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Zwangserziehungsanstalt Aarburg (oberhalb der Stadtkirche), ca. 1910 (SozArch F 7000 Fe-0002-33)
Zwangserziehungsanstalt Aarburg (oberhalb der Stadtkirche), ca. 1910 (SozArch F 7000 Fe-0002-33)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Kevin Heiniger: Krisen, Kritik und Sexualnot – die „Nacherziehung“ männlicher Jugendlicher in der Anstalt Aarburg (1893-1981). Zürich, 2016

In der 1893 auf der Festung Aarburg gegründeten Zwangserziehungsanstalt sollten jugendliche Straftäter vor der gemeinsamen Inhaftierung mit Erwachsenen und damit vor negativen Einflüssen bewahrt werden. Der Anteil administrativer Versorgungen betrug allerdings von Beginn an rund die Hälfte aller Einweisungen, womit die Anstaltsgeschichte von Aarburg nach Kevin Heiniger auch die „Fortsetzung von Verdingkinder- und Fremdplatzierten-Schicksalen“ darstellt.
Kompetenzkonflikte kurz nach der Eröffnung der Anstalt, Misshandlungsvorwürfe und die Suizide zweier Jugendlicher in den Jahren um den Ersten Weltkrieg, die medienwirksame Anstaltskritik von 1936 und schliesslich die Heimkampagne um 1970 sind die Sondierungspunkte dieses auf der Dissertation des Autors beruhenden Buchs. Im Zentrum der Untersuchung stehen neben der Institutionsgeschichte, die dank eines nahezu lückenlosen Aktenbestandes genauestens dokumentiert werden konnte, die Lebenswelt und die zwischenmenschlichen Beziehungen der Jugendlichen, die anhand der überlieferten Personendossiers nachgezeichnet werden. Insbesondere werden die sexuelle Unterdrückung und deren Folgen für die Jugendlichen aufgezeigt. Im Quellenanhang ist zudem das eindrückliche Tagebuch des Jugendlichen Oskar M. angefügt, der die Jahre 1942 bis 1945 in der Erziehungsanstalt verbrachte.

Für die Arbeit benutzte Archivquellen aus dem Sozialarchiv:

  • Ar 135.45.1 Strafanstalt Aarburg, 1936
  • Ar 201.89.5 Heimkampagne

Thomas Brückner: Hilfe schenken – Die Beziehung zwischen dem IKRK und der Schweiz 1919-1939. Zürich, 2017

Seit seiner Gründung ist das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit der Schweiz verbunden. Das neue, aus der Dissertation des Historikers Thomas Brückner entstandene Buch widmet sich den verschiedenen Dimensionen dieser Beziehung in den Jahren zwischen 1919 und 1939.
Der Autor geht das bisher noch wenig erforschte Thema unter dem Blickwinkel des Schenkens an, da die „Konzentration auf beziehungsstiftende Abhängigkeiten durch den Tausch“ einen wesentlichen Aspekt der Beziehung zwischen der Schweiz und dem IKRK darstellt. Er untersucht die humanitären Einsätze, die vor dem Zweiten Weltkrieg von der Schweiz und dem IKRK ausgingen und widmet sich dann den konstanten Tauschbeziehungen zwischen den Institutionen, welche beide fest aneinander band.

Für die Arbeit benutzte Quellen aus der Sachdokumentation des Sozialarchivs:

  • Dossier 49.5 Rotes Kreuz
  • KS 362/49 Internationale Hilfsaktionen

Philippe Bender und Patrick Bondallaz, in Zusammenarbeit mit Roland Böhlen: 150 Jahre für mehr Menschlichkeit – das Schweizerische Rote Kreuz 1866-2016. Bern,  2016

Um das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) geht es in der Festschrift zum letztjährigen 150-Jahre-Jubiläum. Das SRK wurde drei Jahre nach dem Internationalen Roten Kreuz 1866 in Bern von General Henri Dufour, Bundesrat Jakob Dubs und weiteren Persönlichkeiten gegründet. Die Publikation zeichnet die Entwicklung der humanitären Organisation von ihrem Ursprung im 19. Jahrhundert bis zum heutigen Tag nach. Die Historiker und SRK-Mitarbeiter Philippe Bender und Patrick Bondallaz fassen die wichtigsten Ereignisse in einem übersichtlich gestalteten und reich illustrierten Buch zusammen.

> Die digitale Umsetzung findet man auf geschichte.redcross.ch, wo neben weiterem Bild- auch Videomaterial zu finden ist.

Material zum Thema im Sozialarchiv:

  • Dossier 49.5 Rotes Kreuz
  • Ar 201.28 Griechenlandhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes
  • Ar 20 Schweizerisches Arbeiterhilfswerk SAH

Helmut Altrichter:  Russland 1917 – ein Land auf der Suche nach sich selbst. Paderborn, 2017

Russland 1917: Das ist ein Staat im Krieg, eine Gesellschaft in der Krise. Der Zar wird gestürzt, der Sturm der Revolution fegt über das Reich. Doch wie es mit Russland weitergehen soll, bleibt heftig umstritten.
In der aktualisierten Ausgabe des Klassikers zur Geschichte des Revolutionsjahres entwirft der Autor das Panorama eines entscheidenden Jahres in der russischen Geschichte und führt in ein Land auf der Suche nach sich selbst. Einig ist es sich nur in dem, was es nicht will: in der Ablehnung der zarischen Autokratie. Über die Zukunft Russlands ist sich die polarisierte Gesellschaft hingegen uneins. An den Rändern des Vielvölkerreichs kommt es zu Unabhängigkeitsbestrebungen.
Helmut Altrichter hat seine Darstellung der Situation und der Kräfte und Kämpfe von 1917 anlässlich des 100. Jahrestages der Russischen Revolution um eine Rückschau auf Zeit, Ereignis und Mythos vom heutigen Standpunkt aus ergänzt.

Kleine Auswahl weiterer Bücher zum Thema im Sozialarchiv:

  • 135309 Moshe Lewin: The Soviet Century. London, 2016
  • 135290 Mark D. Steinberg: The Russian Revolution 1905-1921. Oxford, 2017
  • 135343 Andy Willimott: Living the Revolution: Urban Communes & Sowiet Socialism, 1917-1932. Oxford, 2017

> Vom 24.2. bis 25.6.2017 findet im Schweizerischen Nationalmuseum die Ausstellung „1917 Revolution – Russland und die Schweiz“ statt.

1. März 2017Susanne Brügger zurück