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Vor 100 Jahren: Abschied von «Papa Greulich»

Alte weisse Männer mit patriarchalem Aussehen gelten in der heutigen Politik bekanntlich als uncool. Völlig neu ist dieses Phänomen nicht: Herman Greulich, die Vaterfigur der Deutschschweizer Arbeiterbewegung, musste diese Form von Bodyshaming bereits vor dem Ersten Weltkrieg erleben. Ausweislich der Memoiren von Willi Münzenberg rüffelte Greulich um 1911 an einer Versammlung der Arbeiterunion Zürich die Delegation der «Jungburschen», der zu jener Zeit unter dem Einfluss des anarchistischen Arbeiterarztes Fritz Brupbacher stehenden Ur-Jusos, mit den Worten «Und wenn schon vor nichts anderem, so darf ich doch Achtung vor meinen grauen Haaren erwarten!», worauf ihm ein Jungbursche entgegenrief: «Ich habe noch keinen Esel gesehen, der keine grauen Haare hätte!»

Greulich war allerdings trotz seiner zu jenem Zeitpunkt zahlreichen politischen Mandate kein in Amt und Würden ergrauter Vertreter des Establishments. Er entstammte den untersten Gesellschaftsschichten, besass, wie man heute sagen würde, einen «Migrationshintergrund» und hatte sich seinen sozialen Aufstieg, auch unterbrochen von herben Rückschlägen, hart erarbeiten müssen. Sein jahrzehntelanges Engagement für Sozialpolitik, Gewerkschaftsorganisation, Frauenrechte, Demokratie, Arbeiterbildung und Völkerversöhnung wurde dann in der Zwischenkriegszeit auch von den Nachfolger:innen der «Jungburschen» gewürdigt. So gab es in den 1930er Jahren bei der Sozialistischen Arbeiterjugend Zürich (SAJ) vier nach bekannten Führern der Arbeiterbewegung benannte Jung-SAJ-Gruppen: dem 1918 verstorbenen Gründer der österreichischen Sozialdemokratie Victor Adler, dem 1919 von rechtsradikalen Offizieren ermordeten deutschen Spartakistenführer Karl Liebknecht, dem 1924 von den Faschisten ermordeten italienischen Sozialisten Giacomo Matteotti – sowie dem 1925 verstorbenen Herman Greulich.

Eine Beerdigung als Grosskundgebung

Am Nachmittag des Sonntags, 8. November 1925, verbreitete sich die Nachricht vom Tod des 83-jährigen Herman Greulich. Hatte sich dieselbe Meldung, als sie ein Jahrzehnt zuvor bereits einmal zirkuliert war, als Fake-News erwiesen, so traf sie dieses Mal zu. Noch zwei Wochen vor seinem Tod war Greulich bei den Nationalratswahlen mit der höchsten Stimmenzahl aller Kandidaten des Kantons Zürich im Amt bestätigt worden und hätte bei der Wintersession 1925 die grosse Kammer ein drittes Mal als Alterspräsident eröffnen können. In seinem Nationalratspult fand man nach seinem Tod den handschriftlichen Entwurf für einen weiteren Vorstoss zugunsten des Frauenstimmrechts. Fünf Tage vor seinem Tod hielt Greulich im Zürcher Kantonsrat eine letzte Rede zur Verteidigung der 48-Stunden-Woche. Für die Sitzung des Bundeskomitees des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) vom 6. November liess er sich wegen «Unpässlichkeit» entschuldigen, für seinen Todestag wäre ein Vortrag in Rorbas unter dem Titel «Papa Greulich kommt zu den Textilarbeitern!» zu «Vergangenheit und Zukunft der Spinn- und Weberei» vor den Belegschaften krisengeschüttelter Textilfabriken vorgesehen gewesen.

Greulichs Tod zog in der sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Presse über die Landesgrenzen hinaus umfangreiche Nachrufe nach sich. Einige Blätter brachten auch Artikel über den genauen Verlauf von Greulichs letzter Lebenswoche. Die religiös-sozialistischen «Neuen Wege» schrieben: «Mit Hermann Greulich ist die überragendste Gestalt der schweizerischen Sozialdemokratie dahin. Wie eine alte Eiche inmitten niedrigeren Waldes ist er gestanden, und die leere Stelle, die dadurch entstanden, ist gross und empfindlich.» Auch die bürgerliche Presse würdigte den Verstorbenen – und hob ihn teilweise positiv von seinen jüngeren Genoss:innen ab. Kondolenzschreiben gingen nicht nur von vielen Privaten und den Organisationen der schweizerischen Arbeiterbewegung ein, sondern etwa auch vom Bundesrat, dem Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement, dem Regierungsrat des Kantons Zürich, dem Büro des Zürcher Kantonsrates, Regierung und Parlament der Stadt Zürich, dem Schweizerischen Bauernsekretariat, dem Vorort des Schweizerischen Handels- und Industrie-Vereins, dem Verwaltungsrat der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA), dem Konkordat der Krankenkassen, dem Kaufmännischen Verein Zürich, der International Labour Organization (ILO) des Völkerbundes in Genf, der Internationalen Vereinigung für sozialen Fortschritt sowie von Arbeiterorganisationen und Privaten aus Deutschland, Österreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Dänemark, Schweden, der Tschechoslowakei und Ungarn. Der Bundesrat würdigte den Verstorbenen in seinem Kondolenzschreiben als «eine der einprägsamsten Gestalten» der Schweizer Politik: «In jungen Jahren schon hat Hermann Greulich sein Lebensziel erfasst und sich mit unermüdlichem Eifer das geistige Rüstzeug angeeignet, dessen er bedurfte, um seine Aufgabe zu erfüllen. Seinem treuen Wirken auf sozialpolitischem Gebiet sind grosse Erfolge beschieden gewesen. (…) Ueberall hat der Kenntnisreiche, über eine lange politische Erfahrung verfügende Führer seiner Partei, der in der Sorge für die Hebung der Arbeiterschaft ergraute Arbeitersekretär, der gewandte, schlagfertige Redner grossen Einfluss ausgeübt, und sein Wirken auf dem Gebiet des Arbeiterschutzes fand weit über die Grenzen der Schweiz hinaus gebührende Anerkennung. Ein Mann aus eigener Kraft, ging er seinen Weg, und ein gütiges Geschick hat ihm vergönnt, bis in sein hohes Alter der Sache zu dienen (…).»

Greulichs Leichnam wurde inmitten von Kränzen und Blumenarrangements für zwei Tage im Zürcher Volkshaus aufgebahrt, wo etwa 15’000 Menschen von ihm Abschied nahmen. Am Mittwoch, 11. November, fand die Bestattung statt. Sie gestaltete sich wie zuvor die Beerdigungen von Karl Bürkli 1901 und August Bebel 1913, an denen Greulich noch Trauerreden gehalten hatte, als Massenanlass. An der Trauerfeier in der restlos gefüllten Aussersihler St. Jakobskirche sprachen der designierte Vize-Präsident des Nationalrats Robert Grimm namens der Bundesversammlung, der sozialdemokratischen Bundeshausfraktion und der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, Oberrichter, Kantonsrat und Altstadtrat Otto Lang namens der Sozialdemokratischen Parteien von Kanton und Stadt Zürich, SGB-Präsident und Nationalrat Oskar Schneeberger namens der Gewerkschaften, Friedrich Adler namens der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes und Albert Thomas namens der ILO.

Im Anschluss formierte sich ein mehrere hundert Meter langer Trauerzug zum Zentralfriedhof Sihlfeld. Der Leichenwagen wurde von zwei Pferden mit schwarzen Schabracken gezogen. Ihm voran schritt die Stadtmusik Zürich und intonierte Chopins «Marche Funèbre». Unter den über 10’000 Personen im Trauerzug befanden sich der demokratische Stadtpräsident Hans Nägeli, Vertretungen von Stadt- und Regierungsrat sowie aller Parlamentsfraktionen von Stadt und Kanton Zürich, ein grosser Teil der sozialdemokratischen Nationalratsfraktion, alle lokalen sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen Organisationen Zürichs sowie Vertretungen des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Arbeiterorganisationen Deutschlands und Belgiens. Im Trauerzug wurden etwa 150 Fahnen und 70 Kränze mitgeführt und es schritten mehrere Musikkorps mit.

Im Krematorium des Zentralfriedhofs fand eine Abdankungsfeier im kleineren Kreise mit Ansprachen des Winterthurer Pfarrers und Kantonsrats Albert Reichen und der ehemaligen Arbeiterinnensekretärin Marie Hüni sowie Orchester- und Orgelvorträgen statt. Ebenso gab es eine Abschiedskundgebung auf der Fritschiwiese mit einer Rede von SP-Präsident Ernst Reinhard sowie Musik- und Gesangsvorträgen. Zur Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten hatte das städtische Personal auf Wunsch wenn immer möglich frei bekommen. Die Trauerreden wurden in der Folge in einer Gedenkbroschüre von der SP des Kantons Zürich publiziert. Auch an anderen Orten fanden Trauerfeiern statt, so in der Französischen Kirche in Bern mit einer Rede von Robert Grimm.

Die Trauerfeierlichkeiten hatten ein unschönes Nachspiel: Auf eine anonyme Kritik der rechtsbürgerlichen «Neuen Berner Zeitung» am angeblichen Missbrauch der Feierlichkeiten für sozialistische Agitation («Leichenverwertung») entgegnete Robert Grimm in der «Berner Tagwacht» mit einer giftigen Replik: «Wer diese Sätze schrieb, ist ein Lump. Wer sie schrieb, ist mir nicht bekannt. Will sich der Urheber zu erkennen geben und mit dem Namen zu seiner Niedertracht stehen, bin ich bereit, ihm unter Zeugen ins Gesicht zu sagen, dass er ein Lump ist» (Berner Tagwacht, 13.11.1925). Der Redaktor der «Neuen Berner Zeitung» reagierte mit einer Ehrverletzungsklage, die 1926 aber vom Berner Obergericht abgewiesen wurde. Die Urne mit Greulichs Asche wurde in der Folge im Friedhof Rehalp beigesetzt, wo der SGB ein bis heute bestehendes Grabmal mit Greulichs Relief errichten liess.

Von der Breslauer Armenschule in den Schweizer Nationalrat

Greulichs lange Lebens- und Wirkungsspanne verband die Epoche der Frühindustrialisierung mit der Zeit der Weltkriege und seine politischen Bekanntschaften reichten von alten «1848ern» und Frühsozialisten bis zu Persönlichkeiten, die dann noch im Kampf gegen den Faschismus und sogar der Zeit des frühen Kalten Krieges eine prägende Rolle spielen sollten. Als Greulich 1865 nach Zürich kam, war dieses eine von Dörfern und Feldern umgebene Kleinstadt auf dem Territorium des heutigen Stadtkreises 1 mit einer Bevölkerungszahl von etwa 20’000 Menschen. Bei Greulichs Tod sechs Jahrzehnte später umfasste die Limmatstadt das Territorium der heutigen Stadtkreise 1 bis 8 und zählte eine Viertelmillion Einwohner:innen. Politisch dominierte bei Greulichs Ankunft in Stadt und Kanton Zürich das «System Escher» mit nur wenigen oppositionellen Stimmen und Beteiligungen an den Wahlversammlungen von teilweise unter 20 Prozent. Bei Greulichs Tod hatte Zürich ein ausdifferenziertes Mehrparteiensystem mit Verhältniswahlrecht, hoch mobilisierenden Wahlkämpfen, sechs bis sieben konkurrierenden, organisatorisch gefestigten Parteien, von denen in der Stadt Greulichs SP zur weitaus stärksten Kraft aufgestiegen war, und ausgebauten direktdemokratischen Volksrechten.

Auch der wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Wandel war enorm: Als Greulich in die Schweiz kam, arbeitete noch etwa die Hälfte in der Landwirtschaft, ein Drittel in der Industrie (mit Wochenarbeitszeiten von bis zu 80 Stunden und weit verbreiteter Kinderarbeit) und nur etwa ein Zehntel im Dienstleistungsbereich. Bei seinem Tod waren über 40 Prozent in der Industrie tätig (mit Wochenarbeitszeiten von höchstens 48 Stunden), bereits über ein Drittel im Dienstleistungsbereich und nur noch ein Fünftel in der Landwirtschaft. Bei Greulichs Ankunft gab es in der Schweiz – abgesehen vom 1858 gegründeten Typographenbund, der ursprünglich auch Arbeitgeber umfasste – noch keine Gewerkschaften, bei seinem Tod zählte der SGB 150’000 Mitglieder, hinzu kamen noch etwa 80’000 bei nichtsozialistischen Gewerkschaften und Angestelltenverbänden. Hatte die Medienlandschaft 1865 wenige lokale Zeitungen umfasst, so gab es 1925 nebst den Tageszeitungen der unterschiedlichen politischen Parteien unabhängige Blätter, eine Vielzahl thematisch spezialisierter Zeitschriften und Zeitungen, aber auch bereits das Kino samt Filmwochenschau und das Radio.

Als Herman Greulich 1842 im damals zu Preussen gehörenden Breslau (heute Wrocław in Polen) als Sohn einer Hausbediensteten und eines alkoholkranken Kutschers geboren wurde, deutete wenig darauf hin, dass er dereinst zu einem Spitzenpolitiker in der Schweiz werden würde. Schon mit 13 Jahren wurde Greulich durch den frühen Tod seines Vaters zum Halbwaisen. Nach dem Besuch der Armenschule von 1849 bis 1856 brach er eine Lehre als Handschuhmacher aus gesundheitlichen Gründen ab, arbeitete kurz in einer Bibliothek und einer Druckerei und machte dann 1857 bis 1862 eine Buchbinderlehre. Als Kind erlebte er die revolutionären Ereignisse von 1848/49 in seiner Heimatstadt hautnah mit. Erste autodidaktische Studien führten ihn 1859 in die an Werten wie Freiheit, Vernunft und Duldsamkeit orientierte Freireligiöse Gemeinde, dann zur Bewegung des liberalen Genossenschaftspioniers Hermann Schulze-Delitzsch und schliesslich zur sozialdemokratischen Arbeiterbewegung.

Während der handwerklichen Wanderjahre ab 1862 kam Greulich vom heimatlichen Schlesien durch die Habsburgermonarchie, wo er auch mit polnischen Flüchtlingen des Aufstands von 1863 in Kontakt trat, Bayern und Württemberg, wo er am dritten Vereinstag der deutschen Arbeitervereine in Stuttgart teilnahm, 1865 in die Schweiz. Er liess sich in Zürich nieder, arbeitete zunächst als Buchbinder, dann von 1866 bis 1869 als Gehilfe in einem frühen Fotoatelier. 1867 heiratete er Johanna Kaufmann, bei der er zuvor Französisch- und Stenografieunterricht genommen hatte. Im selben Jahr schloss er sich der Internationalen Arbeiter-Assoziation («Erste Internationale») an und wurde Mitbegründer von deren Zürcher Sektion (s. SozialarchivInfo 2/2024). Ebenso wurde er Mitglied des deutschen Arbeiterbildungsvereins «Eintracht». In den späten 1860er Jahren gründete er in Zürich ein halbes Dutzend meist nur kurzlebiger Gewerkschaften.

Politisch beeinflussten ihn in Zürich Karl Bürkli und Albert Lange vom sozialistischen Flügel der Demokratischen Bewegung, welche 1867 bis 1869 die Kantonsverfassung im direktdemokratischen Sinne umgestaltete und Greulich stark prägte, ebenso der in Genf aktive «1848er» Johann Philipp Becker (s. SozialarchivInfo 6/2018 und 2/2023). Auch beschäftigte er sich durch Bürklis Vermittlung mit den Schriften des französischen Frühsozialisten Charles Fourier (über den er dann 1881 eine Studie verfasste), des ebenfalls aus Breslau stammenden Begründers der deutschen Sozialdemokratie Ferdinand Lassalle sowie von Karl Marx und Friedrich Engels. 1868 wohnte Greulich dem deutschen Arbeitertag in Nürnberg bei, 1869 dem Gründungskongress der deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach. Im folgenden Jahr gründete er die erste, kurzlebige Sozialdemokratische Partei der Schweiz. 1873 gehörte er zu den Initiatoren des Schweizerischen Arbeiterbundes (sogenannter «Alter Arbeiterbund»), an dem sich Schweizer Sektionen der Ersten Internationale, frühe Gewerkschaften, die deutschen Arbeiterbildungsvereine in der Schweiz sowie die Grütlivereine aller grösseren Städte beteiligten und der bis 1880 als Vorläufer des SGB existierte (s. SozialarchivInfo 6/2014).

Beruflich war Greulich ab 1869 Redaktor der sozialdemokratisch-gewerkschaftlichen «Tagwacht», die ab 1873 vom Arbeiterbund getragen wurde. Er forderte in dieser Funktion sozialpolitische Verbesserungen wie das Verbot der Kinderarbeit in den Fabriken und den Zehnstundentag sowie die staatliche Unterstützung von Genossenschaften und die Erhebung sozialstatistischer Daten, setzte sich für die Frauenrechte ein, propagierte die gewerkschaftliche Organisation und veröffentlichte auch politische Lyrik. Besonders engagierte er sich im Abstimmungskampf für das erste eidgenössische Fabrikgesetz, das 1877 in der Volksabstimmung knapp angenommen wurde. Es führte einen Normalarbeitstag von elf Stunden an Wochentagen und zehn Stunden am Samstag ein, unterstellte die Unternehmer einer Haftpflicht für Unfälle und sogenannte «Gewerbekrankheiten», verbot die Beschäftigung von Kindern unter 14 Jahren, erliess besondere Schutzbestimmungen für Frauen und Jugendliche und schuf die Institution der Fabrikinspektoren zur Kontrolle der Einhaltung des Gesetzes.

1877 wurde Greulich, der rasch Zürichdeutsch gelernt hatte, später als einer der letzten Sprecher eines authentischen Stadtzürcher Dialekts galt und sogar Hochdeutsch mit einem Schweizer Akzent gesprochen haben soll, in Hirslanden (heute Stadtteil von Zürich) eingebürgert – allerdings offenbar nur mit Stichentscheid des Gemeindepräsidenten. Als sich der «Alte Arbeiterbund» 1880 auflöste, wurde auch die «Tagwacht» eingestellt und Greulich verlor seinen Redaktorposten. Für einige Jahre versah er nun die körperlich anstrengende Arbeit als Kaffeeröster beim Konsumverein Zürich. Daneben betätigte er sich publizistisch und befasste sich mit Sozialstatistik, Imkerei und Weinbau. 1884 wurde er Kanzlist im Statistischen Amt des Kantons Zürich und schon im folgenden Jahr stieg er zu dessen Leiter auf. In dieser Funktion eröffnete er 1886 das Statistische Seminar, das mit seinen Abendvorlesungen und -übungen zu den «Big Data» des 19. Jahrhunderts Hochschulstudierende, Angestellte und Beamten in grosser Zahl anlockte.

Im Jahre 1887 wurde der «Neue Arbeiterbund» als Dachorganisation von Gewerkschaften, Grütlivereinen, sozialdemokratischen, katholischen und evangelischen Arbeitervereinen sowie den (mehrheitlich freisinnig dominierten) Krankenkassen und dem katholischen Piusverein gegründet. Die Entstehung dieser heterogenen Struktur war eine Reaktion auf das Verlangen des Bundes nach einem sozialpolitischen Ansprechpartner. In der Handels- und Wirtschaftspolitik spielte diese Rolle der 1870 von der Privatwirtschaft und den kantonalen Handelskammern gegründete Schweizerische Handels- und Industrieverein («Vorort», Vorläufer von Economiesuisse), dessen Sekretariat unterstützt durch ab 1883 fliessende Bundessubventionen auch Wirtschaftsstatistiken erhob und wirtschaftspolitische Berichte verfasste. Auch der Schweizerische Gewerbeverband bezog ab 1884 Bundessubventionen für ein ständiges Sekretariat. Die Gründung des Schweizerischen Bauernverbandes 1897 erfolgte dann wesentlich aus dem Wunsch nach einem vom Bund subventionierten Bauernsekretariat. Auf Arbeitnehmer:innenseite fehlte ein solcher «Spitzenverband» – der 1880 gegründete SGB zählte im ersten Jahrzehnt seines Bestehens erst einige Hundert Mitglieder. Aus dieser Lücke erwuchs der «Neue Arbeiterbund», den SP-Gründer Albert Steck spöttisch als «Ungetüm mit rotem sozialdemokratischem Kopf, weissem, wirtschaftlich-opportunistischem Rumpf und langem schwarzem Schwanz» charakterisierte. Er erhielt ein vom Bund subventioniertes Arbeitersekretariat. Zu dessen Leiter wurde Greulich berufen, der sich mit einem stark auf Statistik fokussierten Programm in der Abstimmung im Vorstand des Arbeiterbundes gegen Robert Seidel durchsetzte. Diese Position sollte Greulich während fast vier Jahrzehnten bis zu seinem Tod innehaben.

Als parastaatliche Institution erarbeitete das Arbeitersekretariat Grundlagen für die schweizerische Wirtschafts- und Sozialgesetzgebung und leistete insbesondere Pionierarbeit im Gebiet der Sozialstatistik. Die als Folge der Bundesstaatsgründung seit 1850 alle 10 Jahre durchgeführten und ab 1860 vom Eidgenössischen Statistischen Bureau (heute: Bundesamt für Statistik) organisierten und ausgewerteten Volkszählungen erhoben primär Bevölkerungszahlen wie Alter, Geschlecht, Sprache, Konfession und Nationalität, jedoch kaum Daten zur sozialen Schichtung, Vermögens- und Einkommensverteilung oder der Wirtschaftsstruktur des Landes. Erst 1891 erschien nach mehr als zwei Jahrzehnten Vorbereitung erstmals das Statistische Jahrbuch der Schweiz. An den Schweizer Hochschulen steckten empirische Sozialforschung und Sozialstatistik noch in ihren Anfängen. 1892 habilitierte sich an der Universität Bern der aus dem ukrainischen Kremenez stammende Nationalökonom Naum Reichesberg mit der Arbeit «Die Statistik und die Gesellschaftswissenschaft» und wurde 1898 Professor für Statistik und Volkswirtschaft. An der Universität Zürich bot ab 1898 der aus Odessa stammende Privatdozent für Statistik und Wirtschaftspolitik Joseph Goldstein für einige Jahre Lehrveranstaltungen mit sozialstatistischen Inhalten an (s. SozialarchivInfo 3/2021). Forderungen aus Politik und Wissenschaft nach Einrichtung eines Sozialstatistischen Bundesamts in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg blieben erfolglos.

Greulich und seine Mitarbeiter im Arbeitersekretariat trugen etwa Datenmaterial zu Löhnen, Unfällen, Arbeitslosigkeit, Lebenshaltungskosten oder Arbeitskonflikten in der Schweiz zusammen und erhielten dafür über die Landesgrenzen hinaus Anerkennung. Auch publizierte das Arbeitersekretariat Berichte über die Anwendung des Fabrikgesetzes, die Arbeiterschutzgesetzgebung in verschiedenen Ländern oder die Stellung der Arbeiterschaft zur Bundesgesetzgebung betreffend Kranken- und Unfallversicherung. Ebenso wirkte das Arbeitersekretariat zunehmend als arbeitsrechtliche Ombudsstelle «avant la lettre», was sich bald als sehr arbeitsintensiv erwies. 1897 organisierte Greulich in Zürich eine grosse internationale Arbeiterschutzkonferenz mit über 500 Personen aus gemässigt sozialistischen Arbeiterverbänden, der katholischen Sozialreform sowie den reformbürgerlichen Wirtschaftswissenschaften, die ein umfassendes Arbeiterschutzprogramm postulierte (s. SozialarchivInfo 2/2019). Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts umfasste das Arbeitersekretariat Büros in Zürich, Biel und Genf mit vier Adjunkten und zeitweise einer Sekretärin. 1909 veranstaltete es im Zürcher Hirschengraben-Schulhaus eine Ausstellung zur schweizerischen Heimarbeit, die in der Folge auch in Basel gezeigt wurde und intensive Diskussionen über diese Arbeitsform anregte (s. SozialarchivInfo 2/2021).

Der «Neue Arbeiterbund» zählte nach der Jahrhundertwende rund 300’000 Mitglieder, verlor aber aufgrund des Aufschwungs von SGB und SP sowie ideologischer Differenzen zu den nichtsozialistischen Organisationen rasch an Bedeutung. Während des Ersten Weltkriegs traten die mitgliederstarken Krankenkassen aus, nach dem Landesstreik dann die christlichsozialen Gewerkschaften. Der allein übriggebliebene, mittlerweile zu einem «Spitzenverband» aufgestiegene SGB löste den Arbeiterbund 1920 auf und trug bis zu Greulichs Tod das Arbeitersekretariat in eigener Regie.

Um die Jahrhundertwende war Greulich, der frühzeitig ergraut in Arbeiterkreisen nun zunehmend als «Papa Greulich» bezeichnet wurde, auch stark in die gewerkschaftspolitischen Debatten involviert. Nach der Entstehung katholischer Gewerkschaften sprach er sich zunächst für die politische, konfessionelle und weltanschauliche «Neutralität» der Gewerkschaftsverbände aus, um Arbeiter:innen unterschiedlicher Weltanschauung in eine einheitliche Organisation integrieren zu können. Nach dem Scheitern dieses Unterfangens und der Gründung eines eigenen katholischen Gewerkschaftsbundes 1907 pflegte er freundschaftliche Beziehungen zu führenden Christlichsozialen und bemühte sich um die Aufrechterhaltung des «Neuen Arbeiterbundes». Auch trat er für Tarifverträge und Arbeiterkammern sowie eine organisatorische Konzentration und Professionalisierung der Gewerkschaften ein. Von 1870 bis zum Ersten Weltkrieg sprach er an unzähligen Solidaritätsveranstaltungen für Arbeitskämpfe. Er warnte aber davor, Streiks (die um die Jahrhundertwende immer zahlreicher wurden) unüberlegt auszurufen. Sehr skeptisch war er gegenüber der Generalstreikidee, was ihn dann aber 1918 nicht daran hinderte, den Landesstreik im Parlament zu verteidigen. 1905 war Greulich Mitbegründer des Verbands der Gemeinde- und Staatsarbeiter, aus dem später der VPOD hervorging, und bis 1915 dessen Präsident. Der gewerkschaftlichen Organisierung widmete er sich von seiner Ankunft in Zürich bis zu seinem Tod. Jede Woche hielt er mehrere Vorträge an Gewerkschafts- und Belegschaftsversammlungen sowie Arbeiterbildungskursen.

Nachdem sich 1888 die Sozialdemokratische Partei dauerhaft etabliert hatte, gelangte Greulich in bereits fortgeschrittenem Alter auch in politische Ämter. Schon 1885 war er in einem anonymen Inserat als Kantonsratskandidat seines Wohnwahlkreises portiert worden. 1899 gründete er die «Socialdemokratische Mitgliedschaft Zürich V Hottingen, Hirslanden, Fluntern» (heute SP Zürich 7). Er war von 1892 bis 1925 Mitglied des Stadtzürcher Parlaments (1904/05 als dessen Präsident), 1890 bis 1896, 1897 bis 1899 sowie 1901 bis 1925 Zürcher Kantonsrat und – nach erfolglosen Kandidaturen 1896, 1899 und 1900 sowie erneut 1905 und 1908 – von 1902 bis 1905 sowie 1908 bis 1925 Mitglied des Nationalrats (den er 1919 und 1922 als Alterspräsident eröffnen konnte). Im Kantonsrat präsidierte Greulich zunächst den aus den wenigen Sozialdemokraten und einigen Mitgliedern der Demokratischen Partei bestehenden «Sozialpolitischen Klub», bevor er 1893 den Anstoss zur Gründung der sozialdemokratischen Fraktion gab. Im Nationalrat war Greulichs Präsenz so stark, dass die bis zum Ersten Weltkrieg noch kleine sozialdemokratische Delegation im Bundeshaus von politischen Gegnern als «Kapelle Greulich» verspottet wurde. Nach Erlangung des Fraktionsstatus präsidierte er die SP-Fraktion bis 1917.

Trotz seines Aufstiegs in hohe Staatsämter und Aneignung bildungsbürgerlicher Werte behielt Greulich stets seinen proletarischen Habitus bei. Im Sommer 1914 beantwortete er die Einladung zur Eröffnungsfeier der Landesausstellung in Bern, an deren Organisation er mitgewirkt hatte, wegen des Dresscodes zunächst negativ. Er störte sich am vorgeschriebenen Zylinder, gegen den er «eine unüberwindliche Abneigung habe», und werde «in meinen alten Tagen nicht an einer Veranstaltung teilnehmen, wo man mehr auf den Hut als auf den Kopf sieht». Daraufhin liess ihn die Ausstellungsleitung wissen, er sei auch ohne Zylinder willkommen, da es «auch für uns selbstverständlich ist, dass vor dem Hut der Mann kommt».

Reformpolitiker, Frauenrechtler, Internationalist

Zeitlebens war Greulich reformistisch, pragmatisch und ausgeprägt demokratisch ausgerichtet. Im späten 19. Jahrhundert bekämpfte er den Anarchismus. Den um 1900 einflussreicher werdenden Parteilinken, die drei bis vier Jahrzehnte jünger waren als er, stand er skeptisch gegenüber und ab dem Ersten Weltkrieg war er ein entschiedener Gegner des Bolschewismus. Im Unterschied zu anderen reformistischen Pionieren trat Greulich anlässlich der scharfen Richtungskämpfe zu Ende des Ersten Weltkriegs aber nie aus der Sozialdemokratischen Partei aus.

Neben der Sozialpolitik war ein weiterer Schwerpunkt seiner politischen Arbeit der Ausbau der Demokratie. Geprägt von der Zürcher Demokratischen Bewegung unterstützte er die direkte Demokratie und bezeichnete im Parteiprogramm von 1870 die «direkte Gesetzgebung durch das Volk» als «die allein richtige Gesetzgebungsform». Nach der Jahrhundertwende engagierte er sich dann in der Bewegung für die Einführung des Verhältniswahlrechts (s. SozialarchivInfo 4/2019). Greulich machte sich auch für ein einheitliches Schweizer Bürgerrecht stark, dessen Erwerb nicht mehr im Belieben der Gemeinden liegen sollte, sowie für die automatische Einbürgerung aller in der Schweiz Geborenen. Als wichtige Argumente dafür nannte er die Ausweitung des Stimmrechts und die Hebung der Wehrkraft. Ebenso war er ein entschiedener Befürworter des Frauenstimmrechts und reichte in allen Parlamenten, denen er angehörte, entsprechende Vorstösse ein – so 1917 im Zürcher Kantonsrat und 1918 im Nationalrat (s. SozialarchivInfo 6/2020). In seinem vorbehaltlosen Eintreten für das Frauenstimmrecht war Greulich konsequenter als manche seiner Genossen am linken Parteiflügel. Während er die Ansicht vertrat, es gebe «in einem demokratischen Gemeinwesen» keinen einzigen vernünftigen Grund gegen die «volle politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts», meldete der spätere Kommunist Fritz Platten am SP-Parteitag 1912 den Vorbehalt an, «über unsere Ideen nicht aufgeklärte» Proletarierinnen würden den Stimmzettel «im reaktionären Sinne» gebrauchen und die Frau müsste bei einer Gewährung des Stimmrechts «bei ihrem psychischen Zustand eine Wandlung vollziehen».

Greulichs Engagement für die Frauenemanzipation reichte aber über die Forderung nach politischer Gleichstellung hinaus. Bereits am Kongress der Ersten Internationale von 1869 in Basel machte er sich als einer von wenigen Rednern gegen das von den Proudhonisten geforderte Verbot der ausserhäuslichen weiblichen Lohnarbeit stark und forderte stattdessen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Der Grundsatz, «dass das gleiche Quantum Arbeit, ob von Männern oder Frauen geleistet, gleich bezahlt werde», fand sich dann als Forderung 1873 im von Greulich verfassten 12-Punkte-Programm des «Alten Arbeiterbundes». 1872 publizierte Greulich eine vierteilige Artikelserie «Die Frauenarbeit im Kleingewerbe», 1876 den Artikel «Die Befreiung des Weibes», der politische Rechte für die Frauen und erneut gleichen Lohn für gleiche Arbeit forderte. Am Kongress des Arbeiterbundes von 1876 wies Greulich gegen einen Delegierten, der sich für den Ausschluss von Frauen aus den Organisationen der Arbeiterbewegung aussprach, auf die Notwendigkeit hin, die «schlechtestgestellten Angehörigen des Arbeiterstandes» wie etwa Frauen in der Zigarrenproduktion in die Bewegung zu integrieren: «Die Frauen-Emanzipation ist keine politische Schrulle, sie ist notwendig für die Emanzipation der Arbeiter überhaupt.» 1890 forderte er in seiner Ansprache zur ersten Maifeier eine stärkere Beteilung von Frauen und 1896 vermittelte er in einem Streik von Seidenweberinnen im Textilbetrieb Henneberg (in der heutigen «Roten Fabrik») in Zürich-Wollishofen. Nach der Jahrhundertwende veröffentlichte er eine Reihe von Artikeln und Aufrufen in der sozialistischen Frauenzeitschrift «Die Vorkämpferin», in denen er die gewerkschaftliche Organisation von Arbeiterinnen propagierte.

Privat praktizierte Greulich allerdings das Geschlechterrollenmodell der damaligen Mittel- und Oberschichten. Aufgrund seiner vielfältigen beruflichen, politischen und gewerkschaftlichen Engagements sahen ihn seine sieben Kinder selten und lastete deren Erziehung vollständig auf seiner Frau Johanna. Diese hatte sich in jungen Jahren neben ihrer Arbeit als Sprachlehrerin auch politisch betätigt und war ebenfalls Mitglied der Zürcher Sektion der Ersten Internationale geworden, wurde dann aber vollständig von der Familienarbeit absorbiert. Dieser aus heutiger Sicht eklatante Widerspruch zwischen Theorie und Praxis war indessen ein Stück weit konform zur Gedankenwelt Charles Fouriers, der Greulichs geschlechterpolitisches Engagement stark beeinflusste. Fourier gilt als Begründer einer feministischen Tradition im französischen Sozialismus und formulierte die Generalthese, gesellschaftlicher Fortschritt bemesse sich am Grad der Befreiung der Frau. Freilich ging er von gegensätzlichen Geschlechtscharakteren aus und baute diese gezielt in seine Entwürfe einer «harmonischen», an die geschlechtsspezifisch gedachten Triebe und Leidenschaften der Menschen angepasste Gesellschafts- und Arbeitsorganisation ein, die nicht auf Gleichheit, sondern auf ein Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern abzielte. Auf dieser Linie lag 1917 Greulichs Argumentation in einer Kantonsratsrede zugunsten des Frauenstimmrechts: «Gewiss hat jedes Geschlecht seine Eigenart. Beim weiblichen herrscht das Gefühlsleben vor. Es ist für den Mann ein Rätsel, weil er in das Innenleben des Weibes nicht eindringen kann. Darum ist er geneigt, es als minderwertig zu betrachten. […] wir Männer haben kein Recht, uns als die einzigen Vertreter der Gattung Mensch zu betrachten. Dazu gehören beide Geschlechter – ihre Geschlechtseigenschaften ergänzen sich.»

Greulich war aber auch Agrarpolitiker. Bereits in der Demokratischen Bewegung, die über einen bäuerlichen Flügel verfügte, war er zur Landwirtschaftspolitik gekommen. Als Redaktor der «Tagwacht» bemühte er sich um eine Verständigung von Bauern (besonders Kleinbauern) und Arbeitern und argumentierte gegen Agrarausfuhrzölle, für günstige Hypotheken und landwirtschaftliche Genossenschaften. Die Zürcher Landwirtschaft geriet im späten 19. Jahrhundert aufgrund der voranschreitenden Globalisierung sowie witterungsbedingter Probleme und der Reblaus-Epidemie der 1880er Jahre in eine tiefe Krise und schrumpfte von 1870 bis 1910 um rund ein Viertel. Greulich kam 1882 in einem Vortrag vor der Statistisch-volkswirtschaftlichen Gesellschaft von Zürich über die Ergebnisse der Volkszählung von 1880 auf die Notstände in der Landwirtschaft zu sprechen. Diese Analyse verhalf ihm später zur Anstellung beim Statistischen Amt des Kantons Zürich, wo er sich intensiv mit der Agrarkrise beschäftigte und umfangreiches Datenmaterial zusammenstellte. Die Ergebnisse fasste er 1888 in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Verein des Kantons Zürich in der Denkschrift «Die Nothlage der Landwirthschaft und die Mittel zur Besserung» zusammen, formulierte Reformforderungen und endete mit einem Satz, wie ihn die spätere Agrar-Lobby nicht eingängiger hätte formulieren können: «Was der Landwirthschaft dient, dient dem ganzen Lande». Ab den 1890er Jahren setzte sich Greulich im Zürcher Kantonsrat für kleinbäuerliche Anliegen ein.

Ein weiteres Merkmal von Greulichs Wirken war ein mit seinem ausgeprägten republikanisch-helvetischen Verfassungspatriotismus durchaus im Einklang stehender Internationalismus. Nach seinen grenzüberschreitenden Wanderjahren als Handwerksgeselle nahm er von den späten 1860er Jahren bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs während eines halben Jahrhunderts an Kongressen der Ersten und Zweiten Internationale teil und noch 1924 an einer Gedenkkonferenz in London zum 60. Jahrestag der Gründung der Ersten Internationale, an der er eine feurige Rede hielt. Ab den 1870er Jahren war Greulich in Zürich für Jahrzehnte eine wichtige Ansprechperson für politische Asylant:innen etwa aus Deutschland und dem Zarenreich, welche er beispielsweise bei Behördengängen unterstützte. Während der Zeit von Bismarcks Sozialistenverbot von 1878 bis 1890 pflegte er intensive Kontakte zur grossen Community der deutschen Exil-Sozialdemokratie in Zürich – die ihren früheren Landsmann bereits als durch und durch «verschweizert» wahrnahm. Auch verfügte Greulich über ein grosses internationales Beziehungs- und Freundschaftsnetz mit führenden sozialdemokratischen Persönlichkeiten wie den Österreichern Victor und Friedrich Adler, den Deutschen Johann Philipp Becker, Wilhelm Liebknecht, August Bebel, Karl Kautsky oder Eduard Bernstein und dem Exilrussen Pavel Aksel’rod.

Eckpunkte von Greulichs Internationalismus waren sein Einsatz für grenzüberschreitende Sozialpolitik und sein Engagement für Frieden und Völkerverständigung. 1897 organisierte er die grosse internationale Arbeiterschutzkonferenz in Zürich. Sie gab Anstoss zur Gründung der Internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz im Jahre 1900, deren «Internationales Arbeitsamt» dann 1919 auf die ILO überging. Ab der Jahrhundertwende nahm Greulich an mehreren Folgekongressen teil, so noch 1924 am internationalen Kongress für Sozialpolitik in Prag, an dem er eine Rede hielt, und wenige Wochen vor seinem Tod an einer Konferenz in Bern, an der sich die Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz, die Internationale Vereinigung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und das Internationale Komitee für Sozialversicherung zur Internationalen Vereinigung für sozialen Fortschritt zusammenschlossen.

1904 unternahm Greulich eine USA-Reise zum Besuch des Kongresses der Interparlamentarischen Union für internationale Schiedsgerichtsbarkeit in St. Louis. Zuvor sprach er in der New Yorker Carnegie Hall als Ehrengast an einer Wahlkampfveranstaltung des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Eugene V. Debs (der dann als bester «third party»-Kandidat auf 3 Prozent der Stimmen kam), hielt weitere Reden in anderen Städten und bereiste nach dem Kongress in St. Louis die Rocky Mountains, den Goldgräberort Cripple Creek in Colorado, wo er seinen in die USA ausgewanderten Sohn Karl traf, die damals aufstrebende Industriestadt Detroit, Cleveland, Chicago, die Niagara-Fälle, Philadelphia und Washington D. C., wo er zusammen mit den anderen Kongressdelegierten von Präsident Theodore Roosevelt im Weissen Haus empfangen wurde. Im folgenden Jahr betätigte er sich in der Schweizer Solidaritätsbewegung für die Revolution im Zarenreich (s. SozialarchivInfo 1/2025).

1912 war Greulich an der Organisation des grossen Friedenskongresses der Zweiten Internationale in Basel beteiligt und hielt dort im Basler Münster auch eine Rede. Im folgenden Jahr gehörte er zum überparteilichen Organisationskomitee eines auf Versöhnung abzielenden deutsch-französischen Parlamentariertreffens in Bern. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs trat er an verschiedenen Friedenskundgebungen als Redner auf – unter anderem in der St. Jakobskirche. Trotz seiner scharfen Ablehnung des Bolschewismus war Greulich im September 1914 bei der Einreise Lenins in die Schweiz behilflich, der als «Sans-Papiers» unter Berufung auf Greulich in Buchs die Grenze ohne Pass überschreiten durfte. Die Abneigung zwischen Greulich und Lenin war allerdings gegenseitig. So meinte Lenin einmal, Greulich sei als Arbeitersekretär ein «gekaufter Agent des Bundesrates», und kündigte auch an, wo die Bolschewiki an die Macht kämen, würden sie mit Leuten wie Greulich und anderen Schweizer Sozialdemokraten (namentlich nannte er Ernst Nobs und Robert Grimm) «kurzen Prozess machen».

Am 27. September 1914 präsidierte Greulich in Lugano eine schweizerisch-italienische Sozialistenkonferenz als Versuch, die beim Kriegsausbruch zerbrochene Zweite Internationale wieder aufzubauen. Italien war, obgleich mit Deutschland und Österreich-Ungarn verbündet, zunächst neutral geblieben. In den folgenden Monaten tobte ein innenpolitischer Kampf zwischen «Neutralisten» (darunter die Mehrheit der Sozialistischen Partei) und «Interventionisten», die in der Hoffnung auf Eroberungen zulasten Österreich-Ungarns für einen Kriegseintritt gegen die ehemaligen Verbündeten agitierten. Am 23. Mai 1915 trat Italien in den Krieg ein. Im Vorfeld dieses Ereignisses spielte Greulich in der «Affäre Nathan» eine unglückliche Rolle. Mitte Mai 1915 tauchte er an der Vorstandssitzung der Sozialistischen Partei Italiens in Bologna auf und stellte den in Zürich lebenden deutschen Chemiker Leopold Nathan vor. Dieser bot der Partei eine grössere Geldsumme an, die ihm angeblich aus pazifistischen Kreisen der USA für die italienische Friedenspropaganda anvertraut worden sei. Die italienische Partei, die dahinter ein deutsches Manöver vermutete, lehnte ab. In der Presse der Entente-Mächte sowie den bürgerlichen Zeitungen der Schweiz, insbesondere der Romandie, erntete Greulich trotz Distanzierung von Nathan in der Folge einen Shitstorm, wobei ihm teils Naivität, teils gar Beteiligung an einem Bestechungsversuch unterstellt wurde.

Greulich gehörte auch dem Organisationskomitee der landesweiten Friedensdemonstrationen an, die am 3. Oktober 1915 mit 70 Versammlungen stattfanden. Ende 1915 begründete er im Nationalrat eine sozialdemokratische Interpellation, die den Bundesrat aufforderte, allein oder mit den Regierungen anderer neutraler Länder den Kriegführenden gute Dienste zur Herbeiführung eines Waffenstillstands und Einleitung von Friedensverhandlungen anzubieten. 1915/16 verwaltete er auch einen Hilfsfonds mit Spenden aus den USA zur Unterstützung von Hinterbliebenen im Krieg gefallener Mitglieder sozialistischer Parteien. Unterstützungszahlungen gingen dabei in beide kriegführenden Blöcke nach Österreich, Deutschland und Bulgarien sowie Belgien, Serbien, Russland (unter anderem via Lenin) und Russisch-Polen, ebenso an Ausländer in der Schweiz.

Im April 1916 war Greulich Delegierter der SPS an der zweiten Konferenz der von Robert Grimm initiierten Zimmerwalder Bewegung, wurde aber nach der Eröffnungssitzung wegen der Nathan-Affäre auf Druck der französischen und italienischen Delegierten ausgeschlossen (s. SozialarchivInfo 5/2015). Sein friedenspolitisches Engagement führte ihn freilich nicht zu einem generellen Antimilitarismus. Als der SP-Parteitag 1917 unter dem Einfluss der Zimmerwalder Bewegung beschloss, in Zukunft alle Militärkredite im Parlament abzulehnen, widersetzte sich Greulich mit den Worten: «Wir halten dafür, dass diese Verfassung und ihre Demokratie bewahrt werden müssen. Und ich würde als alter Knabe noch die Büchse auf die Achsel nehmen, um uns nicht auffressen zu lassen von irgendeiner Monarchie.» Nach dem Krieg setzte er sich dann für Abrüstung ein und gab 1922 seiner Hoffnung Ausdruck, nach der Erfahrung der «Bestialität des Militarismus» würde die Arbeiterklasse jedem neuen Versuch, «einen Krieg zu beginnen», «mit der Einstellung der Arbeit für alle Kriegsmittel ein schnelles Ende bereiten».

Der Handwerker und Autodidakt Greulich wurde in seinem langen Leben also lokal bis international tätiger Aktivist, Fotograf, Publizist, Statistiker, Gewerkschafts- und Parteiorganisator, Statistik- und Arbeiterbildungsdozent und Parlamentarier. Auch als Historiker betätigte er sich. Neben seiner Studie zu Fourier und weiteren Publikationen zu historischen Themen veröffentlichte er 1897 auch einen Vortrag «Über die materialistische Geschichtsauffassung», die «kein sozialistisches Dogma und ihre Leugnung keine Ketzerei» sei, aber, wie er am Beispiel der Kreuzzüge und anderer mittelalterlicher Kriege sowie unter Hinweis auf die kolonialimperialistische Expansion seiner Gegenwart zu plausibilisieren versuchte, früheren, etwa theologischen oder idealistischen Geschichtsphilosophien durch ihre «Beobachtung der ökonomischen Thatsachen» unter Einbezug statistischer Methoden weit überlegen. Die Schrift wurde mehrfach neu aufgelegt und auch Basis von Referaten Greulichs an Arbeiterbildungskursen. Auch im kulturellen Bereich adaptierte Greulich bildungsbürgerliche Ideale. Er spielte Theater, sang im gemischten Chor, dichtete und musizierte als Klavierspieler und Violinist – freilich stets im Rahmen von Arbeiterkulturorganisationen.

Greulich in der Erinnerungskultur

Ein Jahr nach Greulichs Tod veranstaltete die Sozialdemokratische Jugend eine Gedenkfeier im Berner Volkshaus, die neben einer Rede von Nationalrat Ernest Bütikofer unter anderem Violin- und Klaviersonaten von Mozart und Beethoven sowie eine Rezitation von Goethes «Prometheus» umfasste und mit dem gemeinsamen Singen der Internationale endete. An dem Anlass wurde auch Greulichs Gedicht «Geh deine Bahn!» rezitiert, das mit der zeitlos gültigen Strophe beginnt: «Geh deine Bahn und lass die Leute schwätzen; die Bahn ist lang – die Leute schwätzen viel; Mag Unverstand von Ort zu Ort dich hetzen; Geh deine Bahn! Denk an dein hohes Ziel!» Im selben Jahr gab die Schweizerische Arbeiterbildungszentrale einen künstlerischen Gummidruck mit einem Porträtfoto Greulichs von Camill Ruf heraus, der in zwei Grössen bestellt werden konnte, und eine von Stadt- und Nationalrat Emil Klöti präsidierte Jury entschied sich bei einem Projektwettbewerb für eine Greulich-Büste aus sieben Entwürfen für das unter dem Motto «Empor» stehende Projekt des Bildhauers Kissling.

1930 wurde im «Roten Zürich» eine Strasse nach Greulich benannt, allerdings nicht in seinem Wohnquartier Hirslanden, sondern in der Arbeiterhochburg Aussersihl. Ende 1933 erfolgte im wenige Wochen darauf von den Austrofaschisten zerschlagenen «Roten Wien» die Benennung eines Platzes im 22. Bezirk (Donaustadt) nach Greulich. Bis in die frühe Nachkriegszeit waren Porträts von Greulich immer wieder in Wahlkämpfen und an Maifeiern präsent.

Einen Hype erlebte die Erinnerung anlässlich Greulichs 100. Geburtstag 1942. In jenem Jahr zierte sein Porträt den Zürcher Maibändel, ebenso gab es Gedenkausstellungen in den Volkshäusern Zürich und Basel sowie in Aarau. Organisator war der mit der Greulich-Enkelin Helene van Hasz verheiratete Gerold Meyer. An der Eröffnung der Zürcher Ausstellung sprach der Stadtpräsident und nachmalige Bundesrat Ernst Nobs und der populäre Schauspieler Heinrich Gretler trug eine Greulich-Rede vor. Nobs verfasste auch eine 64-seitige Erinnerungsschrift. Die Tochter Gertrud Medici-Greulich gab unter dem Titel «Das grüne Hüsli» eine Serie von Erinnerungsartikeln an die Anfänge der Zürcher Arbeiterbewegung, die Greulich zur Jahrhundertwende im «Volksrecht» publiziert hatte, in Buchform neu heraus.

Zum 25. Todestag gab es 1950 Kranzniederlegungen an Greulichs Grab mit einer Rede von Nationalrat Hermann Leuenberger. Zum 50. Todestag hielt am SGB-Kongress 1975 der Basler Geschichtsprofessor Markus Mattmüller, ein Pionier der universitären «labour history» in der Schweiz, eine Festansprache, die Greulichs Biografie als sozialhistorisch exemplarisch profilierte: «In Greulichs Leben spiegeln sich sechzig Jahre Schweizergeschichte; wer diese sechs Jahrzehnte aus seiner Sicht nachverfolgt, am Faden seiner Biographie nachzuvollziehen versucht, erhält eine völlig neue Sicht der moderneren Schweizergeschichte: Eine Sicht von unten her, aus dem Blickwinkel der geplagten, um ihre Existenz und um ihren kollektiven Aufstieg ringenden Menschen, die an der Schattenseite der Konjunkturen und Krisen angesiedelt waren.» Zum 100. Todestag fand 2025 im Schweizerischen Sozialarchiv ein sehr gut besuchter Anlass mit kleiner Ausstellung statt und gab es Artikel in verschiedenen Zürcher Medien sowie ein umfangreiches Dossier «O mein Papa!» in der VPOD-Zeitschrift. Ebenso war Greulich nun mit einer Facebook-Seite in den Social Media präsent.

Daneben wurde Greulichs Rolle auch immer wieder anlässlich von Partei- und Gewerkschaftsjubiläen gewürdigt. So produzierte der SGB 1955 zu seinem 75-Jahre-Jubiläum eine Medaille mit Greulichs Antlitz und enthielt die Festschrift zum 125-Jahre-Jubiläum der SP 2013 einen Artikel von Nicola Behrens über Greulich mit dem Titel «Ein deutscher Demokrat in Schweizer Sache».

Aber auch aus aktuellen tagespolitischen Anlässen wurde wiederholt Greulichs Wirken gedacht. So erinnerte 1959 im Umfeld der ersten eidgenössischen Abstimmung über die Einführung des Frauenstimmrechts (das von den Männern deutlich abgelehnt wurde) SP-Zentralsekretärin Mascha Oettli in der «Roten Revue» an Greulichs Einsatz für die politische Gleichberechtigung der Geschlechter. Greulichs landwirtschaftspolitisches Engagement war im Zweiten Weltkrieg, zur Zeit der «Anbauschlacht», Gegenstand eines Artikels der «Roten Revue». Später gereichte es ihm 2017 auch zu einer zweiseitigen Würdigung im Jubiläumsbuch der SVP Zürich, wo ihn Christoph Mörgeli als «ausgewiesenen Statistiker» und «Freund der Zürcher Landwirtschaft» lobte und ihm «bemerkenswerte, tiefe Sympathie mit dem bäuerlichen Bevölkerungsteil» bescheinigte.

Als es um 1980 in verschiedenen Kantonen zu innerparteilichen Auseinandersetzungen zwischen konsensorientierten Gewerkschaftern und linksintellektuellen «68ern» kam, versuchte Erich Gruner, Pionier zugleich der Politikwissenschaft und der Sozialgeschichte in der Schweiz, in einem wenig überzeugenden Artikel in der «Gewerkschaftlichen Rundschau» einen Konflikt zwischen Greulich und Robert Seidel von 1894 als Beginn einer scheinbar durchgehenden Konfliktlinie zwischen Arbeitern und Akademikern in der SP darzustellen – allerdings stammte Seidel wie Greulich aus ärmlichen Verhältnissen in Ostdeutschland, war ebenfalls früh Halbwaise geworden, hatte eine Weberlehre gemacht und war dann in die Schweiz ausgewandert, wo sein gesellschaftlicher Aufstieg begann. Was für Greulich die Statistik war für Seidel die Pädagogik mit dem Erwerb der Diplome als Primar- und Sekundarlehrer und beide betätigten sich auch als Verfasser politischer Lyrik. 1887 unterlag Seidel Greulich bei der Wahl zum eidgenössischen Arbeitersekretär, ab 1890 war er Redaktor der «Arbeiterstimme», dem Nachfolgeblatt von Greulichs «Tagwacht». Erst mehr als ein Jahrzehnt nach dem Konflikt von 1894 empfing Seidel akademische Weihen mit der Habilitation an beiden Zürcher Hochschulen.

Anlässlich der Gedenkaktivitäten zu Greulichs 100. Geburtstag hatte Ernst Nobs 1942 die Herausgabe einer Greulich-Biografie sowie die Edition von Greulichs Werken angemahnt. Bereits 1934 hatte der Greulich-Enkel Franz Schmidt im Auftrag des SGB ein 50-seitiges «Lebensbild» Greulichs veröffentlicht, das seine Biografie und zahlreichen Wirkungsfelder knapp umriss. Schmidts Sohn Herman publizierte dann 2010 anlässlich der Übergabe des Greulich-Nachlasses ans Sozialarchiv eine Broschüre, die vor allem den «privaten» Greulich und seine Familie beleuchtete. Die bis heute ausführlichste Greulich-Biografie erschien 1947. Sie stammte aus der Feder des Redaktors und Gewerkschaftsfunktionärs Eduard Weckerle, der 1933 vor den Nazis in die Schweiz geflohen war, und trug den Titel «Herman Greulich: Ein Sohn des Volkes». 1948 doktorierte der Historiker Werner Kuhn an der Universität Zürich mit der Dissertation «Die Bedeutung Charles Fouriers für die Gedankenwelt Herman Greulichs» und 1955 veröffentlichte der Schriftsteller und Pädagoge Fritz Wartenweiler, der zahlreiche Biografien berühmter Persönlichkeiten verfasste, unter dem Titel «Auch der Arbeiter will Mensch werden» ein weiteres Buch über Greulich.

Mit dem Aufschwung der Sozialgeschichte ab den 1960er Jahren wurde Greulichs Wirken zwar in verschiedenen Studien, insbesondere von Erich Gruner und seiner Schule, analysiert und in der allgemeinen Entwicklung der Arbeiterbewegung verortet, zugleich galten der Fokus auf «grosse Männer» und das historische Genre der Biografie indessen zunehmend als veraltet. Aktuell läuft an der Universität Luzern nun aber das vom Forschungsfonds Ellen Rifkin Hill des Sozialarchivs unterstützte Doktoratsprojekt von Christoph Arioli mit dem Arbeitstitel «Im Kälte- und Wärmestrom», aus dem eine neue, an aktuellen methodischen Ansätzen und inhaltlichen Interessensschwerpunkten der Geschichtswissenschaft orientierte Gesellschaftsbiografie Herman Greulichs hervorgehen soll.

Der Greulich-Nachlass im Sozialarchiv

Der Nachlass von Herman Greulich galt lange Zeit als verschollen. Zwar verfügte das Sozialarchiv über verschiedene Nachlasssplitter und Fragmente, etwa in seiner Briefsammlung, in der Sammlung der Schriften zur Geschichte des Sozialismus der Sachdokumentation («335er») sowie in verschiedenen Körperschaftsarchiven. Hinzu kam der kleine Bestand «Herman Greulich Papers» im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam, der vor allem Korrespondenz mit Grössen der internationalen Arbeiterbewegung enthält. Die Akten des Arbeitersekretariats gelangten nach Greulichs Tod ins SGB-Archiv nach Bern, seine privaten Dokumente verblieben in Greulichs Haus an der Klusstrasse 26/28 in Zürich-Hirslanden.

Für die Vorbereitung der Greulich-Ausstellung im Zürcher Volkshaus von 1942 verwendete Gerold Meyer zahlreiche Briefe und Erinnerungsstücke der Familie, die danach in seinem Besitz verblieben. Seit dem Tod des Ehepaars Meyer-van Hasz, das zuletzt in Brione gelebt hatte, in den Jahren 1988 und 1990 galt der Nachlass als verschwunden. Wichtige Nachlassteile konnten aber vom Greulich-Urenkel und alt Bundesrichter Herman Schmidt aus dem Haus in Brione gerettet werden, allerdings sind diverse Schriftstücke durch Mäusefrass oder Wasserschaden vernichtet worden oder nur noch in Abschriften vorhanden. Schmidt ordnete, inventarisierte und kommentierte die Dokumente in langjähriger Arbeit und übergab sie 2010 dem Sozialarchiv (s. SozialarchivInfo 6/2010).

Der einen Laufmeter umfassende Nachlass enthält Dokumente vom frühen 19. bis ins späte 20. Jahrhundert und reicht von Akten aus der Jugend von Greulichs Eltern über seine Schul-, Lehr- und Wanderjahre, die Familiengründung, Wohnung, Haushalt und Einbürgerung sowie die verschiedenen beruflichen Tätigkeiten bis zu seinem nationalen und internationalen öffentlichen Wirken (inklusive Akten zur Ersten und Zweiten Internationale) und seinem grossen Netzwerk. Zahlreiche Schriftstücke betreffen Greulichs ausserordentlich rege Kurs-, Vortrags- und Publikationstätigkeit. Hinzu kommen private Erinnerungsstücke und Andenken, Ehrungen, Nachrufe und Erinnerungen von Zeitgenoss:innen an Greulich, eine Sammlung von Maibändeln und Kongressabzeichen sowie ein vor allem für das 19. Jahrhundert reichhaltiger Bestand von über 200 Fotografien, Glasdias, Drucken und Zeichnungen. Der Nachlass gestattet dadurch nicht nur detaillierte Einblicke in die Entwicklung der schweizerischen und internationalen Arbeiterbewegung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, sondern auch in handwerklich-proletarische Lebenswelten und Familienverhältnisse in Breslau und Zürich während der industriellen Revolution.

2015 übergab Herman Schmidt dem Sozialarchiv auch den Nachlass von Greulichs Tochter Margarete (1867–1917), einer Kunstmalerin, die im späten 19. Jahrhundert mit ihrem Vater an verschiedenen internationalen Kongressen teilgenommen und sich in der sozialdemokratischen Frauenbewegung engagiert hatte. Neben schriftlichen Dokumenten umfasst dieser Nachlass auch 81 Porträts, Skizzen und Aktstudien. 2020 und 2024 erhielt der Greulich-Nachlass durch Vermittlung der Ururenkelin und SGB-Zentralsekretärin Gabriela Medici zwei Nachlieferungen, die mehrere Notizbücher von Greulich, Vortragsnotizen, Artikel, Reden, lebensgeschichtliche Dokumente, Familiengeschichtliches, Korrespondenz und Drucksachen sowie weitere 60 Fotografien, Drucke und Postkarten (vor allem Porträts von Greulich) umfassen. Diese wie auch die früher übernommenen Bilder aus den Nachlässen von Herman und Margarete Greulich wurden digitalisiert und sind online zugänglich.

Zwei grosse Archivübernahmen der letzten Jahre haben die Akten zu Greulich im Sozialarchiv weiter komplettiert. Die Sammlung «Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte» enthält ein Dossier mit Korrespondenz betreffend die Nachlässe von Herman und Margarete Greulich, Fotos von Greulichs Beerdigung und späteren Gedenkfeiern sowie eine als «Papa Greulichs Geige» beschriftete Violine. Dabei handelt es sich freilich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht um ein vom Arbeitersekretär bespieltes Instrument, sondern um eine Requisite der Greulich-Ausstellung von 1942. Mit der Übernahme des SGB-Archivs kamen die Akten von Greulichs Arbeitersekretariat ins Sozialarchiv, ebenso der Nachlass von Eduard Weckerle mit Dokumenten zur Entstehung seiner Greulich-Biografie.

Material zum Thema im Sozialarchiv (Auswahl)

Archiv

  • Ar 2 Arbeiterunion Zürich, Gewerkschaftskartell Zürich, GBZ
  • Ar 39 Schweizerischer Verband des Personals öffentlicher Dienste vpod
  • Ar 170 Greulich, Herman (1842–1925)
  • Ar 198.46 Greulich, Margarete (1867–1917)
  • Ar 199 Briefsammlung des Schweizerischen Sozialarchivs
  • Ar 201.21 Sozialdemokratische Partei Zürich 7
  • Ar 201.26 Schweizerischer Arbeiterbund
  • Ar 412 Schweizerischer Buchbinder- und Kartonagerverband SBKV
  • Ar 685.10.41 Gretlers Panoptikum zur Sozialgeschichte: Unterlagen zu Margarete van Hasz-Greulich und Herman Greulich im Nachlass von Gerold und Leni Meyer-van Hasz
  • Ar SGB Schweizerischer Gewerkschaftsbund (SGB): Arbeitersekretariat
  • Ar SGB G 41 Schweizerischer Gewerkschaftsbund (SGB): Nachlass Weckerle

Archiv Bild + Ton

  • F 5073 Greulich, Herman (1842–1925)
  • F 5135 Greulich, Margarete (1867–1917)
  • F 5170 Dokumentation Herman Greulich (1842–1925)

Sachdokumentation

  • KS 310/8 Sozialstatistik: Schweiz
  • KS 310/9 Sozial- & Wirtschaftsstatistik: Schweiz
  • KS 331/165 Schweizerischer Arbeiterbund; Schweizerisches Arbeitersekretariat
  • KS 331/165a Schweizerischer Arbeiterbund; Schweizerisches Arbeitersekretariat
  • KS 335/231 Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS): Schriften von und über Herman Greulich
  • KS 335/231a Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SPS): Schriften von Herman Greulich
  • ZA 04.9 Grav-Gris Biografien: einzelne Personen: Grav–Gris

Bibliothek

  • Ackermann, Ewald: Herman Greulich, Vater der Gewerkschaft: Wie ein Schlesier der Schweizer Arbeiterbewegung auf die Beine hilft, in: VPOD – Die Gewerkschaft 9 (2005). S. 11, G 49
  • Ackermann, Paul: Der Agrarpolitiker Greulich, in: Rote Revue 21 (1941/42). S. 262-272, N 11
  • Akert, Ernst: Herman Greulich, in: Der Freidenker 19 (1936). S. 37 f., Z 63
  • Axelrod, Alexander: Das wirtschaftliche Ergebnis des Bolschewismus in Russland: Mit Geleitwort von Herman Greulich. Olten 1920, 2761
  • Behrens, Nicola: Hermann Greulich – ein deutscher Demokrat in Schweizer Sache, in: Einig – aber nicht einheitlich: 125 Jahre Sozialdemokratische Partei der Schweiz. Zürich 2013. S. 62-64, Gr 13189
  • Bericht des Schweizer. Arbeitersekretariates an das Schweizer. Industriedepartement über seine Beteiligung an der Schweizer. Landesausstellung. Zürich 1914, 331/165-10
  • Brändli, Sebastian: SP Kantonsratsfraktion: Gehst Du heute in die Fraktion?, in: Sozialdemokratische Partei des Kantons Zürich (Hg.): Flintenweiber & rote Hunde: SP-Geschichten von unten. Zürich 2002. S. 107-114, 109965
  • Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung: Mit einer historischen Einleitung von Hermann Greulich. Zürich 1912, Hf 4721
  • Bundeskomitee des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (Hg.): Ueber die Haftpflicht-Gesetzgebung und den Arbeits- oder Dienstvertrag nach schweizerischem Recht: Ausgearbeitet von Schweizerischen Arbeitersekretariat. Zürich 1896, 36856:1-15
  • Bürgi, Markus: Zürich: Stützpunkt der deutschen Sozialdemokratie während des Sozialistengesetzes, in: Niederhäuser, Peter und Anita Ulrich (Hg.): Fremd in Zürich – fremdes Zürich? Migration, Kultur und Identität im 19. und 20. Jahrhundert. Zürich 2005. S. 153-165, 113899
  • Bürgi, Markus: Herman Greulich, in: Historisches Lexikon der Schweiz, Bd. 5. Basel 2006. S. 684 f., Gr 10754:5
  • Cusinay, Daniel et al.: Deutsche Sozialdemokraten in der Schweiz nach dem Erlass des Sozialistengesetzes (1878–1890), in: Goehrke, Carsten und Werner G. Zimmermann (Hg.): «Zuflucht Schweiz»: Der Umgang mit Asylproblemen im 19. und 20. Jahrhundert. Zürich 1994. S. 121-172, 97808
  • Frei, Annette: Rote Patriarchen: Arbeiterbewegung und Frauenemanzipation in der Schweiz um 1900. Zürich 1987, 82976
  • Furtwängler, Franz Josef: Männer, die ich sah und kannte. Hamburg 1951, 20950
  • Gass, Stephan: Die Anfänge der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (1870–1890), in: Lang, Karl et al. (Hg.): Solidarität, Widerspruch, Bewegung: 100 Jahre Sozialdemokratische Partei der Schweiz. Zürich 1988. S. 91-112, 84808
  • Gautschi, Willi (Hg.): Dokumente zum Landesstreik 1918. Zürich 1971, 38424
  • Greulich, Herman: Das eidg. Fabrikgesetz, mit Erläuterungen. Zürich 1877, 331/8-7
  • Greulich, Herman: Die Nothlage der Landwirthschaft und die Mittel zur Besserung: Denkschrift auf Beschluss der Abgeordneten-Versammlung des zürch. kantonalen landwirthschaftl. Vereins vom 5. Dezember 1887. Zürich 1888, 36860:1-13
  • Greulich, Herman: Thesen betreffend die Rechte der Gewerkschaften = Thèses relatives aux droits des syndicats professionnels. Zürich 1890, 331/162-27
  • Greulich, Hermann [sic!]: Unfall-Statistik: Darstellung der Körperverletzungen und Tödtungen von Mitgliedern schweiz. Kranken- und Hilfskassen in den Geschäftsjahren 1886, 1887 und 1888: Erhoben und bearbeitet im Auftrage des Schweiz. Industrie- und Landwirthschafts-Departements vom Schweizerischen Arbeitersekretariat Zürich 1890, 36862:1-11
  • Greulich, Hermann [sic!]: Die Nothlage der Landwirthschaft: Begründung des Antrages auf Vorbereitung und Durchführung einer Enquete über die Lage der Landwirthschaft: Ausgeführt vor dem Zürcher Kantonsrathe am 17. März 1891. Zürich 1891, A 2142:1-21
  • Greulich, Herman (Hg.): Enquête über die Stellungnahme der Arbeiterschaft zur Bundesgesetzgebung betreffend Kranken- und Unfallversicherung: Fragen-Heft des Schweizerischen Arbeitersekretariats. o. O. 1891, 36861:1-13
  • [Greulich, Herman:] Lohnbewegungen und Streiks seit 1860, in: Achter Jahresbericht des leitenden Ausschusses des Schweizerischen Arbeiterbundes und des Schweizerischen Arbeitersekretariates für das Jahr 1894 nebst dem Protokoll der Sitzung des Bundesvorstandes: Lohnbewegungen und Streiks in der Schweiz seit dem Jahre 1860. Zürich 1895. S. 61-206, K 19
  • Greulich, Hermann [sic!]: Vor hundert Jahren und heute: Die Revolution des Bürgertums und der Befreiungskampf der arbeitenden Klasse: Vortrag gehalten an der Märzfeier 1895 in Berlin. Zürich 1895, 36457:1-7
  • Greulich, Hermann [sic!]: Die materialistische Geschichtsauffassung. Berlin 1897, 36860:1-13
  • Greulich, Herman: Bericht des Schweizerischen Arbeitersekretariats über die Anwendung des eidgenössischen Fabrikgesetzes. Zürich 1898, 331/8a-21
  • [Greulich, Herman et al.:] An die ständeräthliche Kommission zur Vorberathung der Kranken- und Unfallversicherung. Luzern 1898, 36861:1-13
  • Greulich, Herman: Die Arbeitskammer der Stadt Zürich vor dem Grossen Stadtrat von Zürich: Rede in der Sitzung vom 14. Januar 1899. Zürich 1899, Hf 5247:1-7
  • Greulich, Herman: Die Förderung des Gewerkschaftswesens: Referat vor der Schweiz: Arbeitertag 1899 in Luzern. Zürich 1899, 331/162-19
  • [Greulich, Herman:] Beleuchtung des Statutenentwurfes für den Allgemeinen Schweiz. Gewerkschaftsbund. Zürich 1899, 36863:1-31
  • Greulich, Herman et al.: Zur Frage der Neutralität der Gewerkschaften. Bern 1900, 331/162-24-2
  • Greulich, Hermann [sic!]: Arbeitslosen-Unterstützung und Arbeitsnachweis: Bericht an das Schweiz. Industrie-Department. Zürich 1901, 331/272-9
  • Greulich, Hermann [sic!]: La réorganisation de la Fédération suisse des syndicats professionnels: Explications et conseils. Genf 1902, 331/164-19
  • Greulich, Herman: Die Reorganisation des Gewerkschaftsbundes: Erörterungen und Ratschläge. Zürich 1902, 46127:1-5
  • Greulich, Hermann [sic!]: Wo wollen wir hin? Ein ernstes Mahnwort an alle Gewerkschafter der Schweiz. Bern 1903, 36851:1-11
  • [Greulich, Herman:] An das Schweizerische Industrie-Departement in Bern. Zürich 1904, 36864:1-24
  • Greulich, Hermann [sic!]: Proporz und Klassenkampf: Rede im zürcherischen Kantonsrat am 30. Oktober 1906. Zürich 1906, Hf 8529
  • Greulich, Hermann [sic!]: Für den Neunstundentag: Rede vor dem Grossen Stadtrate am 22. Juni 1907. o. O. u. J. [Zürich 1907], 331/92-6
  • Greulich, Herman: Liberalismus und Sozialdemokratie: Kritik einer «programmatischen» Rede. Zürich 1907, 32/87-21
  • Greulich, Herman: Heraus ans Licht!, in: Die Vorkämpferin 2/1 (1907). S. 2 f., MFB 19
  • Greulich, Hermann [sic!]: Das Herren-Referendum gegen das Versicherungsgesetz. Zürich 1911, Hf 5247:1-7
  • Greulich, Herman: Zum Maitag, in: Die Vorkämpferin 6/6 (1911). S. 2, MFB 19
  • Greulich, Hermann [sic!]: Vor hundert Jahren und heute: Die Revolution des Bürgertums und der Befreiungskampf der arbeitenden Klasse. 2. Aufl. Zürich 1912, R 797
  • Greulich, Herman: Der Staat vom sozialdemokratischen Standpunkte aus: Eine Auseinandersetzung mit den Anarchisten. 2. Aufl. Zürich 1912, 36441:1-9
  • Greulich, Herman: Geh’ deine Bahn!, in: Die Vorkämpferin 7/4 (1912). S. 2f., MFB 19
  • Greulich, Herman: Maienbotschaft an alle Arbeiterinnen!, in: Die Vorkämpferin 8/5 (1913). S. 8, MFB 19
  • Greulich, Herman: Eine Erinnerung aus jungen Jahren, in: Die Vorkämpferin 9/5 (1914). S. 8, MFB 19
  • Greulich, Hermann [sic!]: Zum Fabrikgesetz: Rede Greulichs im Nationalrat am 30. September 1913: Agitationsbroschüre. Zürich 1914, 331/8a-14
  • [Greulich, Herman:] Arbeiter! Arbeiterinnen! Helft euch selbst! So hilft euch Gott! Zürich 1917, 32/105a-8
  • Greulich, Herman: Gibt es einen vernünftigen Grund?, in: Die Vorkämpferin 12/3 (1917). S. 6, MFB 19
  • Greulich, Herman: Für das Frauenstimmrecht, in: Die Vorkämpferin 12/11 (1917). S. 2 f., MFB 19
  • Greulich, Herman: Karl Fourier – ein Vielverkannter: Versuch einer Darlegung seines Ideenganges im Lichte des modernen Sozialismus. 2., durchgesehene Aufl. Zürich 1919, 6418
  • Greulich, Herman: Der Weg zum Sozialismus: Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Neokommunisten über körperliche und sittliche Gewalt. Olten 1921, 36441:1-9
  • Greulich, Herman: Ein Kampf um die Menschwerdung: Gegen die Verlängerung der Arbeitszeit (Art. 41. des Fabrikgesetzes). Aarau 1922, 331/95-10
  • Greulich, Herman: Wie wird Sozialpolitik wirksam?, in: Gewerkschaftliche Rundschau 17 (1925). S. 117 f., MFB 19
  • Greulich, Herman: Das grüne Hüsli: Erinnerungen. Hg. Gertrud Medici-Greulich. Zürich 1942, 12301
  • Greulich, H.[erman]: Zum Nachdenken: Ein Wort an die Schweiz. Arbeiterschaft. St. Gallen o. J., 36441:1-9
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  • Grimm, Robert: Geschichte der sozialistischen Ideen in der Schweiz. Zürich 1931, 4034
  • Gruner, Erich: Die Arbeiter in der Schweiz im 19. Jahrhundert: Soziale Lage, Organisation, Verhältnis zu Arbeitgeber und Staat. Bern 1968, 39064
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  • Heeb, Friedrich (Hg.): Aus der Geschichte der Zürcher Arbeiterbewegung: Denkschrift zum 50jährigen Jubiläum des «Volksrecht», 1898–1948. Zürich 1948, 15830
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  • Jost, Hans-Ulrich: Von Zahlen, Politik und Macht: Geschichte der schweizerischen Statistik. Zürich 2016, 133445
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  • Schneeberger, Oskar: Herman Greulich: Zu seinem 80. Geburtstag am 9. April 1922, in: Gewerkschaftliche Rundschau 14 (1922). S. 33 f., MFB 31
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  • Sozialdemokratische Partei des Kantons Zürich (Hg.): Herman Greulich: Gedenkschrift anlässlich des Hinschiedes des Vorkämpfers der schweizerischen Arbeiterschaft. Zürich 1925, Hf 4844
  • Spillmann-Jenny, Brigitte: Robert Seidel 1850–1933: Aufstieg aus dem Proletariat. Zürich 1980, 68564
  • Stocker, Werner: Das erste Programm der SPS, in: Rote Revue 24 (1944-45). S. 233-238, N 11
  • Tanner, Jakob: Der Tatsachenblick auf die «reale Wirklichkeit»: Zur Entwicklung der Sozial- und Konsumstatistik in der Schweiz, in: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte 45 (1995). S. 94-108, D 4212
  • Traber, Alfred: Vom Werden der zürcherischen Arbeiterbewegung: Jubiläumsschrift der Sozialdemokratischen Partei Zürich 4. Zürich 1957, 23569
  • Unverzagt, Heiri [= Greulich, Herman]: Schweizer Arbeiter, wie stellst Du Dich? Schreibebriefe des Heiri Unverzagt von Petrolikon an seinen Freund Chueri Niedermueth in Elendingen. Zürich 1908, Hf 4356
  • Der VPOD im Spiegel des Zeitgeschehens: 1905–1955: Jubiläumsausgabe in 3 Bänden zum 50jährigen Bestehen des Verbandes des Personals öffentlicher Dienste. Zürich 1955, Gr 893
  • Walter-Busch, Emil: Faktor Mensch: Formen angewandter Sozialforschung der Wirtschaft in Europa und den USA, 1890–1950. Konstanz 2006, 116823
  • Wartenweiler, Fritz: Auch der Arbeiter will Mensch werden: Herman Greulich kämpft ein Leben lang dafür, 1842–1925. Olten 1955, 46188
  • Weber, Emil: Pioniere der Freiheit: Hundert Lebensbilder bedeutsamer Vorkämpfer für Freiheit, Recht und Kultur. Bern 1943, 12912
  • Weber, Rolf (Hg.): Rosen unter Alpenschnee: Deutsche Emigranten in der Schweiz 1820–1885. Berlin 1983, 76071
  • Weckerle, Eduard: Herman Greulich: Ein Sohn des Volkes. Zürich 1947, 37462
  • Zum Hinschied Herman Greulichs: 7 Zeitungsartikel. Zürich 1925, 44116:1-15
  • † Herman Greulich, in: Gewerkschaftliche Rundschau 17 (1925). S. 145 f., MFB 31

Periodika

  • Jahres-Bericht des Schweiz. Arbeitersekretariates, K 19
  • Die Tagwacht: Organ der Sozialdemokratischen Partei in der Schweiz und des Schweizerischen Arbeiterbundes, MFB 3

16. Dezember 2025Christian Koller zurück