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Auch im Bildarchiv des Sozialarchivs sind Graffiti aus den 1970er/80er Jahren zu finden, beispielsweise diese bekannte Sprayerei, die auch im besprochenen Buch abgebildet ist: «Züri brännt», Predigerkirche/Staatsarchiv am Predigerplatz, Dezember 1980 (SozArch F 5111-031-006).
Auch im Bildarchiv des Sozialarchivs sind Graffiti aus den 1970er/80er Jahren zu finden, beispielsweise diese bekannte Sprayerei, die auch im besprochenen Buch abgebildet ist: «Züri brännt», Predigerkirche/Staatsarchiv am Predigerplatz, Dezember 1980 (SozArch F 5111-031-006).

Buchempfehlungen der Bibliothek

Philipp Anz, Jules Spinatsch, Viola Zimmermann (Hrsg.): Schmieren/Kleben. Bilder: Stadtarchiv Zürich. Zürich, 2018

1976 begann das Kriminalkommissariat III, die Staatsschutz-Abteilung der Stadtpolizei Zürich, eine Kartei «Schmieren/Kleben» anzulegen. Darin wurden politische Parolen, Farbmalereien oder illegale Kunstaktionen, unter anderem von Harald Naegeli, erfasst, die alle den Tatbestand der Sachbeschädigung erfüllten. In der Kartei finden sich gegen 2’000 Schwarzweiss-Fotos aus den Jahren 1976 bis 1981 und die dazugehörigen Karten; weitergeführt wurde sie noch bis 1989, als das Kriminalkommissariat III im Zuge der Fichenaffäre aufgelöst wurde.
700 dieser Fotos und sämtliche Karteikarten mit den fein säuberlich dokumentierten «Sprayereien» sind im Buch abgebildet. Ein Glossar erklärt die Zusammenhänge von Parolen, Symbolen und Personen. In zwei Textbeiträgen setzen die Herausgeber die Fotografien in den Kontext der damaligen Zeit; das Vorwort stammt von Stadtrat Richard Wolff.

Silvano Longhi: Exil und Identität – Die italienischen Juden in der Schweiz (1943–1945). Berlin, 2017

Der Historiker Silvano Longhi beschäftigt sich in seiner Dissertation mit den italienischen jüdischen Flüchtlingen, die ab dem Jahr 1943 – nach Bekanntgabe des Waffenstillstandes zwischen Italien und den Alliierten im September und der darauffolgenden Besetzung des Landes – vor den Deutschen flüchten mussten. Auswanderungen hatte es zwar schon vorher gegeben, jedoch nicht viele davon in die Schweiz. Nun versuchten Tausende – Juden, politische Flüchtlinge, Soldaten – in die Schweiz zu gelangen.
Das Buch beleuchtet die zahlreichen Abweisungen, die an den Schweizer Grenzen stattfanden, die schwierige Situation in den Flüchtlingslagern, aber auch das aktive Leben der Flüchtlinge, die sich oft intensiv mit den politischen Verhältnissen beschäftigten, sich kulturell betätigten oder die Juden unterstützten, die im von Deutschland besetzten Italien verblieben.
Seine Recherchen tätigte der Autor u.a. auch im Sozialarchiv, wo er die Korrespondenz der Sektion Lugano des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks (SAH) untersuchte, das sich für die Flüchtlinge einsetzte (Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH, Sektion Lugano: SozArch Ar 20.704).

Umberto Eco: Pape Satàn. Chroniken einer flüssigen Gesellschaft oder Die Kunst, die Welt zu verstehen. München, 2017

Der im Februar 2016 verstorbene Schriftsteller, Semiotiker, Philosoph und Medienwissenschaftler Umberto Eco hat ab 1985 in der römischen Wochenzeitschrift «L’Espresso» eine Kolumne verfasst – «Streichholzbriefe», wie er selber sie nannte, da er die Ideen dafür jeweils auf einem Streichholzheftchen festhielt. Eine Auswahl derselben ist nun posthum unter dem Titel «Pape Satàn» (ein Zitat aus Dantes «Göttlicher Komödie») erschienen.
Eco denkt darin beispielsweise über ein verschlucktes Handy nach und vergleicht dieses mit der Strafpraxis der Mafia, die einem (notabene ermordeten) Verräter einen Stein in den Mund legt. Oder er widmet sich in einem anderen Beitrag den Verschwörungstheorien nach 9/11 und vertritt die Meinung – da er an das Prinzip des Zufalls glaubt –, «dass meinesgleichen zu dumm ist, auch nur eine einzige [Verschwörung] tatsächlich zustande zu bringen».

15. Juli 2018Susanne Brügger zurück