bürgerlich-protestantischen Frauen im Kampf gegen Mädchenhandel und Prostitution konkrete Lebenshilfe in Form von Schutz und Beratung, Unterkünften und der Vermittlung von Arbeitsstellen. Verbunden war diese Unterstützung allerdings mit moralischen Anliegen.
Der Verein mag mittlerweile «COMPAGNA» heissen, der Gründerinnengeist findet sich aber immer noch in den zahlreichen sozialen Aktivitäten – von der SOS Bahnhofhilfe über Beratungsstellen für Frauen im Sexgewerbe bis hin zu Frauenhotels.

Bestände zum Thema im Sozialarchiv:

  • Ar 591 Freundinnen junger Mädchen (FJM)/COMPAGNA Zürich
  • F 5134 COMPAGNA/Schweizerischer Verein der Freundinnen junger Mädchen
  • K 414 Bericht des Martha-Vereins: Zürcher Sektion des «Vereins der Freundinnen junger Mädchen», ab 1887

> In unserer aktuellen Vitrinenausstellung im Lesesaal zum Thema «Mädchen-/Frauenhandel und Prostitution» sind u.a. auch Objekte aus dem COMPAGNA-Bestand ausgestellt.

Jessica Bruder: Nomaden der Arbeit. Überleben in den USA im 21. Jahrhundert. München, 2021

Die englische Originalausgabe des Buches erschien 2017 unter dem Titel «Nomadland – Surviving America in the Twenty-First Century» und diente dann dem diesjährigen Oscar-preisgekrönten Film «Nomadland» als Vorlage. Jessica Bruder erzählt von Menschen, die in Amerika ohne permanente Wohnadresse unterwegs sind. Ihre Anzahl wird auf Zehntausende geschätzt.
Sie leben in Wohnmobilen, Vans und Anhängern und übernachten auf Supermarkt-Parkplätzen, neben den Highways, in der Wüste. Sie schaufeln Zuckerrüben in North Dakota, reinigen Toiletten in den Nationalparks von Kalifornien oder arbeiten Zwölf-Stunden-Schichten im Amazon-Versandzentrum im winterlichen Texas. Eines haben sie oft gemeinsam: Sie sind meistens schon älter. Und im 21. Jahrhundert, erschüttert von der Finanzkrise der Zehnerjahre, ist ihnen der Boden für den gemeinhin wohlverdienten Ruhestand weggebrochen. Deshalb ziehen sie als Nomaden und Nomadinnen der Arbeit von einem saisonalen Tageslohnjob zum nächsten. Sie bilden eine wachsende Subkultur, die aus der Not heraus den vielzitierten amerikanischen Freiheitsbegriff neu interpretiert.

Elisabeth Joris und Heidi Witzig (Hrsg.): Frauengeschichte(n). Dokumente aus zwei Jahrhunderten zur Situation der Frauen in der Schweiz. Zürich, 2021

Das Standardwerk zur Schweizer Frauengeschichte ist im Jahr, in welchem sich die Einführung des Frauenstimmrechts zum 50. Mal jährt, in einer letzten, ergänzten 5. Auflage neu erschienen. Parallel zur Neuauflage gibt es nun auch eine Website, die unter anderem zahlreiche Dokumente aus dem Sozialarchiv präsentiert: https://frau-engeschichte-n.ch/.
Den grossen Anfang machten 1986 die beiden Historikerinnen Elisabeth Joris und Heidi Witzig, als sie nach mehrjähriger Arbeit die edierte Quellensammlung «Frauengeschichte(n) ‒ Dokumente aus zwei Jahrhunderten zur Situation der Frauen in der Schweiz», ein über 550 Seiten umfassendes Buch, im Limmat Verlag herausgaben. 1980 waren sie mit der Entwicklung eines Konzepts gestartet, durchstöberten dann über Jahre grosse und kleine Archive, erstellten Fotokopien, schnitten die interessanten Textstellen heraus, klebten sie auf Blätter, ordneten sie und gaben jeder Quelle einen Titel.
Entscheidende Hilfe erhielten sie nach der ersten Historikerinnentagung von 1983 von anderen Historikerinnen, die sie mit Quellen versorgten, sowie vom Frauentutorat der Universität Zürich, das einen bedeutenden Teil der Dokumente und Texte zum Kapitel «Weiblichkeit als Norm» beisteuerte. Die Gestaltung des Buches und die Auswahl der aussagekräftigen Bilder zu jedem Kapitel übernahm Helen Pinkus Ryman.

SLSP/swisscovery: Tipps & Tricks II

Gebührenfrei bestellen oder den kostenpflichtigen SLSP-Kurier nutzen

Mit der Systemumstellung vom Dezember 2020 hat sich nicht nur die Recherche verändert, sondern auch eine beliebte und viel genutzte Dienstleistung – die Kurierlieferung. Vor SLSP und swisscovery gab es mehrere Verbünde in der Schweiz, jeweils mit unterschiedlichen verbundinternen und verbundübergreifenden Kurierdienstleistungen, teilweise kostenpflichtig, teilweise kostenlos. SLSP hat dieses System vereinheitlicht – die Medien von rund 470 SLSP-Bibliotheken sind nun in der ganzen Schweiz verfügbar, können mit wenigen Klicks überallhin bestellt werden und stehen nach 48 Stunden am gewünschten Ort zur Abholung bereit. Diese erweiterte Kurierdienstleistung ist mit einer kleinen Gebühr versehen: Bei Kurierbestellungen werden neu 6 Franken fällig.

Wie Sie sich anmelden und in swisscovery recherchieren können, haben wir in der letzten Nummer gezeigt. Nehmen wir nun an, Sie möchten das Buch «Lenin» von Milo Rau bestellen:

Tipp Nr. 1: Achten Sie auf die Verfügbarkeit an den verschiedenen Standorten:
Im Beispiel mit «Lenin» von Milo Rau sehen Sie in der Detailansicht, dass das Buch neben dem Sozialarchiv auch noch in zwei anderen Institutionszonen (IZ) erhältlich ist – im Bibliotheksnetz Region Basel und in der UZH bzw. ZB Zürich.
Wenn Sie mit Ihrer Switch edu-ID eingeloggt sind, werden Ihnen zwei Services angeboten: «Ausleihe» und «Digitalisierung» (zur Bestellung von Scans oder Kopien).

Tipp Nr. 2: Gebührenfrei bestellen oder den Kurier nutzen – Sie haben die Wahl:
Mit Klick auf «Ausleihe» eröffnen sich Ihnen verschiedene Bestellmöglichkeiten: Sie können das Buch wahlweise per Post zu sich nach Hause bestellen, vor Ort abholen oder per Kurier an einen anderen Abholort bestellen. Wenn Sie das Exemplar des Sozialarchivs auswählen und dieses bei uns an der Theke abholen möchten, wählen Sie im Feld «Abhol-Institution» die Option «Spezialbibliotheken Region Zürich» und beim «Abholort» «Schweizerisches Sozialarchiv». So bestellen Sie unser Exemplar zur Abholung bei uns und es fallen – trotz orange hinterlegtem Warnhinweis – keine Gebühren an.
> In vereinzelten Fällen kann es leider vorkommen, dass ein Titel im Sozialarchiv zum Zeitpunkt Ihrer Bestellung gerade ausgeliehen, aber in einer der beiden anderen Kurierbibliotheken in der IZ «Spezialbibliotheken Region Zürich» – nämlich in der Mediothek der Pädagogischen Hochschule Graubünden oder in der Bibliothek der Schweizerischen Nationalbank – verfügbar ist. In diesem Fall bestellt das System automatisch das freie Exemplar und löst damit eine kostenpflichtige Kurierbestellung aus. Da die inhaltliche Überschneidung der Bestände des Sozialarchivs mit diesen zwei Bibliotheken nicht allzu gross ist, passiert dies jedoch selten.

Wenn Sie unter «Abhol-Institution» oder «Abholort» eine andere Option auswählen, wird Ihre Bestellung automatisch als Kurierbestellung aufgenommen und es wird bei der Abholung des bestellten Dokuments am gewünschten Abholort eine Kuriergebühr von 6 Franken fällig.

Tipp Nr. 3: Behalten Sie bei Kurierbüchern den Transferschein!
Die Kuriergebühr deckt sowohl die Kurierlieferung an den von Ihnen gewählten Abholort als auch den Rücktransport an die besitzende Bibliothek ab. Entsprechend können Sie ein per Kurierlieferung bestelltes Buch an jeder anderen Kurierbibliothek retournieren, ohne dass Ihnen dafür neue Kosten entstehen. Voraussetzung dafür ist allerdings das Vorweisen des Transferscheins, mit welchem Sie das Buch erhalten haben (oder das Zeigen der entsprechenden E-Mail-Benachrichtigung).
> Selbstverständlich können Sie das Buch auch direkt bei uns retournieren. Dies bedeutet jedoch umgekehrt nicht, dass wir Ihnen dann die Hälfte der Kuriergebühr erlassen können – die Kuriergebühr ist nicht teilbar.

Gut zu wissen:
Die Universitäten und Fachhochschulen übernehmen zum Teil für ihre Mitarbeitenden und Studierenden die Kuriergebühren. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Institutsbibliothek über diese Möglichkeit.
Immer gilt:
Kontaktieren Sie uns, wenn Sie beim Bestellprozess oder bei Gebührenfragen unsicher sind.

Aus der Schweizer freikörperkulturellen Illustrierten «Die neue Zeit»: FKK in den Schweizer Alpen (Foto: Eduard Fankhauser; N 484, 1962, Nr. 120, S. 69)
Aus der Schweizer freikörperkulturellen Illustrierten «Die neue Zeit»: FKK in den Schweizer Alpen (Foto: Eduard Fankhauser; N 484, 1962, Nr. 120, S. 69)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Locher, Eva: Natürlich, nackt, gesund. Die Lebensreform in der Schweiz nach 1945. Frankfurt, 2021

Vegetarische Ernährung, alternativmedizinische Verfahren und ein ausgeprägter Fitnesskult prägen die heutige Zeit. Mit ihrem Appell, dass jede und jeder sich selbst optimieren soll und möglichst gesund und natürlich leben müsse, nahm die um 1900 entstandene «Lebensreform» viele dieser Diskurse und Praktiken vorweg (der Begriff «Lebensreform» tauchte schon in den 1890er Jahren erstmals in Deutschland auf). Der erste Freikörperkultur-/FKK-Verbund wurde 1927 vom Schweizer Eduard Fankhauser gegründet.
Eva Locher beschreibt in ihrer Dissertation erstmals die Entwicklung der Lebensreform in der Schweiz nach 1945. Dies erfolgt auch aus transnationaler Perspektive, gab es doch zwischen der Schweizer Lebensreformbewegung und derjenigen im deutschsprachigen Ausland einen regen Austausch. Zum Zentrum ihrer Aktivitäten bestimmten die Schweizer Exponent/innen das FKK-Gelände in Thielle am Neuenburgersee, das noch heute existiert. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Suche nach dem einfachen, naturbewussten und gesunden Leben während des gesamten 20. Jahrhunderts ein bestimmendes Thema war.

Bestände zum Thema im Sozialarchiv (Auswahl):

  • N 484 Die neue Zeit: Illustrierte für neuzeitliche Lebensgestaltung (1938-2004 [lückenhaft])
  • Ar 599 Dokumente zur Geschichte der Lebensreform (Sammlung Peter F. Kopp)
  • Ar 201.25 Freischar, Evangelische Jugendbewegung
  • Sachdossier 04.41 Alternative Lebensgestaltung & Arbeitsgestaltung

Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht Ostschweiz und vom Solidaritätsnetz Ostschweiz (Hrsg.): «Mutter, mach dir keine Sorgen, das ist eine ganz andere Welt». Unbegleitete minderjährige Asylsuchende in der Schweiz erzählen. Zürich, 2021

Guled musste als neunjähriges Kind seine Familie in Somalia verlassen und traf als Siebzehnjähriger in der Schweiz ein. Ali flüchtete mit seiner Familie aus Afghanistan, verlor diese bei einem Polizeiangriff in der Türkei aus den Augen und gelangte als Fünfzehnjähriger allein in die Schweiz. Aamina floh als Vierzehnjährige vor einer Zwangsheirat aus Somalia.
Sie werden «UMA» genannt – unbegleitete minderjährige Asylsuchende –, Kinder und Jugendliche, die ohne ihre Familie in der Schweiz Asyl beantragen. In diesem Buch geben elf Menschen diesen drei Buchstaben ein Gesicht. Die Jugendlichen berichten von ihren Fluchtgründen und ihren prägenden Erfahrungen, von der Ankunft in der Schweiz, wo sie nach ihrer grossen Willensleistung auf der Flucht auf einmal warten müssen und nichts tun können. Ihre Erzählungen werfen aber auch ein wertvolles Licht auf die Bemühungen der Schweiz um ihre Integration.

Heini, Alexandra und Patrick Moser (hrsg. für das Historische Museum Basel): Grenzfälle: Basel 1933-1945. Basel, 2020

Die Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft und der Zweite Weltkrieg prägten von 1933 bis 1945 das Leben in der Grenzregion Basel massgeblich. Anlässlich des 75. Jahrestages zum Ende des Zweiten Weltkrieges hat das Historische Museum Basel eine Sonderausstellung zum Verhältnis der Basler Bevölkerung sowie von lokalen Unternehmen zum Nationalsozialismus und zum NS-Staat gestaltet.
Im Ausstellungsband geben zwölf Autor/innen Einblick in die damalige Lebenswelt rund um Basel. So werden beispielsweise Basels Rolle als Finanzzentrum ebenso wie die Verstrickungen der Basler Chemie zum Nachbarland beleuchtet. Ein anderer Beitrag beschreibt den Kampf der Israelitischen Gemeinde Basel gegen den Antisemitismus. Und stets wird einem bewusst gemacht, wie stark der Alltag der Basler/innen von der Sorge über die militärische Übermacht des nördlichen Nachbarn geprägt war.

> «Grenzfälle – Basel 1933–1945», Ausstellung im Historischen Museum Basel, 21.8.2020 – 30.5.2021

SLSP/swisscovery: Tipps & Tricks I

Eine erste Bilanz nach einem halben Jahr und ein paar Hilfestellungen für die erfolgreiche Recherche

Wir haben Sie an dieser Stelle schon verschiedentlich über die neue Swiss Library Service Platform (SLSP) informiert. Ein halbes Jahr nach dem Start am 7. Dezember 2020 möchten wir nun eine kurze Zwischenbilanz aus unserer Sicht ziehen – nicht zuletzt darum, weil das Projekt durchaus auch kritisch wahrgenommen wurde, sowohl von Teilen der Benutzerschaft wie auch in den Medien.

SLSP wurde aus verschiedenen Gründen eingeführt. Ein treibender Faktor war der Umstand, dass für die Bibliothekssoftware «Aleph», die fast dreissig Jahre in den NEBIS-Bibliotheken im Einsatz war, ein Nachfolgeprodukt gefunden werden musste, welches den heutigen bibliothekarischen Ansprüchen genügt, insbesondere was die Verwaltung von digitalen Medien betrifft. «Alma» von Ex Libris schien diese Ansprüche zu erfüllen und wurde von SLSP als Nachfolgerin von Aleph ausgewählt. SLSP strebt aber auch eine Vereinheitlichung der bisher sehr heterogenen Schweizer Bibliothekslandschaft an. Entsprechend ist auf der Swiss Library Service Platform neben den meisten bisherigen NEBIS-Bibliotheken aus der Deutschschweiz auch ein Grossteil der Bibliotheken vertreten, die bisher dem Westschweizer Verbund RERO angehörten.

Auf SLSP sind rund 470 vorwiegend wissenschaftliche Bibliotheken vertreten. Die Migration von Millionen von Bibliotheksdaten von Aleph zu Alma stellte eine aufwändige und komplexe Herausforderung dar – ebenso wie die momentan laufenden Bereinigungsarbeiten. Im Sozialarchiv waren wir nach der Migration im letzten Dezember positiv überrascht, dass die tägliche Arbeit am Ausleihschalter sofort aufgenommen und die wesentlichen Arbeitsabläufe relativ schnell an die neuen Begebenheiten angepasst werden konnten.

Inzwischen ist aber auch offensichtlich, dass mit und im neuen System noch nicht alles so einwandfrei klappt, wie wir uns das für Sie und auch für uns wünschen. In swisscovery – der neuen Rechercheoberfläche – werden beispielsweise gewisse Informationen nicht oder nicht richtig angezeigt, was die Bestellung von Medien erschwert und/oder ein Nachfragen beim Bibliothekspersonal erfordert. Ausserdem kann die Organisationsstruktur von SLSP mit 29 verschiedenen Bibliotheksgruppen (sog. «Institutionszonen», kurz IZ) für die Kundschaft verwirrend und manchmal auch ärgerlich sein, beispielweise wenn man die gewünschten Medien in seiner Stammbibliothek nicht findet. Manche Kund/innen vermissen auch die Meta-Suchoberfläche swissbib, mit deren Hilfe rasch ein Überblick gewonnen werden konnte und die auch den Katalog der Schweizerischen Nationalbibliothek umfasste, deren Bestände nicht im SLSP-Katalog verzeichnet sind.

An der Behebung der Mängel des neuen Systems wird auf allen Seiten mit Hochdruck gearbeitet. Wir sind zuversichtlich, dass der Zugang zu allen Medientypen in swisscovery laufend optimiert wird, so dass das Potenzial und die Vorteile von SLSP bald ersichtlich werden. Einige möchten wir im Folgenden kurz hervorheben.

Die vielversprechenden Seiten der Swiss Library Service Platform

Wie bereits erwähnt, ist die SLSP in 29 Institutionszonen, sogenannte IZ, aufgeteilt, welche kleine und mittelgrosse Bibliotheken zu grösseren Einheiten bündeln. Eine grosse Bibliothek wie die ETH-Bibliothek in Zürich kann dabei eine eigene IZ bilden – sie besteht ja neben der Hauptbibliothek aus mehreren Campusbibliotheken –, das Sozialarchiv hingegen bildet mit anderen Spezialbibliotheken zusammen die gemeinsame IZ «Spezialbibliotheken Region Zürich». Was das für Sie und die Suche nach Medien bedeutet, finden Sie nachfolgend in der Rubrik «Tipps & Tricks».

Ein grosser Vorteil des neuen Systems besteht darin, dass Sie als Benutzer/in nur noch ein einziges Login und lediglich eine einzige Bibliothekskarte für alle rund 470 Bibliotheken benötigen und im Falle einer Bestellung von Medien keine zusätzlichen Kataloge zu öffnen brauchen, sondern alles direkt in swisscovery anfordern können.

Die Mahngebühren fallen in Zukunft tiefer aus, als sie im NEBIS-Verbund angesetzt waren; ausserdem gelten sie einheitlich für alle SLSP-Bibliotheken. Detaillierte Informationen dazu entnehmen Sie unserer Homepage. Etwas weniger erfreulich sind die 6 Franken, die anfallen, wenn Sie ein Buch per Kurier aus einer anderen Bibliothek bestellen. Dafür haben Sie nun die Möglichkeit, dies in rund 150 Institutionen zu tun, fast dreimal so vielen wie im ehemaligen NEBIS-Verbund! Kommt hinzu, dass gewisse Hochschulen diese Kosten für ihre Angehörigen übernehmen – informieren Sie sich also bei den entsprechenden Bibliotheken.

Falls Sie nur ausgewählte Artikel einer Zeitschrift oder einzelne Kapitel aus einem Buch gescannt und als Datei zugestellt erhalten möchten, können Sie diesen Auftrag nun auch bequem über swisscovery abschicken, das heisst, Sie müssen dafür keine separate E-Mail mehr schreiben.

Dies sind einige Vorteile, die SLSP heute schon bietet; Potenzial hat sicher auch der Zugang zu digitalen Medien, der laufend verbessert werden soll.

Tipps & Tricks für die Recherche auf swisscovery

Um Ihnen die Suche nach gewünschten Medien auf swisscovery, der Rechercheoberfläche von SLSP, zu erleichtern, möchten wir an dieser Stelle und auch in den folgenden Nummern des SozialarchivInfo ein paar hilfreiche Hinweise zur Recherche geben:

Tipp Nr. 1: Melden Sie sich immer zuerst in swisscovery an:
Um sich jeweils alle Daten zu gewünschten Medien in swisscovery (https://swisscovery.slsp.ch) anzeigen zu lassen, ist es von Vorteil, wenn Sie sich, bevor Sie suchen, zuerst mit Ihrer SWITCH edu-ID einloggen. Bei der Anmeldung in swisscovery erscheint eine Liste mit den oben erwähnten Institutionszonen (IZ). Sie können sich grundsätzlich in jeder IZ anmelden, vorzugsweise wählen Sie aber diejenige IZ aus, in der Sie am meisten Medien ausleihen wollen. Möchten Sie also Medien im Sozialarchiv ausleihen, wählen Sie an dieser Stelle «Spezialbibliotheken Region Zürich».

Alternativ können Sie die Bestände des Sozialarchivs auch direkt durchforsten, indem Sie über die Sozialarchiv-spezifische swisscovery-Suchoberfläche (https://bib.sozialarchiv.ch) einsteigen.
Wenn Sie über diese URL gehen, werden Ihnen bei der Suche immer zuerst Rechercheergebnisse für das Sozialarchiv angezeigt. Selbstverständlich können Sie auch von dieser Seite aus sämtliche SLSP-Bibliotheken durchsuchen – ein Wechsel des Suchbereichs im Suchbalken reicht dazu aus.

Tipp Nr. 2: Schränken Sie Ihren Suchbereich (Scope) ein oder erweitern Sie ihn – je nachdem:
Ein Beispiel: Sie interessieren sich dafür, was die «Philosophie» zu «Gewalt» und «Rassismus» zu sagen hat, und geben diese drei Begriffe im Suchschlitz auf https://bib.sozialarchiv.ch, der swisscovery-Suchoberfläche des Sozialarchivs, ein. Wählen Sie fürs Erste auch als Suchbereich «Schweizerisches Sozialarchiv» aus – vielleicht reicht Ihnen ja die Auswahl an Büchern, die das Sozialarchiv zu diesem Thema zur Verfügung stellt. Unter den 16 Treffern finden Sie nun etwa den Titel «Politik der Feindschaft» von Achille Mbembe. Sie wissen aber, dass es noch ein anderes Buch von diesem Autor zum Thema gibt, das irgendwie auf Immanuel Kant Bezug nimmt. Deshalb erweitern Sie jetzt Ihren Suchbereich für die drei Begriffe auf «swisscovery» (mit dem Aufklappmenü rechts vom Suchschlitz, dann nochmals auf das Lupensymbol klicken). Damit werden die Bestände aller rund 470 SLSP-Bibliotheken durchsucht, die in swisscovery verzeichnet sind. Nun erhalten Sie 280 Ergebnisse – das ist Ihnen eventuell ein bisschen zu viel…

Tipp Nr. 3: Optimieren Sie Ihre Suchergebnisse – nutzen Sie die zahlreichen Filter im linken Menübereich:
In unserem Beispiel scrollen Sie deshalb hinunter bis zum Filter «Urheber_in» und wählen «Mbembe, Achille» aus. Und voilà: Jetzt bekommen Sie direkt auch das Buch «Kritik der schwarzen Vernunft» angezeigt, welches Sie im Kopf hatten, und müssen es nur noch bestellen, z. B. bei der Jesuitenbibliothek Zürich, die ebenfalls zur IZ «Spezialbibliotheken Region Zürich» gehört.

Enge Wohnverhältnisse in einer Arbeiterwohnung in Zürich im Jahr 1909, fotografiert für die Schweizerische Heimarbeiterausstellung (SozArch F 5068)
Enge Wohnverhältnisse in einer Arbeiterwohnung in Zürich im Jahr 1909, fotografiert für die Schweizerische Heimarbeiterausstellung (SozArch F 5068)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Heinz Looser und Lisbeth Herger: Not wenden. Vom Armenverein Winterthur zur Familien- und Jugendhilfe FUJH, 1870–2020. Winterthur, 2020

Der einstige «Freiwillige Armenverein Winterthur» heisst heute «Verein Familien- und Jugendhilfe Winterthur» (FUJH) und legt zu seinem 150-jährigen Jubiläum eine kleine, aber feine Festschrift vor. Lange waren Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit bestimmende Themen in der Stadt: So liest man etwa von Familien, die sich ein einziges Bett teilten, bis es in der feuchten Wohnung irgendwann morsch zusammenbrach. Oder man begegnet einem begabten Arbeiterkind ohne Aussicht auf eine Ausbildung. In beiden Fällen sprang der Armenverein ein: Er ersetzte der Familie das Bett und verhalf dem jungen Mann zu einer Lehrstelle.
Die historische Aufarbeitung der Vereinsgeschichte zeigt auf eindrückliche Art und Weise das Zusammenspiel von Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Stadt Winterthur. Entstanden ist ein attraktiv bebilderter Band (viele Fotos stammen aus dem Sozialarchiv), der zeigt, dass die Probleme der Bevölkerung heutzutage zwar anders gelagert sind, die Institution mit ihren Angeboten wie Familienbegleitung oder Kinderbetreuung in Krisensituationen aber nach wie vor unentbehrlich ist.

Marie-Isabelle Bill: Interniert. Polnisch-schweizerische Familiengeschichten. Herausgegeben von der Interessengemeinschaft der Nachkommen internierter Polen in der Schweiz. Zürich, 2020

Mitte Juni 1940 gewährte die Schweiz 12’500 polnischen Soldaten Schutz als Internierte und nahm während des Krieges auch polnische Zwangsarbeiter oder Flüchtlinge aus Deutschland auf. Die Einheimischen akzeptierten die Internierten bereitwillig. Trotz eines entsprechenden Verbots entstanden viele polnisch­schweizerische Beziehungen und Ehen.
Schweizerinnen verloren bei der Heirat mit einem Ausländer ihr Bürgerrecht – vor den Frischvermählten lag also eine ungewisse Zukunft. Sie mussten ausreisen, suchten ihr Glück in Frankreich, England oder Übersee, manche aber auch in Polen. Einige kehrten in der Folge wieder in die Schweiz zurück. Andere konnten oder wollten nicht heiraten, womit uneheliche Kinder, sogenannte «Polenkinder», geboren wurden. Die Geschichten dieser Familien sind traurig oder glücklich, aufregend oder normal. Sie zeigen die mannigfaltigen Ursprünge polnisch-schweizerischer Verbindungen und die Spuren, die Krieg, Flucht und Internierung im Leben hinterlassen.

Franziska Rogger: «Wir werden auf das Stimmrecht hinarbeiten!» Die Ursprünge der Schweizer Frauenbewegung und ihre Pionierin Julie Ryff (1831–1908). Basel, 2021

Das Buch dokumentiert erstmals und mit neuen Fakten, wie Schweizer Frauen Ende des 19. Jahrhunderts begannen, gegen die patriarchale Ordnung zu kämpfen und sich zu organisieren. Franziska Rogger untersucht, wie sie sich national und international zusammenschlossen – in kaum bekannten Komitees und Gruppen in Genf oder in Bern. Erst baten engagierte Schweizerinnen die Herren in Bittschriften um konkrete Verbesserungen ihrer Lebensumstände. Schliesslich wurde klar, dass dafür Gesetzesänderungen notwendig waren. Als nicht stimmberechtigt waren Frauen von der Gesetzesarbeit indes ausgeschlossen.
Zentrale Figur der Bewegung war die in Basel geborene Julie Ryff (1831–1908). Das Buch stellt mit ihrem Porträt das Leben einer politisch aktiven Frau aus dem späteren 19. Jahrhundert vor und zeigt, wie Schweizerinnen in früheren Jahren ihre Erfahrungen pragmatisch und über viele juristische und vereinspolitische Wege zu politischen Forderungen verdichteten, auf dass hundert Jahre später das Frauenstimm- und -wahlrecht errungen werden konnte.

Benutzte Archivbestände zum Thema im Sozialarchiv (Auswahl):

  • Ar 6 Frauenstimmrechtsverein Zürich
  • Ar 29 Schweizerischer Verband für Frauenstimmrechte (SVF)
  • Ar 591 Freundinnen junger Mädchen (FJM)

Start geglückt – swisscovery von SLSP ist online

Seit dem 7. Dezember 2020 ist der neue Bibliothekskatalog swisscovery der neuen gesamtschweizerischen Bibliotheksplattform SLSP (Swiss Library Service Platform) in Betrieb und alle eingeschriebenen Benutzer/innen haben nun Zugang zu Medien von rund 475 Bibliotheken in der ganzen Schweiz.

Wenn Sie diesen Text lesen, werden Sie also die neue Suchoberfläche swisscovery von SLSP möglicherweise schon getestet (Kompliment!) und sich hoffentlich auch erfolgreich registriert und eingeloggt haben (herzlich willkommen bei SLSP!). Allenfalls haben Sie sogar schon Bücher aus der Bibliothek des Sozialarchivs ausgeliehen (wir gratulieren!). Falls Sie noch nicht so weit gekommen sind – auch kein Problem: Die Neuregistrierung können Sie jederzeit vornehmen.

Nachfolgend nochmals einige Informationen zur Erinnerung:

  • Registrierung: Bibliothekskund/innen müssen ein SWITCH edu-ID-Konto besitzen, um von den swisscovery-Dienstleistungen Gebrauch machen zu können. Hier können Sie sich registrieren: https://registration.slsp.ch/
    Falls Sie bei der Registrierung Hilfe benötigen, können Sie sich jederzeit telefonisch oder vor Ort an unser Personal wenden, wir unterstützen Sie gerne!
    > Tipp: Nehmen Sie sich etwas Zeit und unterbrechen Sie den Registrierungsvorgang nicht.
  • Ausweise: Bisherige Bibliothekskarten können weiterhin gebraucht werden.
  • „Alte“ Ausleihen: Über den Link recherche.nebis.ch können Sie diejenigen Ausleihen einsehen, welche Sie noch über Ihr NEBIS-Konto getätigt haben. Benützen Sie dafür Ihre bisherigen Login-Daten.
  • „Neue“ Ausleihen“: Ausleihen, die Sie bereits über swisscovery gemacht haben, können Sie in Ihrem neu erstellten SLSP-Konto via SWITCH edu-ID kontrollieren.
  • SLSP-Courier: Der SLSP-Courier ermöglicht Ihnen, sich innerhalb von 48 Stunden Bücher von einer Bibliothek in eine andere liefern zu lassen gegen eine Gebühr von CHF 6.- pro bestelltem Dokument. Gewisse Hochschuleinrichtungen übernehmen diese Gebühr für ihre Angehörigen, klären Sie dies bei Ihrer Hochschule ab.

Wichtig: SLSP beziehungsweise swisscovery löst den bisherigen NEBIS-Katalog ab, jedoch nicht die Sozialarchiv-eigenen Datenbanken der Sachdokumentation (sachdokumentation.ch) und des Archivs (findmittel.ch und bild-video-ton.ch). Archivunterlagen, bewegte und unbewegte Bilder sowie thematische Dossiers mit Broschüren oder Zeitungsausschnitten bestellen Sie unverändert wie bisher.

> Informationen rund um SLSP und swisscovery finden Sie auch hier: nebis.ch/de/swisscovery/
Und natürlich können Sie sich bei Fragen jederzeit an unser Bibliothekspersonal wenden.

Erstmalig gab es an einer nationalen Ausstellung ein konfessionelles Programm und mit dem «SAFFA-Kirchlein» einen eigens dafür konzipierten Gottesdienstraum (SAFFA 1958, SozArch F Fd-0003-47)
Erstmalig gab es an einer nationalen Ausstellung ein konfessionelles Programm und mit dem "SAFFA-Kirchlein" einen eigens dafür konzipierten Gottesdienstraum (SAFFA 1958, SozArch F Fd-0003-47)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Evelyne Zinsstag und Dolores Zoé Bertschinger: «Aufbruch ist eines, und Weitergehen ist etwas anderes». Frauenräume: von der Saffa 58 über das Tagungszentrum Boldern zum Frauen*Zentrum Zürich. Wettingen, 2020

Die zweite Schweizerische Ausstellung für Frauenarbeit (SAFFA) 1958 in Zürich war nicht einfach «eine hübsche, bunte Schau mit viel traulich-fraulichem Drum und Dran». Die SAFFA 58 war auch der Gründungsort der ökumenischen Frauenbewegung in der Deutschschweiz. Von den Verflechtungen der kirchlichen und der säkularen Frauenbewegung einerseits und den Theologinnen Ruth Epting, Else Kähler und Marga Bührig andererseits handelt der erste Teil dieses Buches.

Das «SAFFA-Kirchlein» war ein Frauenraum, in dem religiöse Frauen eine neue Formensprache für sich entdeckten. Diese Erfahrungen entwickelten Marga Bührig und Else Kähler am Evangelischen Tagungszentrum Boldern weiter, wo sie mit jüngeren Frauen in Austausch traten. Der Frauenbewegung als einer «Tradition der Frauen» und dem intergenerationellen Gespräch, wie es heute im Frauen*Zentrum gepflegt wird, ist der zweite Teil des Buches gewidmet.

Rebecca Hesse [et al.]: Aus erster Hand. Gehörlose, Gebärdensprache und Gehörlosenpädagogik in der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert. Zürich, 2020

Gehörlose galten im 19. und 20. Jahrhundert lange als «Behinderte». Zu ihren Eigenheiten gehörte die Gebärdensprache, eine Ausdrucksform, die sie vom Rest der Gesellschaft trennte. Heute verstehen sich Gehörlose als «kulturelle Minderheit». Ihre Identität gründet zu einem wesentlichen Teil auf der Gebärdensprache. Gehörlosigkeit pauschal als Behinderung abzustempeln, lehnen sie ab.

Das neu erschienene Buch beleuchtet die wechselhafte Geschichte der Gehörlosen in der Schweiz im 19. und 20. Jahrhundert. Im Mittelpunkt stehen die Orte, an denen sich die hörende Gesellschaft und die Gehörlosengemeinde begegneten, insbesondere die Taubstummenanstalten und späteren Sprachheilschulen, die bis in die 1980er Jahre nach der Lautsprachmethode unterrichteten. Die Studie stützt sich auf breite Archivbestände und zahlreiche Interviews.

Jacques Picard, Angela Bhend (Hrsg.): Jüdischer Kulturraum Aargau. Baden/Zürich, 2020

Im aargauischen Surbtal zeugt ein reiches Kulturerbe von der jüdischen Geschichte der beiden Dörfer Endingen und Lengnau. Im 18. Jahrhundert war die jüdische Bevölkerung der Schweiz gezwungen, in diesen beiden Gemeinden zu leben. Im Lauf des 19. Jahrhunderts errangen die Schweizer Jüdinnen und Juden nach und nach die gleichen Rechte wie ihre nichtjüdischen Landsleute. Der gesellschaftliche Wandel führte zu einer Abwanderung in Schweizer Städte und ins Ausland.

So weist der jüdische Kulturraum Aargau über sich hinaus in die Welt. Das reich bebilderte Buch schildert auf eindringliche Art die Geschichte und Gegenwart des jüdischen Aargaus, die in weiten Teilen eine Geschichte der Jüdinnen und Juden in der Schweiz ist. Über 40 Autorinnen und Autoren legen Zeugnis ab vom jüdischen Alltag, der Emanzipation, den Bedrohungen in schwerer Zeit, aber ebenso vom Erfolg der Schweizer Jüdinnen und Juden weltweit.

3.9.2020-17.1.2021: Ausstellung „Zürich 1980“ im ZAZ

Vor 40 Jahren wurde Zürich von einer urbanen Revolte erschüttert. Es war eine Rebellion gegen einen normierten und kontrollierten Alltag, gegen ein biederes, engstirniges und repressives soziales Klima, ein erbitterter und lustvoller Kampf für ein anderes urbanes Leben. Die Revolte hat zwei Jahre angehalten und das gesellschaftliche und kulturelle Leben Zürichs grundlegend verändert, mit Auswirkungen, die bis heute sichtbar sind.

In Zusammenarbeit mit Christian Schmid (Stadtforscher, ETH Zürich) und Silvan Lerch (Kulturjournalist) hat das Sozialarchiv aus diesem Anlass die Ausstellung „Zürich 1980“ im Zentrum Architektur Zürich (ZAZ) konzipiert. In dieser Ausstellung schauen wir zurück und nach vorn – in eine bewegte Vergangenheit und eine ungewisse Zukunft.

„Zürich 1980“ besteht im Wesentlichen aus zwei Zugängen zum Thema. Zum einen zeigen wir Fotos von Gertrud Vogler (1936-2018) – sie ist den regelmässigen Leser*innen des SozialarchivInfos inzwischen bestens bekannt. Vogler gehörte zu den wichtigsten zeitgenössischen FotografInnen Zürichs. Sie arbeitete für verschiedene Publikationen und übernahm 1981 die Bildredaktion der WoZ. Vogler konnte Aufnahmen von Orten machen, zu denen anderen der Zutritt verwehrt blieb oder wo sie sich gar nicht erst hin getrauten. Als Chronistin des Alltags und der sozialen Bewegungen schuf sie ein Werk von über 200’000 Fotografien, das heute im Schweizerischen Sozialarchiv der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die erste grössere Einzelausstellung zeigt Einblicke in bewegte Zeiten zwischen 1977 und 1993.

Zum anderen widmet sich die Ausstellung unter dem Titel «Poetische Provokationen» der Sprache der Bewegung. Mit Zeitschriften, Songtexten, Videos, Tonaufnahmen, Flugblättern und Büchern zeigen wir, wie sich die 80er Bewegung Ausdruck verschaffte. Als Interventionsmedien zur Etablierung einer Gegenöffentlichkeit gedacht, verströmen die Texte bis heute eine besondere Kraft und entwickeln einen eigentlichen Sog. Sie sind oft überraschend, explosiv, radikal und militant und entfalten zugleich sinnliche Verspieltheit, Witz und (Selbst-)Ironie.
Dieser Teil der Ausstellung sollte ursprünglich im Museum Strauhof gezeigt werden, fiel aber wie so vieles der Corona-Pandemie zum Opfer. Verantwortlich für die «Poetischen Provokationen» sind Silvan Lerch und Anja Nora Schulthess („Zürcher Mittelmeerfraktion – Verein für unerhörte Stadtgeschichten“).

3. September 2020 bis 17. Januar 2021
Zentrum Architektur Zürich (ZAZ), Höschgasse 3, 8008 Zürich

> Der Zutritt zu allen Veranstaltungen ist coronabedingt beschränkt. Bitte informieren Sie sich vor Ihrem Besuch auf der Homepage des ZAZ und melden Sie sich über anmeldung@zaz-bellerive.ch zu den jeweiligen Veranstaltungen an.

> Ausstellungsflyer herunterladen (PDF, 2’690 KB)

> Weitere Informationen und Angaben zum umfangreichen Begleitprogramm

SLSP und swisscovery – was für Sie als Bibliotheksbenutzer/in wichtig ist

Am 7. Dezember 2020 um 10 Uhr ist es soweit: swisscovery und die weiteren Dienste von SLSP (Swiss Library Service Platform) lösen die aktuellen Bibliotheksverbünde (u.a. NEBIS) und die bisherigen Rechercheportale schweizweit ab. Als Bibliothekskund/in haben Sie ab dann neu über eine einzige Rechercheplattform namens swisscovery Zugriff auf den gesamten wissenschaftlichen Medienbestand der Schweiz.

Das Wichtigste in Kürze:

Was ist swisscovery?
Die neue nationale Rechercheplattform swisscovery verzeichnet insgesamt mehr als 30 Millionen Bücher, Serien, Zeitschriften und Non-Book-Materialien sowie mehr als 3 Milliarden elektronische Artikel. Betrieben wird swisscovery von der Swiss Library Service Platform, kurz SLSP. Die SLSP wurde von 15 Hochschulen ins Leben gerufen. Bis heute haben sich schweizweit 475 Bibliotheken angeschlossen.

Benutzerkonto / Wo kann ich mich registrieren?
Bibliothekskund/innen müssen ein SWITCH edu-ID-Konto besitzen, um von den swisscovery-Dienstleistungen Gebrauch machen zu können. Hier können Sie sich registrieren: https://registration.slsp.ch/

> Bitte beachten Sie:

  • Falls Sie noch kein SWITCH edu-ID-Konto besitzen, können Sie dieses während der Registrierung einrichten.
  • Wir empfehlen Ihnen, den Strichcode Ihres bestehenden Bibliotheksausweises zu erfassen, damit Sie diesen weiterhin verwenden können.
  • Hilfe zur Registrierung finden Sie auf: https://registration.slsp.ch/help/

Nach erfolgreicher Registrierung bei SLSP können Sie Ihr SWITCH edu-ID-Konto schweizweit für alle SLSP-Bibliotheken verwenden (es gibt keine separaten Konten pro Bibliothek oder Verbund mehr).

Kann ich meine aktuelle Bibliothekskarte behalten?
Ja, Sie haben die Möglichkeit, die Nummer (Strichcode) Ihres Bibliotheksausweises bei der Registrierung anzugeben.

Muss ich mich nach der Registrierung am Schalter meiner Bibliothek ausweisen?
Nein, Sie müssen sich nicht ausweisen. Ihre Handynummer wird bei der Registrierung verifiziert.

Wieso funktioniert mein bisheriges Bibliothekskonto nicht mehr?
Die alten Bibliothekskonten sind in swisscovery nicht mehr gültig. Um die Bibliotheksdienstleistungen weiterhin nutzen zu können, müssen Sie ein SWITCH edu-ID-Konto besitzen.

Wo kann ich meine Ausleihen aus dem NEBIS-Verbund noch einsehen?
Ihre Ausleihen können Sie unter https://recherche.nebis.ch/ bis März 2021 einsehen. Verwenden Sie hierfür Ihr bestehendes, bisheriges Bibliothekslogin.

Wieso kann ich meine Ausleihen in meinem NEBIS-Konto nicht mehr verlängern?
Eine Verlängerung ist technisch nicht mehr möglich.

Wieso werden meine Reservationen und meine Ausleihhistorie nicht in swisscovery übernommen?
Eine Migration der Reservationen und Ausleihhistorien in das neue System ist aus technischen und datenschutzrechtlichen Gründen leider nicht möglich. Ab dem 7. Dezember können Sie Dokumente in swisscovery neu reservieren.

Wo kann ich meine Ausleihen in swisscovery einsehen?
Ab dem 7. Dezember 2020 können Sie Ihre Ausleihen in Ihrem Konto im swisscovery-Portal Ihrer Bibliothek einsehen.

Was ist der SLSP-Courier und wer nimmt am SLSP-Courier teil?
Der SLSP-Courier vernetzt wissenschaftliche Bibliotheken aus der ganzen Schweiz miteinander und löst die bisherigen Kurierdienste wie IDS-Kurier und NEBIS-Ausleihverbund ab. Der SLSP-Courier ermöglicht Ihnen, sich innerhalb von 48 Stunden Bücher von einer Bibliothek in eine andere liefern zu lassen gegen eine Gebühr von CHF 6.- pro bestelltem Dokument. Ob eine Bibliothek am SLSP-Courier teilnimmt, sehen Sie bei der Bestellung.

Benutzungsänderungen
Mit dem Start der neuen Rechercheplattform swisscovery am 7. Dezember 2020 gibt es auch Änderungen in der Benutzungsordnung der Bibliotheken (u.a. bei den Gebühren). Bitte informieren Sie sich jeweils direkt auf den Websites der einzelnen Bibliotheken.

> Mehr Informationen rund um SLSP und swisscovery finden Sie auch hier: https://www.nebis.ch/de/swisscovery/

 

Verkaufsstelle der staatlichen Lebensmittelfürsorge auf dem Marktplatz in Basel, um 1916 (SozArch F Fc-0004-06, Foto: Benziger)
Verkaufsstelle der staatlichen Lebensmittelfürsorge auf dem Marktplatz in Basel, um 1916 (SozArch F Fc-0004-06, Foto: Benziger)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Maria Meier: Von Notstand und Wohlstand. Die Basler Lebensmittelversorgung im Krieg, 1914-1918. Zürich, 2020

Wie wirkte sich der Erste Weltkrieg auf die Lebensmittelversorgung der neutralen Schweiz aus? Dieser Frage geht die Dissertation von Maria Meier am Beispiel von Basel-Stadt nach. Sie zeigt, wie eng verflochten Basel mit dem kriegführenden Ausland war. Wenngleich der Stadtkanton von militärischen Verwüstungen verschont blieb, war er materiell direkt vom Krieg betroffen. Der lokale Lebensmittelmarkt war dabei ein zentraler Ort der Kriegserfahrung, die von Teuerung, Verteilkonflikten und Knappheit geprägt war.

Die Autorin untersucht, wie der Krieg die Nahrungsmittelversorgung einer städtischen Gesellschaft beeinflusste, wie die Behörden auf Versorgungs- und Verteilungsprobleme reagierten und welche Folgen dies für die Ernährung der Zivilbevölkerung hatte. Die Verschiebung der Verhältnisse zeigt sich unter anderem in den Panikkäufen im Sommer 1914, im täglichen Grenzverkehr und in der städtischen «Anbauschlacht». Teuerung und Lebensmittelknappheit stürzten die lohnabhängige Bevölkerung trotz Kriegskonjunktur in grosse Not. Gegen den Versorgungsmissstand reagierte der Staat erst 1916/17: Der Wucherhandel wurde bekämpft, Lebensmittel wurden kontingentiert und rationiert. Für die Bevölkerung wurden Volksküchen eingerichtet, und die Notstandsaktion ermöglichte zahlreichen bedürftigen Familien den Kauf von verbilligten Lebensmitteln.

Agnes Hirschi, Charlotte Schallié (Hrsg.): Unter Schweizer Schutz. Die Rettungsaktion von Carl Lutz während des Zweiten Weltkriegs in Budapest – Zeitzeugen berichten. Zürich, 2020

Zwischen März 1944 und Januar 1945 leitete der Schweizer Vizekonsul Carl Lutz (1895–1975) in Budapest eine umfangreiche Rettungsaktion. Lutz und sein Rettungsteam haben schätzungsweise mehr als 50’000 Schutzbriefe ausgestellt und verfolgte Jüdinnen und Juden in 76 sogenannten Schweizer Schutzhäusern untergebracht, womit sie Zehntausende vor Deportationen, Erschiessungen und Todesmärschen bewahrten.

«Unter Schweizer Schutz» enthält Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Berichte, Briefe und Vorträge von Überlebenden – Dokumente, die über einen Zeitraum von 25 Jahren entstanden. Diese belegen nicht nur die selbstlosen Taten von Carl Lutz, sondern zeigen auch das Handeln vieler anderer Menschen, welche die Rettung von ungarischen Jüdinnen und Juden möglich machten, darunter auch Mitglieder der zionistischen Jugendbewegung.

André Seidenberg: Das blutige Auge des Platzspitzhirschs. Meine Erinnerungen an Menschen, Seuchen und den Drogenkrieg. Zürich, 2020

André Seidenberg hat 1991 die Arbeitsgemeinschaft für risikoarmen Umgang mit Drogen – kurz Arud – mitbegründet und war selbst bis 1996 als Leitender Arzt dort tätig. Mit der Gründung dieser Anlaufstelle für Drogensüchtige wollte man der repressiven Drogenpolitik von damals entgegentreten, um eine weitere Verelendung der Betroffenen zu verhindern.

Im vorliegenden Buch erinnert sich Seidenberg an diese Zeit und vor allem an die Menschen, die damals in der Zürcher Drogenszene verkehrten. Er erzählt beispielsweise von «Pinguin», der an Aids erkrankt war und auf unerwartet positive Weise auf die Therapie ansprach, oder von «Düdü», der immer auf Kokain war und nach einem Aufenthalt in Nigeria an Malaria starb. Die eindringlichen Porträts werden im Anhang durch einige Kapitel zum geschichtlichen und drogenpolitischen Kontext ergänzt.

> Das Sozialarchiv besitzt den Gesamtbestand der 2018 verstorbenen Fotografin Gertrud Vogler (SozArch F 5107). Diese hat die Drogenszenen im Zürich der 1980er und 1990er Jahre visuell in einmaliger Weise dokumentiert.