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Planetenverkäufer mit Papagei zum Ziehen der Glückszettel, Wien, um 1910 (Emil Mayer; Wikipedia, gemeinfrei)
Planetenverkäufer mit Papagei zum Ziehen der Glückszettel, Wien, um 1910 (Emil Mayer; Wikipedia, gemeinfrei)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Rudi Palla: Die Welt der verschwundenen Berufe. Von Briefmalern, Planetenverkäufern und Lichtputzern. Berlin, 2018

Früher gab es Berufe mit poetisch klingenden Bezeichnungen wie Federschmücker, Lustfeuerwerker oder eben – wie im Titel des Buches erwähnt – Planetenverkäufer. Tätigkeiten, die vor hundert Jahren noch geläufig waren, sind in Vergessenheit geraten und auch das kollektive Wissen darüber.
Das Buch von Rudi Palla, das all dies wieder in Erinnerung bringt, erschien erstmals 1994. Nun wurde es in gekürzter Wörterbuch-Form als Taschenbuch erneut veröffentlicht. So erfährt man, dass Planetenverkäufer mitnichten Material aus dem All verkauften, sondern Glücksbriefchen.

 

Gertrud Schmid-Weiss: Schweizer Kriegsnothilfe im Ersten Weltkrieg – Eine Mikrogeschichte des materiellen Überlebens mit besonderer Sicht auf Stadt und Kanton Zürich. Wien, 2019

Während des Ersten Weltkriegs verunmöglichten Mobilmachung einerseits und Entlassungen infolge stockender Wirtschaftsabläufe andererseits regelmässige Einkommen in der Schweiz. Besonders betroffen waren die ohnehin am Rand des Existenzminimums lebenden Arbeiterfamilien. Weil Sozialversicherungen noch weitgehend fehlten, stellte sich bald die Frage des materiellen Überlebens.
Die Dissertation von Gertrud Schmid-Weiss befasst sich mit der Kriegsnothilfe in der Schweiz, wobei der Fokus auf den Verhältnissen in Stadt und Kanton Zürich liegt. Verschiedene Nothilfemassnahmen wie Arbeitsbeschaffung, Verbilligung des Grundbedarfs oder Mietzinsbeihilfe werden anhand von Ego-Dokumenten und Behördenkorrespondenz untersucht.
Entgegen der gängigen Auffassung, dass Soldatenfamilien am meisten gelitten hätten, offenbaren die Quellen, dass alleinstehende Frauen und Mütter oder nichtdienstpflichtige Männer und deren Angehörige der Not in verstärktem Masse ausgeliefert waren, weil sie keinen Anspruch auf Militärunterstützung hatten.

Für die Arbeit benutzte Quellen im Sozialarchiv:

  • Archiv: Ar 201.79.4 Zürcher Papierfabrik an der Sihl: Arbeiterverzeichnis 1912-1917
  • Sachdokumentation: Dossier 65.4 Kriegsnothilfe

 

Maria Schubert: «We Shall Overcome». Die DDR und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Paderborn, 2018

1973 sangen an den X. Weltfestspielen der Jugend und Studenten, einem sozialistischen Jugendfestival in Ostberlin, Tausende Jugendliche die Hymne «We shall overcome» der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Das Lied hatte Joan Baez zehn Jahre zuvor in Washington gesungen, als Martin Luther King seine berühmte Rede «I have a dream!» hielt.
Amerikanische Bürgerrechtler/innen begriffen ihren Kampf seit jeher als einen globalen und trugen diesen auch nach Europa, insbesondere in die DDR. Während die SED dort Solidarität mit der afroamerikanischen Bevölkerung verkündete, ermutigten Martin Luther Kings Ideen aber auch so manchen zum Widerstand gegen die SED-Diktatur selbst.
Maria Schubert untersucht in ihrer Dissertation anhand der DDR-Besuche von Paul Robeson, Martin Luther King und Angela Davis den Einfluss der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Neben der offiziellen SED-Politik gegenüber dem sogenannten «anderen Amerika» stehen die eigenwilligen Umdeutungen des Bildes bei der Bevölkerung im Mittelpunkt.