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Max Tobler hält am Denkmal des in der Schweiz ermordeten Genossen Worowksy in Moskau ein Referat (Sozarch_F_Ka-0002-151)
Max Tobler hält am Denkmal des in der Schweiz ermordeten Genossen Worowksy in Moskau ein Referat (Sozarch_F_Ka-0002-151)

Buchempfehlungen der Bibliothek

Max Tobler: "Die Welt riss mich" – Aus der Jugend eines feinsinnigen Rebellen (1876-1929). Hrsg. von Christian Hadorn. Zürich, 2015

Max Tobler, der in Vergessenheit geratene Freund des Arbeiterarztes Fritz Brupbacher, war einst eine populäre linke Integrationsfigur. Mitte der 1920er Jahre schrieb er mit der hier erstmals publizierten Autobiografie die wohl vielschichtigste Darstellung der abstinenten Jugendbewegung der Jahrhundertwende und ein unkonventionelles Bild seiner Zeit.
Der Sohn einer St. Galler Kaufmannsfamilie erzählt, wie seine Ablösung vom strengen Vater in der abstinenten Jugendbewegung in eine Rebellion gegen die "Gesellschaft der Väter" umschlug. Die 1890 am dortigen Gymnasium gegründete Bewegung breitete sich rasch aus. An den Universitäten grenzten sich ihre Anhänger – Tobler als angehender Zoologe – von den Verbindungsstudenten ab und bekannten sich zusammen mit StudentInnen aus Osteuropa zum Kampf für eine freiere und gerechtere Gesellschaft. Der Text blieb unvollendet – der Herausgeber Christian Hadorn hat mit Quellen, die im Sozialarchiv archiviert sind, die Lücken ergänzt. Tobler spielte im sozialen Aufbruch und in den Streiks der 1900er Jahre unter anderem als Journalist eine wichtige Rolle, trat als Arzt und Ehemann der Ärztin Minna Christinger im Weltkrieg als konsequenter Kriegsgegner und in den 1920er Jahren als ungewöhnlicher Denker hervor.

> Nachlass von Max und Minna Tobler-Christinger

Wolfgang Krieger: Geschichte der Geheimdienste – von den Pharaonen bis zur NSA. München, 2014.

Wolfgang Krieger erzählt faktenreich die spannende Geschichte der Geheimdienste von den frühen Hochkulturen bis in unsere Tage. Doch er begnügt sich nicht mit der historischen Darstellung der Nachrichtendienste, ohne die keine Macht der Welt jemals auszukommen glaubte; und er bleibt auch nicht bei den berühmten Spionagefällen stehen. Vielmehr fragt er grundsätzlich nach der Bedeutung der Geheimdienste und ihrer Existenzberechtigung, die zwar immer wieder angezweifelt wird, ohne die sich aber keine Gesellschaft aktueller Bedrohungen erwehren und völlig neuartiger Gefahrenlagen Herr werden könnte.

Michèle Minelli und Anne Bürgisser: Kleine Freiheit – Jenische in der Schweiz. Baden, 2015.

Die Schweiz tut sich noch immer schwer mit den Jenischen. Auf der Kleinen Allmend in Bern werden sie von der Polizei in Kastenwagen abgeführt. Im Wallis tüftelt die Politik an einem "Zigeuner-Konzept". Und im aargauischen Freiamt sagt ein Transparent unverhohlen, was viele denken: "Fahrende sollen weiterfahren." Zwischen Jenischen, Roma und Sinti unterschieden wird dabei kaum.
Die Autorin Michèle Minelli und die Fotografin Anne Bürgisser haben Schweizer Jenische über zwei Jahre auf Durchgangsplätzen besucht und auf Veranstaltungen begleitet. Ihre Reportagen, Porträts und Bilder führen an aktuelle Brennpunkte heran, hinterfragen Klischees und dokumentieren den jenischen Alltag. Sie zeigen, wie Jenische den Spagat zwischen Anpassung und Freiheit schaffen und wo Verständigung zwischen der Welt der Sesshaften und der Welt der Fahrenden möglich ist.

28. August 2015Susanne Brügger zurück