Wegen der Corona-Situation gelten zurzeit besondere Benutzungsbestimmungen: Der Ausleihschalter ist für die Abholung von Medien für die Heimausleihe geöffnet (Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9:00 bis 19:30, Sa 11:00 bis 16:00). Bitte bestellen Sie vorgängig online von zu Hause aus. Für die Benutzung von nicht für die Heimausleihe freigegebenen Medien reservieren Sie bitte telefonisch einen Lesesaalplatz. Bitte beachten Sie auch den obersten Beitrag unter AKTUELL. Wir danken für Ihr Verständnis. Schweizerisches Sozialarchiv, Direktion
de | en | fr

Buchempfehlungen der Bibliothek

Kurt Seifert: Eine Jahrhundertgeschichte – Pro Senectute und die Schweiz, 1917–2017. Baden, 2017

Postkarte von Pro Senectute, 1934 (F Ka-0001-080)

Als der Erste Weltkrieg 1917 seinem Ende zuging, betrug die durchschnittliche Lebenserwartung der Schweizer Frauen 57, diejenige der Männer 54 Jahre. Es existierten weder soziale Auffangeinrichtungen noch eine Altersvorsorge, und für die grosse Mehrheit der Bevölkerung war Arbeit „bis ins Grab“ die Regel. Es war denn auch die oftmals grosse materielle Not alter Menschen, die vor 100 Jahren zur Gründung der Stiftung „Für das Alter“ – der heutigen „Pro Senectute“ – führte.

Der Sozialwissenschaftler Kurt Seifert erzählt auf leicht lesbare Weise die Jahrhundertgeschichte der Entwicklung der schweizerischen sozialen Institutionen und führt uns vom Landesstreik über die AHV bis in die heutige Zeit, in der die Sicherung der Altersvorsorge im Zentrum steht und Pro Senectute sich für ein aktives, erfülltes Alter engagiert. Das Buch, in welchem auch zahlreiche Bilder aus den Beständen des Sozialarchivs abgedruckt sind, zeigt auf, wie dramatisch sich das Thema Altern in den letzten 100 Jahren gewandelt hat und welch grosse Rolle die Entwicklung tragfähiger sozialer Netze dabei spielte.

Material zum Thema im Sozialarchiv (Auswahl):

  • Ar 521 Archiv Pro Senectute Kanton Zürich
  • Ar 504 Pro Senectute Schweiz, Stiftungsarchiv
  • F 9045 und F 9046 Film- und Video-Beiträge von Pro Senectute
  • 132436 Matthias Ruoss: Fürsprecherin des Alters: Geschichte der Stiftung Pro Senectute im entstehenden Schweizer Sozialstaat (1917–1967), 2015

> Digitale Auswahl an Archivperlen aus dem Stiftungsarchiv auf der Website von Pro Senectute

 

Catherine Merridale: Lenins Zug. Die Reise in die Revolution. Frankfurt am Main, 2017

In „Lenins Zug. Die Reise in die Revolution“ erzählt die britische Historikerin Catherine Merridale die Geschichte der berühmten achttägigen Zugfahrt Lenins im April 1917 von Zürich nach Sankt Petersburg, dem damaligen Petrograd.

Durch die unerwartete Kooperation der deutschen Obersten Heeresleitung ergab sich für den im Schweizer Exil lebenden Lenin 1917 die Möglichkeit, durch Deutschland nach Russland zu fahren. Anhand der Auswertung damaliger Fahrpläne, Agentendepeschen und Bankanweisungen liefert Merridale eine akribische Rekonstruktion dieser Reise; sie fuhr die Strecke auch selbst ab. Obwohl das Buch keine grundsätzlich neuen Fakten beinhaltet, bietet es dennoch eine spannende und unterhaltsame Lektüre.

„Reise Lenins durch Deutschland im plombierten Wagen“, 1924

Material zum Thema im Sozialarchiv (Auswahl):

  • 79140 Fritz Platten: Die Reise Lenins durch Deutschland im plombierten Wagen, 1924
  • 96335 Peter Huber: Stalins Schatten in die Schweiz, 1994
  • Christian Koller: Vor 100 Jahren: Lenin im Sozialarchiv (SozialarchivInfo 1/2016)

> Die Zugfahrt Lenins von Zürich bis Schaffhausen wurde anlässlich des Jubiläums am 9. April 2017 mit einem Basler Theaterensemble in Zusammenarbeit mit den Universitäten Bern, Basel und Zürich nachgespielt. Informationen dazu finden Sie auf der Plattform www.revolution-1917.ch/.

 

Karl Lüönd: Der Unerbittliche – Karl Schweri (1917–2001), Kämpfer für faire Preise. Zürich, 2017

Zum 100. Geburtstag von Karl Schweri am 31. März 2017 ist die Biografie des Denner-Gründers erschienen. Denner hat für das Buch erstmals seine Archive geöffnet – und viel Überraschendes freigegeben.

Kundinnen greifen bei Denner (Super-Discount Lindenplatz) beim preisgünstigen Bierangebot zu, 1967 (Quelle: e-pics, ETH-Bildarchiv online)

Karl Schweri konnte hart sein, schroff und streitbar. Jahrzehntelang war er als Störenfried in der kartellfreundlichen schweizerischen Wirtschaft unterwegs. So kritisierte er etwa das Bierkartell, das ihn boykottierte, da er die Ware billiger verkaufen wollte, als die Lieferanten es vorschrieben. Später legte er sich mit der Tabakindustrie an.

Mit dem Handel mit Perlonfasern und Kugelschreibern machte er kurz nach dem Krieg sein erstes Vermögen. Dann führte er bankenunabhängige Immobilienfonds ein und hatte die Idee für das erste Shoppingcenter der Schweiz in Spreitenbach. Da die Grossbanken ihn aus dem Geschäft drängten, scheiterte der Plan jedoch. Als 1967 die Preisbindung für Markenartikel aufgehoben wurde, erweiterte er seine Kette von vorwiegend aus Familienbetrieben hervorgegangenen Läden in kurzer Zeit zu einer grossen Anzahl von Denner-Supermärkten, in denen er Waren zu einem bis zu 40 Prozent günstigeren Preis als die Konkurrenz anbot.

Material zum Thema  im Sozialarchiv (Auswahl):

  • ZA 59.1 *4 Discountläden: Denner (Zeitungsausschnitte 1957-2006)
  • QS 95.3 Warenhäuser, Discountläden, Ladenketten (Broschüren/Flugschriften 1960-)
  • Gr 1621 Promarca (Hrsg.): Der Verzicht auf die festen Endverkaufspreise beim Markenartikel im Spiegel der Presse, 1967
15. Mai 2017Susanne Brügger zurück